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Vorbemerkung.

Ich habe Bosnien öfters bereist, um die Geschichte dieses Landes, dessen Culturleben von den ältesten Zeiten her und die gegenwärtigen Verhältnisse zu studiren und die Resultate meiner Studien, wenn auch in knappem Rahmen, der Oeffentlichkeit zu übergeben. Das vorliegende Werk bildet nur eine gedräntge Skizze des historischen Materiales dieses interessanten Landes, in dessen Geschichte einzelne Perioden einer plastischen Behandlung werth sind. Obzwar Bosnien in der Weltgeschichte niemals eine universelle Rolle gespielt hat, so treten doch in einer gewissen Zeit daselbst Erscheinungen auf, welche das Interesse des Forschers zu Untersuchungen anregen.

Unter diesen Erscheinungen nehmen z. B. die Religionskämpfe und Bewegungen der Patarener (Bogomile), welche die mächtige Nationalpartei gegenüber der römisch-katholischen, von den Königen Ungarns unterstützten Partei bildete, eine hervorragende Stelle ein.

Nachdem ich in diesem Buche bei Orts- und Eigennamen, sowie bei Beschäftigungen und Geräthschaften die original-bosnische Orthographie beibehalten habe, so halte ich es für erspriesslich, einige Abweichungen in der Aussprache des Bosnischen hervorzuheben:

C ist immer und überall scharf wie z, z. B. Car

č lautet wie das deutsche tsch, čovek = Mensch.

Zar.

ć weicher als das ungarische ty, ungefähr wie im Italienischen das c in

cio, deutsch tj, z. B. ćud (tjud) = Laune.

Dž kommt zumeist in Wörtern vor, welche von der türkischen Sprache abstammen und klingt wie das deutsche dsch, z. B. Džamia (Dschamia) Moschee.

E klingt etwa wie im Deutschen oder Lateinischen; bleibt indessen, wenn e nach einem Consonanten steht und darauf ein r folgt, stumm, z. B. cerna (zrna) schwarz.

Eine Ausnahme erleidet diese Regel nur in dem Falle, wenn e auf gj, j, r folgt, sodann wenn nach dem e ein r kommt, dasselbe doch vernehmlich ausgesprochen wird.

Gj entspricht dem deutschen dj, wobei beide Buchstaben in einander verschmolzen ausgesprochen werden, z. B. gjubre (djubre) Kehricht.

schen;

H klingt in der Mitte und am Ende des Wortes schwächer als im Deutbleibt indessen häufig am Ende des Wortes stumm.

I am Anfange des Wortes und zwischen zwei Vocalen ganz wie im Deutschen; nach einem d indessen kaum hörbar, wie z. B. grâdjami, der Bürger. Nach einem klingt es wie das ungarische ly, nach n wie ny, z. B. zvanje Beruf, und endlich nach t wie ty, z. B. platja (platya) Bezahlung.

Lj entspricht dem polnischen, dem italienischen gl, z. B. lyubav, die Liebe.

Pferd.

Nj entspricht dem italienischen gn, wie das ungarische ny, z. B. konj,

S klingt immer so scharf als das deutsche B, z. B. nositi = tragen; Š wie das deutsche sch hart, hingegen Ś weich, z. B. šunna = Wald. V immer wie das deutsche W, z. B. zvod = Einleitung.

Z sehr weich wie lesen, z. B. zemlja

= Erde.

Ž wie das ungarische zs, wie z. B. žalost = Trauer.

Gleichzeitig schliesse ich zur Erleichterung des Verständnisses ein Register der vorkommenden Eigennamen und anderer häufig gebrauchten Wörter bei:

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gornje, ober.

grad, Stadt, zumeist befestigt. gunjac, Wams.

gusle, einsaitiges Instrument.

hafis. Ein Titel für denjenigen, der

den Koran auswendig fehlerfrei hersagen kann.

harem, Frauenzimmer, ohne Unter

schied der Confession.

ibrik, Wasserkrug. ičerma, Seidenleibchen.

ikindi, Nachmittagsgebet.

imam, Priester.

jaci, Nachtgebet.

jelek, Leibchen.

jemeni, Stiefel.

jezero, See.

junak, Held.

kadi, Richter.

kaim, Kirchendiener.

kaima kam, Bezirkshauptmann.

knéz, Vorsteher.

knezina, mehrere zusammengehörende

Gemeinden.

koliba, kleiner Schoppen mit Wänden

aus Korbgeflechte.

kosulja, Hemd.

kotar, Umzäunung.

kral oder kralj, König.

kum, Gevatter.

kürdži čuaf, Kürschner.

küčük, klein.

legen, Schüssel.

medžlis, Gerichtsbeisitzender.

mehala, Vorstadt.

most, Brücke.

mudir, Bürgermeister.

muezzin, Verkünder des Gottes

dienstes.

musebak, hölzernes Fenstergitter. nahia, Kreis.

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Geschichte Bosniens.

Erster Abschnitt.

Von den bosnischen nationalen Bans bis zum ersten bosnischen

König. 600-1357.

(Bosnien vor der Völkerwanderung. Illyrien unter der römischen Herrschaft. Die Denkmäler der römischen Herrschaft. Einbruch der Avaren in Illyrien. Erstes Erscheinen der Slaven auf der Balkanhalbinsel. Die Völkerwanderung. Massenhafte slavische Niederlassung. Auftreten der Bulgaren. Die verwickelten Angelegenheiten des byzantinischen Reiches. Die Hegira. Die Berufung der Croaten durch Heraclius. Alte Heimat der Croaten, ihre Niederlassung in Serbien und Bosnien. Niederlassung der Serben. Abschüttelung des byzantinischen Joches. Das Volksleben. Die Zadruga. Die Macht des Starjesina. Kmet und Knéz, Oborknéz und Župan. Knežina und Župa. Der Veliki Župan. Die Glaubensbekehrung. Simeon, Czar von Bulgarien. Methud und Cyrill. Die Justizpflege und der Heeresdienst. Volksgebräuche. Die Zwistigkeiten der bosnischen Bane und ihre Kämpfe für serbische Angelegenheiten. Zvonimir. Einmengung des ungarischen Königs in die croatischen Angelegenheiten. Slavonien und Croatien werden mit Ungarn vereinigt. Almus. Koloman lässt sich zum König von Rama krönen. Borič Ban. Kulin Ban. Einwanderung der Patarener. Papst Innocenz III. Kulin Ban in Rom. Zibislav Ban und Ugrin, Erzbischof von Kalocsa. Die Grafen von Brebir. Die Verheerungen der Tartaren. Kotromannus. Paul Ban. Stefan Kotromannovič. Ludwig der Grosse regelt die croatischen und bosnischen Angelegenheiten. Stephan Dušan. Ludwig der Grosse verlobt sich mit der Tochter des bosnischen Ban. Tod Stephan IV.)

Die Geschichte jenes Erdtheils, den wir heute unter dem Namen Bosnien kennen, verliert sich im Dunkel der Sagen. Zahlreiche kleinere und grössere Volksstämme hielten sich hier kürzere oder längere Zeit auf, deren grösster Theil sich wieder spurlos verlor, ohne dass man erforschen könnte, was sie hieher gebracht und von da wieder weitergeführt hat. Es gab Völker, die so kurze Zeit da verweilten, dass wir nicht einmal wissen, woher sie gekommen

Strausz, Bosnien, Land u. Leute.

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