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treffen in rem Punkte zusammen, um welchen sich in den leßten Jahren die ents flammte Begeisterung jedes edlen Deutschen, bald hoffnungsvoll, bald verzagend, drehte: daß sie reiche Kraft, die tiefe Innerlichkeit des deutschen Volfes von den veengenden Schranken politischer Selbstsucht befreit werde und sich an dem Bewußts sein einheitlicher Größe würdig emporheben möge.

Diese Sammlung bringt aus Deutschlandê Süden und Norden, von allen Bruderstämmen seiner Bewohner die Klänge der deutschen Lyra in ihren mannig: faltigsten Ausdrudsweisen. Sie ginnt in ihrem ersten Theile mit Martin Dviß, und das mit Recht. Denn da sie, wie sich der Herausg. in der Borrede ausdrüdt, „nicht für eine bevorzugte Klasse, nid)t für eine besondere Bildungsstufe, sondern für das gesammte Volta bestimmt ist, so konnten die Blüthen des 13. Jahrhunderts, der Formschwierigkeiten wegen, die sie darbieten, nicht berücksichtigt, und nur die Entwickelung und Entfaltung unserer zweiten Blütbenperiode ins Auge gefaßt werden. Dviß aber hat das unbestrittene Verdienst, ras schwach geahnte, viel: gesuchte Wort des Näthsets in seiner „Deutiden Poeterei“ ausgesprochen und dadurch auf die Gestaltung der neueren Poesie tief eingewirkt zu haben. Ihm reis hen fich würdige Gestalten, wie Flemming, Dach, Paul Gerhard u. an, welchen sodann Albr. v. Haller mit Kleist, Gellert, Gleim a. u., ferner Klopstod, Lessing, Wieland u. a. folgen, jeten derselben durch die mitgetheilten Gedichte in seiner (Figenthümlichkeit vorführend. In dem zweiten Theile sammeln fich um die beiden Brennpunkte unsere Dichterhimmels, Goethe und Schiller, verwandte und nicht verwandte Geister in reicher Mannigfaltigkeit. Im dritten endlich tlingt tas vaters ländische lies in mächtigen Tönen von Arndt, Körner, Schenkendorf, ühland u. A., und führt uns die neuesten Dichter in so reichhaltiger Weise vor, wie wir fie in Sammlungen dieser Art bisher noch nicht angetroffen haben.

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Schiller und sein Väterliches Haus. Von Ernst Julius Sauppe,

Subconrector am Gymnasium zu Gera. Leipzig, 3. 3. Weber. 1851, 8.

Diese Fleine und anmuthige Schrift enthält die Lebensabrisse von Schillers Eltern und seinen drei Schwestern, Christophine, Louise und Nanette, mit der Bes stimmung, den Dichter durch einfache Darstellung seiner Beziehungen zum Pater: bause als Sohn und Bruder zu verherrlichen. Die Lebensskizzen süßen fich auf die allgemein als zuverlässig anerfannten Quellen, und es muß dein Verf. zum Ruhme nachgesagt werden, daß ihm nichts von nur ciniger Bedeutung entgangen ist. um einen fichern Faden zu baben, an den sich das llebrige leicht anreiben ließe, sind in das Lebensbild des Vaters die wichtigsten Momente aus des großen Sohnes Leben eingefügt, so daß in den folgenden Bildern auf dieselben rerwiesen werden kann. Die bescheidenen Ansprüche, mit denen das Buch auftritt, erweden von vornherein ein günstiges Vorurtheil für dasselbe, und jeder Leser wird einråt: men, daß der Verf. seine Forderungen befriedigt hat. Indem aber die Familie nicht als ein Ganzes, sondern in ihren einzelnen Gliedern geschildert ist, hat fich allerdings der Uebelstand herausgestellt, daß, und zwar namentlich in den beiden ersten Skizzen, des Vaters und der Mutter, manche Wiederholungen vorkommen. Diese würne der Berf. vermieden haben, wenn er den Familienfreis als Ganzea und vorgeführt hätte, und diese Anordnung lag um so näher, als es ihm weniger darauf anfam, den Vater, die Mutter und die Schwestern des Dichters uns vorzus führen, als Schiller selbst nach seinen Beziehungen zum Vaterhause. Derforr.

Hölscher.

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Klopstod in Zürich im Jahre 1750 – 51. Von 3. C. Mörikofer.

Zürich und Frauenfeld, Beyel. 1851.

Bir erhalten in dieser kleinen Schrift einen sehr anziehenden Beitrag zur Lites raturgeschichte des vorigen Jahrhunderts. Der Verf. bietet uns aus bisher zum großen Theil unbekannten Quellen ein Bild des Jüngling8 Klopstod, welches von dem, welches wir bis jeßt hatten, bedeutend abweicht. ieber den Aufenthalt Klops ftods in Zürich hatten wir bisher nur wenige Nachrichten; sehr gering ist das, was Gramer in seinem großen panegyrischen Buche über Kl. 2. Thi. S. 360 ff. mit: theilt, etwas mehr wußten wir aus einzelnen Briefen. Man dachte sich meist Slov: stod sort ein so ideales Leben führend, wie er es in seinen Jugendgerichten feiert, und den Meisten war von der ganzen Zeit nur die herrliche ode auf den Zürchersee belannt.

Die erste Befanntschaft Bodmers mit Kl. wurde durch die Handschriftliche Mits theilung des 2. Gejanges des Messas durch Gärtner veranlaßt, da schon drei Ge: sänge gedrudt waren, ohne großes Aufsehen zu machen (vgl. Hagedorn in den Briefen an Bodmer, herausgegeben von Staudlin S. 86. Heß das., S. 114. 141) und Hagedorn eine Verwendung für Kl. abgelehnt hatte; Bodmer aber war gleich dadurch aufs Höchste begeistert und machte Heß in Altstetten zum Theilnehmer an dieser Begeisterung (r. veß a. a. O. S. 101. 109). Hierauf schrieb von Langen: salja aus Kl. an Bodmer 1748, 10. Aug., und entdeckte ihm seine Liebe zu Fanny und bat ihn um eine Verwendung beim Prinzen von Oranien wegen eines Jahr: gebalts. Nun ist B. aufs Höchfte für Kl. angefeuert. Er schrieb sogar einen Brief an Fanny, in dem er fie um ihre seelenvolle Theilnahme für den Dichter bittet, damit Das große Werf vollendet werde. Diesen Brief übergab aber Kl. nicht, doch entbúlte er sich ganz seinem Bodmer, der seine platonische Liebe nicht begreifen fonnte. B. fuhr indesjen fort, nach allen Seiten hin thätig für Kl. zu sein, ins Französ fiche, Italienische sollte der Messias überlegt werren, und er bewog Heß zu einer Schrift für das Gedicht. So wirfte er allein für Kl., er wurde eigentlich der Evans gelist des Meffias (lo nennt ihn Kl. bei Staudlin, S. 184), während dessen Ruhm noch immer zweifelhaft war, und Kl. dankbar feierte ihn brieflich als seinen Lehrer, und in einem Nachtrage zu der Freunrschaftsode (an Ebert), der später wieder ausgemerzt wurde. Indessen war B. auch ein Schüler Klopstocks geworden, er dichtete, von Begeisterung für den idealen Naturzustand der patriarchalischen Zeit, seine Noachide, der freilich die Glaubenskraft der Mesfiadc abgeht und die nun schon längst vergessen ist. Da sie den erwarteten Beifall in Norddeutschland nicht fand, so hoffte B. an Kl. einen theilnehmenden Freund zu finden, er lud ihn taber 1749 im Frühjahr zu fich ein. Klopstod nahm das Anerbieten mit Dant an, coch hielt ihn noch immer die Liebe zu Fanny_zurück (vgl. Briefe an Bodmer S. 180, in welcher Sammlung leider feine gute Ordnung ist). Die Sehnsucht Bodmers wuchs immer mehr, fie Feuerte ihn sogar zu einem Gewicht: „Berlangen nach Klopstocks Ankunft,“ an, das hier S. 36 ff. zum ersten Male mitgetheilt ist, und worauf fich Kl. in der Ode an den Zürchersee bezieht. Die Briefe zwischen Beiden sind meist in einem hohen Stile geschrieben, doch nicht durchweg, wie der Brief vom 12. April (bei Staudlin, S. 183) jeigt, der mit dem Briefe Klopstocks an Schultheß stellen: weise wörtlich übereinstimmt und von Hrn. M. übersehen worden ist. Endlich brach Kl. mit Sulzer und Schultheß auf. Von seiner Reise schrieb er öfters an seine deutschen Freunde und Bormer (vgl. Klamer Schmidt: Klopstod und seine Freunde 1810). Am 23. Juli 1750 fam er in Zürich an; mit seinem anmuthigen, vornehmen, lebendigen Wesen brachte er in Bodmers stilles saus eine neue Ords nung und wurde schnell in das gesellige Treiben hineingezogen; er besuchte sogleich Heß in Altstetten, und die berühmte Fahrt auf dem Zürcherscé fand schon am 30. Juli ftatt. Bei derselben spielte die Hauptrolle Dr. Ì. Casp. Hirzel, der Stifter der helvetischen Gesellschaft; außerdem nahmen Theil dessen Bruder Salomon Hirzel, Rudolf Werdmüller, Buchhändler Salomon Wolf, Raufmann Sching, alle drei sdriftstellerisch bekannt, Pfarrer Schinz, şartmann Rahn, später Klopstocks Schwa: ger, Reller von Golfbad; außerdem fünf Frauen und vier Mädchen, unter denen

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die Sdwester von H. Schinz von Kl. am meisten gefeiert wurde. Birgel beschrieb die Fahrt (im helvetischen Kalender f. 1796). Kl. las auf der Fahrt eine Stelle De8 8. Gesanges des Messias den entzückten Begleitern vor, und farnach die Verse 619—889 des 4. Gesanges, dieselben Verse, durch die er schon in Magdeburg entzudt hatte (1. Brief an Fanny bei K. Schmidt I, S. 30); er riß durch seine Dichtung wie durch seine geselligen Talente hin; man tranf auf die Gesundheit der „göttlichen“ Schmid; Kl. sang Hagedorn'sche lieder, es wurde gescherzt und gefüßt. Gleich enthusiastisch berichtete über die Fahrt Kl. an Schmid (bei Kl. Sdniot I, S. 102 ff.). Am folgenden Tage veranstaltete Bodmer eine Zusammenfunst meha rerer Freunde in Winterthur, wo man acht Tage zusammenblieb und Kl. seine Ode auf den Zürdyerjee und die Ode an Bodmer vorlas; dennoch fühlte sich B. immer weniger vou Kl. befriedigt, der ihm zu wenig mit seinen gelebrten Freunden, na: meutlich mit Breitinger, verfchrte und zu viel mit den Jünglingen, über seinen Noab stumm blieb und an dem Messias nicht fleißig arbeitete; vergebens suchte er durch seine Freunde Pfarrer þeß und Dr. Zellweger in Trogen Kl. von seinem Wege abzubringen. Zugleid, kam au Kl. die Einladung nady Kopenhagen mit Aus: scßung einer Pension.

Nach einem Monate siedelte Kl. in ras saus seines enthusiastischen Verchrers, des jungen Hartmann Rahn, über, für desjen Taffetdruckerei er die Dessins zu re: vidiren unternommen hatte, um seine öfonomischen Verhältnisse zu verbessern (1. auch ren Brief Klopstods an Fanny bei Kl. Schmidt I, S. 126). B. äußerte sich sehr ungehalten über dies unrubige, nach seiner Meinung ausschweifende, leichts sinnige Leben Klopstocks an Zellweger, so sebr er auch sein Gedicht bewundert; er fand ihn groß in seinem Gedichte, klein in seinem Leben (roch blieb Kl. gegen die Erbabenheit der Schweizer Natur nicht so Palt, wie der Verf. andeutet, I. Kl. Schmidt I, S. 92. 96), und konnte ihm am wenigsten seinen Ilmgang mit jungen Frauenzimmern verzeihen. Er wurde ihin immer mehr entfremdet und forderte ends lich ein ihm gemachtes kleines Darlehen zurück. Dies erbitterte Kl. und er schrieb einen bißigen Brief an Bormer. Darüber entstand ein Zwist, der sich unter die beiderscitigen Freunde verbreitete und weiter befannt wurde (Klopstods Brief an Gleim bei RI. Schmidt S. 200, ist von dem Vorf. nicht beachtet) und Bodmern zu mehrfachen Aeußerungen des Mißfallens über Klopftods studentisches Leben ver: anlaßte, bis ein Brief des Berliner Hospredigers Sack, der auf ibn einen großen Ginfluß hatte (i. Kl. Schmidt I, S. 28. 33), Kl. veranlaßte, Bodmern wieder aufzusuchen. Versöhnt (i. Klopstods Brief an Gleim bei Kl. Schmidt I, S. 256) schieden sie, Mitte Februar 1731 verließ Kl. Zürich.

Der briefliche Verkehr mit den dortigen Freunden von Stopenhagen aus war nicht lebendig, und wie sehr auch Bodmer den Sänger des Messias fortwährend bochachtete (f. Bodmer in dem Gedichte bei Staudlin, S. 324), konnte er ihm doch aud später alles was nach erotischer Poesie schmedte, nicht verzeiben (1. die vom Verf. übersehenen Briefe Sdımidts an Gleim bei Kl. Schmidt I, S. 314, Wielands an Bormer bei Staudlin S. 220. 232 ff.); Rabn allein zog Ki, mit sich nach Kopenhagen, nachdem sich derselbe mit Klopstocks Schwester Johanna in Langensalza verlobt hatte. Rahns Seidenfabrik, zu der ihm der König von Danes marf beträchtliche Summen gegeben, hatte cinen schlechten Erfolg, er fehrte später nach Zürich zurück und wurde seinem Schwager entfremdet, er starb bei seis nem Sdwiegersohn Fichte in Jena. Seines Aufenthalts in der Schweiz gedachte Stlopstoot immer mit Vorliebe, er fühlte, daß er dort zuerst mit dem Leben bekannt geworden und aus seiner củstern Schwermuth errettet sei, sein Züricher Aufenthalt wirfte auf die Vorliebe der Schweizer für die schönen Wissenschaften, namentlich für die deutsche Literatur, sehr vortheilhaft ein. Derford.

Hölscher.

Dictionnaire des Antonymes ou Contremots. Ouvrage fondé

par les écrivains classiques, destiné à la jeunesse et aux écrivains français par Paul Ackermann. Paris et Berlin, Dümmler.

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Şerr P. A., Mitglied der Pariser Gesellschaft für Sprachkunde, welcher sich schon früber durch die Gerausgabe mehrerer werthvoller, theils eigenen tveils frein: den Arbeiten über die Sprache überhaupt und die französische ins Befontere rühma lidh bekannt gemacht hat, veröffentlicht in der vorliegenden Schrift ein Bruchstück eines umfassenderen Werfes, dessen Erscheinen er von der Aufnahme abhängig madyt, die das hier zur Probe mitgetheilte Fragment erfahren wird. Die sehr gut gesdriebene „Introduction“ (XVI p.) gibt über die Motive, durch welche er zu einem Ilnternehmen bestimmt worden ist, sowie über die Zwecke, dic:er durch dasselbe zu erreichen hofft und den der Arbeit zu Grunde liegenden Plan näheren Àusjdhluß. Wir wollen die wesentlichen Punkte dieser Erklärung berausheben und mit einigen Bemerkungen begleiten.

Die außerordentliche Klarheit, welche die französische Sprache vorzugsweise darakterisirt, ist, so meint err A., die Wirkung der großen Bestimmtheit (précision), durch welche sich dieselbe vor allen übrigen Idiomen Europa's auszeichnet. Bestimmtheit aber werde in jeglicher Sache dadurch erreicht, daß man sie möglichst strenge und genau begrenze und alles dasjenige von ihr ausschließe, was nid)t zu ihr gehöre. Denn es sei leicht einzuschen, daß sie eben dann als das, was fie ist, hervortreten müsse, wenn sie von dem, was sie nicht ist, durchgreifend gesondert werde. Aus diesen Prämissen, deren theilweise Richtigkeit Niemand in Abrede stellen wird, schließt nun der Verf. weiter, daß das sicherste Mittel, zu ciner genauen und präzisen Definition der Begriffe zu gelangen, darin bestehe, daß man ihnen diejenigen Ausdruce entgegenstelle, welche ihren eigenthümlichen Inhalt in negativer Weise wierergeben (qui ont une signification négative de leur sens). Es komme eben nur darauf an, den Begriff von jeinen sämmtliden Verneinungen zu befreien, damit die besondere Bestimmtheit desselben klar und deutlich erkannt werde. Denn die Beseitigung der Negationen führe nothwendig zur vollständigen Erfüllung der Position, ju dem auf Cinsicht beruhenden Verstandnisse der Wahrheit (à la connaissance réfléchie de la vérité).

Man siebt, Herr A. ist gleich der überwiegenden Mehrzahl seiner philosophiids gebildeten Landsleute noch ein gläubiger Befenner der alten logischen Doktrin und bält dabei die Taschenspielereien derselben noch immer für verehrungswürdige My: sterien voll geheimer Kraft und außerordentlicher Wirkungen. Was er hier an: preist, ist das bekannte Erperiment der Denffünstler, durch welches sie die überaus schwierige Aufgabe der genauen und vollständigen Begriffserklärung mit feltener Leichtigkeit und wunderbarer Geschwindigkeit zu lösen pflegen. Dudy ist die Beschreibung desselben nicht ganz eract; der Verf. lagt fein Wort von der wichtigsten unter den Manipulationen, durch weldie es zu Stande fomot, von der Aufstellung nämlich des sogenannten böheren oder Gattungsvegriffes. Er stellt die Sache jo dar, als ob es lediglich auf die Entgegensckung und Abjonderung der verwandten, aber zugleid, unterschiedenen Artbegriffe ankomme. Wenn aber jelbst die vollstän: dig durchgeführte Operation die von ihr gehoffte Wirkung auf keine Weise haben fann, es sei denn daß der Schein für die Wahrheit genommen wird oder die leps tere schon im Voraus bestimmt ist, so läßt sich von ihrer theilweisen Anwendung noch weniger erwarten. In der That ist nicht abzusehen, wie ein Begriff durd die bloße Zusammenstellung mit seinen Negationen seinem Inhalte nach deuts lich werden könne. Denn die Voraussebung, auf welche sich diese Annahme stüßt, daß man eine Sache kenne, wenn man wisie, was sie nicht sei, ist offenbar falsch. Wie genau auch ihre Grenzen nach allen Seiten hin bestimmt werden mögen, sie umschreiben doch iminer nur ihren umfang, während der Inhalt vor wie nadı im Dunkel bleibt. Niemand wird sich einbilden, den Begriff des Sdönen zu ver: stehen, weil er in Erfahrung gebracht hat, daß das Häslidie die Negation dessel. ben set und um ein Beispiel des sogenannten contráren Gegensaßes ju geben

wird das Wesen der Wärme rarum deutlicher eriannt, weil man weiß, daß fic von der Hiße zu unterscheiden ist?

Es ist teine Frage: die Wirkung, welde øerr A. von der antithetischen Ber: knüpfung der Wörter und Begriffe erwartet, tann durch diefelbe nicht bervorgerus fen werden und insofern steht seine Arbeit, die auf dem soeben entwidelten logischen Prinzip als ihrem Fundamente ruben soll (p. IV), unleugbar auf schwachen Füßen. Ist es aber auch ein Irrthum, daß durch den Gegensaß, in welchen sic gestellt sind, die Glieder desselben unmittelbar verständlich werden, so laßt fich toch vidt leugnen, daß die antithetische Zusammenstellung der Begriffe das Berftántniß jedes einzelnen von ihnen in niehr als einer Beziehung zu fördern geeignet ist. Die allgemeine Kraft des Contrastes macht sich auch in diesem besonderen Falle geltend. Er hebt jedes seiner Glieder nachdrüdlich hervor umd rüdt es dem Be: trachter mit einer gewissen zudringlichen Unverschämtheit ror die Augen; man kann nicht umhin, es scharf zu fixiren, und da sich die Aufmertsamfeit auf alle einzelnen Punkte nuit gleicher Stärfe beften muß, so wird die genaue, eindringende Berglets chung derselben zur unmittelbaren Nothwendigkeit. Zugleich fordert jeder Gegen. Taß seine Lösung, drängt über sich hinaus zum Erfassen der Einheit, welche ihm zu Grunde liegt, und führt eben hierdurch zur Erfenntniß des wahren, wesentlichen Inhaltes seiner einzelnen Blicter. Indirect also und auf mittelbare Weise wird die' Wortantithese allerdings die Begriffsbestimmung in hohem Grade fördern und erleichtern können. Es ist daber auf alle Fälle gewiß, daß die Zusammenstellung der Begriffe mit andern, welche sich zu ihnen gegensaßlich verhalten, zur Berdeuts lichung derselben wesentlich beiträgt, und muß deßhalb der Versuch einer methodischen und systematischen Anwendung dieses Verfabrens für die Legifologie für volls tommen gerechtfertigt gehalten und durchaus willfommen geheißen werden. Die Anertennung, welche ihm gebührt, wird um so größer sein müssen, da er ein gang neuer ist. Denn mit Recht fagt der Verf. : les lexicographes et les synonymistes ont quelquefois éclairci le sens d'un mot en le rapprochant de son contraire; mais toujours rarement et par accident (p. IV).

(8 gilt ras selbst von den Wörterbüchern der alttlasischen Sprachen, wiewohl in dicson, namentlich in denjenigen, welche für die Schule bestimmt sind, die Zweckmäßigkeit 808 in Rede stehenden Verfabrens durch eine ausgedehnte Anwendung desselben praktisch mehr und mehr anerkannt wird.

lebrigens ist Kerr A. feineswego cinzig und allein durch das im Grunde rein wissensdaftliche Interesse an der Beförderung und Erweiterung der richtigeu Ginsicht in den Inhalt der Begriffe zu seinem Unternehmen bestimmt worden. Als echtes Kind seiner Heimat weiß er eð auch mit dem Ruhm und Glanz der großen Nation in einen genauen Zusammenhang zu bringen. Das Wörterbuch der Ans tonyma soll nicht bloß der Wissenschaft, sondern zugleich dem nationalen (Ehrgeize dienen. · Die Klarheit und scharfe Bestimmtheit, welche der französischen Sprache cignen, sind, so glaubt der Verf., die Ursache gewesen, daß gerade fie, vor allen übrigen Idiomen des civilifirten Guropa, geeignet erschien, zur allgemeinen Sprache der höheren Gesellschaft und der Diplomatie erhoben zu werden. Jene ausgezeichs neten Eigenschaften aber, welche ihr namentlich durch die Bemühungen der Schrift: steller der sogenannten flasischen Periode gesichert worden sind, troben in jüngster Beit in Folge der Bestrebungen der mit J. J. Rousseau beginnenden „romanti: schen Richtung“ mehr und mehr verloren zu geben, wodurch denn natürlich auch rer Fortbestand des entschiedenen Vorranges, den sie bis dahin behauptet hat, ernstlich gefährdet wird. Es versteht sich von selbst, daß der patriotische Franzose einen solden nationalen Unglüde mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln vor: zubeugen bestrebt ist. Auch das Wörterbuch der Antonyme fann, der Ansicht doo Berrn A. zufolge, in dieser Sinsicht treffliche Dienste leisten. Denn c'est surtout par l'art, avec lequel ils ont su opposer les mots les uns aux autres, que ces écrivains (de l'époque classique) ont atteint le degré merveilleux de clarté et de précision, qu'on remarque dans leurs écrits (p. IV)., Incem fte die einzelnen Begriffe in antithetische Verbindung brachten, gelang cá ibucit, fie

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