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griff, da bier nothwendig ein Verb mit auch im Bart. verändertem Vocal gewihlt vder hinzugefügt werden mußte, damit der Schüler cin Beispiel zur Regel babe.

Es fann unsere Absicht nicht fein, über Einzelnes, was gegeben oder ausgelassen ist, mit dem Verf. zu rechten, aber der Bemerkung fönnen wir uns nicht ents halten, daß überall eine Flüchtigkeit wahrnehmbar ist, die leicht vermieden werden fonnte. So z. B. find zwei SS., nämlich 29 und 66, ganz gleichlautend. Bei den Adverbien S. 36 werden einige auf ly angeführt, aber die Forin selbit erft S. 81-52 erwähnt, wo wiederum very am unrechten Orte. as wird daselbst an: gegeben, dagegen than steht beim Comparativ. S. 16. Auch die Regeln find, ab: gesehen von der höchst seltsamen Ausdrucsireise, z. B. beschrántt-regelmäßiger Zeits wort, beschränft - regelmäßiger Plural, womit bloß einige leicht einzuübende Abweichungen angedeutet worden, oder S. 46 strategische Ausdrüce z. B. foot Fußioldaten (?) horse Neiter, sail Segel, (strategisch!) öfters sehr irreleitend, . B. ship Schift, ro wie alle Arten von Sdiffen, follen weiblich sein. Bei der Darstellung der obne Artifel bestehenden Abstracten, Stoffuamen, und Pluralen, S. 54, wird die Allgemeinbeit und Besonderheit erflärt surd beja bente, verneinende, fragende und annehniente Saße, und zwar mit einer sonst bier nidt gerade beliebten Ausführlichkeit. (58 ist uns nicht flar geworden, welchen (influß die Sayforin auf die Allgemeinheit oder Besonderheit des Begriffs haben fönne, und der Sdüler wird durch sie angegebenen desto mehr in Verlegenbeit sein, wie sich nun bei Imperativen und Conjunctiven oder Nebensaben die Begriffe ftellen; in der That ist das Ganze můßig. Eben so unflar ist Š. 65. Ohne Artifel stehen Sachi amen in allgemeinen Sinne z. B. Church is over, dinner is ready, Wo ist ta das Allgemeine? Bei dinner ist es ja das ganz Besondere. Die Rejel ist auch wirklich unrichtig, und der Artifel ist nicht, wie ś. 223 an den seltsamen Beispielen: the bear is a dangerous animal, the needle is a wonderful invention (Gab os denn feine besseren Beispiele als solche gejuchte Sápe?) eine Vertretung rer Gattung durch Einzelnes, sondern der Artikel weist auf čie Gesammtgattung bin, und nur in der gånglichen Abstraction meidet der Engländer die Hinweisung. (Ob mn darum wohl billigen möchte woman is weaker than man, S. 55, auch cin sehr gesuchtes Beispiel, lassen wir dahin gestellt sein.) So lesen wir S. 56: Vor einein irgendwie besessenen (??) Gegenstand, jeßt der Engländer gern eine Be: jibbezeichnnng. (Welcher Schüler kann diese Regel anwenden?)

,, bin alleinstehender bestimmter Artifel, nie bloß durch the“, soll heißen, das binweisende, betonte der, wird nicht durch the allein ansgedrüdt.

S. 58. Zwei oder mehr Sibjecte erfordern stets ein plurales Prádicat, dies ist nicht richtig, wie der Verf. gewiß jelbst weiß.

Bei der Casuslehre heißt es S. 63: of wird meist ausgelassen nach worthy, unworthy, (würdig und unwürdig), dies ist uns völlig neu. Beim Dativ vermissen wir die Angabe der eigenthümlicy englischen Redeweise, son to the duke u. 1. 1. Dagegen findet man mehrere andere nidyt dahin gehörige Bemerkungen.

Obne hier weiter auf (Finzelheiten zu verweisen, wollen wir nur binzufügen, daß uns die erstaunliche Inordnung um jo mehr befrenitet, als der Verf. augen: scheinlich nicht zu denen gehört, die bloß Andere ausschreiben, vielmehr an vielen Stellen der Syntar den denfenden und durchgebildeten Grammatiker zu erfennen giebt. Daß die gewählte Form etwa in der Erfahrung eines glud: lichen (Erfolges ihren Grund haben fönne, oder durch die besondern Verhältnisse der Breslauer Realschule bedingt jei, wagen wir mit Entschiedenheit zu verneinen, ja wir möchten sie, wenn wirklich biernach scheinbare Fortsdritte sich zeigten, als cinen traurigen Beweis einer verichrobenen Dénffraft betrachten, die sich nur nach augenblicflichen Eindrüden entwickelte, obne zum Bewußtsein zu gelangen. Sduls männer dürfen eine solche Verwirrung nicht anrichten. lInsre Pflicht ist es, das Be: wußtsein zu wecken, Ordnung und Klarheit in die Ansdauungen zu bringen, und alles Besondere, so weit es nur irgend möglich ist, unter allgemeine Gesebe zu stel: len. Wir bedauern, daß wir genöthigt sind, uns so scharf úber das vorliegende Buch auszusprechen, das außerdem auch im Ausdruck und in der Wahl der Beis jviele eine Sorglosigkeit entfaltet, welche wir an einem Schulbuche am alerwenigsten

erwarten. Es will uns scheinen, daß die Beispiele, welche allerdings in der Syn: tar etwas treffender sind, so ganz rein zufällig, wie sie sich beim Lesen dar: geboten haben, eingetragen worden, wie denn überhaupt die ganze Sprachlehre mehr eine Sammlung von Einzelbeiten darbietet, als ein Ganzes. Man sieht das deut: lidh da, wo die allereinfachsten Beispiele zur Erläuterung dienen können, während bier etwas Seltjames als einziges Beispiel steht. S. 23 heißt es: werden außerhalb des Passivs und außerhalb der Futur und Conditionalbezeichnung (sonderbar genug!) heißt to become over to grow; z. B. the animal became suspicious das Thier wurde argwöhnisch. Der erwartet bier solch ein Beispiel, das nur im Zusammenhang (wir glauben bei Dickens) cinen Sinn bat? Ebenso S. 38, Stellung des Adverbs: Duncan thus awaited the resolution which the deer should take. S. 39. At length the buck began to lower his antlers. S. 53 ist das erste Beispiel zu Eigennamen ohne Artikel: who was the father of Peritana?

Wir wissen wohl, daß solche Kleinigkeiten einem Buche nicht seinen Werth nehmen, aber bei den bereits angedeuteten Fehlern des Gangen, dienen sie zum Beweise für die Art der Abfassung, die überall eine Gilfertigkeit entfaltet, wie sie bei unserm Gegenstande neven den vielen guten Hilfsmitteln nicht nöthig war.

Wir begen die lieberzeugung, daß das Werk bei einer folgenden Auflage cine gauzlidye ilmgeftaltung erfahren werde.

Dr. J. M. Jost.

Elementarbuch der englischen Sprache, nach der calculirens

den Methode bearbeitet. Von Dr. E. 3. Hauschild und John Midelth wate. Zweite Aufl. 2pz. (Renger). 1850.

Bei keiner Wahl von Schulbüchern kommen in der Regel die Lehrer mehr in Verlegenheit, als bei den elementarischen Sprachbüchern. Dies gilt namentlich von englischen Elementarbūdern. Zwar haben mehrere der in neuerer Zeit erschiene: uen sich vorzugsweise als brandbar bewährt, ohue jeroch nach allen Seiten bin zu genügen; die große Mehrzahl, die von Jahr zu Jahr fast in geometrischer Proportion wichst, schließt sich in der Methode und dem Gange den Abn'ichen Lehr: cursen für das Französische an. Auch das obige gehört, wie schon der Titel be: higt, zu der lebteren Classe, unterscheidet sich aber von den übrigen wieder sehr wesentlich, und kann den Freunden dieser Methode immerbin sehr empfohlen wer: den. Herr Hauschild hatte, durch die günstige Aufnahme seines französischen Gle: mentarbuchs aufgemuntert, auch ein gleiches für den englischen linterricht bearbeitet, das nach kurzer Zeit schon eine zweite und durch die Betheiligung eines Englanders in vielen Einzelheiten verbesserte Auflage erlebte. Ohne dem Buche seinen Werth absprechen zu wollen, muß Nof. doc geitehen, daß es im Ganzen genoms men hinter dem genannten französiscben (lementarbuch desselben Verf. zurüdsteht. Das letere, und namentlich dessen 2ter Cursus, der Abn’s mangelhaften zweiten Theil erleben sollte, ist ein wahres didaktisches Meisterstück. Mir verweisen auf tie interefjante Vorrede desselben, oder laden vielmehr bei dieser Gelegenheit die Lehrer, die es nicht genauer kennen, ein, einmal einen Versud beim linterrichten tamit zu machen. (68 ist, besonders nach der Mitte und dem Ende hin, eine wabre Lust, danach zu unterridten. Ref. fann dies nicht in dem Maße von dem vorliegenden englischen Buche rühmen. Während dort der Schüler sich augenscheinlich mit jedem Paragraph vorwärts sich seines Fortschritte bewußt wird und mit Lust weiter geht, ist der Gang in dem englijd)en Theile trop größerer (Einfachheit des Stoffes langsamer, fast schleppend. Man vergleiche nur die langgesponnene und beinahe ermüdende Geschichte Josephs hier mit derselben fernigen Geschichte im französischen Buche. Während dort der grammatisdie Fortschritt fo zil sagen stati: ger ist, laufen hier die Einzelheiten bunt durch einander und erschweren dem An: fänger das Behalten. Hier muß oft erst eine wahre Wucht des buntesten Vocabelngemische ins Gedächtniß, ehe es ans lieberseben geht, während in dem fran: jöjden Theile mit weiser Anwendung der Jacototschen Idee aus wenigem unge:

mein viel neu geschaffen wird. Zu tadeln ist namentlich die sporadische Weise, in welcher die starken Zeitwörter im Buche zur Anwendung fonimen. Hier liegt das streng Zusammengehörige, schon gegen adle mnemonischen Gescße, oft weit auss einander. (Ein bloßer Blick auf den Artikel „Irregular Verbs“ im Jnder beweist ries zur Genüge. Aehnliches gilt von vielen andern Dingen im Buche; co ist kein reditor (Guji und Fluß darin. Das Buch bedürfte nach unserer Meinung bei einer neuen Auflage einer totalen Ilmschmelzung: des {verrn Verf. bewährte dirattische Meisterídast läßt uns hoffen, daß dicier Wunsch fein vergeblicher sei. Wir cmpichlen ibm join eigenes französisches Elementarbuc) nochmals als Muster. Ein solches englisches würde unendlich fördernd aus den propåreutischen linterricht in dieser Sprache wirken fönnen.

Bol.

Handbuch der englischen Sprache. Nach einem neuen Plane

bicarbeitet von Dr. F. E. Feller, Director der öffentl. Hans delsschule in Gotha. Leipz. (Teubner) 1850. 8. 252 Š.

Gegen linterrichtobüder „nach einer neuen Methode“ oder „cinem neuen Plane“ bringt man gewohnter Weise beim ersten Aufschlagen ein gewisses Miß: trauen mit. Ref. muß von vornherein gestehen, daß er ein solches Mißtrauen bei obigem Buche nach näherer Durchsicht nur wieder gerechtfertigt fand. Schon in ter Vorrede erfährt man, daß der Verf. an dem Meister seiner Jugend, Debo: nale, rich cin Vorbild genommen, und bei weiterm Durchmustern des Buches gelangt man zu der lleberzeugung, daß auch wirklich, was Methodif betrifft, die 50jährigen, wenn auch langsamen Fortschritte vollständig ignorirt worden sind. Dér Verf. hat nad ciner ziemlich langen Reihe von Jahren, in denen er den engs lijden linterricht ertbeilte, „vergebens auf ein Handbuch gewartet, welches das rechte Maaß von Materialien darbiete“. Wir haben gegen das Streben nach Kürze ge: rade beim propádeutischen linterrichte im Englischen am allerwenigsten einzuwenden; aber sollte es denn dafür nicht Bücher genug geben? Hauptzweck des Verfassers ist, das der Lernende sich auch dieser neuern Sprache recht bald in Wort und Schrift berionen fönne, wobei der Nußen für formale Bildung nicht brauche von der Hand gewiesen zu werden. Ehe aber scriftlicher und mündlicher Gebrauch möglich sei, müsse der Lernende sid einen gewissen Vorrath aus dem unerschöpflis chen Neidthum von Idiotismen angecignet baben, als da sind Let me alone, never mind, I dare say u. dgl. m. Die Senntniß müsse aus der Sprache selbit cíchöpft werden, zum Bau eines Porcellantl,urms gehöre vor Allem Porcellan. Wir sind hiermit völlig cinverstanden; die Marime ist aber nichts weniger als neu, sie versteht sich von selbst, und zu ihrer Durchführung bedurfte es erst dann cinco neuen Buches, wenn die Art und Weije, ras Sprachmaterial zu gewinnen und zu verarbeiten auch wirklich neu war. Darauf und nur darauf, fames an. Aber in dieser Beziehung ist das angeblich Neue des Buches nicht bloß alt, sons dern geradezu veraltet, und lebteres entspricht selbst milden didaktischen Anforderun:

(63 möge zur Begründung dieses allgemeinen Iirtheils eine furze Beleuchtung Des Verfahrens im Einzelnen bier folgen. Der vauptsebler dieser Methode (wenn is cine ist) liegt darin, daß der Lernende gleich von vornherein wenigstens neunzig Procent Inverstandenes mit aufnehmen soll, um ihm die einfachsten Dinge von der Welt in den Kopf zu bringen. Da stehen gleich Anfangs links englische Süße und rechts eine entsprechende scutíche liebersepung, ohne Rüdsicht darauf, daß darin oft viel schwierigere syntaftische Fügungen unterlaufen. Der Verf. scheitet freilid) Formenlehre und Syntar. (r veginnt mit der Aussprache, nach deutscher Bezeid: mung. Du diese oder die Zifferbezeichnung vorzuziehn war, bleibe dahin gestellt; Dann folyt auf 25 Seiten ein wahres Knochengeripp von sogenannter Formen: lehre, mit Conjugation paradigmen, cin alphabetisdes (!) Berzeiduiß der unre:

gen gar nicht.

gelmäßigen (?) Zeitwörter, entlich noch einige Seiten voll Listen der Neben-, Vorund Binnewörter, auch nach alphabetischer Ordnung; und diese Adle ohne auch nur ein Beispiel zu praktischer Anwendung, die ja grundsäßlich dem Verf. bis dahin noch zu früh ist! – Die Syntar, die nun folgt und in ihrer Weise vom Artifel bis zu deu Conjunctionen berabgeht, sollte man meinen, würde aus jenen vie: len einzeluen Knöchelchen einen Sprachförper mit Fleisch und Blut construiren. Aber com ist nicht so. Sie besteht zum allergrößesten Theile aus weiter nichts als Saßen und Redengarten, aber Alles bunt curdyeinander; von Regeln faum die nothdürftigsten, die meisten soll der Sduler selbit aus der Anwendung lernen, u. a. durch interlinearisches deutsch-englisches Uebersepen. Das möchte nun noch ange: ben, wenn sich der Verf. nur bewußt wäre, was Suntar und Formenlehre ist over sein soll. Sieht man sich z. B. die Syntag der Zahlwörter an, so besteht diese rein aus nackten Zahlenbeispielen, wie: Twice two is four; Three pence halfpenny, Six pounds and three quarters, u. l. f. Gerade gehts in den übrigen Theilen der sogenannten Syntar cos Verfassers. Die Syntag der Für: wörter besteht aus Saben wie I bave lost my wife; He knows me and him; I myself bave done it. Vom Saße als solchem ist im ganzen Buche nichts zu lesen. Der Conjunctiv S. 139 wird mit bloßen englischen Såben und deutscher Ileber: seßung wieder in buntem Mischmasch abgethan; in der Formenlebre steht faum eine Silbe davon. Kurz, es ist alles reine Empirie. Ein Beispiel statt vieler von der Art, wie der Verf. seine Regeln faßt, wenn er ja einmal solche glaubt geben zu müssen: S. 67. „Im Das deutsche einer, eine, eins, auôzudrücken, faun man im (Engl. den doppelten Genitiv anwenden: That was another trick of my son's.“ Das heißt wohl papageienartig sprechen lehren, aber nicht eine Sprache lehren. Bei der Lehre rom Genitiv S. 62 ff. geht wieder Alles durcheinander; spaßhaft faßt der Verf. S. 83 die Regel über das stellvertretende one. Am bequemsten findet er es meistens, jede fleine Schwierigkeit, eine Regel bündig zu fassen, mit der im Buche wiederholten Phrase, „daß Dies und Jenes nur durch lebung gelernt werden könne“, abzuthun; so in der Casuslehre S. 62; so bei der Stel lung der Adjectiva S. 81, und der Adverbia S. 204, wo es heißt: „Diese Bei: (viele werden genügen, um zu beweisen, daß die Stellung des Adverbs durch feine Regeln zu erlernen sein dürfte“. Also auch das mechanische Auswendiglernen zahl: reidyer Beispiele führt, nach dem Verf., zur Grammatik. Arme Schüler, das ist ja zum Verzweifeln! Otwas seltsam nehmen sich bei diesem trivialen Verfahren die zuweilen, wiewohl außerst spärlich, untergelaufenen Reminiscenzen neuerer gramma: tischer Terminologie aus, wie „attributives und prädicatives Beiwort“. Da sol denn z. B. S. 82 in dem Saße We fell soon asleep das leßte Wort als Adjectiv und zwar pradicativisch stehen!

Zum Schluß: Man sieht, der Verf. mag Englisch „sprechen“ lehren können, zur Herausgabe einer Englischen Grammatik aber hat er schwerlich Beruf, weil das vorliegende Buch nicht den Beweis giebt, daß er überhaupt die Grammatik nicht versteht. So lange Denken und Sprechen nicht zwei ganz gesonderte Dinge sind, läßt sich kein Sprachunterricht in irgend welcher Form geben, bei dem nicht auch jo ein wenig gedacht wird.

Dr. Berglein.

Geschichte der deutschen Literatur. Von der ältesten bis auf die neues

ste Zeit. Von Dr. Eugen Huhn. Stuttgart, Müller. 1852. 8. 2 Thlr. 6 Sgr.

Wieder eine neue Literaturgeschichte zu den fast zabllojen älteren. Dies neue Werk tritt aber nicht mit Entiduldigungen vor das Publicum, es ist nach der Vor: rede das allgemein gebildete Publicum bestimmt und für Mittel- und Hochschulen, überhaupt für alle, welche Lust und Liebe zu unserer Literatur besigen und sie genau fennen lernen wollen, ohne Zeit und Absicht zu haben, tiefer in die speciellen Quellen hinabzusteigen und sie zu ihrem Hauptstudium zu machen. lind für dies Publicum, meint der Verf., reichen die bessern Werfc über die Geschichte der deutschen Literatur nicht aus, da die größern Werke nur für Gelehrte bestimmt seien und ihr Studium große Anstrengung erfordere (!) und die in den Nimbus langer und breiter Anmerkungen und Citate gehüllten Handbüdser mehr auf die Stoffe hinweisen als sie darbieten. Ein gründliches Buch feble noch, das den Inbalt klar und ausführlich genug gebe, die Schriftsteller und ihre Werfe charakteris sire, ein flares Bild von ihnen gebe. Ein solches Buch sei das gegenwärtige.

Schweigen ist besser als Gold! ist ein alter Spruch, der heutiges Tages leis der viel zu wenig berücksidytigt wird, dessen Nichtbeachtung von Seiten manches schreibseligen Autors manchem Leser einen Laut des Unwillens abnötbigt. Hatte doch auch der Verf. des angeführten Buches den schönen Svruch beherzigt und sei: nem Verleger die unnöthigen Stosten erspart. Schon die fecfe Zuversicht, mit der das Buch in die Welt tritt, erregt unser Erstaunen. Bahrlich, wenn ein Autor, der auf dem Gebiete der deutschen Literatur sich noch nicht bekannt gemacht bat, mit einer deutschen Literaturgeschichte als Erstlingsarbeit erscheint, so zeugt dies von einer solchen Verkennung der Sdywierigkeit der Aufgabe, daß man nur mit einem Vorurtheil an das Buch herantritt. Dies Vorurtheil wächst, wenn man in der Vorrede den Zwed so höchst unbestimmt hingestellt findet, wenn das Buch sich zu: gleich als ein Buch für Schulen und für das allgemein gebildete Publicum an: kündigt, wenn es die schönste Aufgabe eines solchen Werkes geradezu von sich ab: lehnt, zu einem tiefern Studium anzuleiten, und lieber nur dem schalen Theege: (dwätz Stoff zu bieten sich vornimmt. (in solches Publicum möge lieber die deutsche Literatur mit seiner Theilnahme verschonen und wenn es geistige Interesa sen hat, sie der italienischen Oper zuwenden. Endlich zeugt es von ciner großen Ilnfenntniß des Verf., wenn er meint, wir besäßen feine Büdier ohne großen gelehrten Apparat, welche die Forderungen befriedigen, die er schließlich sich stet.

Mit einem Vorurtheil tritt man jo an das Buch berani. Aber was ist diese Misstimmung gegen den Unwillen der uns ergreifen muß, wenn wir in das Buch hineinsdauen. lieberall zeigt sich außer zahlreichen Beispielen von linkenntniß auf diesem Gebiete Planlosigkeit, Mangel an Methode, linflarbeit. Bald ist aus dies sem bald aus jenem Compendium ctivas entlehnt, von eigenem Studium findet sich feine Spur. úm aber noch den Schein der Gelehrsamkeit zu haben, so ist and nie Literatur der Sahriftwerke beigefügt. Was dergleichen hier soll, in einem Bu: che, welches gerade für ein Publicuni bestimmt ist, „welches nicht Lust hat zu den speciellen Quellen binabzusteigen“, gehört zu den Iinbegreiflichfeiten des Buches. Wie es mit der Literaturfenntniß des Verf. übrigens aussieht, ist icon gleich im Anfange ersichtlid, wo er unter den Arbeiten über die Malbergische Glosje grade Jacob Grimm's Arbeit ausläjt. llebrigens ist ja nichts leichter als solche litera: rische Notizen zusammenzusuchen oder Namen an Nanien zu reihen. Denn in dies ser endlosen Nomenclatur, die eben das deutlichste Beispiel der schlechten Methode ist, kann der Verf. fühn mit jedem seiner Vorgänger in die Schranken treten. Da führt er für dies „allgemein gebildete Publicum", dem ob dieser Gelehrsamkeit es wuniorlid, zu Muthe werden muß, z. B. S. 294 der deutschen Literaturgesdichte folgende Namen auf, alle mit einer furzen sogenannten Charakteristik: die Philo: sophen Rosenfrang, Michelet, Gabler, şinriche, Zeller in Bern, Vischer, Garten: stein, Drobisch, Trendelenburg, Neis, Lope, Neinmann (!), Bachmann, der jüngere Fichte, Ulrici, Ph. Fischer, Brandes (!) in Bonn, Hermann in Göttingen, Zeller in Tübingen, Chalubacus, Feuerbach, Erdmann, Braniý, veinrich Ritter, 6. Neinhold, Sigwart, Marbach (!), die Theologen David Strauß, Ruge, Bruno Bauer, Feuerbach, udmann, Neander, Kuhn, Twesten, Wegscheider, Bretschneider, şarleß, J. P. Lange, Tholuck, Klaus Harms, Gieseler, Gaie, Rettberg, Engel: hardt, Liebener, Martensen, 6. Sdmidt, A. Şelfferich. Cbr. Bauer; $. 293 komnien dann sogar die Staatswissenschaften und in ihrem Gefolge: Martens, f. Murhardt, Sdmittheuner, Rottec, Nebenius, List, Reden, Ojörnèg, Dieterici x.

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