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peler auf die Herstellung einer bereits aufgehobenen Gemeinschaft hinweist. Aber wenngleich zugegeben werden muß, daß im Verbum rapp. der begriffliche Inhalt von aband. aufgehoben oder negirt erscheint, so findet dennoch zwischen diesen beis den Ausdrücken fein Gegensaß, am wenigsten cin absoluter statt. Denn zu einem solchen wird erfordert, daß die einander gegenüberstebenden Begriffe wesentlich, d. 5. in ihrer allgemeinsten, gewissermaßen latenten Grundbestimmung identisch und gleichs werthig sind, zugleich aber in ihrem concreten, der Auffassung sid, unmittelbar dars bietenden Jubalte eine Verschiedenheit offenbaren, vermöge weldier ser eine son an: Dern in jedem seiner mannigfachen Momente verneint. Es folgt hieraus, daß wenn man den ganzen Ilmfang der in ihnen gescßten Bestimmungen überblidt, sich in feinem ein Punft vorfinden darf, der nidit auch in dem anderen, freilich in einer entgegengeseßten Gestalt angetroffen würde. Nun ist es zwar richtig, daß der Begriff von rapp. den negirten Inhalt von aband, in sich schließt, aber nicht min: per" wahr, daß derselbe zugleid, andere Momente umfaßt, die seinem vermeintlichen Gegensaße vollfommen fremd sind. In rapp. wird mehr bejabt wie in aband. verneint wird und umgekehrt aband, verneint weniger wie' rapp. bejabt; rer eine Begriff enthält eine vollständige, der zweite nur cinc partielle Verneinung des anteren. (bendarum weist auch nur der eine von ihnen (rappeler) auf den an: deren als seine nothwendige Vorausscßung hin, während aband. der Ergänzung durch rapp. auf keine Weise bedarf. Wo aber in Wahrheit ein unbedingter Ges gensaß besteht, fann kein Glied perselben ohne das andere gedacht werden. Wir jagten soeben, der Begriff von aband, werde in dem von rapp: vollständig nes girt und konnten dies insofern mit Recht behaupten, als die Erneuerung einer Verbindung das Gingeben in dieselbe involvirt, mithin ihre (durch aband. aus: gedrücfte) Pöjung aufhebt. Ganz genau ist diese Bestimmung aber doch nicht, denn die Verbindung, welche hier eingegangen wird, ist nicht dieselbe mit der, welche dort aufgelöst erscheint; die leştere ist nämlich eine bestehende, die erstere eine solche, welche bestand. Hieraus ergibt fich, daß die beiden in Rede stehens den Begriffe nicht einmal einen relativen Gegensaz bilden; denn es fehlt ihnen der identische positive Grundbegriff, welcher zu einem solchen Verhältnisse unumgänglich ist. Doch will man auch auf diesen Umstand fein besonderes Gewicht les gen, von einem Gegenjaße faun in rem vorliegenden Falle schon rarum feine Nere jein, weil der Begriff von aband. dem von rapp. gegenüber eben nichts als die reine Negation dejjelven ausrrüdt. Der relative Gegensatz fordert zwei Begriffe, von welchen jeder außer der gemeinsamen Grundvorstellung einen besonderen polis tiven Sinn darbietet, der durch den eigenthümlichen Inhalt des andern nezirt wird. Er kann daber da, wo der eine Begriff lediglich die Negation des anderu ist, unmöglich statthaben. Freilich läßt sich nicht leugnen, daß auch Begriffe dies ser Art in einem gewissen Gegensaße zueinander stehen; nur trifft derselbe nicht ben begrifflichen Inhalt" als solchen, sondern bezieht sich vielmehr einzig und allein auf deijen Eristens, die in dem einen Ausdrude' bejaht, in dem andern verneint wird. Mag auch der negative Begriff für sich betrachtet einen selbstständigen, eigen. thümlichen Inhalt aufweisen; wird er auf den, dessen Negation er ist, bezogen, so erscheint eben diese Verneinung als das einzige Positive, was in und an ihm wahrgenommen wird. Namentlich enthält er fein einziges Moment, das in dem ges genüberstehenden Begriffe negirt würde, woraus von selbst folgt, daß er nid)t als Glied eines Gegensages betrachtet werden fann, in welchem ver lettere den zwe is ten Factor abgibt.

Das soeben Bemerkte wird es rechtfertigen, wenn wir auch das zweite Wort: paar (abandonner verlassen, preiøgeben und être l'appui, 1. Nr. 2) nicht richs tig bezeichnet finden. Die Bedeutung von aband. ist in der Verbindung, in wels cher das Wort hier auftritt, eine durchaus negative. Denn es heißt: jeinen Schu cntziehen, aufhören, eine Stütze zu sein, und bebt mithin den Begriff von être I'appui einfady auf. Demnach fann das Verhältniß der beiden in Rede stebenden Ausdrücke nicht als das der Opposition bestimmt werden. Aud wird, glauben wir, Niemand, der die angeführte Belegítelle unbefangen liest, fie lautet: Seigneur, je viens à vous: `car enfin, aujourd'hui, si vous m'abandonnez, quel sera mon appui? der Ansicht zustimmen, daß es in ihr auf einen Contrast der hervorgehobenen Begriffe abgesehen sei. Vielmehr überzeugt man sich leicht, daß der allerdings beabsichtigte Gegensaß auf ganz anderen Momenten beruht.

Nr. 3 bietet ein zweites Beispiel des contradictorischen Gegensabes, dessen · Gültigkeit wir indeß abermals bestreiten müssen (abattre - élever, z. B. une statue). Reduzirt man beide Begriffe auf ihren allgemeinsten, d. h. wahren und cigentlichen Jubalt, so ergibt sich, daß ihnen dieselbe Grundvorstellung, nämlich die der Bewegung zwischen zwei Punften, die als oben und unten bestimmt wer: den, gemeinsam ist und ihr iinterschied nur darin besteht, daß sie diese Bewegung in abweichender Weise ausdrücken, indem der eine sie als eine von Oben nach linten, der andere als eine von Unten nach Oven gebende darstellt. Sie steben so: mit, da sie einen wesentlich identischen Inhalt nur von entgegengesepten Seiten ber auffassen, in feinein abjoluten, sondern teviglich in einem relativen Gegensaße. Wenn das Wort élever die von einem bestimmten Punkte an auswärts strebende Bewegung andeutet, so kann ihm einzig und allein derjenige Begriff contradictos risch entgegelegt werden, welcher die von jenem Punkte aus abwärts gehende Be: wegung zum Inhalte bat. Inter 4 und 5 werden zwei weitere contradictorische Gegensabe aufgeführt, in welchen das eine Glied ebenfalls durch den negativen Begriff abattre gebilret wird (ab. — rebâtir, abattre bâtir). diesen gilt natürlich dasselbe, was von dem soeben besprochenen Wortpaare bemerkt wor: den ist. Bir brauchen uns also bei ihnen nicht langer aufzuhalten, wollen indeß bei dieser Gelegenheit an die von Herrn A. außer Ádit gelassene Wahrheit erin: nern, daß ein einzelner Begriff nid)t zu einer Mehrheit von solchen in dem Ver: båltniß des contradictorischen Gegensaßes stehen kann. Wie wenig das möglich ist, läßt sich am besten mit Hülse ciner geometrischen Figur verteutlichen. Denkt man fich nämlich den Begriff als eine grate Linie, lo fann die gradlinige Verlängerung derselben über ihren Anfang punft binaus den ihm contradictorisch entgegengesels ten Begriff vertreten. Es liegt auf der Hand, daß cß nur eine einzige Verlängerung dieser Art geben kann; joce zweite, die man etwa versudoen wollte, würde sich in einer Richtung bewegen müssen, die der ursprünglichen nicht diametral ents gegengesebt ist, sondern mehr oder minder mit ihr convergirt.

in Nr. 6: abattu haut (im Sinne von: niedergeschlagen und gehoben), wo man darüber in Zweifel sein kann, ob das vorgesepte 0. das Verhältniß rer Opposition andeutet oder auf die formell nicht vollständig ausgeprägte Contrariété hinweist, wollen wir mit dieser beiläufigen Bemerkung vorübergehen. Der folgende Artitel (7) bringt zwei Worte, die wenigstens in der ihnen hier bei: gelegten Bedeutung nidst grade häufig vorkommen: abimer (= ruiner) und renouveler. Verf. führt sie als contraires auf, wie uns scheinen will, mit uns recht; denn wird auch das Verbum renouv., wie dies von Herrn A. geschieht, in cinen ganz prägnanten Sinne dahin erklärt, daß es die restitutio in integrum einer dem Nuin zugeführten Person oder Sache bezeichne Verf. definirt: renouv., remettre une personne ou une chose en son premier état, womit aber offenbar ser Begriff von renouv. zu allgemein gefaßt wird —, so ist der Gegensaß, in weldiem es alsdann zu abîmer tritt, noch immer nur ein relativer. Die beiten Wörter verhalten sich ungefähr ebenso zueinander wie abattre und élever, indem die Bewegung, welche in ihnen zum Ausdrucke kommt, hier wic dort durch dieselben Endpunfte bestimmt und lediglich ihrer Richtung nach auf unter: schiedene Weise dargestellt wird. Der Begriff fuite (Nr. 9) enthält allerdings eine vollständige Negation des ihm gegenübergestellten abord, zugleich aber noch mehrere antere, für ibn wesentliche Momente, die dem lepteren Worte durchaus fremd sind. Der hier stattfindende Gegensaß ist mithin unvollständig, was übrigens der Natur der Sache nach immer und überall der Fall sein wird, wenn Artund Gattungsbegriffe einander gegenübertreten.

Aehnlich verhält es sich mit Nr. 14: accabler fortifier. Der 'höchste Grad der Schwadzung, welcher durch accabler angedeutet wird, fann in dem unbestimmten, allgemeinen Begriff der Stärkung, wie ihn das Verbum fortifier aus: Archiv f. 1. Sprachen. X.

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drückt, seinen völlig entsprechenden Gegensaß nicht finden. Audy wird fortif. in ser vom Verf. angezogenen Stelle nicht dem einfachen accabler, sondern der durch die Worte acc. sous le poids de l'autorité royale beschriebenen Gesammtvorstellung entgegengescßt. Eine wunderliche Opposition ist die von accepter und proposer in Nr. 17 (j'acceptai le parti, qu'on me proposait). (8 wird freilich Niemand leugnen, daß ,,cinen Vorschlag annehmen etwas anderes ist als ihn mache n1". Ob aber deßhalb unter diesen beiden Ausdrücken ein Gegensat zii statuiren sei, durfte sid, da eine Verneinung des einen durch den anderen nir: gents wahrzunehmen ist, billig bezweifeln lassen. Nr. 23 (achever mencer) zeigt ein 0., wo nach unserem Dafürhalten ein C. erwartet werden durfte. dod, ist das wohl nur die Folge eines Drucfehlers (vgl. 286: C. Commencement — fin). Ob dieselbe (Erklärung auch auf Nr. 170° (O. avouer - cacher) anwendbar ist, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls fann der Gegensaß, in wels chem die genannten Begriffe stehen, mit demselben Rechte als ein contradictorischer bezeichnet werden, mit welchem diese Eigenschaft einer Reihe von andern Wort: paaren vindizirt wird.

F. Brockerhoff.

com

Ausgewählte Stüce Molière's zum Gebrauche auf Schulen von H.

Barbieur. 1. Band: L'Avare. Frankfurt a. M. bei H.
L. Brönner. 1851.

Diese neue mit erflärenden und kritischen Noten versehene Auêgabe des Avare macht den Anfang zu einen größeren Werfe, welches Herr B. hoffentlich nicyt auf Molière beschränfen wird. Man darf es wohl als unbestritten annehmen, daß cine historische und vergleichende Behandlung der Sprache und Literatur beim Unterrichte zu Grunde zu legen ist, und jeder Beitrag zur Förderung derselben erscheint deshalb als eine widfonimene Gabe. Als eine solche mussen wir aber vorliegendes Buchel: chen um so moor betrachten, da es leider noch immer sehr viele Lehrer giebt, die vom Altfranzösiden gar nichts verstehen und auch den Molière zu erklären fauin im Stande sind. Bedenkt man nun aber, welche Wichtigkeit Molière für die Geschichte der französischen Sprache und Literatur hat, so muß man sich freuen, daß es Herr B. in seinem Werfe genügend nachweist, in welchem Verhältnisse sich die Sprache des berühmten Komifers zu der heutigen verhält und welche Quellen er für die Ausar: beitung seines Stüdes benußte. Es bedarf kaum einer Erwähnung, daß idon wegen seines Inbalts sich l'Avare wie auch le Misanthrope sebr wohl für die Schule eignet und Ref. fann vorliegende Ausgabe bestens empfehlen. Schließlich möchten wir noch den Wunsch aussprechen, daß sich şerr B. auch zur Bearbeitung des Tartuffe veranlaßt fühlen möchte, obwohl wir ihm ganz beistimmen, daß er sich für den Schulzweck durchaus nicht eignet und uns die Lecture ricses Stücfes wäre Cs auch mit Primanern (wie das leider hie und da geichicht!) – entschieden ver: werflich erscheint. Aber das Stück hat doch für die Literatur" eine so hohe Bedeu: tung, daß sich außerhalb des Schüler-Publicums für dasselbe eine nicht unbedeu: tende Zahl von Lesern finden dürfte, welche für eine kritische und erklärende Ausgabe dieses Stückes tankbar sein würde.

Elementarbuch der französischen Sprache von F. Seyerlen. Stutts

gart bei Ebner u. Seubert. 3. Aufl. 1852.

Es ließ sich erwarten, daß dieses treffliche Buch viele Freunde finden würde, wie dies schon bei seinem ersten Erscheinen in diesem Blatte ausgesprochen ist. Die Anlage und Ausführung des Ganzen hat jeßt natürlich nur sehr unbedeutende Ver: änderungen erfahren; als einen sehr wesentlichen Vorzug der neuen Ausgabe verdient indessen erwähnt zu werden, daß fie statt des früher nur mit Nummern versehes nen Wörterverzeichnisses, jeßt die deutsche Bedeutung beigeseßt und auch zugleich einen franz.-deutschen Theil beigefügt hat. Ref. ist überzeugt, daß diese Verbesserung die Verbreitung des Buches wesentlid, fördern wird, da ihm selbst in seinem Streise ein Lehrer bekannt war, welcher das Werk lediglich wegen des Nummernwes sens in seiner Schule nicht einführen wollte.

Proben der deutschen Poefte und Prosa vom vierten Jahrhundert bis

in die erste Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts. 1. Theil. 4. bis 15. Jahrh. von Jofeph Rehrein. Zweite Auflage. Sena bei F. Maude. 1851,

Nachdem faum zwei Jahre verflossen sind, erscheint obiges Werk bereits in einer neuen Ausgabe, und wir fönnen daraus nicht nur auf die Vorzüge res Bus ches schließen, welche bereits früher in diesem Blatte angereutet worden sind, sons dern erhalten darin zugleich die Gewißheit, daß das historische Studium der deut: schen Sprache mehr und mehr die verdiente Beachtung findet. Ref. fann dabei freilich nicht umbin, als Curiosum die Erfahrung mitzutheilen, daß es gegenwärs tig noch Hochschulen giebt, auf welchen man den Candidaten für das höhere Schulamt die unbedingte facultas docendi im Deutschen zuerkennt, wenn sie nur eben in der Logit und Psychologie ein leidliches (ramen machen; 18 ist dem Ref. ein Fal bekannt, wo der mit einem solchen Zeugniß Beglückte' nod nicht einmal im Stande ist, das Nibelungenlied im Originale zu lesen (!!). Wann endlich wird cs den Behörden einmal gefallen, die vielseitig ausgesprochenen Rügen über die vie: len Mängel bei den Prüfungen für das höhere Lehramt der verdienten Berücksichtigung zu unterziehen?!

Die neue Ausgabe des Rehrein'schen Buches ist nun in Wahrheit eine ver: besserte und vermehrte, iudem der Herausgeber manches Neue hinzugenommen, Anderes weggelassen und vor Allem das Gegebene durch Berichtigungen u. s. w. mit großem Fleiße vervollkommnet hat. Die Anmerkungen sind erweitert und vermehrt und besonders die Syntar hat mehr Berüdsichtigung gefunden, als dieses in der ersten Ausgabe der Fall war.

Praktische Elementargrammatik der französischen Sprache. Nach einer

neuen und einfachen Methode bearbeitet von F. Joffeaume, Prof. in Meiningen. X u. 244 S. gr. 8. Blum.

. Diese Sprachlehre ist auf die ersten Anfänger und auf das früheste Alter be: rechnet, in welchem Kinder französisch lernen. Der Verf. geht von der Ansicht aus, daß die sprachlichen Formen durch kleine liebungen zum liebertragen ins Franzos fidc festgestellt werden müssen, und wählt dazu, wie er sagt, nicht trockene Wör: ter, sondern geeignete Såße. (fr läßt auch nur die unentbehrlichsten Formen einüben, und giebt im dritten Theil (der erste hat lebungen der Aussprache, der zweite die der Wortformen) einige zur Syntar gehörige Regeln und schwerere ilebungen. Das Buch ist brauchbar, unterscheidet sich aber, so sehr wir auch nach Eigenthümlichkeit suchten, nicht im Mindesten von der großen Zahl ähnlicher Werfe. Ansprüche kann man au so unbedeutende Unterrichtsmittel nicht wohl machen. Wünschenswerth wäre es freilich, daß die Verfasser solcher, wenn auch sehr bescheidener Arbeiten, die wissenschaftliche Grundlage und Ordnung nicht vers leugneten. Wir vermissen diese in folgenden Darlegungen des Verfassers:

Nach Einüfung 108 Artifeld S. 21—29, kommt §. 6. Vertretung de! Artitels durch ein anderes Wort. Dazu S. 29 die Bemerkung: un, une so wie die ineisten bestimmenden Wörter (was heißt das?) vertreten die Stelle des Article. Trotz der Uebungen (übrigens ebenfalls nur ganz trockene Wörter) haben wir uns den Sinn dieser Bemerkung nicht erklären können. Was sollen nun die Kinder damit anfangen? S. 31 $. 7. (Das Hauptwort im Theilungssinne; – vorher war von beiden noch nicht die Nede, und die Lehre vom Hauvt: wort folgt erst S. 35. Was ist Theilungssinn? llebersebung von partitif.

(Darunter als Beispiel: Er hat beständige Schmerzen!)

Beim Haupt- und Beiwort, bildet die Angabe der Mehrzahl (auf s, und der unveränderten) zwei gesonderte Regeln, während S. 22 dieselbe Angabe durch eine furze Bemerkung erledigt ist; hier folgen die weitern albekannten Regeln über au, eu, al etc.

Man sucht aber bis auf égal, vergebens nach Beispielen von Arjef: tiven auf eau, alim Plur. S. 40. S. 8. Die Beiwörter nehmen im F. meistens ein stummes e an, wenn sie ein solches nicht im M. haben; sollte heißen: gewöhnlicher ein st. e. Was die Beispiele betrifft, so ist manches alberne darunter ; 3. B. „Der Arzt hat giftige Schlangen und giftige Pflanzen. Die Königin ist eine verfolgende Frau. Gin naiver Geranfe ist natürlich. Die Hunde res Jägers sind toll." Giebt es gar feine bessere Gelegenbeit, dieselben Formen unterzubringen? – S. 51 ist adj. possessif: mon etc.; adj. démonstr. ce etc.; adj. indéfini : quelque, aucun, l'autre; dagegen 49 ist le mien etc. pron. possessif; S. 61 chacun, l'autre etc. pron. indéfini; 62 celui etc. pron. démonstratif; also bloß nachdem sie mit dem Substantiv verbunden sind oder allein steben. Woher diese seltsame Ansicht? außer dieser fleinen Aenderung finden wir nichts Bemerkenswerthes. Die Verben sind wie gewöhnlich geordnet, aber sie zur Form S. 82—83 hinzugefügten elf Regeln genügen lange nicht, während sie für Kinder faum verständlid, erscheinen.

In der Lehre vom Saße S. 127, wird das alte il aime il est aimant wieder aufgetischt (im Tert steht: il aime sei gleich dem Ausdruce: je suis aimant!).

Es sind dieses nicht Ausstellungen, welche das Buch unbrauchbar machen; cher wäre über ungenaue Berichtigung zu flagen; denn gar viele Druckfehler find stehen geblieben. Der dritte Theil seßt übrigens eine bedeutend vorgerůdtere Lehrstufe voraus, als die ersten beiren selbst nach deren Einübung zur unmittelbaren Folge haben.

Dr. Jost.

Die plattdeutschen Sprichwörter der Fürstenthümer Göttingen und

Grubenlagen, gesammelt und erklärt von Georg Schambad, Rector in Einbeck. Göttingen, Vandenhoed u. Ruprecht. 1851. 121, Sgr.

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Mit Recht hat man in ncuester Zeit vielfach die lofalen Spridwörter gesammelt; sie sind ja eigentlich die Weisheit auf der Gasse, und wenn sdon die alten Sammlungen deutscher Sprichwörter weit verbreitet waren und die neueste allge: meine Sanımlung von Simrod überall mit Beifall begrüßt ist, so haben die Samm: lungen lokaler Sprichwörter um so größere Bedeutung, als die örtlichen Eigen: thümlichkeiten ja immer mehr einer starren Allgemeinbiit Plaß zu machen drohen. Das Sprichwort wurzelt ganz eigentlich im Volfe, cê ist noch nicht so ausgestorben wie das Volkslied, is wird sich auch länger halten als das Volfsliet, weil es die ver: standesmäßige Seite 108 geistigen Lebens im Volfe vertritt, denn der Verstand bleibt auch, wenn durch die Zeitverbältnisse die Fülle des Gemütbes schon versiccht ist, noch lebendig, und im Ganzen und Großen bleiben die Erscheinungen des Lebens dieselben und diese all genreinen Wahrheiten spricht hauptsächlich das Sprichwort aus. Inteß weil es eben im Volfe wurzelt, wurzelt es auch in der Sprache des Voltes; wo diese aber wechselt, muß es auch eine andere Form annehmen, mit der andern Form wird es aber ein anderee, das Volf fübli sich nicht mehr in ihm wie

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