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werden sich zusammen gefellen. Göthe. Daß ich mit dir auf Einem Sterne lebe, und in Gotte8 Schoße ruh'. Hölty. Das Schidsal des Tages hängt nur noch an einem einzigen Augenblic. Schiller. Er fieht sein Geschüß

in des Feindes Hand. Schiller. Folgt einem Substantiv der angegebenen Art eine nicht bes tonte - 0. i. eine halbtonige oder tonlose - Silbe nad), so wird in der Regel das e der Genitiv- und Dativendung ausgelassen: Bipl. Die Klage des Schlafs verwandelte sich in triumphis

renden Danf. Herber. Auf beiden Seiten des Thal 6 der Aare, 3. v. Müller. Es ift Alles hinausgegangen, fich im friedlichen Strahl des Frühlings zu sonnen. Schiller. Der Mann opfert sich dem Dienst des gemeinen Wesens ganz auf. Moser. Die fühnen Franken vom schwarzen Meer an bis zu der Rheinmünde. Klopstod. Die Art wie die Religion mit dem Staat in Rom verwebt war. Herder. Wie nur dem Kopf nicht alle Hoffnung schwins det, der immerfort am schalen Zeuge flebt! Göthe. Man hat mich im Spott nur Hans Ohnesorge genannt. Göthe. Viele tausend Sonnen leuchten deinem Blid unbemerkbar. Engel. Er wohnte sehr anständig im ersten Stod des goldnen Bären. Göthe. Die Morgensonne flammte schon hinter dem Berg herauf. Geßner. Indemn sah unser wandernd Paar sich unvermerkt in einem Part befangen. Wieland. In jedem Stand entded ich Helden. Hages

dorn. Dem Wind entgegen im Dampf der Klüfte. Göthe. Bringt aber die Auslassung des e einen Uebellaut zu Wege, so muß dasselbe beibehalten werden. Dieser Fal tritt gewöhnlich im Genitiv ein, wenn das Subftantiv mit einer Liquida auslautet, die durch eine Muta verstärkt ist, wie auch, wenn das Wort mit einem Zischlaute auslautet, im Dativ, wenn durch die Auslassung des e eine harte Aufeinanderfolge von Konsonanten herbeigeführt würde: Bipl. Des Wortes Bedeutung. Schiller. Alles ist Weisheit

in deiner Ordnung der Natur, wenn der Geist deines Wors tes den unserigen aufschließt. Hainann. Des Landes Bewohner. Des Geifte 8 Erfenntniß. Die Wirkungen

. des Schmerze8 in dem Körper. Lessing. – Mit dem Bilde des Gefreuzigten. In dem Lande des Todes,

4 Ardiv 1. n. Sprachen, XII.

Bei Substantiven mit auslautendem obert findet im Genitiv selten Auslassung des e Statt: Bspl. Des Leides vergessen (nicht: des Leids vergessen).

Des Brodes genießen. Er hat den Saum seines Kleides

berührt. Wenn mich die Donner des Todes begrüßen. Körner. Bei dem Substantiv Gott wird das e der Flerionsendung im Genitiv nie ausgelassen. Im Dativ wird es nie beibehalten, wenn das Wort ben alleinigen Gott bezeichnet : Bspl. Den Willen Gottes erfüllen. Er hat sich mit seinem

Gott versöhnt. – Aber: „Doch es fehlt der Stoff dem

Gotte" (Hermes). Rüdert. Die Beibehaltung des Flerionsse ist zu tabeln, wenn durch dies selbe im Dativ der Uebellaut eines Hiatus, im Genitiv die Häufung gleichartiger Laute herbeigeführt wird: Bspl. Was den edlen Landmann bei muthigem Sinne erhält.

Möser. Ein Gebäude aus dein entferntesten Alterthume ist ehrwürdig. Kant. Wer wollte in folcherlei Staube umsonst wühlen. Klopstod. Da ist gleich vor dem Drte ein Brunnen. Göthe. herrschen in ihrem Sinne über die weite Welt. Göthe. Tugend, mit feftem Tritte auch auf der Gränze noch wandelt. Schiller. Des Thales des Friedens. Daß er im Glanze des Thros

nes es nicht vergißt. Fehlerhafte Auslassung oder Beibehaltung des Genitivs und Dativse findet man sehr häufig in den metrischen Erzeugnissen selbst unsrer besten Dichter; und die „poetische Freiheit“ entschuldigt nicht, wenn metrischen Rüdsichten die rhythmische Schönheit oder der Wohls laut des Wortes geopfert wird.

Unnöthige Beibehaltung des Endungsse macht nicht selten den Rhythmus schleppend; aber fehlerhafte Bildungen dieser Art fommen seltener vor, und sind als poetische Freiheiten auch eher zu entschulz digen, als die Fehler einer ungehörigen Ausstoßung des Lautes: Bipl. Des Hirten hornes Getön. Bürger. Hans Bendir

zum Abte geschmüct. Bürger. Thuisfa ídwebt im wehens den Geräusche Des begrüßenden Hains. Klopstod. Weißt du die Mähr, wie hier einst der Titan zum Lohn des Uebermuthes auf der Brust die Bürde dieses Eis land 8 muft empfahn? Rüdert.

Fehlerhafte Auslassung des e der Flerionsendung wirkt weit störender auf das Gefühl für Wohllaut und Wohlflang: Bipl. Und wieder fühlt ich mich umwallen des Geifts Gewalt.

Rücert. Wir schwören, stehn zu wollen den Geboten des lands, des Mark wir tragen in den Röhren. Rüdert. Wie lang wilft du dich winden unter deines Feindo

Triumphrads Speichen? Rücert. Anstößige Auslassung des e findet man am häufigsten in den Versuchen, die Versarten der griechischen und römischen Klassifer nachzubilden. Da die deutsche Sprache feinen eigentlichen Spondäus hat; da fie in ihrer Wortbildung und Wortbiegung die zweitheiligen Füße, Jambus und Trochäus, den dreitheiligen vorzieht, und unter diesen nur den Daftylus und Amphibrachys aufzuweisen hat, während unter den viertheiligen Füßen namentlich der erste Påon (freundlichere, glänzenderes) dem Wohlflange zuwider ist: so konnten die alten Versarten in der Ausdehnung, wie es geschehen ist, nicht mit vielem Glüd nachgebildet werden, und die Versuche, ungeeignete Versarten nachzubilden, mußten nothwendig unschöne Formen, phonetische und thythmisdze Mängel herbeiführen.

Was ben vorliegenden Gegenstand betrifft, werden diese Mängel besonders in dem Falle sehr fühlbar, wenn die Versart die Aufeinanderfolge zweier voltonigen Silben ohne Unterbrechung durch eine Gedankenpause fordert; denn einestheils fönnen Versfüße dieser Art oft nur auf Kosten des Wohllauts beschafft werden und anderntheils verträgt fich die Berührung zweier volltonigen Silben felten mit den Anforderungen des rhythmischen Ebenmaßes: Bipl. In den Armen des Freund 8 wiffen ein Freund zu

sein. Klopstod. leichteres Sd wung8 flieget er hin. Klopstod. Wie sie herschwebt an des Quells Fall. Klopstod. Sieh des schallenden Wald8 Wipfel. Klops stod. Gotto Wille geschehe. Collin. Unsres leibo Blutstroine. 3. H. Voß. Des vollen Mond 8 Aufgang. 3. H. Voß. Nicht wichtig er selbst und des Streito unwerth. Grf. Platen. An des südlichen Meers Fel Bufer. Grf. Platen. Frei des Grams, welcher des Leibo W ohner befångt. A. Ropisch.

F. C. Honcamp.

Geschichte des Sommernachtstraums.

(Fortseßung zu Band XI, Heft 3. u. 4.)

Es ist bekannt, daß Wieland den Stoff zu seinem Dberon aus dem französischen Ritterbuche „Hion von Bordeaur“ schöpfte, welchen der Graf Tressan in einem freien Auszuge bearbeitet hatte. In dies fein Ritterbuche tritt bereits Oberon auf; aber der Elfenfönig, wie er bei Wieland erscheint, ist nach des Dichters eigner Bemerkung „, mit dem Oberon, welcher in Chaucers Merchant's Tale und Shakspeare's Midsummer-Nights-Dream als ein Feens oder Elfenkönig erscheint, eine und ebendieselbe Person"). Die Art, wie die Ges schichte seines Zwistes mit Titania, bemerkt Wieland ferner, in die Geschichte Hüons und Regia's eingewebt worden, scheint mir unit Erlaubniß der Kunstrichter die eigenthümlichste Schönheit des Plans und der Composition dieses Gedichts zu sein. Damit gesteht Wies land, daß er zunächst den Zwift zwischen Oberon und Titania, wels chen der Sommernachtstraum schildert, von Shafspeare oder Chaucer entlehnt habe. In dem Ritterbuche Hüon von Bordeaur kommt Titania gar nicht vor; Oberon selbst erscheint hier als Zwerg von 3 Fuß Höhe mit einem engelschönen Gesichte, der die seltsamsten Zaubereien hervorbringt, wie sie auch Wieland schildert; er ist der Sohn des Julius Casar und wurde bei seiner Geburt mit verschiedenen Feengaben ausgestattet. Er besikt jenes wunderbare Horn und einen zauberhaften Becher, den Hüon von ihm erhält. Den Hüon liebt Oberon so sehr, daß er sterbend ihn zu seinem Erben im Elfenreiche einsept. Die große Zuneigung des Oberon zu Hüon ist in dem

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*) Wielands Werke herausgeg. von J. G. Gruber 23 p. IV.

Ritterbuche durchaus unmotivirt. Es war daher wirklich ein Kunstgriff Wielands, daß er die Liebe des Elfenkönigs zu Hüon und Regia dadurch motivirte, daß er feine Wiedervereinigung mit Titania von der Treue Hüons und Regia's abhängig machte. Obwohl nun Wieland bei der Zeichnung des Oberon das Ritterbuch nicht gänzlich verließ (der schöne Zwerg, das Horn und der Becher beweisen dieß), so sind doch mehr Züge, die der Charafter des Wieland'schen Oberon trägt, der Shafspeare'schen Dichtung entlehnt. Denn abgesehen von dem Zwiste hat auch im Sommernachtstraum Oberon ein Interesse für die Lies benden, für Theseus und Hippolyta, für die unglücklich liebende Hes lena, und das gutmüthige Wesen, welches Wieland an seinem Dberon so start hervortreten läßt, hat der Elfenkönig schon im Sommers nachtstraum. Wieland hat die Gutmüthigkeit Oberon's in dem Maße erhöht, als Oberon's Interesse für Hüon und Regia mit seinem eiges nen Glüde, der Wiedervereinigung mit Titania nämlich auf das Engste zusammenhängt: der Elfenkönig äußert daher seine Theilnahme für Hüon öfter in Thränen. Ueberhaupt besißt der Oberon Wielande ein tieferes moralisches Bevußtsein als der Oberon des Sommernachtstraums; jener sagt ausdrüdlich zu Hüon, daß seine Strafgewalt nur beflecte Seelen treffe (2, 40). Damit hängt denn zusammen, daß bei Wieland an Oberon's Person sich eine Schicks salsidee knüpft. Hüon nennt den Oberon Schicksal, Vorsehung (vgl. 7, 73) und Oberon sagt ausdrüdlich

) (10, 20):
Der Ordensohn ist für die Zukunft blind :

Wir selbst, Du weißt es, sind
Des Schicksals Diener nur. In heilgen Finsternissen
Hoch über uns geht sein verborgner Gang:
Und willig oder nicht, zieht ein geheimer Zwang

Alno alle, daß wir ihm im Dunkeln dienen müssen. Es ist flar, daß Wieland in dieser Schidjalsidee, die er mit der Person des Oberon verknüpft, am meisten original ist : aber er fand doch auch diese Idee bei Shafspeare schon vorgezeichnet. Wie Oberon bei Wieland sich den Diener des Schicksals nennt, so sagt Ariel in Shatspeare's Sturm: „Ich und ineine Brüder find Diener des Geschicks (3, 3)". Was wir von Oberon bemerkt haben, gilt auch von Wielands Titania; auch sie hat einen ernsteren Charakter als im Sommernachtstraum. Den Charakter der Titania fand Wie: land in dem Ritterbuche gar nicht vor; in den Ursachen, aus wels chen die Trennung Oberon's von Titania entspringt, unterscheidet er

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