Page images
PDF
EPUB

sind seitdem zwei hinzugekommen: Dr. Fr. Ulrich De verborum compositorum quae extant apud Plautum structura commentatio' *), wo auch Lucrez berücksichtigt wird, und C. Schneemann's Dissertation ‘De verborum cum praepositionibus compositorum apud Catullum Tibullum Propertium structura' **).

Keller handelt zuerst über die mit a de ex zusammengesetzten Verba, S. 9 - 15, dann über die mit ad con in inter ob post prae sub componirten, S. 16–33, endlich über die Intransitiva, welche durch die Zusammensetzung mit ad con de ex in ob per praeter sub trans transitiv werden, S. 34-41. In den einzelnen Kapiteln bestimmen die Präpositionen in alphabetischer Ordnung die Reihenfolge der besprochenen Verba. Der Unterschied der verschiedenen neben einander möglichen Konstruktionen wird im allgemeinen richtig angegeben, S. 6-8.

Nun zu dem einzelnen. Kap. I 'declinare', II 250 nulla regione viai declinare: Das Wort vor regione ist ja ausgefallen, und dass dies nicht nulla sondern recta war (Niccoli, Munro), dürfte jetzt kaum noch jemand bezweifeln. Ebenso wird bei III 321 depellere nobis die Unsicherheit der La. nicht berücksichtigt. III 442 detracto sanguine venis, venis soll Ablativ sein: zweifelhaft. Excipere. V 826 ex alioque alius status excipere omnia debet und ähnlich V 832. Es ist die Prägnanz des ex übersehen, in welchem zugleich der Begriff des ‘nach' und der des Hervorgehens aus etwas’ liegt, vgl. extollere III 1 und den prägnanten Gebrauch von ab VI 968 umor aquae ferrum condurat ab igni, man sehe auch das VII zu VI 468 bemerkte und vergleiche IV 1160. Eflare. VI 681 war vastis fornacibus als Ablativus viae zu bezeichnen. Die verschiedenen Konstruktionen von effugere und exire werden gut unterschieden. Ecoriri; es durfte auch I 874 quae lignis exoriuntur als La. des Flor. 31. Camb. etc. erwähnt werden, die wahrscheinlich richtig ist, s. oben IV. VI 1138 ist civibus in exchausit civibus urbem offenbar nicht Dativ, sondern Ablativ, vgl. Aen. VIII 571 viduasset civibus urbem (Wakef.). Kap. II. V. 608 segetes stipulamque videmus accidere ... incendia. Die ratio der Konstruktion war zu erwähnen. Das Feuer fällt die Saat an, ergreift sie. Admiscere; bei 1 569 admixtum quoniam semel est in rebus inane und V. 365 adm. in reb. in. wäre wohl richtiger als inhaerere u. ä. insculptus inscriptus u. S. W. verglichen worden. Adsistere. I 965 ist quibus regionibus nicht Dativ was gäbe dieser für einen Sinn? sondern Abl. loci. Adsumere. IV 1083 ist bei membris adsumitur intus an einen Instrumentalis nicht zu denken. Intus steht präpositionsartig, wie VI 202, 798. Concurrere, VI 97. Der Satz dürfte zu konstruiren sein: aetheriae nubes ... concurrunt, ventis (inter se) contra pugnantibus. Dies letztere nimmt Keller also mit Unrecht für einen Dativ. IV 706 ist ad

*) Programm der Lateinischen Hauptschule in Halle. 1880.
**) Halle 1881.

[ocr errors][ocr errors][merged small]

sensus die nächste Ergänzung zu conreniunt, nicht omnibus. Ebenso irrt
Keller bei I 924 (incutere); bier ist übrigens VI (nicht IV) 1210 zu lesen.
Wenn der Dativ bei concedere conciliare etc als dativus commodi oder
incommodi bezeichnet wird, so ist das ein Missbrauch dieses Terminus.
Der Dativ bei incidere ist von in cum accusativo und dem blossen Accusativ
(IV nicht VI 566) nicht unwesentlich verschieden, wie sich aus seinem
von Keller S. 7 ganz richtig bezeichneten Begriff ergiebt. Insinuare
c. dat. und c. accus. (und insinuare c. in c. accus.): der Verfasser hätte
an IV 1023 f. quibus aetatis freta insinuatur semen sehen können, wie
sich beide Konstruktionen zu einander verhalten. Kap. III. S. 36 ff. Die
Konjektur natura loci procul officit ipsa suapte oder gar, zur Auswahl,
n. loci prõbet officitque i. s., VI 755, wäre wohl besser fortgeblieben.
I 977 hat schon Grypbius von Lyon officiatque gelesen.

Keller hat keineswegs alle in Betracht kommenden Stellen berücksichtigt, doch dürfte Kannegiesser (s. Verzeichnis) die Zahl der übergangenen wohl zu hoch anschlagen, wenn er meint, dieselbe könne vielleicht ein Drittel betragen. Jedenfalls ist anzuerkennen, dass Keller einen mit Einsicht gewählten Gegenstand in nützlicher Weise behandelt hat.

IX. Eine zweckmässige Wahl des Gegenstandes ist auch bei den Reichenhart'schen Untersuchungen über die subordinierenden kausalen Konjunktionen bei Lucretius' anzuerkennen. Der Verfasser erklärt bescheiden, er wolle nur einen Stein zu dem zu erwartenden Bau einer Lucrezgrammatik herbeischaffen.

Der erste Teil der Untersuchung (s. das Verzeichnis) - A -- behandelt quod quia quando quandoquidem quatinus, der zweite - B cum und quoniam.

A. Quod. Reichenhart legt, durch die Fassung seines Themas genötigt oder verleitet, leider die gewöhnliche, nicht wissenschaftlich, sondern höchstens praktisch gerechtfertigte Unterscheidung der verschiedenen Arten von quod zu grunde und beginnt mit dem kausalen' quod. Durch diese Einteilung wird wesentlich Zusammengehöriges auseinandergerissen. Ausserdem bringt Reichenhart in Folge von Missverständnissen eine Anzahl von Stellen hierher, welche nicht hierher gehören. So ist II 1011 f. III 516, 553, 1003 quod unzweifelhaft Pronomen. Ferner gehört das quod der Stellen II 589 f. IV 207 ff. VI 249 f. 861 f. (die Erklärung liegt in dem Umstande, dass . .) in den Exkurs I, wo Reichenhart über das in der Seyffert'schen Grammatik, Aufl. 15 (1875), sehr unpassend als erklärend bezeichnete quod handelt. Das eher noch so zu bezeichnende quod, welches mit 'indem' übersetzt werden kann und in unsern Grammatiken übergangen zu werden pflegt, verkennt Reichenhart an folgenden Stellen: I 742 . 747, wo nicht gefragt wird, weshalb jene grossen Philosophen geirrt haben, sondern worin ihr Irrtum bestanden hat, ferner VI 741 ff. Die Orte sind den Vögeln feindlich (verderblich); Jahresbericht für Alterthumswissenschaft XXVII. (1881. II.)

11

[ocr errors][ocr errors]
[ocr errors]

ihre Verderblichkeit besteht nämlich darin, dass ... Nach dem Grunde der Feindschaft wird nicht gefragt. Dann VI 892 ff. Das Meer gewährt Nutzen, indem es = dadurch dass es, nicht: weil es. Man vgl. Caes. B. C. I, 71, 3 Afranianos sui timoris signa misisse: quod suis non subvenissent, quod etc. 85, 9. In se etiam aetatis excusationem nihil valere, quod (Madvig und nach ihm Hofmann ohne Grund quin)... probati ... evocentur, und so öfter. I 152. Es war ita ... quod zu beachten. III 817. Es war zu bemerken, dass hier quod cum ind. einen wirklichkeitswidrigen Grund einführt, vgl. quia II 3. · Exkurs II. VI 335 f. Quod ist kausal, wie Reichenhart gegen Munro behauptet, aber cum plagast (Mss. plaga si) addita vero wird ohne allen Grund angetastet. Das sogenannte absolute quod liegt nicht nur II 532 ff., sondern auch III 41 ff. vor, wo hinc in v. 46 auf das folgende geht. Ferner, nicht Dräger, Hist. Synt. II 234 hat II 220 ein tantum quod (Conjunction) übersehen, sondern Reichenhart hat auch hier, wie mehrfach (s. 0.), das Pronomen verkannt. Tantum quod heisst eben nur soviel, wie' Nisi quod: nur IV 754, 756 gehören hierher, III 480 f. und V 348 f. ist das quod ganz deutlich kausal. Exkurs III. II 221. Was hat das verbindende’ quod hier mit dem quia des Nebensatzes zu thun? I 623. In quod quoniam ratio (natura ist ein Versehen) reclamat vera etc. ist quod Object, wie Reichenhart will, aber III 792 hat Munro recht.

In dem Abschnitte über quia ist der Nachweis der häufigen Verbindung dieser Conjunction mit adversativen, affirmativen u. $. W. Partikeln wichtig, der Grund dieser Häufigkeit dürfte aber ein metrischer sein. At quia, non quia, aut quia u. s. w. bilden einen Daktylus und bieten sich für den Versanfang sehr bequem dar. Ebenso verdankt quandoquidem seine relative Häufigkeit es kommt nach Reichenhart 23 mal

seinem Charakter als Choriambus. Quando ist I 495 schwerlich temporal (Reichenhart). In Bezug auf quatinus wird ein Irrtum Draeger's berichtigt. Mit Recht behauptet ferner Reichenhart gegen Woltjer den kausalen Charakter dieser Konjunktion für die zwei Stellen, wo quatenus geschrieben ist, III 216 ff. 421 ff.

Immerhin zuverlässiger als im ersten, ist Reichenhart im zweiten Teile der Arbeit, für die er vortreffliche Vorarbeiten hatte. Kap. V. A. Kausales cum. Dies soll 3 mal c. ind. stehen, aber II 859 ff. ist die Lesart verderbt, s. Philol. XXV, 8 S. 73 f. IV 82 ff ist der Satz mit cum temporal zu fassen: mit dem einen zugleich müssen die Segel auch das andere entsenden, und IV 1125 f. sagt der Satz mit cum aus, worin die Bitterkeit besteht; ihm entspricht im folgenden das quod explicativum, 1129, 1132. IV 570 f. ist cum videas von si videas nur um eine kleine Nuance verschieden, VI 855 f. und V 898 ff. ist cum'da doch', also nicht eigentlich kausal. Es wird gefragt, wie trotz einer konstatirten Thatsache eine Behauptung sollte statthaft sein können. Es folgt, in Exkurs IV, die Uebersicht des Gebrauches des temporalen und concessiven cum'.

[ocr errors]

vor

[ocr errors]
[ocr errors]
[ocr errors]

Hier wird Verschiedenartiges durcheinander geworfen, was Reichenhart
selbst zugesteht, indem er sagt: "Ich habe das explikative und das attri-
butive cum ... nicht abgesondert (vom temporalen), weil ich das für
meine Uebersicht nicht für notwendig hielt'. Es wäre eine solche Un-
terscheidung jedenfalls fruchtbarer gewesen, als die jedesmalige Angabe
des Tempus im übergeordneten wie im untergeordneten Satze. Cum tem-
porale c. conj. soll 5 mal vorkommen, aber VI 567 gehört nicht hierher,
sondern zu Beispielen wie VI 855, s. 0. II 41, 44, 849, III 852 steht
cum mit dem Potentialis der zweiten Pers. sing. und I 914 cum ...
temus ist ein Unicum, denn das (cum ... dicere) pergam, III 422, ist ent-
weder oblique gedacht, oder indic. futuri. Ebenso bedurfte III 849, wo
der Konjunktiv aus mehr als einem Grunde notwendig war, ferner I 892,
V 345 einer Erklärung. B. Unter cum concessivum wird gleichfalls
sehr Verschiedenes zusammengebracht, so gleich unter cum c. indic. sechs
Fälle mit dem sogenannten cum adversativum, darunter II 859, das
schon unter cum causale erschienen ist, ferner vier Fälle des tempo-
ralen cum. Als das Beste in der Arbeit erscheint der Abschnitt über
quoniam, welcher eine, wie es scheint, vollständige Uebersicht des Lu-
crezischen Gebrauches dieses Wortes giebt, das, beiläufig, dem Dichter
auch als Anapăst sehr bequem war.

Ich kann zum Schlusse mein Bedauern darüber nicht verschweigen, dass der Verfasser sich nicht begnügt hat, vorläufig nur den Lucrezischen Gebrauch von quod oder von cum eingehender zu behandeln, eingedenk des Sprichwortes: Qui trop embrasse, mal étreint.

X. Eine tüchtige Leistung auf engem Gebiete ist G. C. Gneisse's Untersuchung über porro bei Lucrez ('Zu Lucretius'). Wo der Dichter sich dieser Partikel zur Verbindung von Sätzen bezw. Satzgefügen oder Abschnitten bedient, braucht er sie, nach Gneisse, immer so, dass er durch sie zwei Glieder zu einem Ganzen zusammenfasst. Diese Eigentümlichkeit von porro soll am schärfsten hervortreten, wo das zweite Glied den contradictorischen Begriff zu dem ersten enthält, so I 586 f. (Bern.) quid quaeque queant .. quid porro nequeant VI 845. 150 I 651. Derselbe Charakter der Verknüpfung durch porro soll hervortreten, wo durch dasselbe der Untersatz eingeführt wird'. I 379 ist das erste Beispiel. Lucrez sagt: Wohin können die Fische sich bewegen, wenn ihnen das Wasser nicht Raum giebt? Wohin kann 'porro' das Wasser ausweichen, wenn die Fische sich nicht vorwärts bewegen können? Und nun folgt mit einem entweder oder die Folgerung. Wenn man hier von einem Untersatze sprechen will die Form des Schlusses liegt jedenfalls nicht vor

so bilden doch beide Sätze zusammen erst den Untersatz, nämlich den Gedanken: weder die Fische noch das Wasser können zuerst ausweichen. Porro knüpft also die zweite der zusammen dies Weder Noch ergebenden Fragen an die erste. Ebenso verknüpft

[merged small][ocr errors][ocr errors][ocr errors][ocr errors]

Polle,

porro I 507 ff. zwei zusammen den Satz, aus dem die Folgerung gezogen werden soll, bildende Glieder mit einander. Dann führt Gneisse IV (649 Lm.) 647 an. Hier, wie vier Verse vorher, hat porro so bestimmt die Bedeutung ferner', wie nur irgendwo. Von dem Allgemeineren: die Samen sind vielfach in den Dingen gemischt', geht der Dichter mit einem porro zum Specielleren über, indem er dasselbe von den lebenden Wesen aussagt, NB! mit einer Erweiterung und näheren Bestimmung. Dann geht er weiter, indem er aus der Ungleichartigkeit der die verschiedenartigen Wesen bildenden Atome die Ungleichartigkeit der intervalla viae etc. folgert. Auch hier ist porro “ferner' oder 'weiter'. Von einer Zusammenfassung zweier Glieder zu einem Ganzen ist in keinem von beiden Fällen die Rede, ebenso wenig wie von der Einführung eines Untersatzes. Auch I 387 tritt die Natur des porro ganz anders, als Gneisse will, hervor: es markirt den zweiten Schritt in einem Gedankenprozesse, ebenso I 516 und III 165 f. II 671 endlich, das Gneisse gleichfalls hierher zieht, wäre ganz besonders geeignet gewesen ihn von seiner Meinung abzubringen. Hier kommt porro in acht Versen dreimal vor, die beiden ersten nähern sich der Bedeutung von proporro Jahrb. f. class. Philol. 93, 756 das dritte leitet einfach weiter. Dies sind die Fälle, wo der Dualismus deutlich sein soll. Wie gewaltthätig Gneisse ihn in andere Stellen, wo er deutlich nicht vorhanden ist, hineininterpretirt, dafür ein Beispiel: I 460f. transactum quid sit in aevo, tum quae res instet, quid porro deinde sequatur. Hier sucht Gneisse zu beweisen, es liege keine Dreiteilung, sondern eine Zweiteilung vor. Noch merkwürdiger ist, dass er VI 1183 als zu seiner Regel stimmend anführt, wo von einer ganzen Anzahl von funesten Symptomen das vierte mit porro eingeführt wird.

Ich glaube genug vorgebracht zu haben, um behaupten zu können: Gneisse's Regel ist so, wie er sie fasst und bedingungslos gelten lassen

falsch. Wenn wir aber auf Grund des von Gneisse zusammengebrachten Materials und der von ihm gegebenen Gesichtspunkte konstatiren, dass porro bei Lucrez gewöhnlich einen zweiten Gedanken oder ein zweites Gedankenglied in der Weise an einen vorangehenden Gedanken oder an ein vorangehendes Gedankenglied schliesst, dass das Fortschreiten von einem zum andern ein notwendiges ist, und ferner, dass in den meisten Fällen der zweite Gedanke oder das zweite Glied durch porro als abschliessend angeknüpft wird, so haben wir damit eine sehr wertvolle Beobachtung, deren Verdienst wir in der Hauptsache Gneisse zuschreiben müssen.

Was Gneisse hier zugestanden ist, das kann für die von ihm mit gewohntem Scharfsinn unternommene kritische Verwendung der festgestellten Bedeutung von porro, wie ich glaube, vollkommen genügen. Es bestätigt die Vermuthung Lachmann's, dass vor VI 840 eine Lücke vorhanden sei'. Es spricht auch noch an einer Anzahl anderer Stellen für Gneisse's

will,

« PreviousContinue »