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Hilarii Pictaviensis Opus de Missa.
Sidonii Apollinaris Liber de Missa.

Indem nun auf teutsche Bibliotheken übergegangen wird, veröffentlicht Mone S. 24-28 den bereits bei Pertz Archiv f. G. IX. S. 482 erwähnten „Catalogus Bibliothecae Monasterii ad S. Petrum Salisburgensis" welcher aus dem XII. Jahrhundert stammt, und jenen verschiedenen Catalogen dieser Zeit, wie solche das Serapeum an verschiedenen Stellen publicirte, vollkommen gleicht.

In SS. 5. 6. wird nun die Historia et causa usus rescribendae membranae" erläutert, wobei sich die schon bekannten classischen Stellen gut zusammen gestellt finden.

Recht verdienstlich ist der $. 7 „De librorum palimpsestorum membranis et atramento, atque de adiumentis chemicis, quibus restauratur antiqua scriptura.“ Denn in Verbindung mit dem, was der Vater Mone in seinen oben erwähnten Notizen über das Bücherwesen niederlegte, enthält er zumeist Alles, was in diesem Betreffe seither beobachtet und ausgedacht wurde, um die überschriebene Schrift wieder möglichst hervorzurufen und lesbar zu machen.

Aplangend den s. 8 mit der Aufschrift: „Libri palimpsesti latini tam editi quam inediti enumerantur atque indicantur" so ist dieser derjenige, dessen Behandlungsweise dem Bibliographen am wenigsten genügen kann, indem einerseits eine alphabetische Zusammenstellung der Autoren, wie dieses beliebt ward, nicht genügt, anderseits die aufgeführten Werke zu kurz und selbst irrig bezeichnet sind, wie ,,Plauti fragmenta inedita etc. Mediolani 1825“ statt 1815. Ebenso ,,Symmachi octo Orationum partes. Mediol. 1825“ statt 1815. Ü. S. W. was um so mehr zu bedauern ist, als bei der Vorlage der Professor Schröter'schen Arbeit eine chronologische Uebersicht eine eben so leichte als instructive Sache gewesen wäre, wie nicht minder verdienstlich, nachdem der „Hermes" doch nur den wenigsten Lesern zu Gebot steht. In solchen Arbeiten ist und bleibt das chronologische Element immer das richtigste und nützlichste!

Dieselbe Unübersichtlichkeit tritt bei Aufzählung der christlichen Palimpsesten - Litteratur entgegen, auf welche nochmals zurück gekommen werden wird, indem anbindend an die classische bemerkt werden muss, dass dem Dr. Mone eine nicht unwichtige Notiz entgangen ist. Das Athenaeum des Jahres 1851 brachte in der Nr. 1259 vom 13. Dec. S. 1317 die Nachricht: „It is stated from Helsingfors, in the Grand Duchy of Finland, that Dr. Everard Groenblad, Professor of Philology in that Imperial Universily, has just made the discovery, in the Library of the Senate, of several Palimpsests and other manuscripts, containing a great number of fragments of Latin authors. All the manuscripts are of the fourteenth century: and Dr. Groenblad is engaged in restoring the writing of the Palimpsests, by means of chemical agencies.", welche, wiederholt im Serapeum d. J. 1852. Nr. 14. S. 224, eine Aufbewahrung in der Mone'schen Schrift verdient. Ueber den weiteren Erfolg obiger Untersuchung scheint Nichts verÖffentlicht worden zu sein.

Anlangend nun die kirchliche oder christliche Palimpsesten-Litteratur, so hat solche Mone in dieser Schrist S. 49– 51 selbst mit einem kleinen Beitrag bereichert, nämlich mit einem dem V. Jahrhundert angehörigen Fragmente eines Codex, welcher eine Vorhieronymianische Vebersetzung von Cap. XV. 9—26, XVI. 29–33, XVII, 1-12. der Proverbien Salomons enthält, entnommen dem noch öfters zu nennenden Codex rescriptus des Benedictiner-Stiftes S. Paul in Kärnthen, wohin sich bekanntlich ein Theil der Bewohner von S. Blasien im Schwarzwalde, der „Congregatio S. Blasii“ oder der Teutschen Mauriner, nachdem auch sie der damaligen Zerstörungswuth weichen mussten, mit seinen litterarischen Schätzen, in so weit sie zu retten waren, als in ein dargebotenes Asyl geflüchtet hatten.

Bezüglich der griechischen Palimpsesten, deren Besprechung der übrige Theil der Schrift gewidmet ist, glaubt Mone, dass nicht vor dem achten Jahrhundert) nach den vorhandenen Proben ja nur selten vor dem zwölften Jahrhundert rescribirt worden sei. Es dürfte diese Behauptung sich erst später, sei es affirmativ oder negativ, bewähren, da im Ganzen die griechischen Palimpseste noch ein weites Feld der Untersuchung bieten, wozu es nur eines Hinweises auf das Britische Museum und die dortigen Manuscripte bedarf, von denen der Catalogue of Additions to the Manuscripts in the British Museum in the years MDCCCXLI-XLV. London 1850“ unter Nr. 14,663—14,670 „Various miscellaneous Fragments in Syriac of various ages and sizes, among the are some palimpsest, written over Greck manuscripts on vellum“ aufführt, die aus dem Marien-Kloster der Wüste Nitria genommen sind.

Dieses nun die Verdienste des Dr. Fridegar Mone bezüglich der Theorie des Palimpsesten-Wesens! Er hat hier in Kürze zusammengestellt, was ausgearbeitet ein umfangreiches und wünschenswerthes Werk werden könnte.

Allein auch praktisch hat derselbe seine Befähigung in diesem Fache bewährt, nachdem er bereits S. 44 darauf mit den Worten hingewiesen: „Plini naturae historiarum fragmentum sub Hieronymi opere quodam detectum e codice Veronensi nunc san-paulino nos edidimus: C. Plini Secundi naturae historiarum lib. I. XI. XII. XIII. XIV. XV. fragmenta

1) Dieser Ansicht widerspricht übrigens der auch bei Knittel S. 208 anfgeführte Canon LXVIII. der Synod. Quini-Sexta!

ed. Fr. Mone. Gothae apud Fr. And. Perthes, 1855. 80. indessen der Druck erst später vollendet ward.

Von diesem Funde hatten bereits schon vor dessen Erscheinen öffentliche Blätter, wie die Jahn'schen Jahrbücher') U. S. W. Nachrichten gegeben, welche die Erwartung rege machten, und um so reger machen mussten, als von jedem Palimpsesten - Funde die litterarische Neugierde als unzertrennliche Begleiterin ihr Recht und ihren Antheil verlangt. Dieser Fund ward nun im August d. J. als 6. Band der J. Sillig'schen Ausgabe des Plinius veröffentlicht:

C. Plini Secundi Naturalis Historiae Libri XXXVII. Recensuit et commentariis criticis indicibusque instruxit Iulius Sillig. Volumen vi, quo continentur Palimpsestus Veronensis a Moneo editus et Fred. Gronovi in Plinium notae emendalius expressae. Gothae, sumptibus Frid. Andr. Perthes.

MDCCCLV.“ und die Erscheinung in einer Selbstanzeige des Dr. Fridegar Mone in den Heidelberger Jahrbüchern d. J. S. 678—681 kund gegeben, in der er um Nachsicht bei der Beurtheilung bittet, die man ihm hoffentlich zu Theil werden lassen werde. Denn er sei überzeugt, dass man das Mangelhafte oder die unzureichende Ausbeute von Resultaten darin entschuldigen werde, wenn man sich erinnere, dass die Herausgabe dieses grössten bis jetzt bekannten Palimpsesten sich nicht der Unterstützung einer Akademie zu erfreuen gehabt habe, sondern die Arbeit eines Privatmannes sei, und nur als Jugendarbeit desselben betrachtet werden solle.“

Einer solchen Entschuldigung hätte es nicht bedurft, gerade zu solchen Arbeiten gehören jugendliche Augen und jugendlicher Muth! Ist nur einmal die verborgene Schrift aus ihrem Verstecke herausgelockt und als sichtbar gewordenes Gut veröffentlicht worden, dann wird es an Brillen nicht fehlen, durch welche ergraule Philologen sich den neuen Fund beschauen!

Das Serapeum selbst kann natürlich nur den litterarhistorischen Theil der Leistung in's Auge fassen, und dieser ist in der Dedication und den Prolegomenen S. VII-XLII enthalten, welche dem „Ave, pia anima!“ folgen, das der Buchhändler Perthes am 8. Jul. 1855 dem seligen Sillig zuruft!

1) In philologischer Beziehung kann natürlich im Serapeum kein Urtheil ausgesprochen werden, indessen ist soviel gewiss, dass alle jene, welche sich speciell mit Plinius befassen, nur günstig urtheilen müssen. Kurze Anzeigen, wie z. B. „Litterarisches Centralblatt 1855. No. 45“ geben keinen Ausschlag, obschon auch sie anerkennen, dass der Codex vortreffliche Lesarten biete, von denen in den übrigen Codices keine Spur enthalten

ist.“

Das Buch selbst dedicirte Dr. F. Mone mit dankbarem Gemüthe dem Herrn Abt Ferdinand Steinringer, in dessen Abtei S. Paul er bekanntlich am 11. Jul., 1853 auf einer Reise seinen Vater begleitend den fraglichen Codex rescriplus sah, auf dessen rescribirten Inhalt übrigens bereits im vorigen Jahrhundert (Proleg. S. IX.) einer der S. Blasianischen Benedictiner aufmerksam geworden war. Mone rühmt die Bereitwilligkeit, mit der der Abt ihm entgegen kam und ihm den Codex mit der Erlaubniss der Herausgabe alsbald zuschickte, welchen Mone, seiner eignen Anzeige nach fast zwei Jahre zur Benutzung behalten konnte. Mone legt zugleich ein schönes und wirklich wohlthuendes Zeugniss diesem Nachfolger eines Martin Gerbert ab: „Tu igitur singulari pietate, quae omnes longe superat postuma monachorum S. Blasii, qui coenobii S. Pauli vel conditores vel restitutores exstiterunt, opera aut Ipse edidisti aut aliis edenda mandavisti edendorumque professus es Te adiutorem fore. Itaque Tuis iam curis debemus Trudperti Neugart 1) historiam monasterii ad S. Paulum, mox debebimus eiusdem historiam Carinthiae, ila Te auspice opera theologica Conradi Boppert, qui inter monachos Sancti Blasii fuit, in lucem prodiere.“ welches kund giebt, dass der gute Sinn und die litterarische Strebsamkeit jenes herrlichen Golleshauses nicht mit den Vertriebenen erstorben sei!

(Schluss folgt.)

Bibliothek chronik und Miscellaneen.

Am 4. März 1855. starb zu Paris der Conservateur des Departements der Kupferstiche in der kaiserl. Bibliothek Jean Duchesne aîné, geb. zu Versailles am 28. Dec. 1779., durch zahlreiche Werke zur Geschichte der Kunst rühmlichst bekannt.

Am 15. desselben Monats starb, 86 Jahre alt, auf seinem Schlosse Meersburg bei Lindau am Bodensee der rühmlichst bekannte Freiherr Joseph von Lassberg.

Der Hirt des Hermas. Ein höchst wichtiger Fund ist deuerdings im Gebiete der kirchlichen Litteratur gemacht worden.

1) Die Schrift erschien unter dem Titel: „Historia Monasterii Ord. S. Benedict. ad S. Paulum in valle inferioris Carinthiae Lavantina. Scripsit P. Trudpertus Neugart, Congregationis S. Basii in sylva nigra olim sodalis, demum monasterii ad St. Paulum sacerdos Jubilaeus. Clagenforti

, typ. Joannis Leon. 1848. 89.

Unter den Schriften der apostolischen Väter nimmt anerkanntermassen der Hirt des Hermas eine bedeutungsvolle Stelle ein. Ist der Verfasser dieser Schrift auch wahrscheinlich nicht, wie im Alterthume hier und da angenommen wurde, derselbe Hermas, dessen der Apostel Paulus im Briefe an die Römer Cap. 16, V. 14. gedenkt, so stand doch die genannte ihm beigelegte Schrift im zweiten Jahrhunderte bei den Christen in hohem Ansehen, indem die Kirchenväter Irenäus und Clemens von Alexandrien sie den heiligen Schriften gleichstellen, und noch zur Zeit des Eusebius von Cäsarea dieselbe in mehreren Christengemeinden des Morgenlandes bei ihren gottesdienstlichen Versammlungen vorgelesen wurde. Allein der Hirt, ursprünglich in griechischer Sprache geschrieben, war uns ausser einigen in griechischen Kirchenvätern des 3. und 4. Jahrhunderts enthaltenen Bruchstücken nur in einer alten lateinischen, zum Theil schwerfälligen und in einzelnen Stellen kaum verständlichen Uebersetzung erhalten, deren Text in allen seinen Ausgaben noch gar sehr einer kritischen Bearbeitung und Feststellung nach den besten Handschriften bedarf.

Ganz unerwartet, weil seit Jahrhunderten in den Bibliotheken des Morgen- und des Abendlandes, welche alte Handschriften bewahren, vergeblich gesucht, sind im Besitz eines im Juni d. J. nach Leipzig gekommenen Griechen, Herrn Konstantin Simonides aus Simi, die von ihm mit unverkennbarem Fleiss gefertigte Abschrift einer alten bis auf die sieben letzten Capitel des 3. Buches vollständigen Handschrift des griechischen Textes des Hirten des Hermas und drei Blätter dieser anscheinend aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammenden Handschrift selbst gefunden worden, welche letztere etwa 6/9 des Ganzen oder bei der sehr kleinen, an Abbreviaturen reichen Schrift 36 Druckseiten in Octav umfassen. Herr Prof. Dr. Anger, der bei der Entdeckung dieser wichtigen Schrift des christlichen Alterthums im Local der Universitätsbibliothek gegenwärtig war, übernahm sofort die vorläufige Erörterung der sich aufdrängenden Frage, ob auch wirklich das Original und nicht eine Rückübersetzung aus dem Lateinischen in das Griechische hier vorliege, da bekanntlich durch das ganze Mittelalter hindurch so viele Schriften der römischen Litteratur und selbst Uebersetzungen aus dem Griechischen von gelehrten Griechen in ihre Sprache übertragen worden sind. Nachdem mit gewissenhaftem Ernst diese Untersuchung von ihm geführt und dahin entschieden worden, dass wirklich das Original wieder aufgefunden sei, galt es, diesen werthvollen Fund so schnell als möglich dem wissenschaftlichen Publicum zugänglich zu machen. Innerhalb weniger Monate ist dies ermöglicht worden und im Verlag des in seinen Unternehmungen für Förderung der Wissenschaft und Kunst mit so erfolgreichem Eifer thätigen Herrn T. 0. Weigel in schöner Ausstattung aus der Offizin des Herrn Hirschfeld der griechische Urtext des Pastor des Hermas vor wenigen Tagen erschienen. Die Verwal

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