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Hafenkunde der Winde, und wem ist je so etwas dabei eingefallen? Eine Art Kenntniß oder Runde der Winde fann wohl aus dem „all the quarters that they know herausgebeutet werden, – und Herr Breier billigt ja grade meine Erklärung dieser Worte – nimmermehr aber aus dein „and the very ports they blow.“ Das ganze Mißverständniß Herrn Breier’s rührt immer wieder daher, daß er ports als Object von they blow nimmt, während es doch nur Object von I myself have sein kann, wenn die ganze Stelle nicht mißverstanden und verunstaltet werden soll. Hätten nur die Herren Breier und Heussi nach ports das tausendmal ausgelassene that sups pliren wollen, so würde ihnen die ganze Stelle sogleich völlig flar geworden sein und sie würden das Unthunliche ihrer vermeintlichen Verbesserung sogleich erkannt haben. Auch nimmt Herr Delius, im Shatspeare-Lerifon, init Recht nicht die geringste Notiz von dem neus gebadenen points, und fast glaube auch ich schon zu viel Worte das mit verschwendet zu haben.

Das take my milk for gall (I, 5) anlangend, wolle sich der Leser erinnern, daß ich eigentlich nur das angefochtene Tiedsdhe , trins fen“ (take) rechtfertigen wollte. Eine eigentliche Schwierigkeit liegt auch hier nicht vor; nur scheint Tied's Ueberseßung „Trinft Galle statt der Milch“ nicht völlig flar und fönnte leicht so verstanden werden, als follten sie selbst (die Höllengeister) Galle trinken statt Milch, während doch der Dichter das my mehr berücksichtigt wissen und sagen will: nehmt (trinft) mir die Milch (das Merkmal einer weiblichen und resp. menschlichen Natur) hinweg und flößt mir Galle dafür ein oder trinkt (saugt) mir Galle dafür an, d. h. entiveibt mich, (unsex me here, wie es oben heißt) oder überhaupt entmenscht mnich, macht mich zuin Teufel, wie ihr Teufel seid, flößt mir (als meine Säuglinge) eure eigene verberbte Natur, euer eigenes Wesen ein. Dieser Sinn liegt, so weit ich den Dichter verstehe, in den Worten: take my milk for gall, nehint meine Milch gegen Galle, oder wie Johnson, prosaisch genug, erklärt: take away my milk and put gall into the place, welcher klare Sinn, wie schon gesagt, aus Tieds Uebers sepung allerdings nicht hervorzugehen scheint, weßhalb ich denn meinte, man brauche nach , trinkt" nur das Pronomen mir einzuschalten, um alle Unflarheit der Tiedschen Ueberseßung zu heben. Denn , trinkt (mir) Galle ftatt der Milch" würde, dem Sinne nach, schwers lich anders verstanden werden fönnen, als trinkt mir die Milch

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weg und flößt mir Galle dafür ein. In dem take. . . for liegt eben ein Wechselverhältniß, so daß take, dem Sinne nach, nicht bloß für nehmen, sondern auch für geben, mittheilen, genommen werden fann und muß. Damit escamotire" ich aber feineswegs aus dem take , die wesentliche Bedeutung“, wie Herr Breier meint, sondern nehme oder erkläre die Sache nur wie sie wirklich ist.

Was die Worte as thick as tale (hail) anlangt (I, 3), so läßt fich allerdings wohl über die richtige Lesart streiten; indeß die Folio hat bestimmt tale. Mir selbst aber scheint dieses tale durchs aus mehr im Sinn und Geist Shafspeare's zu sein als hail; überhaupt muß, in der Regel, eine alte schwerere Lesart in der Schäßung auch schwerer wiegen als eine jüngere leichtere, denn des wahren Dichters Art ist eben, sich feine Sprache zu schaffen, neue Wendungen zu versuchen, furz im Gedanken und Ausdrud originell zu sein. Dabei scheint mir das Eintreffen einer frohen Botschaft, als Hagel vorgestellt, immer ein verdorbenes oder verfehltes Bild.

Das inhabit (Act III, 4) anlangend, so sträubt fich wieder mein Sprachgefühl gegen das neuere inhibit entschieden, und nicht ohne guten Grund. Ich theile dieses Gefühl nicht nur mit den meisten meiner Landsleute, sondern mit den meisten Engländern selbst. So sagt eine englische Note über die angebliche Verbesserung Pope's : „if it had not been for the meddling of Pope and others, this passage would have scarcely required a note.“ In der Shat; was der Dichter eigentlich sagen wollte, liegt ja doch so nahe: „ich zittere (ießt) vor Dir, so wie Du eben bist; aber forbere mich in jeder andern Gestalt zum Zweifampf in die Wüste, und bleibe ich dann zitternd daheim, oder, mit untergelegtem Wortspiel, verbleibe ich dann noch zitternd, (sc. bei mir gleichsam, inwohne ich dann noch zitternd, gew öhne ich mich an's Zittern (denn wohnen, gewöhs nen und bleiben, verbieiben sind ja durchaus verwandte Bes griffe, und auf dem then liegt offenbar ein nicht zu übersehender Nachdruc), so u. 1. w." Und daß diese Art fich auszudrüden ganz in Shafspeare's Manier ist, wirb Niemand läugnen, der ihn kennt und nicht eben für eine gewisse Ansicht voreingenommen jeder andern unzugänglich ist. Auch Herr Delius theilt die Meinung, daß inhabit hier in der Bedeutung von „verweilen, bleiben“ zu nehmen sei, und mit Recht; denn das inhibit = hinder, check ist völlig nichts sagenb. Dürfte ich mir bei dieser Gelegenheit einen gut gemeinten

Mrđiv f. 11. Sprachen. XII.

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Rath gegen Herrn Breier erlauben, so wäre es dieser, seinem eigenen „Sprachgefühl“ in diesen Dingen, wenn er die Wahrheit wirklich fucht, nicht allzusehr zu vertrauen, wie ihm ganz einfach die von ihin so gut gehießene schlechte Verbesserung Heussi’s ports in points beweisen kann. Die vermeintliche Verbesserung des inhabit zu inbibit ist aber, genau besehen, um fein Haar besser.

In Bezug auf die Stelle: thus thou must do etc. (Act I, 5) tritt wiederum recht deutlich Herrn Breier’s besondere Geneigtheit und Geschidlichkeit hervor, Schwierigkeiten zu finden wo an sich feine find und wo andere Leute feine sehen. So fann doch gewiß nichts leichter, klarer und einfacher sein als die fragliche Stelle, wenn so gefaßt: ,,Du möchtest haben gr. Gl., das was ruft, so mußt du thun, wenn du es haben (sc: möchtest) und (zu ergänzen must do) das was u. s. w. Statt aber bei den Worten if thou have it ganz einfach das vorausgegangene wouldst zu ergänzen, was ja auch im Deutschen ganz füglich wegbleiben fönnte und sich dann eben so natürlich ergänzen würde als im Englischen das wouldst, weil seine Auslassung dadurch bedingt und gerechtfertigt wird, daß aller Nachdruck auf wem fällt und so auf das Hülfdwort, mögen“ nicht viel mehr anfommt: ftatt aber, sage ich, das naheliegende wouldst zu ergänzen (wie dieß auch Malone schon gethan hat) bes hauptet Herr Breier, diese Ergänzung sei aus grammatischen Grüns den unmöglich und if thou have it fönne , nie etwas anderes heiBen, als: wenn du 18 haft.“ Und so fommt er denn auf eine Erklärung, die in der That ihres Gleichen sucht und die ich hier nicht wiederholen will, die aber, wäre es auf irgend anderes ale auf die Erfenntniß des Wahren abgesehen, sehr reichen Stoff zu allerlei Bes merfungen bieten könnte. Der grobe Irrthumn Herrn Breiers erflärt fich nur daraus, daß er, wie schon gesagt, nicht beachtet, daß das if hier allen Nachdrud in Anspruch nimmt und so auf das Hülføwort im Saße, als fich aus dem Vorhergehenden von selbst verstehend, nicht oder nicht viel anfommt, wie man ja wohl auch im Deutschen, und selbst in Prosa, sagen fönnte: Du möchtest das und das haben aber du mußt das und das thun, wenn du es haben möchtest.) Dazu fommt aber noch, daß Shafspeare absichtlich und mit feinein Tact ein gewisses Halbdunfel, etwas Geheimnißvolles (Räthselhaftes) in die Stelle legen will, eben weil fie die geheimsten (verborgenften) Gedanken Macbeth'& andeuten soll. Diese Absicht erreicht auch der

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Dichter vollständig durch die doppelte Ergänzung die er dem Hörer oder Leser aus dem Vorausgehenden zu machen zumuthet, nåinlich die von wouldst und must do, welche sdynel nach einander zu machende Ergänzung die Stelle zwar, für den ersten Augenblick, ets was dunfel, aber durchaus nicht unlösbar macht. Was aber Herr Breier dem Hörer oder Leser dabei zumuthet, das ist, in der That, viel, sehr viel, zu viel.

Hinsichtlich der Stelle II, 1: words to the of heat deeds too cold breath gives – bitte ich Herrn Breier aufrichtig um Verzeihung Jn meiner Ausgabe Shafspeare's, die sonst irgend erhebliche Schwies rigkeiten durch englische Noten zu erklären pflegt, findet sich bei dieser Stelle nicht die geringste Vemerfung, und da sie auch mir stets volls kommen verständlich und flar war, fo fümmerte ich mich nicht um die Ausleger und wußte in der That nicht, daß sie words al8 Subs jest des Saßes nehmen, weßhalb ich denn glaubte, daß nur Herr Breier die Sache so fasse und den Sinn verdrehe. Dieser Mißgriff schien mir nun aber so start, daß ich ineinen Unwillen vielleicht ets was zu heftig äußerte; daß es aber von meiner Seite , vermessen" fei, wie Herr Breier sagt, der Meinung der Ausleger nicht beizutres ten, das kann ich unmöglich zugeben. Denn fobald ich eben words als Subject des Sapes nehmen soll, hat derselbe für mich nicht mehr den geringsten Sinn, der grammatischen Schwierigkeit gives nicht zu gedenken. Dagegen möchte ich aber doch wissen, was im Ernst dagegen eingewendet werden fann, breath als Subject des Sabes zu nehmen und das Ganze einfach so zu fassen: der Hauch (sc. der Rede d. i. die Rede selbst) giebt Worte zu kalt (die zu kalt, matt, schlaff sind) für (gegen, in Rüdsicht auf, to, as to) die Hiße der That; Sinn: statt unnüß zu reden, sollte ich rasch handeln. Daß aber der Dichter sagen fann, breath gives words, der Hauch giebt Worte, ftatt I speak or utter words, wird niemand läugnen wollen, der weiß, daß man sogar im gemeinen Leben to breathe a word, to breathe a word to any one sagt, und ist nicht das erste Erforderniß zur Rede der Athem oder Hauch? Daß also der Hauch Worte bildet, ist flar, und daß der Dichter den Hauch der Rede für die Rede selbst seßt, ist gewiß nichts Unerhörtes. Woher also die Schwies rigkeit? Daß dagegen die Worte einen Hauch, und vielleicht einen ju falten Hauch geben sollen, das, gestehe ich, geht über meinen Ho: rizont. Ich finde, daß auch Herr Delius im Commentar des Shaks

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speare - Lerifons dag words als Subject des Sabes nimmt, ohne aber auf eine weitere Erklärung der Sache einzugehen; id; schlage breath im Lerifon bei ihm nad, und finde da mit dürren Worten neben Hauch auch Sprache; was brauchen wir aber meýr? Also die Sprache (resp. Macbeth's Sprache) giebt Worte, die im Bers hältniß zur (erforderlichen) Hiße (Raschheit) der That zu falt (matt, nup106) sind. Sollte ich mit dieser einfachen, ich sollte meinen den Verstand so gut als die Grammatif befriedigenden Erflärung allen Lesern ein großes Licht angezündet haben“, wie Herr Breier spottisch bemerkt, so braudit mir wenigsten für dieses , große Licht“ Niemand groß zu danken, denn schwer geworden ist mir die Arbeit eben nicht. Ich glaubte, die Tiedsche Uebersepung spräche hier an sich schon deutlich genug und darum ließ ich jede weitere Erflärung der, wie ich glaubte, so leichten Stelle weg.

Wenn ich auch die Stelle II, 2 ziemlich furz behandelte, so ges schah es, weil ich auch hier die Sache einfach und leicht finde, und nicht die geringste Nöthigung sehe von der alten Lesart „Making the Green one, Red“ abzugehen. Auch Malone zieht diese vor. Daß Steevens dagegen ist, kann den wenig befremden, der die Verhältnisse fennt, die zwischen diesen beiden englischen Kritifern bestanden, und weiß, daß Steevens oft nur widerspricht uin zu widerspre: den. So will Steevens nicht begreifen, wie one zu seas stimmen fann; aber ich frage: stehen one und multitudinous nicht in ganz natürlicher Beziehung zu einander? Dię green one (sc. sea) ist der Dcean (all great Neptune's ocean, wie es die Zeile weiter oben heißt), und diese green one theilt sich in viele (verschiedens namige) Seeen oder Meere (multitudinous seas), so daß also Macbeth sagt: eher wiro diese meine Hand die vielfachen Seeen incardiniren, indem sie auf diese Weise) die grüne Gine (sc. See d. i. den Dcean, der als ein zusammenhängendes großes Ganzes, alo eine Einheit, eben die vielfachen Seeen oder Meere bildet) roth macht. Dieses und dieses allein – ist nach meiner festen Ueberzeu. gung der höchst einfache Gedanfe des Dichters, übrigens ganz in seiner Manier ausgedrüdt. Zieht man dagegen das one zu red, so wird Alles gefünstelt und gradezu unnatürlich. Da green als Subs stantiv sich nie für ocean gebraucht findet, wie dieß bei Ausdrüden wie the deep, the main der Fall ist, sondern nur die grüne Farbe, das Grün bezeichnet, so sind wir einmal genöthigt, nach the green

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