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pag. 263, Taf. VI. Die Stelle ist durch einen Kreis von Quarzitblöcken umgrenzt, deren Anordnung ähnlich ist wie bei den früher beschriebenen Schmelzöfen; da aber der Durchmesser weit grösser, nämlich 2,5 m ist und sich keine Schlacken im Innern finden, so dürfte die Annahme, dass hier eine Schutzhütte stand, um so berechtigter sein, als sich über derselben ein zugeschlämmter Graben von 20 cm Breite und 45 cm Tiefe befand, der als Schutzrinne zum Ablauf des Regens diente und der sich bis 6 m westlich der Hütte verfolgen lässt. Die Hütte war vermuthlich in Kegelform aus Stangen so zusammengefügt, dass sie oben einen Rauchabzug offen liessen, der durch Reiser und Rasen geschützt war. An den Wänden wird wohl ein erhöhter Sitz aus Steinen und Rasen hergerichtet gewesen sein, der die aus Laubstreu hergestellten Schlafstätten trug.

Fragen wir nun nach dem Alter der Eisenschmelzöfen am Dreimühlenborn, so haben die Ausgrabungen leider Nichts ergeben, was zu einem unmittelbaren Schluss führt. Weder Münzen noch Schmucksachen sind aufgefunden worden, und die zu Tag geförderten Thonscherben sind auch nicht der Art, dass sie eine genügende Aufklärung verschaffen. Es finden sich unter denselben solche, welche in der Masse, rother Ziegelthon, in der geringen Härte und in den Formresten den Gefässen und Krüglein gleichen, welche in grosser Menge in der Saalburg und in den dortigen Römergräbern gefunden worden sind, doch fehlen die Terrasigillatagefässe der besser situirten Römer. Es finden sich aber auch solche Bruchstücke, welche entschieden nicht mehr der römischen, sondern der fränkischen oder einer noch späteren Technik angehören: grauschwarze Masse, hart wie Kruggeschirr, beim Aufdrehen gereifelte und an der Mündung scharf profilirte Topfreste. Wir sind daher durch die Töpfercien nicht entschieden auf die Gleichzeitigkeit und den Aufenthalt der Römer, sondern auf einen Fortbetrieb selbst nach der Römerzeit und auf Combinationen und Schlüsse angewiesen.

Dass der Betrieb einer sehr entfernten Zeit angehörte, geht nicht nur aus der Art desselben hervor, sondern auch aus dem Alter der riesigen Buchen, welche auf den alten Schlackenhalden gewachsen sind. Sachverständige schätzen dieselben auf mindestens 400 Jahre, und es wird lange gedauert haben, che Buchenkeime auf den kahlen Schlackenhalden genügende Nahrung für ihre erste Entwickelung finden konnten. Wenn auch aus verschiedenen Anzeigen hervorgeht, dass der Betrieb der Eisenschmelze am Dreimühlenborn ein vollkommenerer und relativ umfangreicherer war, wie wir ihn bei den wenigsten alten Waldschmieden und Rennfeuern, die beschrieben sind, wahrnehmen, so ist doch nicht das geringste Anzeichen vorhanden, dass ein complicirterer

Apparat, sei es zur Wiedererzeugung, sei es zum Verschmieden, vorhanden gewesen ist. Es war hier keine der sogenannten Trethütten, bei denen feststehende, verbesserte Bälge mit starkem Holzgerüst durch Treträder oder Zugstangen bewegt, verwendet wurden, wie sie im XIV. und XV. Jahrhundert vor der allgemeinen Benutzung der Wasserkraft vielfach in Gebrauch waren. Ebensowenig scheint an Ort und Stelle. eine grössere Wohnung oder Werkstätte sich befunden zu haben, obgleich doch die Menge wie die Dicke der Schlackenstücke den Umfang des Betriebes und auch das beweist, dass verhältnissmässig grosse Eisenmassen hier verschmolzen worden sein müssen. Zieht man nun die unmittelbare Nähe des Römercastells, die Nothwendigkeit für die Besatzung desselben, sich mit Eisen zu versorgen, die Gunst des Platzes und die Art der Oefen, vor allem aber die Gleichartigkeit der an beiden Stellen gefundenen Eisensorten und die auf der Saalburg gefundenen grossen Eisenblöcke in Betracht, so unterliegt es kaum mehr einem Zweifel, dass in römischer Zeit schon ein Hüttenbetrieb am Dreimühlenborn stattgefunden und von den Römern benutzt worden ist.

Die Art der Oefen ist sehr ähnlich derjenigen, die, aus der Römerzeit stammend, sich in Steiermark und besonders zahlreich im Berner Jura gefunden hat, welch' letztere Quiquerez untersucht und beschrieben hat). Er hat nach den Ergebnissen seiner Ausgrabung einen Ofen in Zeichnung und Modell es befindet sich im Musée gallo-romain in St. Germain wiederhergestellt; dabei scheint er unseres Dafürhaltens allerdings seiner Phantasie etwas allzu freien Spielraum gestattet zu haben. Die Form des wiederhergestellten Ofeninneren erinnert in zu auffallender Weise an die Stück- und Wolfsöfen, wie sie im vorigen Jahrhundert noch hier und da angewendet wurden. Dass aber, wie Quiquerez annimmt, die Schmelzung in jenen römischen Oefen ohne Blasebalg nur durch natürlichen Luftzug vor sich gegangen sein soll, und dass sich in denselben nur eine Oeffnung, die gleichzeitig Schlackenstich, Ziehöffnung und Zugloch gewesen sein soll, befunden habe, ist höchst unwahrscheinlich.

Sehen wir aber von dieser willkürlichen Reconstruction ab, so lässt sich eine grosse Aehnlichkeit zwischen den Oefen am Dreimühlenborn und den von Quiquerez im Berner Jura ausgegrabenen nicht verkennen. Das Mauerwerk bestand dort wie hier aus losen Steinblöcken. Bei den Oefen im Jura scheint mehr davon erhalten zu sein, als bei uns, doch müssen auch wir annehmen, dass die Oefen am Dreimühlenborn höher, und dass mehrere Lagen Steine übereinander geschichtet waren. Diese 1) Notice sur les forges primitives dans le Jura Bernois, par A. Quiquerez,

Zurich, 1871,

plattenartigen Steine sind später weggeschleppt worden. Der gegenwärtige Müller in der Klingenmühle sagte aus, sein Vater habe noch am Dreimühlenborn Platten geholt. Da die von Quiquerez ausgegrabenen Oefen nachweislich zum grossen Theil aus der Zeit der Römerherrschaft stammen, so unterstützt die Aehnlichkeit der Formen die Annahme über das Alter unserer Ausgrabungen. Ja es lässt selbst weiter vermuthen, dass die alten Schmiede vom Dreimühlenborn bei einem der vielen um die Saalburg wüthenden Kämpfe erschlagen und vertrieben worden und Niemand mehr da war, der jene schweren Blöcke zu Nutzeisen auszuschmieden verstand so dass man sie also in der Noth der Zeit zu jenen untergeordneten Bauzwecken verwendet hat. Von anderen römischen Städten aber sind diese Eisenblöcke gewiss nicht auf die Saalburg geschleppt worden, sonst würde man auch an anderen Orten ähnliche gefunden haben. Dass die erste Anlage der Schmelzwerke am Dreimühlenborn von römischen Soldaten errichtet worden sei, ist sehr unwahrscheinlich. Zwar waren den Legionen viele und verschiedenartige Handwerker zugetheilt, doch nur solche, die dem unmittelbaren Bedürfniss der Armee dienten. Eisenschmiede waren selbstverständlich dabei, sie werden schon bei der alten centuriae fabrorum genannt. Aber die Kunst dieser Schmiede stand so wenig wie heute in einer Verbindung mit der Kunst der Schmelzer, die einsam im Wald lebten, während erstere in Städten und Garnisonen ihre Lehre durchmachten. Vegetius führt die verschiedenen Handwerker auf, die in späterer Zeit die Legion begleiteten; es waren Zimmerleute, Schreiner, Wagner, Eisenschmiede und Anstreicher zum Bau von Gebäuden, Kriegsmaschinen, Belagerungsthürmen und zur Instandhaltung des Fuhrwerks. Ferner gab es Schilderer, Harnisch- und Bogenmacher, welche die Pfeile und Wurfgeschosse im Stand zu halten hatten. Diese mussten für alle Bedürfnisse des Heeres Sorge tragen. Die Annahme, dass sich unter den rhätischen und vindelizischen Cohorten, die, wie aus den Ziegelstempeln ersichtlich, zeitweise die Besatzung der Saalburg bildeten, zufällig Waldschmiede befanden, welche diese Anlage gemacht hätten, ist unwahrscheinlich. Die Waldschmiede wurden schwerlich zum Militärdienst ausgehoben. Wäre aber die Anlage von römischen Soldaten gemacht worden, so hätte man gewiss einen Platz innerhalb des Pfahlgrabens gesucht, und die Erze anders woher, als aus dem in Feindesland belegenen Weilthal, geholt. Dagegen spricht Alles dafür, dass es eingeborene Schmiede waren, die wohl schon vor der Anlage des Castells im Jahre 11 v. Chr. hier ihrem Gewerbe nachgingen und durch den gewinnbringenden Absatz ihres Produktes an die Besatzung des Castells während der friedlichen Jahre ihre Oefen am Dreimühlenborn

fortbetrieben. Sie werden zu den Römern in ein Schutzverhältniss getreten sein, ohne ihre Selbstständigkeit ganz aufgegeben zu haben. Ihre Waldschmiede lag ausserhalb des Pfahlgrabens, ebenso ihre Wohnung; denn diese vermuthen wir mit ziemlicher Sicherheit auf dem eigenthümlich gestalteten Hügel, der Calosenkippel (prätentiös Drusenkippel) genannt wird, und der sich am unteren Lauf des Baches am Waldsaum erhebt. Er bildet ein 2 m über dem umlaufenden Graben erhabenes Plateau von 13 Meter Durchmesser mit einer kleinen wallartigen Erhöhung auf der Landseite, während der äussere Grabenrand einen Kreis von 41 m Durchmesser beschreibt. Er ist bereits von Oberstlieutenant W. Schmidt (Annalen, Bd. VI, 1, pag. 156) erwähnt, welcher dort einen Mauerthurm vermuthet. Bei unseren Nachgrabungen fanden wir, dass nie Mauerwerk hier gestanden; kein Stein, sondern ein paar Nägel, gebrannte Lehmstücke mit eingedrückten Strohspuren, dem Anschein nach die Ueberreste einer mit Strohlehm bekleideten Holzhütte, jedoch keine Kohlen, so dass wir auf ein nicht durch Brand, sondern durch Fäulniss allmählich zerstörtes Gebäude schlossen, den gebrannten Strohlehm aber der Herdstelle zuschrieben. Wenige aufgefundene Nägel und ein kleines Hufeisen, das sich ein weidendes Pferd hier ausgetreten haben mag, fanden sich, hingegen keinerlei Gefässscherben, sondern nur ein fingerlanger, aus Thon vor dem Brennen geschnitzter, ungebrochener, aber unbekannter Gegenstand.

Als römisch ist diese Anlage trotz der Nähe des Pfahlgrabens und des Castells nicht anzusehen, wohl aber als die geschützte Wohnstätte der Waldschmiede mit ihren Angehörigen. Ein solcher Schutz mochte bei der Nähe des Castells, das in kriegerischen Zeiten vom Feinde umschwärmt und beunruhigt wurde, und auch später noch nach Brechung der Römermacht nützlich gewesen sein. Bei dauernder Gefahr werden die Schmiede, die es aus Geschäftsinteresse mit den Römern hielten, sich mit ihrer Habe wohl in den Schutz des Pfahlgrabens begeben haben. Grade der Umstand, dass die Schmiede ihre Erze aus dem Weilthal holten, spricht dafür, dass es Deutsche waren, die in friedlichen Zeiten nach ihrer Weise ihrem Gewerbe nachgingen. Auch der Umstand, dass keinerlei Werthgegenstände durch die Ausgrabungen zu Tag gefördert worden sind, unterstützt die Annahme, dass die Waldschmiede zuletzt, nicht überrumpelt, sondern mit Hab und Gut abgezogen sind.

Die Eisenblöcke von der Saalburg sind in Form und Grösse einzig in ihrer Art und beweisen einen umfangreichen Betrieb. Um Stücke von solcher Grösse herzustellen, müssen mehrere Oefen gleichzeitig im Gang und eine grössere Anzahl von Arbeitern zur Hand gewesen sein, um immer Stück um Stück an den grossen Block anzuschweissen. Es

ist anzunehmen, dass diese Blöcke, die zunächst als Ambosse dienen sollten, schon ihrer 242 kl betragenden Schwere wegen an Ort und Stelle blieben, während die zweispitzigen, 50 cm langen und 5 cm dicken Rohluppen fortgebracht oder verarbeitet worden sind.

So werfen die Ausgrabungen am Dreimühlenborn, wenn sie auch in ihrem unmittelbaren Ergebniss nicht reichhaltig sind, doch ein Licht auf eine sehr entfernte Periode unserer einheimischen Eisenindustrie, auf das Verhältniss deutscher Waldschmiede zu den Römern, und geben uns, wenn auch keine bestimmte Jahreszahl, doch etwa das zweite Jahrhundert an, wo diese Industrie hier schon blühte. Weitere Ausgrabungsarbeiten könnten wohl das Gefundene vervollständigen, doch bezweifeln wir, dass neue Resultate dadurch erreicht würden. Wenn dagegen die Verfasser an dieser Stelle einen Wunsch aussprechen dürften, so ginge er dahin, dass die Bergrevierbeamten den Resten alter Eisenschmelzen, die sich namentlich in der Provinz Nassau in grosser Anzahl finden im Bergrevier Wetzlar erwähnt W. Riemann in seiner Beschreibung dieses Reviers, Bonn 1878, pag. 71, an 60 Lokalitäten, wo alte Eisenschmelzstätten sich befunden haben eine grössere Beachtung zuwenden möchten. Durch die Untersuchung einer möglichst grossen Zahl solcher Schmelzstätten und namentlich, wenn dabei auch sonstige Fundstücke, selbst die unscheinbarsten Topfscherben beachtet werden, wird man mit deren Hilfe auch für die Datirung Anhalte gewinnen. Die Eintragung der Fundstätten in die Karten würde schon dazu dienen, über Vertheilung und Ausbreitung der Waldschmieden Aufschluss zu geben. An solchen Punkten, wo noch Reste alter Oefen zu vermuthen sind, würden unter Umständen dann weitere Arbeiten zu empfehlen sein. Auch Bergwerksakten und Traditionen werden in vielen Fällen über das Alter des Betriebs zum Voraus Aufschluss geben.

Wenn wir auch keine Anträge zu weiteren Nachgrabungen an der Waldschmiede am Dreimühlenborn gestellt haben, so wünschen wir um so lebhafter weitere derartige Arbeiten bei der Saalburg, wo unzweifelhaft auch Schmieden bestanden haben, die Waffen zumal die Wurfspecre- im Stand und vollzählig zu erhalten, und hegen die Hoffnung, dass auch diese noch zu Tag kommen werden.

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