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Es war geboten, die erwähnten Bücher in dem zweiten Teile getrennt und eingehender zu behandeln, zunächst weil eben nur diese im heute geltenden Büchergesetze als durch Apostolische Schreiben verboten erscheinen, vornehmlich aber, weil gerade bei diesen im einzelnen die kirchenrechtliche Frage zu lösen war, ob das verurteilte Buch heute unter Strafe der dem Papste ganz besonders vorbehaltenen Exkommunikation verboten ist.

Ebendeshalb behandelt ein einleitendes Kapitel die Strafparagraphen der Konstitution „Officiorum ac munerum", vor allem den wichtigsten Artikel 47, und umschreibt genau die Klassen verbotener Bücher, deren Lesung die Exkommunikation als Strafe nach sich zieht. Dadurch wird ein doppelter Irrtum beseitigt. Ein Buch, das auf dem Index steht, ist deshalb noch nicht unter jener schweren Kirchenstrafe verboten, und zweitens gilt diese Strafe nicht einmal für jede Schrift, welche im neuesten Index als durch ein Papstschreiben verurteilt aufgeführt wird. Nachdem so in der Einleitung grundsätzliche Klarheit geschaffen, wird im zweiten Teile der Arbeit bei jeder einzelnen Schrift gezeigt, ob und weshalb dieselbe von der erwähnten Kirchenstrafe betroffen wird oder nicht.

Aus dieser Inhaltsangabe ergibt sich von selbst einerseits die praktische Bedeutung der Studie zum besseren Verständnis des Index der verbotenen Bücher und anderseits ihr Wert für die wissenschaftliche Behandlung der kirchlichen Büchergesetzgebung.

Dem Verfasser erübrigt es nur noch, seinen Dank abzustatten den Vorständen zahlreicher Archive und Büchereien und überhaupt allen, die ihn bei dieser mühsamen Arbeit unterstützten. Gleichen Dank sagt der Verfasser bereits im voraus allen denen, welche ihn auf Fehler und Mängel seiner Studie aufmerksam machen werden.

Luxemburg, den 15. Oktober 1907.

Joseph Hilgers S. J.

Inhaltsangabe.

Seite

V

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1

Vorwort

Der Artikel 47 des kirchlichen Büchergesetzes in der Konstitution „Officiorum ac munerum“

Die Verpflichtung des Bücherverbotes ist eine schwere nicht jede Übertretung des Verbotes eine schwere nicht jede schwere Übertretung zieht die Exkommunikation als Strafe nach sich. Im kirchlichen Gesetze handeln nur Artikel 47, 48 und 49 von den Strafen. Inhalt dieser drei Artikel. Hier beschäftigt uns vor allem der Artikel 47 (S. 1—2).

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Ursprung desselben.

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Erklärung (S. 2).

I. Wortlaut des Artikels 47.
Zwei Klassen von Büchern werden von der Strafe betroffen :

A. Alle offenbar häretischen Bücher, welche einen Irr-
lehrer oder Apostaten zum Verfasser haben. Erklärung. Die
Schriften der Irrlehrer aus der alten und mittleren Zeit sind hier ausgenom-
men (S. 3).

-

B. Bücher, welche namentlich vom Papste durch ein Apostolisches Schreiben verurteilt wurden. Erklärung. Begriff des Apostolischen Schreibens". Damit ein durch Papstbrief verbotenes Buch die schwere Kirchenstrafe nach sich ziehe, sind drei Bedingungen notwendig. Andere Strafen in den Papstbriefen wie Suspension gelten nicht mehr (S. 3-4).

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II. Diese Abhandlung befaßt sich mit den durch Papstbriefe verbotenen Schriften der erste Teil mit Bücherverboten in Papstbriefen aus der alten, mittleren und neuen Zeit, welche nicht im neuen Index der verbotenen Bücher vermerkt sind; der zweite Teil nur mit den Verboten, welche (aus der Zeit nach 1600) heute als durch päpstliche Schreiben verboten im Index stehen (S. 4—6). Nicht alle diese verbotenen Schriften verfallen der Strafe des Artikels 47. Ausgenommen sind fünf Klassen. Diese Arbeit stellt fest, welche zu den fünf Klassen gehören und welche nicht. In Wirklichkeit sind nur wenige von jenen verbotenen Schriften unter der Strafe der Exkommunikation verboten (S. 6-8).

-

-

Der dritte Teil gibt die hierhin gehörigen Papstbriefe vollständig wieder, welche schwer zugänglich und kaum gekannt sind (S. 8).

Erster Teil

Über das Bücherverbot in den ersten christlichen Jahrhunderten .
Bücherverbote in Papstbriefen vom Konzil zu Nicäa 325—1600

Bücherverbote in Papstbriefen von 1600 bis 1907, welche im neuen Index nicht erwähnt sind

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Zweiter Teil

Die Bücherverbote in Papstbriefen (nach 1600), welche im neuen Index Leos XIII. vermerkt sind

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Dritter Teil.

Anlagen.

Seltene Apostolische Schreiben mit Bücherverboten, welche sich in den Sammlungen von Papstbriefen nicht finden.

1. Breve Innocentii XI 16 sept. 1680 (vgl. VII 37)

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Der Artikel 47 des kirchlichen Büchergesetzes in der Konstitution ,,Officiorum ac munerum".

Der

er Wichtigkeit und dem Zwecke des Gesetzes entsprechend ist die Verpflichtung des kirchlichen Bücherverbotes an und für sich eine schwere für alle. Moralisten und Kanonisten stimmen hierin überein. Daraus folgt selbstverständlich nicht, daß jede Übertretung dieses Gesetzes und jede Lesung eines verbotenen Buches eine Todsünde ist. Irrtum ist es auch, zu wähnen, die Sünde werde schwerer, wenn das gelesene Buch durch ein eigenes Dekret namentlich verboten auf dem Index steht, als wenn dasselbe durch irgend einen der allgemeinen Artikel 1 der Konstitution Officiorum ac munerum" untersagt ist. Von größerem Irrtum sind jedoch die befangen, welche glauben, die verbotene Lesung eines auf dem Index stehenden Buches ziehe jedesmal die schwere Kirchenstrafe der Exkommunikation nach sich.

Es gilt ja überhaupt als allgemeine Regel der Moral und des Kirchenrechts, daß von jener Strafe nur schwerere Vergehen getroffen werden. Wenn daher die Übertretung des Büchergesetzes aus irgend einem objektiven oder subjektiven Grunde nicht zur Todsünde wird, so kann aus diesem Grunde schon von einer Exkommunikation nicht die Rede sein.

Überdies handeln in dem neuen Gesetze, in der obengenannten Konstitution, nur drei Artikel oder Paragraphen über die Kirchenstrafen oder Zensuren, welche der Übertretung der Büchergesetze folgen. Dies sind die Artikel 47-49.

Nach dem letzten Paragraphen 49 liegt es im allgemeinen den Bischöfen ob, über die Beobachtung des ganzen Gesetzes zu wachen, Zuwiderhandelnde zu vermahnen und nötigenfalls durch kirchliche, kanonische Strafen zurechtzuweisen. Diese Strafen sind demnach vollständig dem Gutbefinden der Bischöfe anheimgestellt.

Die beiden andern Paragraphen dagegen setzen bestimmte Strafen für bestimmte Vergehen fest. Der Artikel 48 verhängt nämlich die Strafe der niemand vorbehaltenen Exkommunikation ohne weiteres über diejenigen, welche Bücher der Heiligen Schrift oder Anmerkungen oder Kommentare dazu ohne die vom Gesetze verlangte Gutheißung des zuständigen Bischofes drucken oder drucken lassen. Von dieser Strafe kann jeder rechtmäßige Beichtvater lossprechen, wofern das Beichtkind sich nur den kirchlichen Forderungen unterwirft. Die genannte Strafbestimmung des Paragraphen 48 findet sich

1 S. diese allgemeinen Verbote bei Hilgers, Der Index der verbotenen Bücher, Freiburg i. Br. 1904, 26 ff.

Hilgers, Papstbriefe.

1

ursprünglich in der Verfügung des Tridentinischen Konzils 1. Sie wurde in der Bulle "Apostolicae Sedis" vom 12. Oktober 1869 durch Pius IX. neu bestätigt und in Artikel 48 von Leo XIII. klarer gefaßt.

Hier beschäftigt uns hauptsächlich der erste jener drei Artikel.

I.

Der Artikel 47 ist der Hauptstrafparagraph des neuen kirchlichen Büchergesetzes; er hat vornehmlich praktische Bedeutung. Derselbe lautet:

Jeder, der wissentlich ohne Erlaubnis des Apostolischen Stuhles Bücher von Apostaten oder Irrlehrern, welche eine Irrlehre verteidigen, oder auch Bücher irgend eines Verfassers, die namentlich durch apostolische Briefe verurteilt sind, liest oder aufbewahrt, druckt oder irgendwie verteidigt, verfällt ohne weiteres der dem römischen Papste ganz besonders vorbehaltenen Exkommunikation.

Der Paragraph ist wörtlich aus der Konstitution „Apostolicae Sedis" herübergenommen. In diesem Punkte ward also das seit 1869 bestehende Recht durch die neue Bulle Officiorum ac munerum" nicht geändert. Es gelten daher die früheren Kommentare dieser Strafbestimmung auch heute noch. Die Strafe selbst ist die Exkommunikation, die ohne vorhergehenden Urteilsspruch der Sünde folgt, und zwar so, daß nur der Papst selbst oder einer, welcher vom Papste die ganz besondere Vollmacht hierzu erhalten hat, von dieser schwersten Zensur lossprechen kann.

Derjenige, welcher aus irgend einem Grunde nicht weiß, daß eine solch schwere Strafe auf die Übertretung gesetzt ist, verfällt der Zensur nicht, und zwar auch dann nicht, wenn er im allgemeinen wüßte, daß das Buch irgendwie verboten ist oder auf dem Index steht.

Die Strafe trifft in derselben Weise nicht bloß die Leser eines unter solcher Strafe verbotenen Buches, sondern auch die, welche das Buch aufbewahren, und die, welche das Buch schützen oder verteidigen, sowie diejenigen, welche als Verfasser oder Herausgeber oder Drucker oder Verleger zum Erscheinen des Buches unmittelbar tätig sind.

Es ist zu beachten, daß ausdrücklich „libri", „Bücher", unter Strafe gestellt sind. Was also diesen Namen im eigentlichen, engeren Sinne des Wortes nicht verdient, kann auch nicht Anlaß zu der Kirchenstrafe sein. Deshalb verfallen derselben nicht die Leser, Aufbewahrer, Verteidiger, Drucker von Schriften kleineren Umfanges, Broschüren, Zeitungen, noch auch die Leser, Aufbewahrer und Verteidiger von Handschriften selbst größeren Umfanges, wie schwer sich dieselben dabei auch im übrigen versündigen mögen. Ja sogar größere lithographierte Werke und die sog. „als Manuskript gedruckten Bücher" können nicht im strengen Sinne des Wortes und des Gesetzes als eigentliche Bücher gelten.

1 Sess. 4, Decr. de editione et usu sacrorum librorum.

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