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benswürdiger Breite ergeht der Jüngling sich in seinen Artigkeiten, und spricht mit Sehnsucht nach der schönen Studienzeit in Leipzig. Diese Briefe, in welchen er seinen Lehrern schreibt: „Erlauben Sie mir einen Vorzug vor vielen. Nennen Sie mich keinen Weggegangenen, nennen Sie mich einen Verschickten", gehören zu der kleinen Zahl der Briefe des Verfassers von Werthers Leiden; die Sammlung des Dichterfürften ist schon zahlreicher. Schließlich geben wir den Lesern cine Probe ter Anekdoten:

Nad einem Gespräch mit dem dänischen Dichter Dehlenschläger, der ihn in Lauchstadt (1807) zum ersten Mal sah, lobte Goethe ren Aladdin und den Monolog des Nuraddin. ,,Will ich einen Dichter recht kennen lernen,“ bemerfte er, .so lese ich cinen seiner Monologe; darin spricht sich sein Geist sogleich aus.“ – „Ale ich,“ erzählt Oehlenschläger, ,, einige Monate später das Glüd hatte, Goethes ycrz eine Zeit lang zu gewinnen, gestand er, daß er uns, mich und meinen Begleiter, Heinrich Steffens, in Lauchstadt gern eingeladen bätte, und daß er nicht wisse, warum es nicht geschehen sei. 68 war indessen geschehen aus einer Art von Geig auf Freundlichkeit, aus einer Knauserei, aus Furcht auf einmal zu viel drauf geben zu lassen.“

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Mit jedem Augenblid peinlicher war für Goethe die Geschwäßigkeit und Prah: lerei des befannten Witt von Dörring, der ihm 1817 in Weimar einen Besuch machte. Goethe erhob sich von dem Sopha, wo er neben ibm gesessen und sagte: ,Sie rühmen sich in Ihrem Buche, mein Bester, wie Sie das Talent hätten, Jeden bei der ersten Zusammenfunft für Sidh cinzunehmen. Damit mir das nun nicht widerfährt, leben Sie wohl!" So sprechend entfernte er sich in ein anderes Zimmer. Von eben jenem Manne sagte er ein andermal, als er ihn bei seinem Hause vorbeigehen sah, zu cinem Freunde: „Es thut mir ordentlich wehe, wenn ich den Menschen so frei berumlaufen sebe. Man sollte ihn wieder restießen, denn er hat eine solche Virtuosität im Gefangensißen, daß er nur im Prison seinen Be: ruf erfüllt.“

Wie Schiller jede Idee mit lebhaftigkeit ergriff, zeigt der Einfall, fid, mit einigen Freunden eine Uniform machen zu lassen. Sie bestand in einem blauen Fradt mit bimmelblauem Futter, der um einige Linien über das Dunkelblaue ber: vorsab, und silbernen Knöpfen. Längere Zeit erschien Schiller mit seinen Freun: den in dieser gleichmäßigen Kleidung.

Hohe Begeisterung für Freundschaft im edelsten Sinne des Wortes herrscht in dem Liede an die Freude, weldies Schiller während seines Sommeraufenthaltes ju Gohlis bei Leipzig dichtete: „In dem Liede an die Freude," sagte er, „liegt mein Charakter. Diesen Kuß der ganzen Welt!"

Dr. Kruse.

Ontwerp van een neederlandsch woordenboek. Verslag der

commissie. Vorgedragen door Dr. M. de Vries. Groningen, de Waard. 1852. 90 S.

Der Dr. de Vries, jept Professor zu Groningen, hat schon im Jahre 1849, als er noch Lehrer am städtischen Gymnasium zu Leyden war, eine (in þarlem bei Krusemann verlegte) Vorlesung über die bolländische Sprache, Geschichte, Gegen: wart und Zukunft des Sprachstudiums veröffentlicht, die in gerundeter Darftellung die Entwickelung der Sprache und der Literatur Hollands llar darstellte, und die Wurzel derselben hervorbob.' Bieran knüpfte sich seine Rede bei dem Antritt der jebigen Stellung , die Herrschaft über die Sprache, als Anfang der Beredtsamkeit“ (Groningen bei te Maard 1850). Seine Absicht ging immer cabin, daß die huls ländisdie Sprache auch grammatikalisch und legifographisch gefördert werde. In der críten niederländischen Gelehrtenversammlung zu Gent 1880 wurde darauf hinges wiesen, daß es eines allgemeinen Wörterbuches bedürfe, 1851 wurde bei der zweis ten Versammlung in Amsterdam noch lebhafter darüber Debattirt. Man wählte zu dem Bchufe eine Commission von sechs Mitgliedern; der Bericht derselben liegt jest vor. Es wird darin auseinandergesept, in welchem Ilmfange man ein solches Wör: terbuch beabsichtige (Zusammensepungen, Idiotismen und Kunstausdrücke will man jo wenig als möglich aufnehmen) und wie es geordnet sein solle (man will überall die Stammwörter mit Angabe ihrer (Etymologie alphabetisch aufnehmen, und diesen jedesmal die davon abgeleiteten und zusammengeseßten Wörter unterordnen, und dazu Gitate aus Schriftstellern fügen). Man ist auf der dritten Versammlung zu Brüssel im wesentlichen damit einverstanden gewesen und hat, wie wir aus dem „Allgemeene konst en letterbode“ vom 6. Februar 1852 ersehen, eine Redac: tionscommission von drei Gelehrten: M. de Vries zu Groningen, I. David zu Lowen und L. A. te Winkel zu Leyden gewählt, welche in einem Rundschreiben vom 1. Februar d. J. alle niederländische Gelehrte aufgefordert haben, zu dem be: sondern Zwecke ihrer Aufgabe mitzuwirken. Dieses Wörterbuch befördert zugleich ein nationales Zusammenwirken der holländischen und belgisdyen Gelehrtenwelt, und bat demnad für uns Deutsche auch, abgejehen von grammatischer Bercutung, einen nationalen Werth. Professor de Vries scheint uns übrigens ganz besonders befa: bigt, die ihm gestellte Aufgabe zu lösen, da er ein so ausgesuchtes Holländisch chreibt, wie wir lange nicht gelesen und wenn ra und dort über jene Sprache ge svottelt wird, so zeigt er, dass sie allerdings einer Veredelung und des Wohllauts fähig ist.

M. Runkel.

Deutsches Lesebuch von H. Graßmann und W. Langbein.

Stettin 1852.

Wir erhalten hier die zweite Auflage des bekannten trefflichen Lesebuches, wels che sid; vorzüglich nur dadurch von der ersten unterscheidet, daß der poetische Theil, welcher früher etwas dürftig ausgestattet war, nach einem sehr erweiterten Plane ganz neu bearbeitet worden ist. Für Leser, welche das Werk noch nicht kennen follten, möge hier bemerkt werden, daß es für Knaben von 8 bis 12 Jahren be: stimmt und die Auswahl nach dem Grundsaße vorgenommen ist, zwar vielseitige Anregung zu erzielen aber auch die gelegten Keime zu einer wirklichen Entfaltung zu bringen. Daher haben wir, sagen die Verff., stets massenhaft Gleichartiges aus: gewählt und zusammengefügt; denn es soll der Schüler nicht von verschiedenen Seiten her mit stets wechselnden neuen Anreizungen hin und her gezerrt, und ihm dadurch die Zerrissenheit und Zerfahrenheit unserer Zeit in garter Kindheit einge: impft werden, sondern er soll in jedem Gebiete, in welches er eingeführt wird, fich nach und nach beimisch fühlen und so zu einer innern Ruhe und Selbstständigkeit heranreifen. Man muß den Herren Verff. mit ganzem Herzen beistimmen, daß ges rade der Lehrgegenstand, welcher am meisten geeignet ist, die zersplitterten Kräfte wieder zu einigen und einer harmonischen Entwickelung entgegenzuführen, durch: aus nicht mit dazu dienen joll, den Riß noch größer zu machen. Man findet hier überdies die Stücke nach ihrer wesentlichen Verwandtschaft in Form und Inhalt zusammengestellt und bei jeder Gruppe ist der llebergang vom Leichteren zum Schwereren mit pädagogischem Tacte glüdlich vermittelt. Wir begnügen uns für heute mit dieser kurzen Anzeige, da wir in Kurzem bei einer Besprechung der neues sten deutschen Lesebücher auf das vortreffliche Wert wieder zurücfommen werden. Die äußere Ausstattung ist recht gut und der Preis von 18 Sgr. für 422 Seiten gr. 8. äußerst billig.

Hg.

Heuristisches Elementarbuch der englischen Sprache von Dr. C. van

Dalen, Oberl. an der Realidule zu Erfurt. Erfurt 1852.

58 ist eine willkommene Erscheinung, aus der täglich wachsenden Menge von Hilfebüchern für den Unterricht in den neuern Svrachen, weldie meist nur einzel: nes Brauchbare, oft gar nichts Neues bieten, eine Arbeit bervortreten zu sebell, die das Studium der Sprache auf Schulen um einen bereutenden Schritt vorwärts zu bringen verspricht. Als eine soldie müssen wir das angeführte „beuristische Ele: mentarbuch“ bezeichnen; nicht etwa, als ob der Grundgeranfe des Verfajjers noch nicht ausgesprochen wäre, als vielmehr, weil derselbe in eigenthümlicher Weise flar und conjequent durchgeführt ist. Dazu fommt, daß es sich nicht um eine bloße theoretisdie Auseinandersepung handelt, sondern um das Nejultat mehrjähriger praf: tisder Erfahrung.

Der erste Abschnitt enthält „die Methode“ und zerfällt in die Kapitel: „Sprach: stoff“, „grammatische Analyse“, „deutsche Säße zum llebersopen“ und „Wörterver: zeichniß“. Die Vorrede legt die Methode in folgender Weise dar:

Xus I. 1 (Sprachstoff) liest der Lehrer einen Saß vor, obnie daß die Schü: ler ein Buch vor Augen haben. Dann spricht er jedes einzelne Wort vor und läßt es von den Schülern so lange im Chure nachsprechen, bis es fehlerfrei erscheint, geht darauf zu einem andern Worte, zur Vervindung zusammengehörender Wörter über, und hat jo endlich die Scüler dabin gebracht, daß sie den ganzen Sag im Chore richtig sprechen fönnen. Nun gibt der Lebrer die deutsche Üeberlegung des Sapes, fordert auch wol einen altern Schüler auf, sie zu geben und läßt sie von der Klasse wiederholen. Nachdem er noch einmal den englischen Saf vorgesproden hat, läßt er ihn von einzelnen Schülern nachsprechen. Jebt ist der Sag für das Dhr fertig, und der Lehrer schreibt ihn an rie Tafel, oder läßt ihn von einem fähigen Schüler anschreiben. Die Schüler lejen den Saß laut. Der Lehrer fragt nach der Bedeutung jedes einzelnen Wortes und nach der Wörterklasse, welcher is angehört. Er läßt den Saß nach einem gegevenen Schema syntaftisch analysiren und die Eigenthümlichkeiten der englischen Wortstellung herauéfinden.

Beisviel:

1. Hauptsap I am a child

Object Bestimmung Relativat

the 2. Hauptsak

things

which I see.
and (I) do not know meaning
I-pron. pers. der 1. Person , ich“
am - verb. 1. Sing. Praes. „bin“ u. s. w.

Der Saß wird von der Tafel gelöscht und durch einen „dwächeren Schüler unter Beaufsichtigung und Nachhilfe der ganzen Klasse wieder angeschrieben. Sos bald ein Wort in verschiedenen Abwandlungsformen vorgekommen ist, müssen die Schüler darauf aufinerfsam machen, und aus der Vergleichung der einzelnen Beis spiele die Regel abstrabiren. Die häusliche Arbeit der Schuler ist: die Säge der vorigen Stunde aufzuschreiben und sich so einzuprägen, daß sie Jeder in der näch: ften Stunde sprechen und an die Tafel schreiben kann; ferner, die neugelernten Worte, geordnet nach den Redetheilen und grammatischen (igenthümlichfeiten, in ein Buch einzutragen, so daß daraus endlich ein Verzeichniß entsteht; endlich mit eigenen Gedanken aus dem erworbenen Material englische Süße zu bilden, die in der nächsten Stunde dem Lehrer gesagt, von ihin und der ganzen Klasse verbessert und von Mitschülern mündlid, überscht werden. Nachdem in der zweiten Stunde die Säße der ersten abermals von Schülern an die Tafel gesdrieben worden sind, werden sie in ein Reinbeft eingetragen. Für die Revision reicht in der Regel die Zeit aus, in welcher die Schüler Siße an die Tafel (dreiben.“

Referent ist um so mehr mit dieser Methode einverstanden, als er sie mit einis gen Abweidungen beim ersten Unterricht im Französischen angewendet und sehr för bernd gefunden hat. Besonders hat sich ihm das Sprechen im Chor als zwema: big erwiesen.

of many

Während bei dem gewöhnlichen, febr ermüdenden Verfahren, es sich nidyt ver: bindern läßt, daß manche grobe Fehler sich vis in die oberen Klassen verschleppen, läßt sich durch das Chorsprechen eine Sicherheit für die nicht zu schwierigen Zujammenstellungen bei der großen Mehrzahl der Schüler schon auf der untersten Stufe erreichen. Der Schüler roll nicht allein das Richtige bör ell, sondern vor Pillem jeres überhaupt im Buche vorkommende Wort mitsprechen, damit sein Organ gebildet werde. Es scheint zwar auf den ersten Blick schwierig, bei der oft großen Menge der Svrechenden, die Fehler zu entdecken und die betreffenden Schüler herauszufinden. Dagegen fann aus Erfahrung versichert werden, daß sich das Ohr des Lebrers bald hinreichend schärft, un bierin eine ganze Klasse zu beherr: den. Auch bringt diese Art den pädagogischen Vortheil, daß sie alle Schüler nétbizt, sortwährend auf den Lehrer zu sehen, und in jedem Augenblic selbstthätig zu sein.

Soll Mef. bierbei gegen den Verfasser ein Bedenken ansiprechen, so ist es, daß in seinem Buche uur sehr geringe Gelegenheit gegeben ist, daß sich der Schüler über die Aussprache bei den häuslichen liebungen Raths hole und sich controllire. lig würden zu diesem Zwecke wenige Angaben hinreichen, über die verschiedenen Caute der Vocale und Diphthonzen; passend ist es auch, Musterwörter über jede Seite des Textes zu schreiben, an denen sich der Schüler beim Lesen zurecht finden fönnte.

Der Verfasser scheint beim Unterricht eine besondere Grammatik nicht zu benuben. Ref. fann dies nur billigen, überzeugt, daß der Lernende so lange als möglich nur aus Ginem Buche sein ganzes Wissen schöpfen roll, bis es mit seinem aanzen Inhalt sein Eigenthum geworten ist." Wie aber?' Soll sich der Schüler aus den in den lebungen vorkommenden Verbalformen z. B. ein Paradigma der Conjugation selbit construiren. Dieß scheint aus mehreren Gründen bedenklich; auch bietet das „Wörterverzeichniß“, wie es aus den Händen der Schüler hervor: geben soll, dergleichen nid)t, sondern nur eine Zusammenstellung der vorgekomme: uen Wortarten und Formen. Daher ist es wol nothwendig, eine lebersicht der michtigsten Erscheinungen der Formenlehre übersichtlich, vorne oder als Anbang zu geben, damit sich der Schüler daran orientire und der Schwache sich doch ein

inimum des im linterricht Gebotenen zu eigen machen könne. (Einstweilen gediebt dadurch der Brauchbarkeit des Buches fein sonderlicher Eintrag; es hantelt sich vor Adem um die Methode. Schließlich sei in Bezug hierauf bemerkt, ab dieselbe einen frischen, lebendigen Lehrer erfordert, und sie sich besonders da isht nußlich erweisen wird, wo der Unterricht dieser Sprache in den Händen deselben Lehrers bleibt. Beides ist sehr wünschenswerth und darum für das Buch richt das schlechteste Lob.

Die vom Verfasser gewählten Beispiele und Lefestücke sind aus den in England ebräuchlichen Schulbüchern genommen; und nichts weniger als aus dem Zusam: ang gerisjene oder inhaltlose Säße.

Die Lesestücke zerfallen in

1. Rudiments of knowledge of animated creatures, of Mankind, Inimate objects: Stones, Flate, Glass etc. Water the Ocean Ships, ivers. The Senses. Speaking - Language, etc.

2. Natural history: The Cat, Lion, Tiger, Bear, Fox etc.

3. Fables. 4. Little Stories. 5. Letters. 6. Extracts from the ble. 7. Prayers. 8. Poems.

Den Sdluß des Buches bilden die Abschnitte „nach Verbalformen geordnete iBe“ und „alphabetisches Verzeichniß mehriylbiger Wörter mit Sylbentheilung

Accent."
Das Neußere des Buches ist in jeder Beziehung empfehlend.
Düsseldorf.

Dr. Bromig.

Französische Fabellefe für Schule und Haus nebst einer Abhandlung

über den Bau und die Lecture französischer Verse von Dr.

A hit.
Italienische Fabellese. Von demselben. Köln 1849 und 1851.

Wenn auch durch beide Bücher nicht grade einem Bedürfniß des Interricht: genügt wird lo mögen sie doch als angenehine und leichte Lecture hie und ta willkommen sein. Die „französische Fabellese" gibt eine geschmadvolle Auswahl aus den besten Dichtern. Sie enthalt 72 Fabeln von Lafontaine, 41 von Florian, 37 von Lachambeaudie und 72 verschiedener, besonders neuerer und bei uns weni: ger bekannter Schriftsteller. Die , italienische Fabellese" gibt das Beste aus den Gedichten von Grillo, Bertola, Pignotti, Gherardo dé Rossi, Noberti, Passeroni, Perego, Clasio und verschiedener Dichter.

Die vorangeschicten Abhandlungen machen nicht den Anspruch, dem febrer irgend etwas Neues zu bieten; dod enthalten sie das dem Schüler Nöthige freilich in großer Breite. Im Ganzen scheinen beide Bücher sich mehr für den häuslichen Ünterricht, als den Schulgebrauch zu eignen.

Bromig.

Die Sånger unserer Tage. Blätter aus dem deutschen Dich:

terwald der Gegenwart. Für Freunde vaterländischer Poesie und zu Declamationsübungen für die gereifte Jugend gesammelt von Dr. Heinrich Eduard Apel, Professor am Gymnasium zu Altenburg. Erster Band. Dritte sehr vermehrte Auflage. 8. Altenburg, Pierer.

Wir haben bei dieser anerkannt trefflichen Sammlung nur auf die Borziige hinzuweisen, welche die neue Auflage darbietet, da sie ihre Stellung unter den nicht bloß zahlreichen, sondern zahllosen Chrestomathien Deutschlands schon einge: nommen hat, und besonders auf die 18 Dichter, um welche dieselbe bereichert wor: Den ist, und die biograpbischen Skizzen, die eine gänzliche Umarbeitung erfabren haben. Die Zahl der Dichter sind 56, welche mit übland beginnen und in 7 Ab: theilungen die schwäbischen, Östreichischen und norddeutschen Dichter, sowie den andern Nachwuchs enthalten. In der Vorrede zur ersten Ausgabe wird gesagt, daß ein zweis ter Band Gedichte von Mörife, Duller, Pruß, Sallet u. A. enthalten sollte, der auch nach einer Note 1848 crschienen ist. Då nun Mörike, Salet u. s. w. auch in dieser dritten Aufl. vorkommen, so wird das Verhältniß desselben zum zweiten Bande nicht angegeben, indem auf dem Titel noch I. Band stebt, derselbe also den zweiten nicht in sich aufgenommen hat. Eine neue Auflage desselben fann freilich aus dem Dichterwald nochmals ein paar hundert Seiten füllen, und wird den deut: schen Lesern, welche die einzeln erscheinenden neuen Gedichte nicht anschaffen fón: nen oder wollen, um so wiūrommener sein, je reichhaltiger er ist. Der Herausgr: ber ist nicht nur recht belesen, auch in Zeitschriften und Einzelwerfen, sondern, was mehr werth ist, für seinen Beruf fritisch besonnen und klar, vielseitig und vorurtheilsfrei. Er vermittelt, was in der Literatur getrennt ist, und würdigt Heine sowohl wie Platen. Anzuführen, welche Gedichte des einen oder des an: dern wir für bedeutender und characteristischer halten, als die aufgenommenen, muste anmaßend scheinen, da wir unsern Geschmack dem des Verfassers entgegenstellen. Aus demselben Grunde unterlassen wir es auch, mit ihm zu rechten, weshalb cias zelne Dichter in diesem ersten Bande eine Stelle gefunden haben, wo R. Maret und Pruß, sogar Immermann fehlen, und die Frage aufzuwerfen, ob Andere, wie Birnagti, Sdyottin, Sturm u.'s. w. überhaupt in diese Reihe gehören. Aber über die Anordnung des Ganzen, so wie eine Gliederung nach Dichtungsarten fiese fich eher ein Wort sagen, mit dem wir den Herausgeber zu begrüßen hoffen, menn die neue Auflage des zweiten Bandes uns die Sammlung als ein Ganges vorlegt.

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