Page images
PDF
EPUB

Heitimmten Grundidee anzusehen sei, argen Mißbrauch getrieben. Man madete sich tie úteraus (dwierige Aufgabe, diese Grundform der Charaktere zu ermittelu und reizuitellen, außerordentlid leicht, indem man die produktive Secle dos gesammten Lebeneinbaltes mit irgend einem einzelnen bervorstedhouten Momente dosjeiben iden: tiñizirte. (s gibt nid)t wenige bodyft geiftreiche und schr bewunderte Charakteristiken dieser Art, die in der That nichts weiter sind, als eine praftische Muwendung der befannten Retefigur, die man pars pro tuto zu nennen pflegt. Verr S. ist sehr meit daren entfernt, fich eine soldve (Fécamotage, die uns an Stelle des ganzen, Iebendigen Menjchen ein einzelnes abgerissenes und darum lebloses Glied rejeiben in die finde spielen möchte, zu Schulten fommen zu lassen. Er hat die harte Arbeit, den ausdauernden Fleiß nicht geschaut, ohne welchen es unmöglich ist, ein inbaltreides persönlidies Leben in der Gesammtheit seiner Aeußerungen zu ergrei: fen und zu verstehen. Er hat sich überdom mit ciner seltenen vingebung in das fremde Leben, dessen Berstindniß erschlossen werden sollte, vertieft, und ist eben dadurch in deu Stand gefeßt worden, dessen Natur und Bildungegang genau und allseitig zu erfennen.

Die volle, unbefangene Gingebung an den Gegenstand, das ist immer und überall das sicherste Mittel, seiner vodständig Herr zu werden. Denn fic allciu macht es möglich, den Standpunkt der Betrachtung da zu nehmen, von wo er wotbwendig im reinsten und hellsten Lichte erscheinen muß, in ihm selber. (Es ist ein entídiccener Vorzug der Sievers'schen Darstellung, daß Grund und Zwed terselben ausschließlich in ihrem Objekte liegt, daß fie einzig und allein von dem Interesse an der in ibr behandelten Sache geleitet und beherrscht wird. Die Person des Dichters, welche Gervinus überall in der Vordergrund stellt, tritt bei Berrni S. turdaus zurüd; während jener nicht müde wird, die Größe des Dichters und Menschen preisend bervorzuheben, läßt dieser ren Nuhm des Meisters lediglich durch feine Werke verkündigen. Für Gervinus sind die Dichtungen Shakespeare's nur der Weg, welcher seinen Blick zu ihrem Urheber hinüberleitet; für verrn S. sage: gen das leßte Ziel, an welchem sein Auge unverwandt baftet; fic haben für den priteten die Bercutung cines Mittels, dem lekteren sind sie Selbstzwerf

. Bon Shakespeare ist in ren vorliegenden Abhandlungen nur sehr selten, und auch dann meist kurz und im Allgemeinen die Rede. Es geschicht nicht cben oft, Nag irgend eine bemerkenswerthe (Figenthümlichkeit seiner Auffassung oder ein cha: rafterijtijdes Merkmal seiner Kunstweise austrüdlich hervorgehoben und eingehend stórtert wird. Der Verf. hat die Frage nach der Genesis der Dramen bei seiner Bearbeitung zur Seite liegen lassen; er kümmert sich weder um ihren geistigen Ur: (rrung, der in der Seele des Dichters zu suchen ist, noch um ihre materielle Quelle, die in den bistorischen Boransseßungen verborgen liegt; er nimmt sie, wie sie eben ind, als die fertigen, vollendeten und auf sich selber rubenden Proruktionen des fúnítlerijdieu Genius, dessen schöpferische Hand sie gebildet hat. Wenn Gervinus fit überad nach dem Grunde dieser Bildungen erfundigt, nach dem Zwede, welchem fie dienen, nad ter Meinung, die sie vertreten sollen, su forscht Herr S. nur nach Tein, was sie an sid selbst bedeuten. Es ist ihm gleidgültig, wie sie sich zu ten persönlichen Denken und Streben des Dichters verhalten, ob derselbe cine An fist oder eine Marime, eine Mahnung oder einen Trost, cine Warnung oder eine ernunternde Lebre bat aussprechen wollen. Dier vielmehr, er ist überzeugt, daß die Frage nach der Stimmung und Absicht des Künstlers bei der Würdigung eines Kunstwerke , wenn auch nicht unstatthaft, so doch eine Frage von untergeordneter Bedeutung ist.

Jede wahrbaft fünstlerische Schöpfung wird in demselben Augenblice, in wel: dem sie an's Licht tritt, majorenn; ibre Selbständigkeit datirtron com Mo: maent ihrer Geburt; sie ist gleich im Beginne ihres Daseins sui juris und feiner ráterlichen oder vormundsdaftlichen Gewalt unterrorfen. Bermöge dieser unbeding: tea Autonomie viltet sie eine Gristenz für sich, die, weil sie lediglid, auf ihrer eige: nen Kraft basirt, and nur aus ihr selbst begriffen und erklärt werden fann. Wie Alce, mas tem Bereiche des Lebens angebört, bat auch das Kunstwert seinen lir: ferung und seine Bestimmung in fich. Es bedeutet nicht mehr, aber auch nicht

[ocr errors]

weniger, als es ist; der umfang feines wirklichen Inhaltes ist zugleich das Maß Feines Werthes. Herr S. hat sich, um den inneren Gehalt und den wahren Sinn der Shakespeare'schen Dramen zu ermitteln, ausschließlich an fie selber um Augs funft gewandt, und damit unseres Erachtens den einzigen Weg eingeschlagen, auf welchem eine richtige und vollständige Lösung der gestellten Aufgabe zu erreichen ist. Der' beste Interpret eines Kunstwerks ist ohne Zweifel es selbst; es fommt aber nur darauf an, ihm die Zunge zu lösen, damit es die Geheimnisse seines Wesens offenbare. Freilich ist diese Dperation mit nicht geringen Schwierigkeiten verknüpft; es wird nicht Jedem gelingen, sie so befriedigend auszuführen, wie dies vom Verf. der in Rede stehenden Abhandlungen gerühmt werden darf.

Wir haben bis dahin den allgemeinen Charakter der vorliegenden Darstellung wenigstens in dem einen oder anderen ihrer Hauptzüge zu zeichnen versucht; es dürfte nun an der Zeit sein, ein Wort über ihre speziellen Resultate zu sagen. Auch können wir versichern, daß uns die Neigung dazu feineswegs fehlt; wir wür: den dem Verf. sehr gern in das Detail seiner Ausführungen folgen, wiewohl wir uns in dem Falle befinden, dem Inhalte derselben fast durchweg ohne allen Por: behalt zustimmen zu müssen. Es gibt, auch wenn die Auffassung im Allgemeinen getheilt und das Ergebniß im Ganzen gebidligt wird, der Stellen gar manche, wo man einen Zweisel zu äußern, einen (inwand zu erheben oder auch eine Ergänzung zu fordern hat. Indeß, der uns zugemessene Raum gestattet nicht, eine fritische Prüfung des Einzelnen zu unternehmen. Ein turzer Hinweis auf einige der neuen und eigenthümlichen Ansichten, die Herr S. in seinen beiden Auffäßen entwiđelt und begründet, ist alles, was wir uns erlauben dürfen.

Kein Shakespeare'scher Charakter ist in neuerer Zeit so oft und aus so man: nigfachen Gesichtspunkten besprochen worden, wie der bamlete. Dennoch wird Nies mand behaupten wollen, daß diese geheimnisvolle Erscheinung nach allen Seiten genügend aufgeklärt sei. Der Grund, aus welchem es lo schwierig ist, das sie ums gebende Dunkel vollständig aufzuhellen, liegt nach unserem Dafürhalten in dem Ulmftande, daß der Charakter Hamlets ein mehr weibliches als männliches Gepräge bat, over, was die Sache noch genauer bezeichnen dürfte, daß Hamlet nidit sowohl ein Charafter als eine Natur ist. Der Charakter hat feste, bestimmte Grundzüge, die sich unschwer erkennen und fixiren lassen; zugleich ist seine Entwidelung, weil sie durd, dicse leicht faßbaren Elemente durchgängig bedingt wird, jo klar und durchsichtig, daß fie in vielen Fällen fast a priori construirt werden kann. Die Natur dagegen bewegt sich auf einer Basis, die um so weiter zurüdweicht, je tiefer man in sie eindringt, und zeigt in der Regel eine Reihe von Entfaltungen, deren Folge und Zusammenhang nicht das zweifellose Gelet, sondern die unberechenbare Laune zu bestimmen scheint. Der Charakter erschließt sich daher nicht selten dem ersten scharfen Blice, von dem er getroffen wird, während es zur Erfenntniß der Natur der unau&gcjeßten sorgfältigsten Beobachtung bedarf. Auch Hamlet fann nur dann begriffen werden, wenn jeder Zug seines Wesens scharf in's Auge gefaßt und seine Entwidelung Schritt für Schritt mit der gespanntesten Aufmerkjamkeit verfolgt wird. Die Untersuchung des Herrn S. genügt dieser Zwiefachen Anfor: derung in hohem Grade; ebendarum hat sie zu sehr erheblichen und werthvollen Resultaten geführt.

Nach der gewöhnlichen Auffassung, die bekanntlich von Goethe zuerst geltend gemacht und

und auch von Gervinus nouerlid atoptirt worden ist, hat Shakespeare in Hamlet eine Persönlidyfeit darstellen wollen, welche, zu einer großen That berufen, aber unfähig, sie zu vollziehen, an diesem Widerspruche des Könnens und Solleus, Der gegebenen Anlage und der gebotenen Pflicht zu Grunde geht. Man bat dann ferner, um die rein negative Bestimmung der Intüchtigkeit zum Handeln mit einem positiven Inhalte zu erfüllen, die contemplative Natur Hamlets in den Vordergrund gerügt und den sich in ihm vollziehenden Prozeß als die nothwendige Selbstaui: lösung des einseitig in fich rerbarrenden theoretischen Geistes bezeichnet. Hamlet ins ist die Quintessenz dieser Ansicht - fällt, weil ihm, rem gebornen Denfer, die Aufgabe gestellt wird, in das praktische Leben selbsttbåtig einzugreifen. Man findet saber die cigentliche Ursache und den wahren Anfang des inneren Zwiespaltes, tard kvelden feine innere Lebensfraft afmålig verzehrt wird, in der Aufforderung des Geistes, die an ihm begangenen Frevel zu rächen. Es unterliegt aber feinem Zweifel, daß diese Annahme ourdaus grundlos ist. Man hat auffallender Weise ganz überseben, daß die geistige Zerrüttung Hamlets schon bei seinem ersten Auffreten der Berzweiflung sebr åbnlich sieht, und durch das Zusammentreffen mit dem Bater nicht erst begründet, sondern nur befestigt und zu einem höheren Grade gesteigert wird. Herr S., der diese Thatsache nicht wie seine Borgänger außer Acht grlassen hat, ist, wie es scheint, cben durch sie zu einer weit richtigeren und una gleit tieferen Ausdauung des Hamlet'schen Wesens hingeleitet worren. Mir fón: üen bier nur die Þauptpbasen, in welchen seiner Ansicht nach der Entwicilungeprozeß bamlets verläuft, ganz im Allgemeinen andeuten.

Die Basis dieser Entwicklung, das bestimmende constitutive Element in der Persönlichkeit Hamlets ist der subjektive Idealismus, jene eigenthümlidie Form des Geistes, welche namentlich den nordischen Bolfsstaminen eigen und der Grund ibrer Größe wie ihrer Schwäche ist. Der unendliche Inhalt, dessen sich hier das Jadi: viduum bewußt ist, das grenzenlose Streben, die universelle Tendenj, vor der es bebertscht wird, beben es über alle Schranken der äußeren Welt, über jede Besor: terbeit der mannigfacher Erscheinungen, die den Umfreis des objektiven Daseins erfüllen, hinaus. Der Mensch ist auf diesem Standpunkte unbedingt frei, weil Nichts von dem, was außer ihm liegt, Gewalt über ihn bat; er lebt überdem mit sich und der Belt in volfommener Harmonie, weil das stets lebendige Bewußt: sein seines unendlichen Werthes durch das Gefühl der persönlichen Unzulänglichkeit noch nicht getrübt wird und die Welt ihm nicht in ihrer Wahrheit, sondern ledig: lich als der Reflex seines eigenen Besens Gegenstand ist. Der subjeftive Jocalist erkennt die Wirklichkeit nur insoweit an, als er sich selbst in ihr wiederzufinden vermag. Es sind daber die persönlichen Berhältnisse der Pietat, Freundidaft, Liebe u. 1. w., welche seine Lebenöthätigkeit vorzugsweise absorbiren und zugleich den Zusammenhang mit der Außenwelt, die ihm an sich fremd und gleichgültig ist, vermitteln.

Es ist nidht möglich, daß fidy der Mensch rein auf sich jelber stelle, wenn er vidt dem Untergange anheimfallen will; die Einheit mit der Welt ist der Grund und die Bedingung seines Lebens. Kann die Verbindung mit ihr feine unmittelbare fein, so muß er sie sich per procuram vermählen. Eine solche Vertretung bot sich Hamlet in seinen Eltern dar; feine tief innerliche Natur, die ihm nicht ges tattete, aus sich heraus und mit der äußereu Belt in einen lebendigen Conner zu treten, fand in der Kraft und Würde des Baters, wie in der treuen, hingebenden Liebe der Mutter die Gewähr ihres eigenen Inhaltes und einen ficheren Boden, eine feste linterlage, auf der sie sich frei und ungestört entfalten durfte. Das un: begrenzte Bertrauen, mit welchem er zu seinen Gitern hinaufblicte, begründete und itübte die ron teinem Zweifel berübrte Zuversicht zu sich selbst, und machte es ihm mozlich, sich den unbefangenen Glauben an die Wahrheit der Welt ungetrübt zu erbalten. Es war gleichsam ser festgefügte Anfer, an welchem sich das Schiff seines Lebens in rubigem Gleidgewichte gefahrlos auf, und niederbewegte. Man konnte erwarten, daß in dem Augenblice, wo die fesselnde Kette zerbrochen würde, tas Fahrzeug, sich selbst überlassen und res kundigen Führers entbehrend, nicht im Stante sein werde, der von allen Seiten andrängenden Sturmfluth zu widerstehen.

Das Gebäude des inneren und äußeren Glüds, in welchem Hamlet seit seiner frubeften Jugend gewohnt hatte, ruhte auf der vollen Integrität des häuslichen Kreises, dem er angehörte. Es begann zusammenzubrechen, sobald dieses Funda: ment anfing untergraben zu werden; die Auflöjung des einen hatte den Nuin des andern jur unmittelbaren Folge. Herr S. zeigt sehr gut, wie die fortschreitende Zerrüttung Hamlets in ihren verschiedenen Stadion durch den physischen und mo: ralischen Untergang seiner nächsten Angehörigen beringt wird. Der plötzliche Tod des Vaters, in welchen er das Ideal des Mannes und Herrsdiers zu verehren gewoont war, die Tbronbesteigung des heims, defian Persönlichkeit seinem moralischen und ästhetijden Sinue gleic; widerwärtig ist, das despotische Regiment, weldzes nunmehr an die Stelle der frühercu ebenso milten wie gerechten Regierung

[ocr errors]

tritt und schwer auf dem Bolfe lastet, während es zugleich den feigen Knechtasinn Der Großen nährt und offen legt, vor allem aber die schnelle Heirath der Mutter, welche, da ihre Liebe zum Gatten für Hamlet „das Symbol der weiblichen Liebe überhaupt," und rarum auch die Gewähr der Liebe Opbeliens zu ihm selbst ges wesen war, durch ihren Unbestand seinen Glauben an die eigene Geliebte im tiefsten Grunde erschüttert, so daß es zur vollständigen Ertödtung desselben kaum noch der faktischen Auflösung des Verhältnisses bedarf, welche Opbelie, dem Gebote des Va: ters gehorsam, berbeiführt das find die schnell sich folgenden Ereignisse, durch welche Hamlet bereits an den Rand der nur noch im Selbstmorde Rettung erblickenden Verzweiflung geführt worden ist, als ihm der Geist seines Vaters die eigents liche Bereutung und den wabren Urheber jener Vorgänge enthüllt.

Der Verf. bemerkt mit Recht, daß nach dem, was vorbergegangen, „die (r: zihlung von cem Morde auf samlet feine andere Wirkung üben fanii, ale caß fie ibm vollends allen Glauben an die sittlichen Mächte aus der Brust reist.“ (S. 8.) Hamlet ist unfähig, den Auftrag des Geistes zu vollziehen, weil er, mit sich selbst zerfallen, fich nicht zu jener vollen, ungetheilten Fingebung concentriren kann, welche šie nothwendige Vorausseßung des Sandelns ist. Die leidenschaftliche gast, mit Der er auf die Mahnung zur Rache eingeht, das feierliche Gelübniß, durch welches er sich ihrer Ausführung weiht, darf uns über die wahre Sachlage nicht tauschen. Hamlet „stebt (von Anfang an) mit seinem Geiste außerhalb der Sache, die durch ihn verwirklicht werden soll, ist nicht von ihr ergriffen, und bleibt raber den Zweifeln über ihr Gelingen ausgelegt.“.(S. 127.) Auch ist er fortwäbrend zu sehr mit fid selbst beschäftigt, zu ausschließlich dem Bewußtsein seiner eigenen Leiden hingegeben, um fremdem Gejchicke eine aufrichtige, thatfräftige Theilnahme zuwenden zu können. Zwar gedenkt er hin und wieder der Pflicht, die er den Manen des Vaters schuldet, aber dies ist, wie Herr S. zur vollen (videnz nach: weist, inimer nur dann der Fall, wenn der Haß gegen den Oheim, welcher übrigens mehr den Zerstörer des persönlichen Glücké, als ren Mörder des Vaters trifft, Turch die Vorfebrungen desselben momentan zur leidenschaftlichen Wuth entflanımt wird. Die Ansicht des Verf., daß dem Könige von Seiten Hamlets gar keine ernstliche Gefahr troben würre, wenn er sie nicht durch seine der Furdt entspringenden Maßnahmen selbst herbeiführte, ist ohne Zweifel durchaus begrüntet. Auditimnien wir ilin unberingt bei, wenn er, der gewöhnlichen Annahme entgegen, behauptet, daß Hamlet in den Augenblicken, in welchen es ibm mit der Zuchtigung des Vers brechers wirklich (Ernst iit

, nicht den heinlichen Mord desselben, sondern eine öffent: liche Anklage und gesebliche Verurtheiliing beabsichtige.

Die Enthüllungen des Ocistes baben das schon vielfach geloderte Band, melo ches Hamlet mit der Welt verknüpfte, vollständig aufgelöit; der naive Glaube an ric Güte und Babrbeit der ihn umgebenden Dinge und Mensden ist in sein gera: 008 Gegentheil verkehrt; er sicht, wobin er ren Blid auch riditet, nur Beuchelei oder Verbrechen, gemeine Natur oder raffinirte Gemeinbeit. Unter diesen Umständen bleibt ihm, „wenn er fortleben will, ubne wahnsinnig zu werden,“ nichts übrig, ale „sich der Welt, die ihm als böse gilt, gegenüberzustellen, und das Gute we: nigstens in sich noch zu behaupten.“ (S. 73.), Er beschließt, sich wahnsinnig zu stellen; „der Schein des Wabusinns ist sie außere Schranke, die er zwijden sich und den Menschen aufführt“ (S. 77), da er innerlich mit ihnen feine Gemeinsdaft mehr haben fann. Aber dieser Wahnsinn ist zugleich „nur ein Refler res inneren Sdreines, sem er selbst verfallen ist, seitdem ras Gute für ihn zum bloßen Schein geworden“ (S. 81). Denn mit Redyt bemerkt der Verf., daß die Entgegensepung gegen die Welt, welche, wenn sie auch in ihren einzelnen Gridheinungen oen Beit ics Buten verleugne, Toch an sich der wahrhafte Träger der sittlichen Incen sei, ten Menschen ausjdließlich seinem eigenen, leeren Selbst, d. b. dem eigentlichen Sdcine“ überantworte.

Indom fich şamlet zur Objektivität in einen feindlichen Gegensat stellt, um mi Böse, von dem sie seiner Ansicht nach erfüllt ist, zu bekämpfen, wennet er sich in Wahrheit gegen das Prinzip des Guten selbst, das er ihr gegenüber zu bebaups ten die Absicht hat (S. 102). (68 ist nicht anicrs : wer auf der Verbindung mit dem Gangen der Welt und Menschheit heraustritt, verfällt ebendamit dem Egois: mus ; die rein individuellen Triebe, Neigungen und Interessen müssen da nothwendig ald berechtigte Fattoren auftreten, wo der Mensch nur in sich selbst die Quelle res Guten und Bahren zu finden wähnt. Auch Hamfet tommt sehr balo dabin, sich durch die Regungen der Selbstsucht bestimmen zu lassen. Es ist zunädyst der giftige Sohn, mit welchem er fich gegen Nlles fehrt, was ihm einst heilig war" (S. 10), worin diese schlecht egoistische Richtung, zu Tage tritt. Sie ist es dann fernier, welche ihn, nachdem er im Bewußtsein seiner Schwäche darauf verzichtet hat, den Konig zur Berantwortung und gerechten Strafe zu ziehen, den Entschluß fassen läßt, lid wenigstens in seinen eigenen Namen an ibin zu rächen, seinem persönlichen Hasse durch die Aufführung des Schauspiels Befriedigung zu ges währen (S. 122 ff.).

Wir haben so eben angegeben, worin şerr S. die Bedeutung des Schauspiel: feßen zu müssen glaubt. Samlet bedient fich desselben nicht, wie gewöhnlich ans genommen wird, um über die Schult des Königs vollständige Gewißheit zul cr: balten, sondern lediglich in der Abficht, ihn, den er auf dem geraden, offenen Woje ali Bertreter des sittlichen Geistes nicht anzugreifen wagt, in indirefter, fast hinterlistiger Weise die feiner eigenen Person zugefügten Kränkungen entgelten zu lassen. Die Radhe, die er an dem Dheim nimmt, båt ihren Grund in der rein subieta tiden leidenschaft, von welcher er, „wie von einer dämonischen Macht“ beherrscht wirt. Eben diese Leidenschaft ist es, deren blinde Wuth den Mord des Polonius berbeiführt, eine That, die in Hamlet den lezten Rest des Glaubens an die Wils lenskraft und Selbständigkeit des Menschen tilgt, indem sie diesen als den Spielbal des Zufalls, als ein willenlojes Werkzeug des Schidsals erscheinen läßt (S. 14 und 192). Zwar blißt noch einmal, als er in die Gewalt der Seeräuber fällt, der Gedanke an die Rache in ibm auf. Doch ist derselbe jeßt im so wirfungsloser, ra ibn die ganz überflüssige Preiøgebung der königlichen Gesandten, die er, um fich selbst zu retten, dem gewissen Tode überliefert, abermals überzeugt hat, daß „die Willensfreiheit und das Selbstbewußtsein des Menschen fecre Träume sind, und er saber der Borsehung die Sorge für sein Wohl anbeinstellen soll, statt selbst du handeln“ (S. 16).

Der Fatalismus, d. h. die unbedingte Unterordnung der Persönlichkeit unter die allgemeine Macht des Lebens, ist der nothwendige Ausgang cines jeden Ver: suches, der dabin abzielt, die Persönlichkeit als solche zur einzigen Normi, zur alleinigen Beleßgeberin des Lebens zu erheben. Es bleibt für Famlet, nachdem sich zur Berzweiflung an der Welt noch die Erkenntniß der Nichtigkeit seines persönlichen Strebens gesellt hat, nur die Sehnsucht nach dem Tone übrig, der ihn dann auch, da er den Machinationen seiner Feinde feinen ernstlichen Widerstand mehr entgegenfeßt, bald genug ereift. simasis 1) 10 Es ist im Dvigen nur eine ganz allgemeine Sfizze der psychischen Ent: widelung Hamlets, wie sie vom Verf. dargestellt wird, gegeben worden. Auf tic mannigfachen und höchst scharfsinnigen Erläuterungen der verschiedenen Mos mente, die in ihrer Vereinigung das Wesen dieses Charakters constituiren, konnten wir ebensorenig eingeben, wie auf die sebr sorgfältige Erposition der näheren oder entfernteren Beziehungen, in welchen derselbe mit den übrigen Hauptpersonen des Dramas steht. Auch die Charakteristik dieser lekteren mußte ganz übergangen wer: den, wenngleich fie ebenso ausführlic und im Ganzen nicht minder gelungen ist

, wie die Hamlete. Im Allgemeinen möchte sich in Bezug auf sie sagen lassen, daß tie Auffassung des Königs und des Polonius zwar nichts wesentlich Neues, wohl aber Bestimmungen bietet, die weit schärfer und genauer sind, wie die bisherigen, ribrend von der Schilderung Opheliens und ihres Bruders mit Recht gerühmt. brerden darf, daß sie an diesen Charakteren manche fehr bezeichnende Züge hervor: hebt, die man bie jeßt völlig übersehen hat.1731:

Sean vert S. in der Bearbeitung Samlets eine seltene Fähigkeit an den Tag legt, vívdische Prozesse von sehr complicirter Art in ihrem bald schlangenartig fic binrintenden, balo sprunghaft fortsdreitenden Gange zu verfolgen, so liefert die Abbandlung über. Cäfar einen erfreulichen Beweis dafür, daß er co nicht minder

[ocr errors][ocr errors]
« PreviousContinue »