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VII) J. Vahlen, Ind. lect. hibern. Berol. 1881/82.

VIII) Herm. Keller, De verborum cum praepositionibus compositorum apud Lucretium usu. Diss. inaug. Halis MDCCCLXXX.

Recens.: Philol. Rundschau I 21 S. 667f. v. A. Kannengiesser.

IX) Reichenhardt, Die subordinierenden causalen Conjunctionen bei Lucretius. 1. Teil im Programm der Lateinschule Frankenthal 1881. II. Teil in den Blättern f. d. bayer. Gymnasialschulwesen. XVIII. Jahrg. S. 97 ff.

X) C. Gneisse, Zu Lucretius (Ueber porro). Jahrb. f. class. Philol. 1881. Heft 7 S. 489 ff.

(F. Marx, Animadversiones in Lucil. et Lucret. poetas. Exercit. grammat. specimen).

XI) Aem. Kraetsch, De abundanti dicendi genere Lucretiano. Diss. inaug. Berlin 1881.

XII) C. Spangenberg, De T. Lucretii Cari tropis. Diss. inaug. Marburg. MDCCCLXXX.

XIII) Gneisse, Der Begriff des omne bei Lucretius. Jahrb. f. class. Philol. 1880. S. 837 ff.

(C. A. Traversi, Raffronto fra la peste di Tucidide, di Lucrezio e di Giovanni Boccaccio. Il Propugnatore).

(XIV) Lucretius. Deutsch von Max Seydel. München und Leipzig. Verlag von R. Oldenbourg).

(L. Crouslé, Lucretius, de la nature. Traduction nouvelle, avec un texte revu d'après les travaux les plus récents par L. Crouslé. Paris, Charpentier, 1881'.

(Mecherzyński, O poemacie filozoficznym Lucrecyusza De natura rerum uważanym ze strony estetycznej. Rozpravy Ak. Krak. VII, S. 95 ff.).

(J. H. Kallenbach, Kilka słów o poemacie Lukrecyusza De rerum natura. Przgląd akadem. I, 3 S. 183 ff.).

XV) Martha, Le Poëme de Lucrèce Morale Religion Science. Paris, Hachette et Cie. Troisième édition.

XVI) Schlenther, Stirb und Werde. Ein Weltbild nach Lucrez und Andern. R. Damköhler. Berlin. Unter der Widmung steht: Mikiten. Ostern 1879.

(Rapisardi, Il mostro della natura ossia il Lucrezio Caro redivivo. Carme. Noto, Zammit).

Die Bücher, deren Titel hier eingeklammert sind, haben dem Referenten nicht vorgelegen.

I. und II. Die gleiche Auffassung des Bedürfnisses der Schule hat fast gleichzeitig in Deutschland und in Holland dazu geführt, eine Auswahl von Bruchstücken solcher römischer Dichter für die Schule herzustellen, welche, obgleich in mehr als einem Sinne wertvoll, 'tamen a publico scholarum usu excludi solerent'. Zuerst erschien, im Jahre 1880, das Serta Romana' betitelte Buch von J. Woltjer, welches dem Texte einen holländischen Kommentar beifügt. Im Jahre 1881 folgten Samuel Brandt's 'Eclogae poetarum Latinorum', ein Buch, zu dessen Herstel. ung ein Beschluss, welchen die Versammlung der Gymnasialdirektoren von Baden im Jahre 1879 gefasst, den Anstoss gegeben hat. Brandt giebt den blossen Text. In der holländischen Chrestomathie ist Lucrez der erste Dichter, die deutsche schickt ihm einige Proben Ennianischer und Lucilischer Poesie voran. Jene giebt die Prooemien von I, doch nur bis 43, II, III, V, ferner I 271 — 297, 705 – 733, 921—950, II 333 bis 380, 600-660, 1144 -1174, III 830—1094, IV 1141—1170, V 416 bis 508, 925-1010, 1194 – 1240, VI 1138—1286, diese I 1 --467 Lachm., 923–950, II 1-61, III 1-93, 830 - 1094, V 783 – 1457, VI 738 - 839, 1138-- 1286.

Woltjer und Brandt bieten also in vier Fällen dasselbe, in einem Falle, I 921 bez. 923 ff., hat Woltjer zwei Verse mehr und damit das Bessere, dann aber finden wir bei Brandt zwei grössere Stücke, von 467 und 747 Versen, welche den Schüler in ganz anderer Weise in den Dichter einführen, als dies durch kleinere Bruchstücke geschehen kann. Da ich aber die holländischen Gymnasien nicht kenne, so kann ich nicht wissen, ob der Urheber der für diese bestimmten Sammlung nicht triftige Gründe für seine Wahl gehabt hat.

I. Woltjer weicht an folgenden Stellen mit eigenen Aenderungen von dem zu Grunde gelegten Lachmaun'schen Texte ab: I 271 corpus mit dem Corr. Quadrati, eine Aenderung, die ich jetzt billige, I 282

urget, was ich schon im vorigen Jahresber. Abt. II S. 196/97 gebilligt habe, II 18 coniunctus für seiunctus, was ich nicht einmal verstehe. Dass corpore seiunctus absit nicht 'eene ondragelijke tautologie' ist, sondern so recht im Geiste der Lucrezischen Sprache, wird Woltjer gewiss zugestehen, sobald er die unten zu besprechende Arbeit von Kraetsch gelesen hat. Ausserdem schreibt er mensque für mente, wahrscheinlich.

II 45 pavidae Obl. (?), 334 hinter 346, siehe dagegen den vorigen Jahresber. Abt. II S. 196 oben und Hoerschelmann, Observ. crit. in Lucr. 1. II S. 10 f. 371 tome et. Es ist doch mehr als bedenklich, solche Archaismen ohne jeden handschriftlichen Anhalt in den Lucrez hineinzuconjiciren. 655 hine si quis, natürlich bleibt dann 652 ff. an seiner Stelle. Ich halte die Munro'sche Umstellung für richtig. III 43 animi (Obl.) im vorigen Jahresber. Abt. II S. 197 gebilligt, 874 undat für unde ebendaselbst angezweifelt. IV 1164 cum für non ohne Grund. V 485 extrema

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ad limina partim. Woltjer verweist auf 493 und erklärt: 'zoodat zij voor een deel tot (zu) aan haar uiterste perken (Bezirk) voortgedreven rondom haar middelpunt verdicht zik samentrok', aber die Schwierigkeit, die in extr. ad l. liegt, bleibt bestehen. II 20 ff. interpungirt Woltjer dolorem, delicias possint gratius interdum, neque natura etc. Er übersetzt gratius ‘op eene aangename wijze', wobei der Gradus nicht berücksichtigt ist; ferner ist das Aufhören des Schmerzes wohl blanda voluptas (II 966), aber doch nicht deliciae multae. II 42 f. giebt er ecum vi mit Munro, pariter pariterque mit Bernays.

Wenn die Textconstituirung, sowenig Referent überall beistimmt, ein besonnenes Urteil zeigt, so tritt dasselbe auch in den Noten hervor. Der Herausgeber hat ebenso das Zuviel wie das Zuwenig vermieden und Sprachliches und Reales in gleichem Masse berücksichtigt. Die Sprache der Anmerkungen ist einfach und klar. Ein Eingehen auf Einzelheiten würde hier zu weit führen.

II. Brandt hat seinen Eclogae eine etwas ausführlichere Appendicula critica beigegeben. Er weicht an mehr als 50 Stellen von Lachmann ab. Die wichtigsten Abweichungen dürften folgende sein: I 50-61 (Bern.) und 136–145 (Ecl. I 44 – 55 und 130 - 139 bei Brandt) mit Brieger und Stuerenburg zwischen Doppellinien gesetzt, 230 [I 224] externaque codd. large Bern. longe, auf suppeditant bezogen, ist keineswegs unpassend. I 282, II 42f., 43, III 43 (Eclog. I 276, III 42f., IV 43) wie Woltjer. I 367 [Ecl. 360) vacui mit Pont. u. a., aber multo vacuum minus habere 'in viel geringerem Grade das vacuum enthalten', ist nicht ohne Lucrezische Analogien, vgl. II 586. - I 464-470 mit Bockemüller und Brieger als parallel zu 471 -- 477 angesehen und deshalb fortgelassen. II 28 (Ecl. III 28] arquata mit Bern., ohne Not. III 866 (Ecl. V 39) ante ullo (Lachm.)... necne für nalus ; das giebt zwar einen passenden Sinn und mag deshalb in einer Schulausgabe berechtigt sein, wahrscheinlich ist die Konjectur aber nicht. Dasselbe gilt von dat quod promittit et implet III 874 (Ecl. V 47). III 926 [Ecl. V 99) turba et disiectus mit Goebel, was Polle Philol. XXVI S. 335 mit Recht als sehr ansprechend bezeichnet. III 960 (Ecl. V 133] gnavis concede, unsicher. III 1040 [Ecl. V 213] obit decurso Itali, Munro, r. V 806 [Ecl. VI 27) patefecerat aet a 8 (Marul. Bern.), zweifelhaft. V 849—854 aus pädagogischen Gründen fortgelassen, V 834 (Ecl. VI 54) nach Bentley. Der Vers wird wohl nie sicher hergestellt werden, ebenso 878 [Ecl. VI 88], wo Brandt sich an Leutsch etwas gewaltsamen Versuch anlehnt, indem er schreibt animantum, hinc illinc par vis ut partibus esse potissit. V 995 (Ecl. VI 209) donique (denique ist Druckfehler) privarunt. In der Append. lies: Sauppe de cod. V. S. 16 (nicht 6). V 1008 [Ecl. VI 221) sollertiu(8) caecum, nur 'legentium causa' gegeben. Aus demselben Grunde ist V 1010f. [Ecl. VI 223) die Lücke durch Bernays' coniugium verklebt. -- V 1132, 1133 ist vor 1125 (Lachm. 1131 f. vor 1127) gestellt, mit Munro; Jahres

bericht 1873 S. 1121 gebilligt. V 1187 (Ecl. VI 400) nox et luna Codd., zweifelhaft. V 1228 [Ecl. VI 441] mit Bern. und Munro beibehalten. V 1242 (Ecl. VI 445) caeli fulmine, wie Munro, wohl richtig. V 1265 (Ecl

. VI 478] dolare ac radere tigna trabesque s. unten VI. VI 749 est & Athenaeis, natürlich richtig. VI 755 [Ecl. VII 18) sponte suapte s. unten VI. VI 794 -- 796 aus pädagogischen Gründen fortgelassen.

Die Brauchbarkeit des empfehlenswerthen Buches wird vermehrt durch eine ' Explicatio voca bulorum et formarum in Eclogis occurrentium, quae in lexicis minoribus explanari non solent'.

IM. Mit besonderer Freude begrüssen wir, nach langer Zwischenzeit die Abhandlung de codice Victoriano ist 1864 erschienen Hermann Sauppe wieder auf dem Felde der Lucrezforschung. Der erste Teil seiner Quaestiones Lucretianae behandelt in bündiger und lichtvoller Weise die schwierige Frage nach Lucrez' Geburtsjahr. Diese Frage ist, nachdem durch Schoene's Ausgabe der Chronik des Eusebios ein Fundament geschaffen war,. von Fr. Polle im Philol. XXV, 3, 498 f. und dann, unter polemischer Berücksichtigung der Usenerischen Ansicht, in dem folgenden Bande derselben Zeitschrift 560 ff. eingehend erörtert worden. Polle kommt zu dem Ergebnisse, Lucrez sei im Jahre 660 a. U. geboren und in seinem vierundzwanzigsten Jahre, also 704 oder 703, gestorben. Als M. Cicero jenen bekannten Brief an seinen Bruder schrieb, sei der Dichter also noch am Leben gewesen. Die viel berufene anekdotenhafte Angabe in Donati vit. Verg. $ 6, nach der Lucrez an dem Tage gestorben wäre, an welchem Vergil ins sechzehnte Lebensjahr eingetreten sei und die toga virilis angelegt habe, erklärt er für unglaubwürdig. Die Usener'sche Ansicht, gegen welche Polle seine Annahme verteidigt, geht in der Gestalt, welche er ihr in der Replik gegen Polle, Rhein. Mus. XXIII S. 678 f. gegeben hat, dahin: Die Erzählung des Donat, durch welche der Todestag des Lucrez auf den 15. Oktober 699 = 55 v. Chr. gesetzt wird, trägt den Stempel der Urkundlichkeit. Ebenso ist an Hieronymus 'im 44. Lebensjahre' unbedingt festzubalten. Lucrez' Geburt fällt also in das Jahr 98 oder in die letzten Monate von 99 v. Chr. Wenn nun Hieronymus nach den besten Manuskripten dieselbe in das Jahr 1923 Abr. = 94 v. Chr. gesetzt hat, so muss er sich geirrt haben. Ursache des Irrtums ist wahrscheinlich die Verwechselung des Consulnamens C. Caelius (94) mit Q. Caecilius (98) gewesen. Der Glossograph ist von Hieronymus abhängig: bei ihm ist XXVII an vergilium in XXIIII zu verwandeln. Setzt man dann die Geburt des Vergilius in das Jahr 70, so gelangt man zu dem von Hierohymus angegebenen Geburtsjahre. Sauppe billigt nun die Usener'sche Konjectur in der Glosse, glaubt aber, dass der Glossograph und Hieronymus das Geburtsjahr des Lucrez richtig angegeben haben. Dann ist aber die Angabe des Lebensjahres, in welchem Lucrez gestorben sein

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soll, bei Hieronymus falsch. Sauppe nimmt an, dass entweder Hieronymus sich versehen oder ein Abschreiber sich verschrieben habe.

Eine sichere Entscheidung erscheint bis jetzt unmöglich.

Dann geht Sauppe zu einer anderen Frage über. Er untersucht, unter belehrender Vergleichung der Komiker, des Vergil und des Horaz, ob und in wie weit Lucrez proklitische Wörter an das Versende gestellt habe. Aus dem Ergebnisse (S. 10) hebe ich hier hervor, dass et atque (ac) at aut (sed vel seu) so in dem Gedichte de rerum natura nicht vorkommen. Faber's und Madvig's Conjectur I 557 longa dies et (für longa diei), die ich Jahresbericht 1873 S. 1129 nicht angefochten habe, ist also nicht zu halten. Sauppe's longa dies in infinita aetate erscheint mir aber gleichfalls nicht wahrscheinlich, schon weil er an zwei Stellen ändert, ohne dass man einen Grund für die Korruptel ahnen könnte, siehe unten zu I 50. Aus obigem Grunde ist nun auch Bernays' videre et IV 416 f. verwerflich. Sauppe schreibt: nubila di spicere (?) et caelum ut viileare videre corpora mirando sub terras abdita caeli. Wegen mirando (= mirans) verweist er auf seine Auseinandersetzungen Philol. XIX S. 253 ff. und auf Lucr. IV 1201, wo der Gebrauch doch ein unähnlicher ist.

Dann giebt Sauppe die Verse 38 - 150 des I. Buches in der Reihenfolge, wie sie seiner Ansicht nach der Dichter beabsichtigt hat, und zwar giebt er sie ohne Begründung. 'Experiri enim velim', sagt er, ‘num haec recensio se per se ipsa tueatur'.

Auf 43 folgt hier 62, aber ohne dass Sauppe eine Lücke annähme, wie Brieger und Stuerenburg thun. Sauppe setzt nämlich 50–61 hinter 79, den Vers 50 in folgender Gestalt: quod superest, Memmi, vacuas auris animum que semotum (semot a m ist natürlich Druckfehler) a curis etc. Diese Umstellung ist unzweifelhaft sinnreich, ich habe aber sachlich einzuwenden, dass diese Art den Inhalt des Gedichtes anzukündigen, doch gar zu ungeschickt ist und im Tone in das Prooemium absolut nicht hineinpasst. Was aber die Ergänzung von V. 50 angeht, so kann ich, wie ich schon im vorigen Jahresbericht Abth. II S. 198 gegen Gneisse bemerkt habe, es durchaus nicht wahrscheinlich finden, dass der Vers ii der Mitte und am Ende verstümmelt sein soll. In ut vor vacuas wird doch wohl niemand einen Rest des Namens Memmius suchen. Nun folgt 80 - 101, 102—135, 136 - 145, 149 ff. In der Ausstossung von 146–148 trifft Sauppe mit Gneisse zusammen. So wenig aber auch dieses Zusammentreffen seinen Eindruck bei mir verfehlt, so muss ich doch bei dem beharren, was ich a. a. 0. gegen Gneisse gesagt habe. Auf quo carmine, mit welcher Art der poetischen Einkleidung', kann sich principium cuius nicht beziehen und auf naturae ratio bezieht es sich in passendster Weise, denn um den Satz, von welchem das System ausgeht, handelt es sich ja eben.

IV. Auf dem Gebiete der Text überlieferung des Lucrezischen

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