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gebracht. Er liess zu diesem Zwecke von Bauch und Rücken des Fisches einen Draht in eine Uförmige Glasröhre, in welcher etwas Quecksilber stand, hinabgehen. Während der Fisch gereizt wurde, brachte er durch Schütteln der Röhre Unterbrechungen zwischen Draht und Quecksilber hervor, in welchen kleine Funken übersprangen.

Colladon hat in einer am 24. Oct. 1836 in der Pariser Akademie gelesenen Abhandlung 1) ausdrücklich angegeben, mit einem sorgfältig gearbeiteten Condensator und Goldblattelektrometer am Zitterrochen keine Spur von Elektricität erhalten zu haben. Die folgenden sehr interessanten Resultate, die sich ihm am Multiplicator ergaben, gehören daher nicht in die Elektricitätslehre; wir führen sie an als neuern Beitrag zu den bereits Repert. I. S. 248 mitgetheilten Erfahrungen über den Zitterrochen.

Man denke sich durch den platt aufliegenden Fisch eine horizontale und eine verticale Ebene gelegt, so dass an demselben eine Bauchund eine Rückenseite zu unterscheiden ist, von denen jede durch eine Mittellinie in Hälften getheilt wird. Colladon fand nun folgendes: Jeder Punkt des Rückens ist positiv (verhält sich gegen die Magnetnadel, wie Kupfer in der Kette: Kupfer, Flüssigkeit, Zink), wenn man ihn durch den Multiplicatordraht mit einem beliebigen Punkte der Bauchseite verbindet. Die Ablenkung der Magnetnadel ist desto geringer, je entfernter die berührten Punkte von den elektrischen Organen liegen; am Schwanze des Fisches ist sie beinahe Null. Setzt man die Enden des Multiplicatordrahtes nur auf eine Seite des Fisches auf, so erhält man dennoch Ablenkungen, wenn die berührten Punkte unsymmetrisch gegen die Mittellinie liegen. Auf der Rückenseite ist der der Mittellinie näher liegende Punkt positiv, auf der Bauchseite negativ, gegen den entfernter liegenden. Werden auf Bauch- oder Rückenseite zwei gegen die Mittellinie symmetrisch liegende Punkte mit den Drahtenden berührt, so erfolgt keine Ablenkung der Magnetnadel.

Ein in die Physiologie gehöriger Aufsatz Matteucci's über den Zitterrochen siehe Poggendorffs Annalen, Bd. 39. S. 485.

VIII. Elektricitätserregung durch atmosphärischen Prozess.

Tägliche Periode der atmosphärischen Elektricität. Arago hat in einer längern Beobachtungsreihe das von Saussure

') l'Institut. No. 181. Pogg, Ann. B. 39. S. 411.

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entdeckte, von Schübler und Andern bestätigte Gesetz, dass die bei heiterm Wetter stets positive Luftelektricität in 24 Stunden zwei Maxima und zwei Minima habe, von welchen die ersten einige Stunden nach Aufgang und Untergang der Sonne eintreten, aufs neue bestätigt. Gesetze eines so veränderlichen Phänomens, wie die Luftelektricität ist, können nur in dem gezogenen Mittel vieler Beobachtungen ersichtlich sein; den wenigen von Becquerel1) mitgetheilten Beobachtungen Arago's lässt sich daher kaum mehr entnehmen, als dass die Elektricität der Luft in den Morgenstunden am stärksen ist und mit grossen Differenzen steigt und fällt. Wie die daselbst in Hunderttheilen angegebenen elektrischen Intensitäten aus den beobachteten Divergenzen des Strohhalmelektrometers abgeleitet sind, findet sich nicht angeführt.

Elektricität der Luft in verschiedenen Höhen. Saussure hat bekanntlich gefunden, dass die Elektricität der Luft bei heiterm Wetter mit der Höhe zunimmt; er bediente sich zu seinen Versuchen einer Bleikugel, welche mit einem Elektrometer durch eine biegsame, 50-60 Fuss lange Drahtschnur zusammenhing und mit der Hand in die Luft geschleudert wurde. 2) Becquerel hat diese Untersuchungsweise vervollkommnet, indem er eine längere Schnur an einen Pfeil band und diesen mit einem Bogen abschoss. Mit Breschet vereint, machte er auf dem grossen St. Bernhard bei vollkommen heiterem Wetter folgende Versuche. 3) Ein Stück Wachstaft von 57 Oberfläche wurde auf die Erde gelegt und ein 246' langer lioner Goldlahnfaden darauf ausgebreitet. Das eine Ende des Fadens war an der eisernen Spitze eines Pfeiles befestigt, das andere lose um den Zuleitungsdraht eines Strohhalmelektrometers geschlungen, von dem es bei dem leisesten Zuge abglitt. Als der Pfeil unter einem grossen Winkel gegen den Horizont abgeschossen wurde, gingen die Strohhalme mit zunehmender Divergenz aus einander, bis sie zuletzt gegen die Seitenbelegungen des Elektrometers schlugen. Als der Pfeil 3' über dem Boden in horizontaler Richtung abgeschossen wurde, zeigte sich keine Spur von Elektricität. Schwach gehärtete Stahlnadeln wurden, in eine Drahtspirale gelegt, von deren einem Ende der Faden ausging, durch die vom fliegenden Pfeile aufgefangene Elektricität magnetisch.

1) Traité de l'él. IV. p. 93.

2) Voyage dans les Alpes. II. p. 197.
3) Traité de l'él, IV. p. 110.

Dieser letzte sehr interessante Versuch verdient eine Wiederholung; die Bestätigung desselben würde indess die oben (pg. 49.) gemachte Bemerkung über Magnetisirung durch Elektricität nicht umstossen.

Sturgeon.1) hat eine grosse Menge (angeblich 400) Versuche mit dem elektrischen Drachen angestellt, ohne indess unsere Erfahrungen über die Elektricität der Luft zu erweitern. Er fand, dass im ruhigen Zustande die Luft nur positiv elektrisch ist, und zwar in höhern Schichten stärker als in niedern. In 20 Versuchen liess er gleichzeitig 3 Drachen, und zwar zu verschiedenen Höhen, steigen. Der schiefe Ausdruck, dass der am höchsten stehende Drache positiv gegen die andern beiden Drachen, der mittlere negativ gegen jenen und positiv gegen den am tiefsten stehenden, letzterer endlich negativ gegen die beiden höhern Drachen und positiv gegen die Erde gewesen sei, soll wol nur sagen, dass die Drachen desto stärkere Elektricität lieferten, je höher sie standen. Auch das letzte im Detail beschriebene Aufsteigen eines Drachen bei einem Gewitter (14. Juni 1834) hat nichts Neues geliefert.

Elektrisches Leuchten nahe an der Erde. Matteucci 2) will in warmen Sommernächten nahe an der Erde ein elektrisches Leuchten, ja sogar elektrische Stösse wahrgenommen haben. Er erklärt diese Erscheinung dadurch, dass der Boden durch Verdunstung des mit Salzen, Säuren, Alcalien geschwängerten Wassers elektrisirt und zugleich so trocken geworden sei, dass er die Elektricität eine Zeit lang behalte, die sich dann durch periodische Entladungen weiter verbreite. Um diese Meinung zu unterstützen, brachte der Verfasser eine isolirte Metallplatte von 28' Oberfläche mit einem Goldblattelektrometer in Verbindung, und setzte sie, mit Erde bedeckt, die mit Seewasser befeuchtet war, den Sonnenstrahlen aus. Ein Thermometer stand dabei auf 26-30° R. Die Verdampfung hatte kaum begonnen, so zeigte das Elektrometer Divergenz mit negativer Elektricität, welche fortwährend stieg, bis die Erde durchaus trocken war. Jeder Windstoss hatte ein Steigen des Elektrometers zur Folge; der Versuch gelang gleichfalls, als die Erde auf der Platte mit Seifensiederlauge befeuchtet war. Rasen, so viel als möglich von Erde entblösst, auf die Platte gelegt und mit Wasser begossen, lud das Elektrometer mit positiver Elektricität. Der Verf. gesteht, dass diese Versuche einer Wiederholung bedürfen, worin wir ihm vollkommen beistimmen.

1) Lond. and Edinb. phil. mag. V. p. 418.

2) Biblioth. univers, vol. 56. p. 328.

St. Elms-Feuer. Mohr hat einen interessanten Fall des St. Elms-Feuers mitgetheilt. ) Dr. G. ritt in einer dunkeln Winternacht bei abwechselndem Schnee, Regen und Hagelschauer von Jülich nach Düren. Zu mehreren Malen sah er Ohren, Kopf und Hals seines Pferdes in hellem bläulichem Lichte stehen, das von einzelnen Funken auf den Spitzen der Haare herzurühren schien. Das Licht hielt einmal 8 Minuten lang an.

Ein ähnliches Phänomen, ebenfalls bei Schnee und Regenfall beobachtet, findet sich in Gilberts Annalen, B. 70. S. 119. beschrieben.

Blitz ohne Donner. Blitze im Zenith ohne bemerkbaren Donner sind vor langer Zeit von Humboldt und neuerdings von Reichenbach 2) beobachtet worden. Letzterer bemerkte im Juni 1831 zu Blansko in Mähren über sich dunkle Haufenwolken, die, ohne zu regnen, starke, das ganze Thal erhellende, Blitze ausschickten, die von keinem Donner begleitet waren. Die Blitze zeigten keinen Zickzack, sondern bestanden in einem Leuchtendwerden der untern Wolkenschichten; sie entstanden und endigten durchaus über dem Horizonte des Beobachters.

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Fortführung wägbarer Materien durch den Blitz. Fusinieri hat dem Blitze nicht nur Fortführung von Substanzen, die er auf seinem Wege trifft, sondern auch Fortführung von Substanzen zugeschrieben, die sich in den Wolken finden sollen.") Diese aus der Luft herabgebrachten Körper sind hauptsächlich Schwefel und Eisen. Für eine gewagte Hypothese dürfen wir, wenn nicht unbestreitbare, doch plausible Gründe erwarten. Ich gestehe, diese in dem ausführlichen Auszuge, den ich von Fusinieri's Arbeit kenne *), nicht gefunden, ja sogar Beweise für die Fortführung irdischer Substanzen durch den Blitz vergebens gesucht zu haben. Es wird in vielen Beispielen gezeigt, dass der Blitz an Mauerwerk und Bäumen gelbe oder braune Spuren zurücklasse, an welchen ein Geruch nach Schwefelwasserstoffgas oder ein acider Geruch bemerkt werde, und dass in einigen Fällen die getroffene Stein- oder Holzmasse, mit Salzsäure gekocht, einen Niederschlag durch blausaures Kali gegeben habe. Der unter andern angeführte Versuch, dass eine Magnetnadel an der vom Blitze verletzten Wurzel einer Pappel grosse Mengen von Eisen angc

) Pogg. Ann. Bd. 34. pag. 370.

1) Baumgart. u. Ettinghaus. Journ. Bd. 10. S. 74.

") Ann. delle scienze del regno Lomb-Veneto juli 1831.
*) Biblioth. univ. tome 48. p. 371. tome 49. p. 1.

zeigt, und dass die verbrannte Wurzelmasse an der Magnetnadel wie Eisenfeilicht gehaftet habe, beruht wol auf einem Irrthum. Spuren von Eisen in verbranntem Holze sind nicht auffallend, da nach Berthier in der Asche jeder Pflanze Eisenoxyd (in der von Tannenholz bis 11 Procent) gefunden wird. So erscheint denn die Abhandlung nur als eine Aufforderung an geübte Chemiker, wenn sich ihnen die Gelegenheit bietet, die Blitzspuren einer gründlichen Untersuchung zu unterwerfen.

Blitzschläge. Die Verheerungen, die der Blitz verursacht, sind von jeher häufig und sorgfältig aufgezeichnet worden, ohne dass der Elektricitätslehre ein erheblicher Vortheil aus diesen Beschreibungen geworden wäre. Die nachfolgenden Fälle sind daher mehr zufällig gefunden, als absichtlich aufgesucht worden. Hinterberger1) führt zwei Fälle an, in welchen das Einschlagen des Blitzes in ein Haus bei den darin befindlichen Personen Nervenzufälle und temporäre Blindheit veranlasste. Alle diese Personen gaben an, bei dem Ereigniss Schwefelgeruch gespürt zu haben. Boddington 2) beschreibt einen merkwürdigen Blitzschlag, der auf eine Postkutsche fiel, ein Pferd vor derselben tödtete, 2 Personen auf dem Bedientensitze hinter derselben stark beschädigte, die in dem Wagen sitzenden aber unverletzt liess. Stahlgegenstände an dem Körper der Getroffenen waren magnetisch geworden. Auch hier ist ein Schwefelgeruch bemerkt worden. Naumann3) hat den Gang sehr genau untersucht und beschrieben, den ein Blitz durch ein Haus hindurch genommen hat; es geht daraus hervor, dass der Blitz stets den metallischen Theilen folgt und von einem schwächern Leiter auf einen mit grösserer Oberfläche überspringt. Oswald) beschreibt einen Blitzschlag, der auf das Zinkdach eines Hauses fiel 5), sich dort in viele einzelne Strahlen theilte und an den Wänden und Fenstern nach der Erde ging. Diese Strahlen bezeichneten ihren Weg an den Fensterrahmen und dem Mauer

1) Baumgartner. Zeitschr. III. S. 177 u. 212.
") Lond. and Edinb. phil. magaz. I. p. 191.
3) Poggend. Ann. Bd. 35. S. 519.

4) Ibid. Bd. 38. p. 543.

*) Das Haus hatte, wie ausdrücklich angegeben wird, keinen Blitzableiter, und wie es scheint, keine Wasser-Abflussröhre. Eine Bemerkung über das Vorhandensein uud die Lage von Metalltheilen an der Aussenseite des getroffenen Hauses sollte in keiner Beschreibung eines Blitzschlages fehlen.

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