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stellung entsprechend, zuerst seinen Namen und seine Herkunft angegeben (also 1 16—8), dann erzählt habe, wie er zu den Kleidern gekommen (7 243 mit der Verwandlung von Toūto in alio bis 297), drittens was er sonst auf seiner langen Irrfahrt erlebt habe ( 37 ff.). Ueber die nähere Ausführung dieses Gedankens muss ich auf mein Programm verweisen. Hier bemerke ich nur noch, dass Schmidt mit Recht darauf aufmerksam macht, dass aus 8 444/445 nicht folgt, dass Odysseus bereits seine Abenteuer erzählt habe. Kirchhoff nimmt für diesen Ge. sang (8) eine ältere Vorlage an, so dass Schmidt gegen ihn nicht mehr geltend machen kann, dass, wer ein so schönes Motiv wie die Erkennungsscene in 8 sei, erfinden könne, kein Stümper sei, wie Kirchhoff seinen Bearbeiter sein lässt. Und wenn Schmidt behauptet: »Ein Umarbeiter, wenn er anders ein zurechnungsfähiger Mensch war, hat, im Falle er eine Antwort strich, auch die dazugehörige vorausgegangene Frage gestrichen und statt derselben eine andere eingesetzt, die zu den von ihm (nach ,243) eingelegten Versen passte«, so ist übersehen worden, dass jene Verse eben formelhaft sind und mit ihnen stets ein Fremdling angeredet wurde (vergl. mein Programm S. 19 ff.).

Weiter wendet sich Schmidt gegen Kirchhoff's Annahme, dass nur ", nicht aber x und je Teile des alten Nostos gewesen seien. Auf einem Missverständnis von Kirchhoff's Ansicht beruht es zunächst, wenn Schmidt gegen ihn geltend macht, dass man nach den Worten des Zeus a 75 »zwischen der Kyklopie, nach welcher erst der Zorn des Poseidon beginnt, und zwischen dem den Odysseus nach Ogygia verschlagenden Sturm wenigstens noch ein Abenteuer erwarte, in welchem jener Gott den Blender des Polyphem seine Hand fühlen lässt, während im Kirchhoff'schen alten Nostos zwischen der Kyklopie und Ogygia der Zorn des Poseidon nur einmal an Odysseus sich kühlta. Es liege also hier ein unleugbarer Widerspruch bei Kirchhoff vor. Es steht gerade umgekehrt. Kirchhoff rechnet ja zum alten Nostos noch die Nekyia und nimmt an, dass diese in einem nicht mehr nachweisbaren Zusammephange zwischen i und 7 252 eingeschaltet gewesen sei, und in diesen verloren gegangenen Versen war es wohl möglich, dass Poseidon noch ein- oder sogar zweimal »seinen Zorn kühltea, während in dem jetzigen Zusammenhange der Odyssee gerade das, was Schmidt mit Recht fordert, nicht geschieht (vergl. mein Programm S. 5-8 und 13 sq.). Ebenso wenig dürfen jetzt gegen Kirchhoff zur Verteidigung der Bücher x und je die Verse des Prooemiums a 6 - 9 vorgebracht werden, da diese Kirchhoff jetzt ausscheidet. Begründeter ist, was Schmidt vorbringt, um Kirchhoff's Ansicht zu widerlegen, dass die Bücher x und k ursprünglich in dritter Person gedichtet seien, während gleich von Anfang an die jetzige Form gehabt habe. Zwar wenn Schmidt die von Kirchhoff an den verschiedenen Stellen in x und , namentlich an x 374 - 390 gerügtea Unzuträglichkeiten zugiebt, sie aber so erklärt: »Indem dies Odysseus in der

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an unserer Stelle (u 374 -- 388) beliebten Weise ausführt, d. h., indem er die Klage des Helios wörtlich anführt, thut er zwar etwas Unmög. liches und es ist da vom Dichter ein Fehler gemacht, allein es gewinnt dadurch das Heliosabenteuer an Lebendigkeita (S. 32), so können wir dieses Urteil auf sich beruhen lassen, dagegen scheint mir der Nachweis überzeugend (S. 18 - 28), dass auch in e sich Stellen finden, die an ähnlichen Unzuträglichkeiten leiden, wie sie Kirchhoff an verschiedenen Stellen von x und je nachweist. Man muss also entweder annehmen, dass es dem Selbsterzähler erlaubt sei, wie der Dichter zu erzählen (so schon Hartel und Heimreich), oder dass auch in < die Erzählungsform nicht ursprünglich in erster Person gewesen ist. Schmidt ist vorsichtig genug zu behaupten (S. 39): Es ist wohl möglich, dass x-r erst später der Odyssee ein verleibt worden sind, aber die Art, wie dies Kirchhoff zu beweisen sucht, ist falscha. Dass diese Bücher selbst unter diesem Zugeständnis nicht von dem Dichter des alten Nostos herrühren können, habe ich nun besonders in meinem Programm aus der Verschiedenheit der Denk- und Auffassungsweise zu begründen versucht. Und dieser Beweis wird nicht hinfällig, selbst wenn man Schmidt noch den letzten Einwand gegen Kirchhoff's Auseinandersetzung zugiebt, dass nämlich in den Büchern x und keine Anspielung auf die Argonautensage zu finden sei, dass sie nicht nach, sondern eher vor der Gründung von Kyzikos entstanden seien, da weder das Abenteuer mit den Lästrygonen in der Odyssee verglichen werden konnte mit dem was den Argofahrern bei den Dolionen passierte noch mit dem was ihnen bei den Riesen zustiess, welche auf "Apxtwy pos über Kyzikos hausten (S. 39 -43). Die Dolionen seien gerade friedfertig, und bei den Riesen sei der Verlauf des Abenteuers ein anderer. Auch die Quelle Artakia beweise nichts. Denn entweder sei x 108 zu athetieren, da Kirchhoff selbst zugebe, dass der Name der Quelle für das Ganze von geringer oder gar keiner Erheblichkeit scheine, ja sogar mit der Knappheit, mit welcher im Uebrigen das Laestrygonenabenteuer dargestellt ist, unvereinbar sei; oder wenn der Vers echt sei, so würde er nur beweisen, »dass zwar der Name der Kyzikenischen Quelle im Laestrygonenabenteuer der Odyssee verwertet sei, aber zu einer Zeit, wo Kyzikos noch nicht gegründet und das Kyzikenische Abenteuer der Argonauten noch nicht geboren wara. Denn das Land des Aietes werde wie alle mythischen Localitäten im Westen gedacht, und das konnte nur zu einer Zeit geschehen, wo die Argofahrt sich noch nicht in der Richtung nach Osten fixiert hatte, also noch vor der Gründung der pontischen Colonieen. l 1 – 4, wo Aiaea im Osten erscheine, müsse corrumpiert sein und zwar in einer Zeit, wo Aiaea des Aietes nicht mehr, wie es in der Odyssee bis zum Gesang re der Fall ist, eine unbestimmte oder vielmehr von Griechenland aus gerechnet eine westliche Lage hatte, sondern bereits in den fernen Osten versetzt war. Im Uebrigen aber müssten x und je vor Ol. 7 gesetzt werden. Jahresbericht für Alterthu mswissenschaft XXVI. (1881. I.)

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Das Resultat ist wichtig genug und die Beweisführung einleuchtend, und da es mit dem stimmt, was wir oben schon aufgestellt haben, dass nämlich diese Bücher erheblich vor der 20. Olympiade gedichtet sein müssen, so würden wir das bedeutsame Ergebnis haben, dass die Entstehungszeit des sogenannten jüngeren Nostos in die ersten Olympiaden, also etwa in die Mitte des achten Jahrhunderts vor Christo fällt, und nicht viel später könnte die von Kirchhoff sogenannte pjüngere Bearbeitung, d. h. die Herstellung des jetzigen Zusammenhanges in der Odyssee stattgefunden haben.

In gleicher Weise sucht Schmidt nachzuweisen, dass auch die Plankten der Odyssee nicht identisch mit den Symplegaden der Argonautensage seien und dass auch Kirke nicht mit der Medea verglichen werden könnte; diese hätten nichts gemein, ausser dass beide Zauberinnen wären; solche aber konnte jede Dichtung in die Märchenwelt einführen. Dass Medea und Kirke blutsverwandt seien, beweise auch nichts, da nicht erwiesen werden könne, dass Kirke und Aietes als Kinder des Helios und als Geschwister schon vor der Entstehung der Odyssee sagengemäss waren, und dass nicht vielmehr die Kirke erst von dem Dichter zu einer avtoxaolyvity bo'qpovos intao (x 137) gemacht worden sei. Auf diese Weise sei auch die zweite Art, wie Kirchhoff zu erweisen suche, dass x und / nicht dem ursprünglichen Nostos angehört habe, nicht stichhaltig.

4) Ludwig Adam, Die Odyssee und der epische Cyclus. Ein Versuch zur Lösung der Homerischen Frage. Wiesbaden 1880 *).

Der Verfasser, bekannt durch eine Reihe von Arbeiten über die Odyssee, sucht in dieser fünften und »letztena über diesen Gegenstand »nochmals mit aller Schärfe seine Ansicht von der Entstehung der verschiedenen Motive in der Odyssee, von der Zusammensetzung derselben aus mehreren Epen, nicht Liederua zusammenzufassen, um darauf, wie er in der Widmung an seinen Lehrer W. von Christ verspricht, in gleicher Weise die lias zu behandeln. Er legt einen künstlerisch-ästhetischen Massstaba an die Dichtungen und „hält trotz aller Angriffe an diesem Princip festa. Denn statt aus den allseitigen Angriffen auf seine Methode zu schliessen, dass diese doch wohl nicht die richtige sein möge, weiss er sich vielmehr mit Worten Kant's (S. 2) zu trösten und mit der Annahme, »dass die Gegner der auflösenden Kritik die Oberhand behalten haben«. Indess beweist die zweite Auflage von Kirchhoff's Odyssee und die fünfte Auflage von Bonitz' Vortrag, dass dem keineswegs so ist.

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*) Vergleiche die eingehende Recension dieser Arbeit von Hinrichs in der Zeitschr, f. österr. Gymnasialw. 1882 S. 183—192; vorher schon von deniselben in der Deutschen Litt.-Zeit. 1881 S. 1918; ferner die im Litt. Centralbl. 1881 S. 1723.

Und wenn ich sowenig als Hinrichs, der doch sicherlich nicht zu den Gegnern der auflösenden Kritik gehört, den Arbeiten des Verfassers Beifall zollen kann, so ist daran der Mangel an sicherer Methode und kritischer Sichtung schuld, der leider in schlimmster Weise bei dem Verfasser hervortritt. Ganz objectiv sind die Mittel, durch welche Adam zu seisen Schlüssen gelangt, klar gelegt von Lange in dem Jahresberichte über Homer, Zeitschr. f. Gymnasialw. 1880 S. 115 - 132, und was von den vier ersten Schriften des Verfassers, die Lange bespricht, galt, muss auch von dieser letzten gesagt werden: sie ist zwar mit grossem Fleisse gearbeitet, aber unrichtige Methode (namentlich Ausbeutung von nichtssagenden Varianten und Scholiennotizen) und Unklarheit der Darstellung, die stellenweise in Unverständlichkeit ausartet *), lassen den Wert des Buches gering erscheinen. So richtig im Besonderen manche Bemerkungen und Beobachtungen sind (z. B. über die verschiedene Stellung, welche Athene in den einzelnen Teilen des Gedichtes einnimmt (S. 44 - 47), ferner dass nach der einen Auffassung die Zahl der Freier gering ist, nur zwanzig nach = 536-550, welche sämmtlich aus Ithaka sind und um Penelope freien, damit sie durch sie die Königsherrschaft von Ithaka gewinnen (48 f.), dass diese von Odysseus getötet werden poūvos év (30) am Feste des Apollon Neovývos, des Schutzpatrons der Bogenschützen (4 156. 258), nach der anderen aber deren viel mehr sind und zwar auch Kepha. lenier, die um Penelope, das schöne Weib, freien und später von Odysseus im Verein mit Telemach im Hause des Odysseus getötet werden), so

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*) Um den Lesern eine Probe zu geben und damit die Möglichkeit, sich selbst ein Urteil zu bilden, führe ich eine Stelle an, die zugleich für Adam's Auffassung bezeichnend ist. S. 14 schreibt er wörtlich: »Damit nämlich, dass Antikleia sich selbst getötet habe, weil sie sichere Kunde von dem Tode des Odysseus erfahren habe stimmt auch II. 17 warum nicht B 17 ? nach welcher Stelle man in Ithaka von den Irrfahrten des Odysseus Kunde hatte, indem der Dichter erzählt, dass Antiphus, des Aegyptius Sohn, zuletzt soll wohl heissen vom?

Cyclopen getötet worden sei. Eine andere Erklärung dieser Stellen (nämlich noch von 6 84 ff., o 358 ff., À 198 ff) ist nicht möglich. Wir müssen sie so nehmen, wie sie der Scholiast uns bietet, zumal thatsächlich diese wegen der Ermordung des Palamedes durch Nauplius verbreitete Todespachricht eine grosse Rolle in der Odysseuslitteratur spielt, während die Irrfahrten des Helden aus demselben Grunde als von Poseidon's Willen abhängig zu denken sind (vergl. Eustath. 1678, 22, Tzetzes in Lycophr. 384 f. 1093 f. Hygin 95, 105, 116; Philostr. heroic. 708 f.). Auch lässt sich so allein die Bestrafung der Freier als gerechtfertigt bezeichnen. Denn wie wäre es möglich, dass Odysseus denselben ihre Frevelthaten mit den Worten vorhielte, wie es XXII. 35 f. geschieht: aŭtoj te Śwortos Úneurdagys yuraira, wenn nicht gerade in der gegenteiligen Annahme ihr Vergehen bestanden hätte«. Den logischen Zusammenhang dieser Worte, namentlich den Sinn der letzten, habe ich trotz wiederholten Lesens nicht erfassen können.

muss es doch als ein verfehltes Unternehmen bezeichnet werden, wenn Adam aus dem jetzigen Zusammenhange der Odyssee die verschiedenen Teile noch so genau herausschälen will, dass sie verbunden mit den entsprechenden Abschnitten im ersten Teile der Odyssee ein vollståndiges Epos bilden. Ich überlasse es jedem Unbefangenen, ob er die välteste Odysseea, wie sie Adam herstellt, auch nur für ein mögliches, geschweige denn für das beste Epos hält. Sie soll nämlich aus folgenden Versen bestanden haben: a 1–17, 27–67, 28 - 32, 41-107; dann erfolgte die Erzählung des grossen Nostos in der dritten Person durch Hermes: 37–411, 413 --490, 543-566, x 1-274, 310 -- 489, x 142 - 152, 166-222, 234-263, 270f., 274, 276-388, 391 --419, E 110-129, 135—279, darauf Sturm, neue Abenteuer, unter welchen der Gang in den Hades; es fehlten in der Nekyia Vers 103 und einige Zusätze der attischen Redaction, wahrscheinlich 568 — 627 und 631. Dann wurde die Ankunft des Odysseus in seiner Heimat berichtet, vielleicht mit dem Schlusse v 353-360. Dann folgten § 1

αυτάρ ο εκ λιμένος προςέβη τρηχείαν αταρπόν 2 + 5 χώρον αν υλήεντα δι' άκριας, ένθα οι αυλή

6 υψηλή δεδμητο κατωρυχέεσσι λίθοισιν. p 291-304 (für lowy stand lov) 225, o 304 f. 407f., = 51---64, 103 - 129, 134—156, 357–360, 386 - 394, 467-473, 474 bildete mit 479 den Vers ή μάλ' 'Οδυσσεύς εσσι, φίλον τέχoς, αυτάρ Οδυσσεύς, 480 - 486, 503–517, 535 -- 557, 559 – 604, u 1-3, 56-121, 147-163 (160 lautete: és Ó' ήλθον μνηστήρες αγήνορες, οι μεν έπειτα) 185-203, 222 - 240, 250 - 254, 276—280, y 1-84, 86-97, 140 - 143, 184—262, 274 - 310, 359, 379f., 382-421, x 2-30, 34-40, 42—52, 54–88, 116-118, 330 f., 4 1-27, 58 – 90, 91 bildete mit 165 den Vers joto xátw opówv xai des apòs μύθον έειπεν, 166-217, 225 – 239, 296.

In gleicher Weise sucht Adam S. 35 die ursprüngliche Telemachie und S. 36 ff. die Stücke, welche ihren Einschub in die Odyssee ermöglichen sollten, willkürlich herzustellen. Ich denke, dass die angegebene Probe genügt für die Art, wie er dabei verfährt. Als letzte grosse Veränderung betrachtet er die neue Motivierung des Zornes Poseidon's im neunten Buche, womit der Dichter den Einschub der Phaeakis bezweckt hat (dies ist dann wohl »das Attribut« zu dem »Motiva, vergl. S. 6 unten). Auch die »Phaeakisa wird genau nach den ursprünglichen Versen wiederhergestellt und derselben Redaction die Erkennungsscene mit ihren "Attributen« und der Schluss zugeschrieben (S. 39 – 43). »Einige Stellen jedoch werden niemals aufgeklärt werden. So ist die Aeusserung des Alkinous XI. 369, Odysseus habe πάντων 'Αργείων κήδεα λυγρά und seine eigenen erzählt, unverständlich, ebenso die des Eumaeus, welcher XVII. 517 behauptet, er habe Odysseus drei Tage und Nächte bewirtet dit oŬTW κακότητα διήνυσεν ην αγόρευσενα. Also trotz der Annahme der verschie

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