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Inhalts - Verzeichniß des elften Bandes.

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Abhandlungen.

Seite Die nicht göttlide Romödie. Von K. Gà & zynefi. (S dh we in insti.) 1 lleber einige Arten von Verben, welche transitiven und intransitiven Begriff

in sid vereinigen. (Schluß von Bd. X. șeft 2.) Von Teipel : 27 Studien über die französischen Schriftteller den sechzehnten Jahrhunderts. von G. F. Günther

41 Der Gedanke und das Wort. Bon Miquel

129 leber Goethe's Lustspiele. (Zweiter Artitet.) Von Dr. A. Senneberger 140 Geschichte des Sommernachtstraums (Fortseßung zu Br. X. Heft 2.) Von Dr. 6. 6. Hense.

145 Das Göttliche. Gedicht von Goethe. Bon Rector Bertel

169 Englische Mundarten.

178 Zur englischen Wortbildungslehre. (Fortseßung zu Bd. X. Heft 3.) Von D. Pilz 192 Bestöstliche liebersichten Drittes Stüdt. Bon G. Baur

241 Gin Kleeblatt aus Chamisso's Gedichten. Von P. Fr. Tr.

268 Erflärung des conjunctionalen Relative „daß". Bon Dr. Ad. Zeijing

279 France et Allemagne. Von S.

289 Des phases de la critique en France. Bon Prof. Dr. Beidier

294 Studien zu Molière. Vierter Artifel. Von Dr. A. Laun

306 Gejdhidste res Sommernachtstraume. (Fortiefung zu Band xi. Feft 2.) Von Dr. 6. C. Hense

319 lleber die Grundidee des Shitspeare'ichen 'Dramas Reinric iv. iheit 1. Von 6. W. Sievers

341 Zur englisden Wortbildungslehre." (Forti. zi Bi. XI. Þeit 2.) Vono. Pilis 363

zu

Beurtheilungen und Anzeigen. Ueber die Histoire des Causes de la Révolution française von Granier de Cassagnac. (C. F. von der Heydt.)

81 A Dictionary of the Gaelic language in two parts. By the Rev. Dr.

Norman Macleod and the Rev. Daniel Dewar. "(Erster Artikel.) 89 Die Lyrif der Deutichen in ihren vollendetsten Schöpfungen. Von și. F. Wilhelmi. (Dr. Iruse.)

96 Praftisdes Elementarbuch der französischen Sprache für Gymnafien und ho here Realschulen. Von . Barbieur. (Dr. Philipp i.)

99 Elementarische Vorübungen zur praktischen Erlernung d. französischen Sprache. Von Fr. Herrmann. (I. M. Jost.)

101 Französides Elementarbud. Von Dr. G. Pion. (Dr. A. Philippi.) 103 Manuel de la langue française par C. de la Harpe. (Dr. Philippi.) 104 Hidley, J. H, Praktischer Lehrgang der englischen Sprache

105 Derselbe, Cours pratique pour apprendre la langue anglaise. (Callin.) 105 Geschichte der französischen Nationalliteratur. Von f. A. Th. Kreyßig 106 Sämmtliche Dichtungen von Elisabeth Rulmann, heraubgegeben von K. F. von Großheinrich. (Dr. K. A. Mayer )

209 Ausführlidhe Grammatit "ter französischen Sprache von Louis Reignier.

(Dr. 6. Petri) 6. E. d'Arie's in Stockholm, Anweisung das Benud rei frang. Substantive

an ihren Endungen, ohne Beihülfe einer weiteren Regel sofort zu erfennen.

Für Deutsche bearbeitet von J. F. Melzer. (Dr. L. A. Berglein.) 225 Englijdios Vokabularium vou 6. F. Qaupt. (Bul.).

227 The First Letter Writer. By James M’Lean; Esq: (Bul.)

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223

229 231

Französische und (Englijche Lejebücher (83.)

229 Erinnerungeblätter an W. F. Hufnagel. Brerausgegebeu vou Dr. B.

Strider. (631cer.)
Die romantische Schule in ihrem inneren Zujammenbange mit Goethe und
Schiller. ' Von H. Bettner. (F. Bruder hori.)

383 A Dictionary of the Gaelic language in two parts. By the Rev. Dr.

Norman Macleod and the Rev. Daniel Dewar. (O. Pilt.) 406 Gemeinnüßliches englisch-deutsches phraseologisches Handwörterbuch der englis

schen Zeit:, þaupt- und Eigenschaftswörter von Dr. H. M. Melford.
6. v. D.)

414 Burfas Waldis Parabel vom verlornen Sohn.' Herausgegeben von A. Hö: fer. (Holder.)

417 A new, practical and easy method of learning the german language by F. Ahn

418 Exercices pratiques de conversation allemande. Par Dr. Nessier ei Robert Sperber

418 Französisches Elementarbuch von Dr. Bernh. Schmiß

419 Lebrbuch der bolländischen Sprache. Von J. G. Vie Bahn

419 Othello, de Moor van Venetie; uit het engelsch van W. Shakspeare, vertaald, en opgehelderd door J. Moulin

419 Gedichten van J. M. Dautzenberg. (Dr. G. Petri.)

421 F. J. Mone: Die gadische Sprache und ihre Brauchbarkeit für die Ges schichte. (Dr. A. Philippi.)

423 Ansdauungsunterricht in der französischen Sprache. 'Von . Schlivsti 426 Beiträge zur Literatur und Sage des Mittelalters. Von Dr. Graße. (---) 427 Précis de l'histoire de littérature française. Par Dr. C. J. Dengel. (Prof. Peschier.)

429 Programmenschau. Der Saland. Vom Pfaffen Stonemann. Mitgetheilt von W. S daß. (C. 6. Menje.)

107 Etienne Pasquier.“ Von Prof. Dr. Fr. Sünther. (6.)

118 Von den Versübungen auf Schulen. Von Langensiepen. (Heuser.) 232 Lessing als dramatischer Dichter. Bon Dr. 60. Gervais. (Hölscher.) 235 Ueber den Şeliand. Von Gymnasialdirector Düning. (Holicher.) 235 Zur Beurtheilung von Ludwig Uhlands Dichtungen; von A. Steudener. (Hg.)

533 Daniel Gaspar von Lohenstein. Seine Trauerspiele und seine Sprache. Von W. A. Passow. (Kr.)

433 Heber den lyrijchen Standpunkt. Von Prof. H. Bone

433 Die Ueberreste deutscher Dichtung aus der Zeit vor der Einführung des Chris stenthums. Von Oberlehrer W. Puß

536 Grinnerungen an Friedrich Leopold Grafen zi Štolberg. Boi Dr. Th. enge. (ölscher.).

436 Miscellen. Seite 121-127. 237-239. 438-458.

Bibliographischer Anzeiger.

Seite 128. 240. 459—460.

Die nicht- göttliche Komödie.

(Von K. G à 8zynsti).

Es ist ein alter Vorwurf, den uns die Polen machen, daß ihre Literatur von uns so wenig gefannt und gewürdigt werde. Unkenntniß der Sprache könnte hier allerding8 nicht entschuldigen, haben wir doch das Arabische, Persische, Indische, ja das Japanische und Chinesische erlernt, um die Literatur dieser Völfer kennen zu lernen, sie zum Theil bei uns einzuführen; und doch müssen wir zugeben, daß uns unsre Nachbarn näher stehen, als die Berpohner des

„ himmlischen Reichs" und unsre Berücksichtigung felbft für den Fall eher verdienten, wenn ihre Literatur auch hinter der des fernen Drients zurüdbliebe. Nun hat aber die polnische Literatur in der That manches bedeutende Werf aufzuweisen und namentlich in der neuern Zeit haben die Polen eine Thätigkeit und Rüstigkeit auf dem Gebiete der Literatur entwidelt und Werke zu Tage gefördert, die wegen ihres innern Kunstwerthes auch in weiteren Kreisen eingeführt zu werden verdienen. Vielleicht bedarf es aber auch nur der Anres gung, um den deutschen Fleiß auch auf dieses Gebiet lohnender Thätigkeit zu lenfen. In der Hoffnung, würdigere Nachfolger zu finden, erlauben wir uns daher, durch Nachstehendes unsere Leser mit einem Werfe bekannt zu machen, das unter den Leistungen der Gegenwart einen ehrenvollen Plaß einzunehmen berechtigt ist. ES ist dies ein im Jahre 1835 zu Paris anonym erschienenes Drama unter dein Titel: „Die nichts göttliche Romödie.“ Von dem Verfaffer derselben war einige Jahre früher das Drama ,,Irydice" erschienen, in welchem der Rampf des Christenthums mit dem alten Römerthume, dem Heidenthume, dargestellt wird. Unter spätern, ebenfalls bedeutenden Dichtungen nennt sich der Verfasser (wohl pjeubongt) . 8 2 8 49 neti.

Archiv f. n. Sprachen. XI.

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Der Dichter eröffnet sein Drama mit einem Anruf an die Poesie. Sterne umfreisen dein Haupt, sagt er, Meereswogen brausen unter deinen Füßen, ein Regenbogen verscheudt vor dir die Nebel. Was du erschaust ist dein, deinem Ruhine fommt nichts gleich. Deine Töne sind Wonne für fremde Dhren; du verschlingst Herzen zu einem Kranze, lođst Thränen hervor und lächelst sie hins weg. - Du selbst aber, was fühlst, was schaffft, was denfft du? Dich durchfließen Strömne von Schönheit, aber tu bist nicht die Schönheit. Wer schuf dich im Zorn oder in der Fronie? Wer gab dir ein so trügerisches Leben, daß du im Stande bist, einen Engel darzustellen, und im nächsten Augenblide in den Roth finfit? Du und das Weib seit eines Ursprungs. - Aber auch du leidest, obgleich dein Schmerz nichts schafft. Des leßten Bettlers Schmerzensruf wird gezählt unter den Harfenklängen des Himmels; deine Verzweiflung, deine Seufzer fallen in die Tiefe und Satan fammelt fie und fügt sie freudig zu seinem Lug und Trug; aber der Herr wird sie einst verleugnen, wie sie den Herrn verleugnet haben. Nicht dir gelten meine Klagen, Poesie, Mutter der Schönheit und des Heils. Nur der ist unglüdlich, der in entstehenden, in verfallenden Welten deiner Gedanken dich ahnen inuß. Denn du vers nichtest nur diejenigen, die sich dir weihten, eine laute Stimme wurs Den beines Ruhmes. - Selig derjenige, in dein du wohnst, wie Gott in der Welt wohnt, ungesehen, ungehört, in jedem ihrer Theile herrlich, groß. – Ein solcher wird dich tragen wie einen Stern an seiner Stirn und sich nicht scheiden von deiner Liebe durch die Sdylucht des Wortes. Er wird die Menschen lieben und als Mann auftreten unter seinen Brüdern. Aber wer bich nicht bewahrt, wer dich voreilig verräth und dich zur eiteln Lust der Menfchen preisgiebt, dem ftreust du einige Blumen auf das Haupt und wendest dich ab; er aber ergößt sich mit den welfen und windet sich einen Todtenfranz sein ganzes Leben hindurch. Der und das Weib sind eines Ursprungs.

Wir haben diesen Prolog absichtlich, wenn auch nicht in feiner gangen Ausdehnung, fo doch in möglichster Volftändigkeit wieders gegeben, weil er zur Charakteristik des Haupthelden von wesentlicher Bedeutung ist. Graf Heinrich ist Dichter; aber die Poeste ist ihm nicht die beseligende Götterfraft, die im selbstbewußten Schaffen ihre göttliche Abstammung bewährt und aus den Schlafen und Trúms

mern ber irdischen Welt einen fichern Pfab in die Welt der absoluten Schönheit findet; sie ist ihm die unbändige, titanenfräftige Phantasie, die in schranfens und bewußtlosem Fluge aus der Wirklichkeit hinaus ihrer Traumwelt zuströmt und die Brücke hinter fich verbrennt, tie ihn bei wiederkehrendem Bewußtsein heimführen fönnte, ihm fehlt die Liebe, die den Menschen an Menschen fnüpft und Zeit und Ewigfeit init einem unlösbaren Bande umschlingt. Sie macht ihn blind für den in der Natur und in Erscheinungen der Welt sich offenbas renden Geist Gottes; darum verleugnet fie der Herr, wie sie ihn verleugnet hat und er fällt den bösen Geistern anheim; „seine Seufzer fallen in die Tiefe und Satan sammelt fie und fügt sie freudig seis nen Flüchen bei."

Wie sehr diese seine Göttin ihn der Welt entfremdet hat und wie groß die Kluft ist, die zwischen seiner Phantasiewelt und der Wirklichkeit liegt, erkennt er freilich erst, als eben diese Wirklichkeit mit ihren Forderungen enger an ihn herantritt, als er mit der Wirts lichfeit in ein Bündniß getreten, das eben auch nur feine Phantafie hat schließen helfen. Das Drama beginnt mit den Vorbereitungen zu diesem Bündnisse. Der Schußengel schwebt vorüber mit den Worten: „Friede den Menschen, die eines guten Willens sind Gesegnet unter den Geschöpfen, wer ein Herz hat - ihm fann noch Heil werden gute und fittsame Frau, offenbar dich ihm und ein Kind werbe in eurem Hause geboren." Das sind die Bande, die ihn an die Wirklichkeit fesseln und ihn beglücken sollen. Aber der Chor der bösen Geister zaubert Truggestalten hervor: „den Geist seiner gestern verstorbenen Buhlerin, das geliebte Mädchen des Dichters"'; den ,,Ruhm“ in der Gestalt eines Adlers, und das vers moderte Bild Edens, ein Werk Beelzebub8,“ worunter ,, die Mutter Natur“ verstanden wird. Noch kurz vor dem Trauungsacte ruft der Scußengel: „wenn du den Schwur hältst in Ewigkeit, wirst du mein Bruder sein im Angesicht des himmlifchen Vaters", und nach geschlossenem Ehebündniß spricht der junge Ehemann: ,,Fluch auf mein Haupt, wenn ich jemals aufhöre, sie zu lieben.“

Das Bündniß ist geschlossen. Sin ersten Taumel der jungen Liebe glaubt sich der Graf in die Welt feiner Träume verseßt und sdwärmt für seine junge Frau, die ihm treu zu sein verspricht, „wie's die Mutter gesagt hat und wie's ihr Herz sagt“, und sie soll ,,erig sein Lied" sein. Aber bald ist seine Gluth abgefühlt.

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