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Da packt die Andern kalter Graus,
Sie fliehen in alle Welt hinaus,
Und Jedem ist's, als würd' ihm mitten
Durch Kopf und Leib hindurchgeschnitten.
Drauf kam des Wegs 'ne Christenschaar,
Die auch zurückgeblieben war,

Die sahen nun mit gutem Bedacht,
Was Arbeit unser Held gemacht.

Von denen hat's der Kaiser vernommen,
Der ließ den Schwaben vor sich kommen,
Er sprach:,,Sag' an, mein Ritter werth!
Wer hat dich solche Streich' gelehrt?"
Der Held bedacht' sich nicht zu lang:

"

Die Streiche sind bei uns im Schwang, Sie sind bekannt im ganzen Reiche,

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Und wird einst wiederkommen

Mit ihr, zu seiner Zeit.

Der Stuhl ist elfenbeinern,
Darauf der Kaiser sigt;
Der Tisch ist marmelsteinern,
Worauf sein Haupt er stüßt.

Sein Bart ist nicht von Flachse,

Er ist von Feuersglut,

Ist durch den Tisch gewachsen,
Worauf sein Kinn ausruht.

Er nicht als wie im Traume,
Sein Aug' halb offen zwinkt;
Und je nach langem Raume
Er einem Knaben winkt.

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Er trieb sich allerwegen
Gebirg und Wald entlang,
Kein Sturm und auch kein Regen
Verleidet ihm den Gang.

Er trug ein Wams von Leder
Und einen Jägerhut
Mit mancher wilden Feder;
Das steht den Jägern gut.
Es hing ihm an der Seiten
Ein Trinkgefäß von Buchs;
Gewaltig konnt er schreiten,
Und war von hohem Wuchs.

Wohl hatt' er Knecht und Mannen
Und hatt' ein tüchtig Roß,

Ging doch zu Fuß von dannen,
und ließ daheim den Troß.
Es war sein ganz Geleite
Ein Jagdspieß, stark und lang,
An dem er über breite
Waldströme kühn sich schwang.
Nun hielt auf Hohenstaufen
Der deutsche Kaiser Haus.
Der zog mit hellen Haufen
Einstmals zu jagen aus.
Er rannt' auf eine Hinde
So heiß und hastig vor,
Daß ihn sein Jagdgesinde
Im wilden Forst verlor.

Bei einer fühlen Quelle

Da macht' er endlich Halt;

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Der Schenk von Limburg.
Gezieret war die Stelle
Mit Blumen mannigfalt.
Hier dacht' er sich zu legen
Zu einem Mittagsschlaf,
Da rauscht es in den Hägen,
Und stand vor ihm der Graf.

Da hub er an zu schelten:
„Treff' ich den Nachbar hie?
Zu Hause weilt er selten,
Zu Hofe kömmt er nie:

Man muß im Walde streifen,
Wenn man ihn fahen will,

Man muß ihn tapfer greifen,
Sonst hält er nirgend still."

Als drauf ohn' alle Fährde

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Der Graf hat sich erhoben,
Er schwenkt den Becher klar,
Er füllt ihn an bis oben,
Hält ihn dem Kaiser dar.
Der schlürft mit vollen Zügen
Den kühlen Trank hinein,
Und zeigt ein solch Vergnügen,
Als wär's der beste Wein.

Dann faßt der schlaue Zecher
Den Grafen bei der Hand:

Du schwenktest mir den Becher

Und fülltest ihn zum Rand;
Du hieltest mir zum Munde
Das labende Getränk:

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