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Die Schlacht vor Metz.

(14., 16. und 18. August 1870)

Das war eine. Schlacht!

Drei Tage lang

Vom Morgen bis zur sinkenden Nacht
Der männermordende Donner kracht'
Und des Todes mähende Sichel klang.
Das war eine Schlacht!
Zwischen Kampf und Kampf

Hat der Tod je einen Rasttag gemacht,
Umnebelt vom schwebenden Pulverdampf,
Satt und überfatt

Des Blutes, das er zu gierig trank,
Vom blutigen Mähen so müd' und matt,

Daß dem knöchernen Arm die Sichel entsank.
Das war eine Schlacht!

Und als des dritten Tages Gestirn

Zur Rüste ging und von der Berge Firn'
Ihren Schattenschleier senkte die Nacht,
Da lagen, Freund und Feind,

An die Dreißigtausend vereint,
Im stummen Tode friedlich gesellt —
Ein unabsehbar Leichenfeld.
Und auf das klaffende Völkergrab
Lächelt der Mond vom Sternenzelt
Schweigend des Todes Frieden herab.
Das war eine Schlacht!
Die ihr, das Vaterland

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Zu schüßen vor Gewaltthat und Schand',
Euch selber zum blutigen Opfer gebracht -
Ihr treuen Todten, du und du,
Die im Gefecht

Mit dem Leben besiegelt Deutschlands Recht,
Niedergemäht von des Todes Maht,
Ausgesät als des Friedens Saat,

Fahrt wohl, zur ewigen Ruh'!

Das war eine Schlacht!

Des Feindes Plan, so keck erdacht,
Zu Schanden gemacht,

Zerrissen, zerschlissen wie sein Heer!
Er selbst, nach knirschender Gegenwehr
Zurückgeworfen in die Feste Meß!
Dort fest umsponnen mit ehernem Nez,
Mit eiserner Klammer regungslos
An den Fels geschmiedet bewegungslos,
Aller Hülf' und alles Entrinnens baar,
Aufbäumend in ohnmächtigem Schmerz ·
Und der deutsche Aar

Stückweis ihm zerhackend das zuckende Herz!

Das war eine Schlacht!

Westwärts in wehender Fahnen Pracht,
Mit klingendem Spiele dran und drauf,
In nimmer aufgehaltenem Lauf

Weit, weit übern Rhein

Nach Frankreich hinein.

Deutschlands Banner tragend, sein Recht und Ehr',

Im Sturmmarschtritt,

Im Siegesschritt,

Wälzt gen Paris sich das deutsche Heer.

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Dohm.

Kaiser von Deutschland! Dich grüßt mein Lied.

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Kaiser von Deutschland! Dich grüsst mein Lied.

(18. Januar 1871)

Kaiser von Deutschland! Dich grüßt mein Lied

Mit Orgelschall und Glockenklange,

Und Alles, was in Lüften zieht,

Stimmt brausend ein zu dem Gesange!
Von unsern Bergen donnert's nieder,
Mit unsern Wogen rauscht's empor,
Von Strand zu Strande hallt es wieder,
Von Fels zu Fels ein Jubelchor.

Der alte Rothbart ist erwacht

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Und schwingt sein Schwert vom Bergesgipfel, 10
Still ward die Rabenbrut der Nacht,

Und Adler jauchzen um die Wipfel:
,Verjüngt ist uns das Reich erstanden,
Am Kaiserthrone kniet der Sieg.
Aus blut'ger Saat in Feindeslanden
Empor der Einheit Eiche stieg!"

Rings fliegt durch die bekränzten Gau'n
Der Freude ahnungssel'ges Leben,
Mit trunknen Jünglingsaugen schaun
Hinaus wir in ein neues Leben;
Es leuchtet uns in goldnem Glanze
Ein Volkesfrühling wunderreich,
Auch in der Reiche vollem Kranze

Nicht eines prangt dem unsern gleich.

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90 Kaiser von Deutschland! Dich grüßt mein Liek.

Ihr Kämpfer aus dem heil'gen Streit,

Ihr Freiheitssänger hochgemuthet,

Du Jugend treu und todbereit,

Die du gelitten und geblutet,

Erfüllt sind eures Lebens Träume,

Bald wird der Bau vollendet sein,
Nun führt in seine hohen Räume

Der Kaiser alle Brüder ein.

Du Held warst Führer uns zur Macht,
Du wirst es nun zur Freiheit werden,
Gibst frei den Geist, verscheuchst die Nacht,
Verwaltest gleiches Recht auf Erden!
O Dir fliegt jedes Herz entgegen,
Es streckt nach Dir sich jede Hand :
schütte stets uns reichern Segen
Auf's theure deutsche Vaterland!

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K Elze

NOTES.

I.

THE Visigoths (Weftgothen) had been conducted into Italy by their brave and politic king Alaric; in the year 410 they had sacked Rome and carried off immense booty. Gibbon, who relates this at great length in his History of the Decline and Fall of the Roman Empire, chap. xxxi., gives the following account of the event which forms the subject of Platen's ballad: "The whole design [of crossing to Sicily] was defeated by the premature death of Alaric, which fixed, after a short illness, the fatal term of his conquests. The ferocious character of the Barbarians was displayed in the funeral of a hero, whose valour and fortune they celebrated with mournful applause. By the labour of a captive multitude they forcibly diverted the course of the Busentinus, a small river that washes the walls of Consentia. The royal sepulchre, adorned with the splendid spoils and trophies of Rome, was constructed in the vacant bed; the waters were then restored to their natural channel, and the secret spot, where the remains of Alaric had been deposited, was for ever concealed by the inhuman massacre of the prisoners who had been employed to execute the work.”

We subjoin also the account found in the Historia Miscella (p. 313, 11 ss. ed. Eyssenh.): Gothi Basentium amnem de alveo suo captivorum labore derivantes, Alaricum in medio eius alveo cum multis opibus sepeliunt amnemque meatui proprio reddentes, nequis locum scire possit, captivos qui interfuerant extinguunt.

I. The shades of the Goths are here represented as wandering ever up and down, near the spot where their king was buried. Dumpf (muffled) and lispeln (to mutter, lisp) refer to the spectral singing, which is reechoed by the waters of the river.

2. Wirbel, the eddies of the river.-Observe the indefinite subject 28. We are left to imagine that the king's own shade sends up the

answer.

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