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dadurch, daß dieselben im Jahre 1543 im Gelnhäuser Stadtarchive niedergelegt wurden. Bis 1350 sind 16 Urkunden im Originale, 50 in Abschrift, aus der späteren Zeit verhältnißmäßig mehr Originale, erhalten.

Im 14. Jahrhundert wurde im Kloster ein Kopialbuch auf Papier angelegt, das den Titel führte: Liber privilegiorum et libertatum ecclesie Selboldensis. Noch im vorigen Jahrhundert benußte es Kopp in seiner handschriftlichen Geschichte der Herren und Grafen von Isenburg1), bis jezt ist es aber nicht wieder aufgefunden worden. Glücklicherweise ist es ganz oder zum größten Theile abschriftlich in ein Kopialbuch des 16. Jahrhunderts aufgenommen worden. Dieses (Manuscriptensammlung 31 zu Birstein) hat 175 beschriebene Papierblätter und ist in eine PergamentUrkunde von 1540 eingebunden. Die erste Hälfte wurde in den Jahren 1539-42 von Dr. Johan Beyer geschrieben; von Seite 175 an bringen verschiedene andere etwa gleichzeitige Schreiber neben Urkundenabschriften einige Aktenstücke und besiegelte Scheine des 16. Jahrhunderts, von Seite 295-302 kurze Urkunden-Verzeichnisse, von 313 an Akten über die Abtretung des Klosters an Isenburg aus den Jahren 1529-1555. Bei der Niederschrift deutscher Urkunden ist die Schreibweise des 16. Jahrhunderts von großem Einflusse gewesen.

Gleichzeitig wurde noch eine zweite Abschriftensammlung angelegt (Manuscriptensammlung 32): „Uber das Selbolder gerichte und aller dessen zugehorde allerley abcopirte urkhunde und verschreibunge"; es enthält 151 beschriebene und einige leere Papierblätter. Die alten Urkunden desselben finden sich fast alle bereits in 31.

Gudenus (Codex Diplomaticus), Wenck (Hess. Landesgeschichte) und Simon (Ysenburgische Geschichte) haben die meisten der älteren Urkunden gedruckt; die beiden ersten zumeist nach dem Kopialbuche nr. 31. Eine Übersicht über die Geschichte des Klosters, die aber mancher Berichtigungen. bedarf, gab Pfarrer Junghans in den Mittheilungen des Hanauer Bezirksvereins VI 95 folg.

Kloster Meerholz.

Das Kloster Meerholz ist der gewöhnlichen Annahme nach im Jahre 1173 von dem Kloster Selbold aus gestiftet worden und stand unter dessen geistlicher Leitung bis zu seiner Aufhebung im Jahre 1555. Falls die Nachricht Winkelmanns (Beschreibung der Fürstenthümer Hessen und Hersfeld I 164) von einer Donation des Grafen Gotbert von Gelnhausen, welche in einer Urkunde von 1190 erwähnt werde (siehe Nr. 115), richtig

1) Original im Büdinger Archive, zwei Abschriften im Besize des Hanauer Geschichtsvereins.

ist, so müßte man annehmen, daß die Stiftung des Klosters in eine frühere Zeit fiele, da das genannte Grafenhaus aller Wahrscheinlichkeit nach um die Mitte des 12. Jahrhunderts ausstarb. Etwas sicheres kann bei der Ungenauigkeit der Nachricht nicht ermittelt werden.

Wie Selbold ging das Kloster Meerholz bei der Reformation 1555 in den Besit der Grafen von Isenburg Büdingen über und das Archiv des Klosters befindet sich jezt im Isenburgischen Gesammtarchive zu Büdingen.

Bis zum Jahr 1350 sind 30 Urkunden im Originale, 8 nur in Abschrift erhalten; außerdem werden in mehreren Repertorien von etwa 1600 noch 28 andere jezt verlorene erwähnt.

Gedruckt ist ein großer Theil der Urkunden von Simon im dritten Bande seiner Geschichte.

Die in diesem ersten Bande gebrachten urkundlichen Nachrichten sind kaum zur Hälfte dem Marburger Staatsarchive entnommen. Infolge der großen Zersplitterung des Landes mußte von den benachbarten Archiven die größte Ausbeute erwartet werden und so sind namentlich das Staatsarchiv Wiesbaden, das Stadtarchiv Frankfurt a. M., das Haus- und Staatsarchiv in Darmstadt, das Reichsarchiv in München, die Archive in Büdingen, Birstein und Lich benutzt worden. Dazu kommen Beiträge aus den Archiven und Bibliotheken zu Assenheim, Aschaffenburg, Berlin, Cassel, Düsseldorf, Fulda, Gelnhausen, Gießen, Hanau, Heidelberg, Ilbenstadt, Karlsruhe, Köln, Laubach, Luzern, Mainz, Münster, Ortenberg, Rom, Roßla, Sachsenhausen, Sondershausen, Stuttgart, Weilburg, Wezlar, Wernigerode, Wien und Würzburg. Von Familienarchiven konnte ich die der Grafen von Degenfeld in Eybach, der Freiherrn von Holzhausen zu Frankfurt und der Freiherrn von Dörnberg in Marburg benußen, ebenso das der ausgestorbenen Familie der Schelme von Bergen, welches theils dem Marburger Staatsarchive (12 Originale bis 1400), theils dem Frankfurter Stadtarchive angehört; die Einsicht in die Archive der Freiherrn von Hutten in Würzburg und von Frankenstein in Ullstädt wurde nicht gestattet.

Das Entgegenkommen, mit welchem die gegenwärtigen Verwaltungen der Staats- und Privatarchive Nachforschungen in den ihnen anvertrauten Sammlungen erleichtern, kann nicht warm genug anerkannt werden und ich fühle mich ihnen allen gegenüber zu großem Danke verpflichtet.

Manche schon früher gedruckte Urkunden sind jezt nicht mehr weder im Originale noch in Abschrift vorhanden, in diesem Falle mußte der zuverlässigste der früheren Drucke wiederholt werden, so namentlich die von Pistorius in seinen Scriptores Rerum Germanicarum zwar mit vielen

Druckfehlern, aber sonst überraschend getreu abgedruckten Fuldaer Traditionen, nach einem seitdem wieder verschollenen Kopialbuche des 9. Jahrhunderts, welche für die ältesten Nachrichten zur Geschichte der Provinz Hanau vielfach heranzuziehen waren. Die kurzen Auszüge aus diesen Traditionen, welche der Fuldaer Mönch Eberhard zwischen 1155 und 1162 machte und welche einen Theil des »Codex Eberhardi Fuldensis« genann= ten Kopialbuches im Marburger Staatsarchive bilden, waren daneben an zuführen. Sie dienen nicht nur als (oft recht erwünschte) Kontrolle für die richtige Lesung und Deutung der Namen, sondern müssen in vieleń Fällen die verlorenen Originale oder Abschriften erseßen. Auch Urkunden aus den Mainzer Archiven, welche Würdtwein noch nach Originalen oder Abschriften druckte, sind seitdem verloren gegangen. Sonst gelang es mit wenigen Ausnahmen, die Quellen der Drucke zu erreichen.

Wenn auch das Bestreben dahin ging, alles urkundliche Material für die Geschichte der Provinz bis zum Jahre 1400 zusammen zu bringen, so mag sich doch noch hier und da ein Nachtrag in Archiven oder Druckwerken finden. Mittheilungen darüber würden mit Dank aufgenommen und am Schlusse zu einem Nachtrage benuzt werden.

Daß es bei der Art der Zusammenschweißung des Landestheiles, für dessen Geschichte dieses Buch die urkundliche Grundlage geben soll, nicht anging, das gesammelte Material in einzelnen Urkundengruppen herauszugeben, habe ich oft als Nachtheil empfunden. Wenn aber an der Absicht festgehalten werden sollte, die Urkunden für alle Theile der ehemaligen Provinz Hanau zusammen zu veröffentlichen, so wäre es nöthig gewesen dem Hanauer, Gelnhäuser, Schlüchterner und anderen Urkundenbüchern eine ergänzende Zusammenstellung solcher Urkunden anzureihen, welche in diesen Rahmen nicht hineinpassen und doch nicht fortgelassen werden durften. Um aber berechtigten Wünschen so weit wie möglich entgegen zu kommen, soll am Schlusse eine Übersicht der Urkunden nach den Archiven, denen sie entstammen, gebracht werden.

Für den Abdruck der Urkunden waren die in der Vorrede zum ersten Bande des heff. Urkundenbuches — Band III. der Publikationen aus den Preußischen Staatsarchiven von Dr. A. Wyß entwickelten Grundfäße im Ganzen maßgebend. Wenn ich in einzelnen Fällen glaubte abweichen zu müssen, so ist das mit Rücksicht auf größere Übersichtlichkeit geschehen. Einen Auszug von nicht vollständig abzudruckenden Urkunden mit den Worten des Originales zu geben, bei den älteren also in lateinischer Sprache, hat zwar unleugbare Vorzüge, erschwert aber ein schnelles Zurechtfinden. Aus dem gleichen Grunde bin ich auch in Überschriften und Anmerkungen bei unserer jeßigen Schreibweise geblieben. Der Gebrauch des u als Vocal und des v als Konsonant ist gleichmäßig durch

geführt und auch auf die Namen ausgedehnt worden; w wurde in allen den Fällen durch vu ersetzt, in denen es diese beiden Buchstaben vertrat, 3. B, Vulda, vult gedruckt, wenn die Vorlage Wlda, wlt hatte.

Um bei dem Abdrucke der Urkunden Irrthümer möglichst zu vermeiden, sind die Auflösungen zweifelhafter Abkürzungen kursiv wieder gegeben, oder es sind, wie bei den Tagesbezeichnungen: Kal., id., die Abkürzungen beibehalten worden. Lagen keine Originale, sondern nur jüngere Abschriften oder ältere Drucke vor, so ist freier verfahren worden; namentlich ist die Verdoppelung von Konsonanten, die im 15. und 16. Jahrhundert gebräuchlich war, unbedenklich gestrichen worden, so weit sie nicht auch in den Originalen hätte vorkommen können. 1) Ebenso habe ich mich für berechtigt gehalten, den im 16. Jahrhundert häufigen Doppellaut ae oder oe oder e durch ein einfaches e zu ersetzen. - Wenn in Urkunden die Jahreszahlen durch römische Ziffern ausgedrückt werden, so wird sehr häufig hinter die Zahl ein gesezt; der Druck bringt dieses Zeichen nur dann, wenn ein Original vorlag.

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Bis zum Jahre 1300, so weit als dieser erste Band reicht, sind alle gesammelten Urkunden wiedergegeben worden und zwar in der Regel vollständig. Nur in wenigen Fällen ist anders verfahren worden; denn es wäre Raumverschwendung gewesen, solche Urkunden, in denen die Herren von Hanau oder Hanauische Orte nur nebenbei vorkommen, stets vollständig abzudrucken; es ist dies nur dann geschehen, wenn die Urkunden für die Sammlung besonders wichtig oder die früheren Drucke mangelhaft oder schwer zugänglich waren. So sind z. B. von den Königsurkunden, durch welche das Bisthum Würzburg im 10. und 11. Jahrhundert Schlüchtern und andere Orte erhielt, die beiden ersten vollständig, die übrigen nur im Regest gedruckt worden. Waren endlich Urkunden schon von Wyß im ersten Theile des Hessischen Urkundenbuches vollständig abgedruckt, so sind sie hier in der Regel nicht wiederholt, sondern nur im ausführlichen Regest gebracht worden, während die namentlich Gelnhausen und Umgebung betreffenden Urkunden, von denen sich bei Wyß nur ein Auszug findet, vollständig gedruckt worden sind.

Es bleibt noch einiges über die Beschreibung der Siegel zu sagen. Da es zu weit geführt hätte, von jedem einzelnen Bild und Umschrift genau wiederzugeben, so sind nur die der Herren von Hanau und ihrer Angehörigen, die der Klöster, Geistlichen und Orte der Provinz, daneben noch etwa besonders seltene Siegel beschrieben worden. Wo über Befestigungsweise und Farbe nichts gesagt wird, ist anzunehmen, daß sie an Pergament-Streifen hängen und das Wachs ungefärbt ist. Die wichtigsten

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älteren Siegel sind auf den beigegebenen zwei Tafeln in Lichtdruck nach Gipsabgüssen abgebildet worden. Es sind die hier verzeichneten:

1) Heinrich von Hanau, nach der Urkunde nr. 188.

2) Reinhard von Dorfelden, nach der Urkunde nr. 184. Dasselbe Siegel gebrauchte auch sein Sohn Reinhard von Hanau mehrere Jahre hindurch. Zuerst im Jahre 1254 treffen wir auf ein neues Siegel von ihm, dessen Bild dem von Nr. 2 fast ganz gleich ist, aber die Umschrift hat wie Nr. 3; wir finden es an Urkunden bis 1264.

3) Reinhard von Hanau, nach nr. 568. Er führte dieses Siegel seit der Mitte der sechziger Jahre.

4) Adelheid von Münzenberg, Reinhards Frau. Das Siegel hängt an nr. 551.

5) Ulrich I. von Hanau, nach derselben Urkunde. Daneben kommt von ihm noch vor das

6) Secretsiegel, gewöhnlich als Gegensiegel verwandt, nach derselben Urkunde; es zeigt den Löwen Reinhards neben Ulrichs Sparren. Außer diesen beiden sind keine Siegelstempel Ulrichs bekannt.

7) Elisabeth von Rieneck, Ulrichs Frau, nach nr. 760.

8) Girard Präceptor des Antoniterhauses zu Roßdorf, nach nr. 567. 9) Siegel der Johanniter von Rüdigheim nach einer Urkunde von 1350 Juni 23.

10) Propst Wigand von Naumburg nach nr. 307.

11) Conventsiegel des Klosters Meerholz nach der Urkunde von 1308 Juni 4. Dasselbe Siegel wurde auch für die älteren Urkunden des Klosters gebraucht.

12) Convent des Klosters Schlüchtern nach einer Urkunde von 1380 April 16; dasselbe Siegel wurde schon 1226 gebraucht.

13) Propst von Selbold, nach nr. 217.

14) Convent des Klosters Selbold, nach der Urkunde von 1308 Juni 4, ältester Stempel des Convents.

15) Stadt Gelnhausen, nach dem Originalstempel im Besize des Herrn Konsuls Becker in Gelnhausen, früher der Sammlung Garthe angehörend. Ältere Siegel als die mit diesem Stempel geprägten kommen nicht vor.

16) Reinbold von Spielberg, Schultheiß in Gelnhausen, nach

nr. 231.

17) Hermann Fußechin, Schultheiß in Gelnhausen nach der Urkunde von 1326 Januar 3, ein Amtssiegel.

Die Drucke sind so vollständig, als es die Deutlichkeit erforderte, angegeben worden. Waren allgemein gebräuchliche Regestenwerke vorhanden,

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