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terschieden werden soll, auf den Imstand der Nachdruck gelegt werden, daß sie zul: gleich das Erfülltsein des Zwischenraumes durch die ihrem Anfange nad, bestimmte Thätigkeit zum Ausdrucke bringt. Diese Rücksicht auf den Verlauf der Thätigkeit durch einen bestimmten Zeitraum hin tritt bei dès zurück, wovon die nothwendige Folge ist, daß das lebtgedachte Wort vorzugôireise den Ausgangspunkt der Thå: tigkeit betont. Dès wird daher besonders bei Verbis gebraucht, die den Begriff des Zuständlichen enthalten, weil bei diesen der zeitliche Ablauf der Thätigkeit als solcher weniger in Betracht fommt. Dagegen ist die Bezeichnung des Entstehungsgrundes einer Thatsache“ für dès feineswego, wie der Verf. glaubt, wesentlich, wiewohl wir nidit leugnen wollen, daß die Vorstellung desselben in manchen Fäl: len febr nabe tritt.

Der Untersdied von durant und pendant ist nach unserm Dafürhalten in den Worten: „D. umfaßt die ganze Dauer einer Zeit, mag in die sandlung diese ganze Dauer ausfüllen oder nicht. P. gibt einen beliebig großen Theil einer Zeit an, crust aber nus, daß eine Thatsache von dem Prapositionsgegen: stande avhängig ist“ (S. 217) nicht richtig bestimmt worden; es dürfte sich nicht leugnen taijen, daß die ganze Dauer der Zeit" auch in pendant gereßt wird. Dody ist zugegeben, daß durant den Zeitbegriff entschiciener in den Vorder: grund stellt wie pendant, das weniger die Zeit als solche wie das ZusammentrefFen zweier Handlungen andeutet, von welchen die eine als gegebene betrachtet wird, wenn die andere eintritt. Bei pendant ist die hinzutretende Handlung von der andern abhingig, die man als vorhanden voraussebt; bei durant dagegen ist sie lediglich durch die Zeit bedingt, in welcher sie verläuft. (In durant mon séjour à Paris liegt der Nachdrud auf der Zeit, die ich in Þ. verweile, bei pendant m. s. auf dem Verweilen selbst.) Der Zusaß zur Erklärung von parmi: ,,P. heißt unter einer gewissen Anzahl, sodaß der Gegenstand anderer Art ist als die Dinge, unter denen er sich befindet" (S. 239) hätte wegbleiben können. Aus Säßen wie Narbonne, choisi parmi les feuillans ersieht man, daß der vom Verf. angedeutete „Untersdied“ nicht notwendig hervortreten muß. Auch ist der Aus: drud , unter einer ger. Anzahl“ unpassend, na parmi bekanntlich ebensowohl vor Collektivis wie vor Pluralen gebraucht wird.

Das Moment der „Abjichtlicbfeit des Ausschlusses“, welches der Verf. bei hormis (im Unterschiede von accepté) urgirt (S. 241), ist unseres Grachtens dem genannten Worte fremd. Ebenso inbegründet ist die Behauptung, daß ,, hors den ausgeschlossenen Gegenstand als mit den andern ungleidyartig darstelle". Outre heißt nicht blos , überdies, außerdem', sondern auch ,,drüber hinaug“ (3. B. outre mésure). Die Erklärung von malgré (es soll den „überwundenen Widerstand“ bezeichnen, F. S. 242) gibt diesem Worte ganz im allgemeinen einen Sinn, der ihm nur in bestimmten Fällen cijen jein fann. Bei nonobstant war anzugeben, daß es nur vor Sach substantiven gebraucht wird. Die Bestimmung ,,nonobst. bez. das Nichtberücksichtigen von Dingen, die eine Sache hätten vera bindern fönnen“ trifft nicht 108 Richtige. Vielmehr spridit nonobst. wirfliden Syindernissen die ibuen einvohnende Kraft für einen bestimmten Fall ab. Moyennant heißt nach dem Verf. „mit Hülje" (243); s. inteß Machner Synt. I. Š. 291. – Die allgemeine Bereutung von par (..es ist das Mittel, wodurch ctwas bewerkstelligt wird, aber nicht die mitwirkende Hülfe“ (244) ist nicht die rich: tige. Die Auffassung des Raumes als ,, eines Mittels, wodurch etwas geschieht“, fann nicht gebilligt werden. Aud) die allgemeine Bedeutung von pour (243 : ,,p. bez. die Sache, um derentwillen etwas geschieht oder vorhanden ist“) ist un. genügend bestimmt worden. Sie nimmt z. B. auf die Beziehung dieser Präpoj. zur Zeit gir feine Rücksicht. Daß in pour (,, was betrifft“) im linterschiede von quant à ein „Gegensatz zul antern Gegenständen“ ausgedrücft werre (246), fönnen wir dem Verf. nicht zugeben. Ebensowenig glauben wir, daß die durch sans als nicht vorhanden bezeichnete Sache eine solche sein muß, welche ,, erwar: tet werden fonnte''. (248). Die linterschiede endlich, welche einerseits zwischen à travers und en travers (251), und andrerseits zwischen près und auprès (253)

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aufgestellt werden, sind, wie die von Mackner (Synt. I. S. 308 und 307) ange: ' führten Beispiele zeigen, als ubegründet zu rerwerfen.

Das Verzeidiniß der „Gonjunktionen“, welches in dem dieser Mortflasse ge witmeten achten Kap. gegeben wird, zeichnet sich durch Bollständigkeit und zwed: mäßige Anordnung aus. An die Aufzählung der „coordinirenden“ Conj., die ir. 3 Klusjen geschieden werden (,,1. zusammenstellende, 2. entgegenstellende, 3. be: gründente''), schließt sich die der , subordinirenden“, welche ebenfalls in 3 Abthri: lungen (jenadidem sie mit dem Indifativ, dem Conjunftiv oder mit beiten Mo.is verbunden werden), zerfallen. Aehnlich wie bei den Präpoj. läßt sodann der Vorf. über diejenigen Conjunktionen, ,, deren Gebrauch aus der deutschen liebersetung nicht hinlänglich flar ist, eine Reihe erläuternder Angaben folgen, die wir mi eiz nigen kritischen Bemerkungen begleiten wollen. Die Bestimmung im S. 263: Wenn aussi zwei Säße verbindet, so dient der zweite dem ersten als Beweis oder Folge“ ist in dieser Allgemeinheit nicht richtig. Die durch aussi verfnüpften Sa: Be ftohen sehr oft nur in dem Verhältniß der einfachen Gleichstellung. Der Zifaß: i, wobei das Subjekt des zweiten Sabes nach dem Verbum gereßt wird“ ist unges nau, denn diese Umstellung findet nur da statt, wo das Subjekt ein Prononen ist oder durch ein solches (pleonastisch) vertreten wird. Die Berufung auf S. 933 (der Syntar), wo von der in Rede stehenden Inversion genauer gehandelt wird, fann um so weniger genügen, da auch die sort gegebene Erklärung nicht eben scharf und präzis gefaßt ist. Bei encore håtte der Begriff der Steigerung, welcher diesem Worte nicht selten eigen ist, nicht unerwähnt bleiben sollen (es hat dann die BeDeutung von ,, noch dazu, auch da noch 2.“'). Daß et - et ,,sowohl, audi“ im Franz. nur dann gebraucht werde, wenn die Gegenstände einander ent: gegengeseßt werden sollen“ (265), ist eine Bebauptung, die sich in solcher Allge: meinheit nicht rechtfertigen läßt (vgl. die Beispiele bei Maeßner II. p. 50). Die Angabe im S. 269: „Wird aus bestimmten Vorderfäßen ein Schluß gezogen, jo fehlt donc im Anfange des Schlußiabet'' wird wohl einen Drudiebler (Febit" statt steht“) enthalten; sonst würde sie durch das zweite Beispiel des S. 267, worauf der Verf. selbst hinweist, nicht bestätigt sondern witerlegt werden. – Der Austruc c'est à savoir (272) in der Bereutung von ,,68 fragt sich fann offen: bar nicht als Conjunktion betrachtet werden.

Wenn S. 273'über ainsi que bemerkt wird, es ,, bedeute auf dieselbe Weise (richtiger : ebenso wie) und gebe ,,eine Nebereinstimmung in Thatsachen“ an, lo dürfte diese leptere Bestimmung für den Schüler unverständlich sein. Auch lågt sich zweifeln, ob sie richtig ist. Wenigstens fann die liebereinstimmung in den That: fachen, sofern sie, wie dies hier vom Verf. geschieht, der levereinstimmung der Thatjadie mit dem Geranken entgegengejeßt wird, nicht als ein dem Begriffe von ainsi que nothwendig inhårirences Moment betrachtet werden. Soviel wir sehen, bezeichnet ainsi que ganz allgemein die qualitative Gleichbeit oder Nebnlichs keit, wobei es dann ganz gleichgültig ist, in welche Kategorie der realen (mengen die verglichenen oder gleidigesepten Objekte gehören. Quand in der Bereutung von ,,wenn auch, selbst wenn“ wird nicht bloß, wie es nach §. 275 scheinen könnte, mit dem Conditionell, sondern auch mit andern Temporibus (z. B. dem Präsens, com Conjunft. Des Plusquamperfekts 2.) verbunden. – Was in demselben S. über Den IInterschied von quand und lorsque gesagt wird, ist dwerlich richtig. Taß Nebenfäße, die mit lorsque angeknüpft werden, die ,,Veranlassung oder den Grund der im Hauptiaße ausgesprochenen Handlung enthalten fönnen, ist nicht zu leugnen. Dagegen stellen wir in Abrede, daß diese Erscheinung in etwas Anderem als in dem Verhältniß der zu einander in Beziehung gesetzten Betanfen ibren Grund have. Lorsque crudt ebenso wie quand die ,,bloße Zeitverbindung" aus; uur hebt 18 den in Rere stehenden Zeitpunft bestimmter imd nachdrücklicher bervor wie Das genannte Synonymum. Uebrigens fonnte bei lors même que bemerkt wer: den, daß cs zuweilen die Bedeutung von selbst wenn“ have.

Im S. 276 wird der Unterschied von parce que und puisque cabin bestimmt, daß jenes einen ,,objektiven Sachgrund“, dieses dagegen den Grund angebe, ,,der zu einer sandlung oder einem Urtheile bewegt oder veranlaßt". Es unterliegt aber

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keinem Zweifel, daß der Beweggrund oder die subjektive Motivirung auch durch parceque ausgedrüdt werden kann, weil nichts im Wege steht, daß der objective Sachgrund zugleich die Geltung und Kraft eines Beweg - oder Bestimmungegrundes annehme. Man wird, um die allerdings nicht leicht zu figirende Differenz dies fer Partikeln festzustellen, immer am Besten ravon ausgehen, daß durch parceque die objektive oder subjektive) Ursache ausgedrücft, mithin eine Wirkung motis virt, durch puisque (entstanden aus postquam) der (außere oder innere) Grund bezeichnet, mitbin eine Thatsache erilirt wird. Zum Schlusse bemerken wir, daß die Unterscheidung von afin que und pour que sowie die von und au cas que (s. 278 und 279) durch die sprachlichen Thatsachen nicht gerecht: fertigt werden.

Der folgende neunte Abschnitt: ,,Die Interjeftionen“ gibt zu keiner weiteren Grörterung Anlaß. Auch bei dem zehnten und lebten Rap., in welchem die allgemeinen Regeln über die ,,Wortbildung“ der Nomina und Verba vorgetragen werten, wollen wir uns auf eine summarische Angabe seines Inhaltes beschränken. lfs wird bier erörtert I. die Wortbildung durch Gudsilben und zwar A. die der Substantiva (1. Subst. von Substantiviš, 2. Subst. von Adjectivis), B. die der Arjectiva (1. Adj. von Substant., 2. Adj. von Arject., 3. Úrject. von Verbis), C. die der Verba (1. Verba von Nomin., 2. Verba von Verbis); II. die Wortbila dung durch Borsilben (S. 322 — 30).

F. Brockerhoff

cas que

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Michael Lermontoff's Nachlaß, zum erstenmal in den Veros

maßen der Urschrift aus dem Russischen überseßt, mit Einleitung und erläuterndem Anhange versehen von Friedrich Bodens stedt. Bd. 1. Berlin, Deder. 1852. XXIV. 326 S.

Lermontoff wurde 1841 in der Verbannung, faum dreißig Jahre alt, in einen Duell am Kaufafus getödtet. Der Tod Puschfind wurde von dem jungen Gardeofficier besungen und führte denselben an den Punkt, welcher vorzugsweise pas Terrain der Did tungen bildet, deren llebertragung wir vor uns haben. Die kurzen Notizen über die Entwiđelung der russischen Literatur, welche der fundige Ueberseper vorausschickt, sind sehr interessant, wenn wir es auch nicht über uns gewinnen fönnen, den Poesicen besondere Bedeutung zu schenken, mögen sie sogar in einer so meisterhaften lleberseßung vor uns liegen, wie sie Hr. Bodenstedt un: längbar geliefert hat.' Dhne Lord Byron waren der Tscherkessenknabe“ und „Ismael Bey" Lermontoff's gewiß nicht so gedichtet worden, wie wir sie lesen, und so sebr auch die eigenthümliche, uns weitab liegende Welt der Tscherkessen anspricht, so ist cod schöpferischer Geist nicht eben zu entdecken, und daß ihm die „Unsterblichkeit“ zu Theil werden könne (Vorrede S. XXII.), darf nur Uebertreibung genannt werden. Wie ganz anders stellt sich da ein Spos, wie die Frithjoffage Tegner’s! Ohne uns hier auf politische Erörterungen einzulassen, dünft uns doch die innere Verwaltung und Gestaltung des rustischen Staates eine solche, daß sie zwar, was wir ibren Anbängern gern lassen wollen, dem dortigen Zustande sehr entsprechen mag, allein für die freie Entwickelung der Dichtkunst nicht den bequemsten Spielraum er: offuet.' Dabei fann allerdings die Sprache mit ihren Formen recht ausgebildet werden und manches achtbare Talent sid, geltend machen. Als einen Beitrag zur Kenntniß der rujfischen Poesie ist uns nun allerdings Bodenstedt's Arbeit eben jo willfommen, als man sie ohne Bedenken vortrefflich nennen darf. Wir sind nicht im Stande, das Original zu vergleichen, allein man fühlt im Ganzen, daß hier etwas frei und gewandt Nachgebilretes vorliege, ohne daß Zuthaten des deutschen llebersepers entdeckt werden könnten.

Ganz andere Grundsäße hat fr. Laun in seinem eleganten Büchlein Liederflänge aus England und Spanien, von Adolph laun.

Bremen, Geisler. 1852. 212 S. befolgt. Es sind darin cine Reihe sehr schöner Gedichte neuerer englischer Poeten

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und spanischer Romanzen so nachgebildet, daß man überall die Zuthaten des Nach: bildners mierft. Lyrijde (Gedichte verlieren von vornherein ihren Gruntcaratter, wenn man ihnen andere Veremaße gibt, als sie im Original haben; es ist uns vermeidlich, daß man zu beliebigen (Einschaltungen und Auslassungen gezwungen werde, und so haben wir zwar ein Gedicht nach dem Thema des ausländischen Dich: ters, aber nicht reisen wirkliche Schöpfung. Die Lieverklange sind eine recht an: genehme Gabe, allein sie entsprechen nicht dem, was wir von poetisden llcbertra: gungen aus fremden Literaturen fordern, und was allerdings von Sülegel, Tief, Schad, Freiligrath, nur um einige zu nennen, geleister ist. Nehmen wir z. B. S. 17:

„Wenn Chorgesang aus voller Brust

Im Streise frober Zecher flinget.“ Dafür hat Moore:

When friends are met and goblets crown'd

And smiles are near, that once enchanter. Drer S. 34. Moore läßt in dem berühmten Gedichte die Blätter der festen Nose zerstreuen und sagt dann: so soon may I follow, when friendships decay, and from love's shining circle the gems drop away. (ør wünscht sich das Loos jener Rose, falls er so einsam dastünde, als jene. Dagegen hat Laun:

„Wohl werd' ich vald sir folgen,
Weil Freundschaft nicht bestand,
lind weil vom Kranz der Liebe

Mir Blatt um Blatt entidwand.“ Wir nennen dergleichen die Variation eines gegebenen Thema, doch lernt man darurd, den Dichter nicht ganz fennen. Steht man von solchen Ansprüdyou ab und will man liebliche, hübsche Poesieen lesen, frei ausländischen Dichtungen nachgebil: det, so darf das zierliche Büchlein als sehr elegante Gabe empfohlen werden. Vom wijjenschaftlichen Gesichtspunfte aus, dem diese Zeitschrift bestimmt ist, kann man solcher Behandlungsweise nicht ganz beistimmen.

M. Runkel.

Schiller und Goethe. Reliquien, Charakterzüge und Aneftoten. Ges

sammelt und herausgegeben von Dr. Heinrich Döring. Leipzig 1852. Verlag von Falf.

Der Name Döring ist mit unsern größern Dichtern in eine unzertrennlide Verbindung getreten; in ibm wird ibr Leben in Abidhluß gebracht, und da Meli: liquiensammler unerschöpflich sind, so fann dem vorliegenden Bändchen noch mandios nachfolgen, welches, wenn auch weniger für das deutsche Publifum, so rot für Literarbistorifer von Werth ist. In der von Jena aus datirten Vorrede verspricht dies der Biograph zwar nidit, reutet auch nicht auf neues Material bin, cuticut: digt sich vielmebr darüber, daß er schon Getrudtes nochmals mittheilt, indem et Den Beweis liefert, daß die Aurjäße, die von Boas Smidler'n beigelegt werden, Goethe zum Verfasser baben; aber er läßt es durch die Aufnahme einzelner aufges fundener Briefe vermuthen: denn es werden sich im Nachlaß mancher Männer und Frauen noch Briefe von Goethe und Schiller rorfinden, die, wenn aud von set: dyer Faijung, daß gewöhnliche Meniden sie eben so gut hätten idreiben fónnen und gewiß täglich schreiben, Tod von Bercutung sind ex ungue leonem. Wir befennen, unser Bild der großen Zeit Goethes und Schillers aus jerem, feltet tem unscheinbarsten Beitrage zu vervollständigen und mit Begicrde carnach_ju grei: ren; rrir achten die Pietát, welche cas deutsche Volf, das sich in seinen Dichtern, Gelehrten u. s. w. als ein einziges fühlt, in Verebrung der Hinterlassenschaft ders jelben befundet, und schonen sie, selbst auf die Gefahr hin, daß sie bei einzelnen in einen mittelalterlichen Reliquiencultus nusarte oder in eine literarische Anefdo: tenjägerei, die das Voli liebt, um in Einem Stücke den großen Männern gleich zu stehen.

Döring bringt dieemal in seinem Bandchen ungefähr eben so viel Schilleriana wie Goethiana und legt mit uns natürlich den eigenen Aufsäßen den höheren Werth vei. Der erste ist ein 1781 (nicht 1782 wie es im Register beißt) verjajter Aufs fat: der Simpf ciner tugendbarton Seele mit der böberen Pflicht, welcher die Gol: lisionen, in denen eile philojophische Naturen mit der Moral gerathen, zum Gegenstand hat, wie die Gespräche über die Religion; der dritte Aufsatz aus demselben Jahre, der Zwiespalt ciner edlen sumanitit zwischen positives Chriitenthum und religibíem Scepticismus, der bei Schiller fragmentarisch blicb, wie auch sein Aufiaß: Gespräche über die Religion. Der zweite Auflag: der Jüngling und der Greis, behandelt in Gesprächsform die Jace, welche eine tief eigentbümliche Schillers war und bier in den Worten ausgedrückt ist: Ich meine, Clusium zu abnen und nicht zu finden; der vierte ist eine Allegorie, Tugend, Liebe und Freundschaft, und der fünfte eine scharfe Kritik über Dya - Na - Joje oder die Wanderer von Fr. W. Meyern, in dem er in flüchtigen Worten den Zwitter von Abhandlung und Erzählung sfizgirt, der durch eine fait durchaus nietrijdie Prosa wo möglich nod) ermúdender wird. Daß Schiller zuweilen sehr einjeitig sein konnte, wäre auch aus dieser Recension zul crsehen, wenn es nicht durch die vielbesprochene über Bürger's Gerichte allgemein bekannt wäre, und ebenfalls aus dem geistvollen, tiefjeda diten Fragment über 018 Schöne der Kunst erhellte, welches den sedisten schäßbaren Bei: trag aus Schillers Nachlassenschaft ausmadt. Zwei Jugendbriefe Scillers sind aus Oggersheim und Mannheim an seine Schwester Christophine gerichtet, die als Näthin Nieinwald 1817 in Meiningen gestorben ist, und zwei andere an Gödinge (aus derselben Zeit); sie sind darafteristisch, wie überhaupt Briefe, welche am be: îten Zeit und Stimmung aufdccfcu. Mir ist die Stelle besonders bedeutungsvoll, in der Schiller dribt: ,,Nur dies fage ich Dir, Schwester, daß idy, im Fall es der Herzog erlauben würde, dennoch mich nicht eher im Würtembergischen blicken lasse, als bis ich wenigstens einen Charafter habe, woran ich eifrig arbeiten will, im Fall er es aber nicht zugiebt, mich nicht werde enthalten fönnen, den mir das qurd zugefügten Affront durch offenbare Sottisen gegen ihn zu rächen. Nunmehr weißt Du genug, um vernünftig in dieser Sache zu rathen“. Unter den Anefooten, die unterhaltend, und anzichend in jedem Falle, find uns zwar manche gerade so, oder doch in ätynlicher Fiijung bekannt, was übrigens nichts verschlägt, da sie im: mer ihre Lejer finden. Dies ist noch mehr der Fall unter den Aneko oten, die als Goetbiana den Schluß des Bändchens ausmachen, obgleich cine, die von den gestohlenen silbernen Liffeln, unwahrscheinlich ist, da sie in anderer Form von Goethe sellist in „Wabrheit und Dichtung“ erzählt wird. Die meisten sind für die Persönlichkeiten, die sie darstellen und ihre llmigebung bezeichnend, und dabei gefällig, wenn auch mitunter breit erzählt. Von den Goethe'jden Neliquien betref: fen sie fünf eriten das Theater. Es sind die lind einer flüchtigen Notiz Böttiger's von Bons Spiller zugeschriebenen, das Weimaride Theater und die Aufführung Des Wallenstein betreffenden Aufsäße, die nicht vivß aus äußeren, sondern auch aus inneren Gründen die Autoridaft Vefunden. Dann folyt cine Recension von Grüvel's Gerichten in Nürnberger Mundart. Da sich in Goethes Werfen Band 32, S. 137 ff. eine andere Recension dicier Gerichte vorfindet, so dürfte es nöthig sein. um alic Zweifel über die Alechtheit siejer Reliquien zu lösen, näher unterrichtet zlı werden, was oon berühmten Sdiriftiteller, der sehr oft als Recensent auftrat, ver: anlajte, zwei verschiedene Recensionen abzufasjen ind jener bei der Auswahl seiner Werfe den Vorzug zu geben. Hat Goethe für zwei Zeitschriften geschrieben? Hat er diese erste Arbeit verworfen? Wo hat sie gestanden? Beachtenswerth ist Der Bedanfe der Einleitung, daß der Zweck, ein Volf aufzuflaren (1798!) am besten durch Scinesgleichen er: reicht wird. Die zwei Jugendbriefe sind an Deser gerichtet, der, in Prepburg 1717 geboren, als Professor der Zeichnungs- und Kunstakademie zu Leipzig 1799 gestorben ist, und aus Frankfurt 1768 geschrieben und enthalten den Abdrud des anhänglichen Gefühls, welches Goethe zu seinen Lehrern und Meistern hat. Mit lie:

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