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2) Zimmermann, Beiträge aus Terenz zur lateinischen Grammatik. I. Gebrauch der Conjunktionen quod und quia im älteren Latein. Programm des Marien-Gymnasiums in Posen 1880. Progr. No. 129. 24 S. 4.

[Recens. Philol. Rundschau I (1881) S. 416-419 von F. Paetzolt.)

Die Abhandlung, für welche übrigens der Titel „Beiträge aus Terenz« wenig zutreffend ist, da sie sich ebenso sehr oder noch mehr mit Plautus beschäftigt, giebt durch Vorführung der einschlägigen Stellen ein übersichtliches Bild des Gebrauchs dieser beiden Conjunktionen im älteren Latein. Der Verfasser giebt das Resultat selbst mit folgenden Worten in der Schlussbemerkung an: 1) quia hat ursprünglich in allen Fällen Anwendung gefunden, in denen auch quod angewendet wird. Ihre Bedeutung ist vollständig dieselbe. 2) Als causale Conjunktion und nach den Verben der Affekte ist quia die bei weitem volksthümlichere Form, wie die Beispiele aus den scenischen Dichtern, namentlich aus Plautus, erweisen. 3) Wohl der Gegensatz des sermo urbanus zu dem sermo rusticus hat dem quod schon für diese Zeit ein gewisses Uebergewicht in der gelehrten Prosa und der nur für feinere Kreise bestimmten Poesie über quia verschafft, wovon wir den Höhepunkt jedoch erst in der späteren Zeit sehen. – Einige Ergänzungen und Berichtigungen des Details sind aus Paetzolt's oben genannter Recension zu entnehmen.

3) Conr. Sydow, De fide librorum Terentianorum ex Calliopii recensione ductorum. Dissert. inaug. Berol. 1878. 68 S. 8.

(Recens. Jenaer Litteraturz. 1879 No. 9 S. 122 f. von C. Dziatzko. Revue critique, tome VIII (1879) S. 97 f. von E. Chatelain.)

In übersichtlicher und reichhaltiger Zusammenstellung wird der im allgemeinen von der Kritik schon befolgte Grundsatz im einzelnen erwiesen, dass die Calliopischen Handschriften des Terentius viele Correkturen und Erklärungen oder Erweiterungen durch einzelne Worte aufweisen, aber doch bei der Emendation des Textes nicht unberücksichtigt zu lassen sind. Denn da der Bembinus namentlich in einzelnen Partien grosse Nachlässigkeit des Schreibers zeigt, hat er an einzelnen Stellen eine verderbte, die Calliopischen Handschriften die ursprüngliche Lesart. Der Verfasser, ein Schüler Ritschl's, weiss bei der Auswahl widersprechender Lesarten die Kritik meist taktvoll zu handhaben; nur selten sind Fälle, wo offenbar unmögliches vertheidigt wird, wie S. 4 ein viersilbiges pueritia mit consonantischem u oder S. 11 die falsche Lesart des Bembinus uerébámini (Phorm. 902), womit die ganz ungleichartigen Messungen magistratus uolăptatem ferèntarius zusammengestellt sind. Aus Dziatzko's Recension ist dessen Bemerkung über den cod. Decurtatus hervorzuheben: »Es scheint die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass der Decurtatus aus einem vor die Calliopische Recension fallenden und deshalb dem Bembinus nahestehenden, aber später nach dieser überarbeiteten Exemplar stammea.

4) Otto Schubert, Symbolae ad Terentium emendandum. Weimar 1878. Progr. No. 556. 17 S. 4.

(Recens. Jenaer Litt.-Ztg. 1878 No. 20 S. 308 f. von C. Dziatzko.)

Der Verfasser eröffnet seine Beiträge mit der Untersuchung der Căsuren des iamb. Senars bei Terentius und zeigt, dass die Cäsur nach dem dritten lambus gesetzmässig ist. Die Beispiele sprechen jedoch für die Einschränkung, dass in diesem Fall mit dem dritten lambus das Wort nicht schliesst, sondern noch eine in die Elision fallende Schlusssilbe besitzt z. B. Fidélis euenír(e) amatorés Syra. Hierauf wird Adelph. 56–58 besprochen. In der Vermuthung audacter für audebit ist Schubert mit dem Referenten in seiner gleichzeitig erschienenen Ausgabe zusammengetroffen (nur mit anderer Wortstellung). 57 und 58 werden ohne überzeugende Gründe getilgt. Weitere Vorschläge sind Andr. 454 Polis sum unum nunc(iam] für Potissumum nunc, wobei mit Unrecht an dem Diiambus Potissumum im Anfang des Verses Anstoss genommen wird ; denn da er einem viersilbigen Wort angehört, ist er gesetzmässig. Andr. 530 und 531 sowie Phorm. 145, 146 sucht Schubert als Interpolation zu verdächtigen. Heaut. 535 wird uorsaret statt seruaret geschrieben, eine Aenderung, der, wie der Verfasser selbst gefühlt zu haben scheint, das beigefügte inuitum im Wege steht Heaut. 818 sapiisti für abisti. Den Schluss bildet eine eingehende Untersuchung über den Gebrauch von dice face duce. Da dice nirgends handschriftlich überliefert ist, entbehre auch Fleckeisen's Vermuthung Hec. 803 dice dum der Wahrscheinlichkeit. Vergl. aber die Analogie mit dem unten besprochenen duce. Die Form face steht neunmal am Ende des Verses, einmal, Andr. 712, innerhalb desselben: huc face ad me ut uenias, wo deshalb fac vorgeschlagen wird. Zur Vergleichung werden beigezogen die gleichfalls nur am Ende des Verses oder der ersten Vershälfte asynartetischer Tetrameter vorkommen. den Formen siem, possiem, die Infinitive auf ier, coeperet, fieri, duint und perduint etc. Bei dieser Gelegenheit wird Hec. 134, wo perduint innerhalb des Verses gegen das Metrum überliefert ist, unzweifelhaft richtig in perdant geändert. Die Form duce findet sich vor Consonanten Adelph. 482 abduce uinci und 917 traduce di, vor Vocalen ist meist duc überliefert. Schubert meint, der Dichter habe überall, wo keine Nöthigung zu der zweisilbigen Form vorlag, die einsilbige vorgezogen und ändert daher Heaut. 744 traduce huc (so der Bemb.) in traduc huc. Sachlich ist dieser Unterschied hier ohne Bedeutung, da der Schlussvocal e doch in die Elision fällt, aber duce ist mehrfach handschriftlich bezeugt, und um wieviel mehr Wahrscheinlichkeit hat es, dass die seltneren Formen in die gewöhnlicheren verderbt wurden als umgekehrt! Eine andere Ansicht hierüber stellt Dziatzko in der Recension auf, dass nämlich der Vers

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accent hier den Ausschlag gab, so dass in den Composita von duce bei Betonung der Stammsilbe die längere Form, bei Betonung der Präposition die kürzere stehe, also abduc Eun. 377, abdúce Adelph. 482.

5) Maxim. Hoelzer, De interpolationibus Terentianis. Diss. inaug. Halis Saxonum 1878. 38 S. 8.

Mit passender Anordnung des Stoffes werden zunächst die Verse behandelt, welche im Bembinus fehlen oder von Donatus in seinem Commentar nicht erwähnt werden, dann die anderen als Interpolation erachteten Stellen, bei denen eine solche äussere Stütze nicht vorhanden ist. Zugleich wird eine Reihe von Interpolationen, welche von den Herausgebern angenommen worden waren, als unbegründet zurückgewiesen. Im allgemeinen hat sich der Verfasser bei dem Aufspüren von Interpolationen von den Uebertreibungen Guyet's u. a. fern gehalten, macht aber doch noch zu häufig von seinem Rothstift Gebrauch, darunter an Stellen, wo wir zu der unwahrscheinlichen Annahme gedrängt würden, dass ein Grammatiker oder Schauspieler einen an sich klaren Gedanken durch matte oder gar widersinnige Interpolation erweitert hätte. Für einen Missstand ist es auch zu erachten, dass Interpolation und doppelte Recension nicht gehörig von einander geschieden werden. Von der einschlägigen Litteratur blieben einige Schriften unbenützt, darunter des Referenten Ausgabe der Andria, die drei Jahre vorher erschienen war.

Metrisches. 1) C. Conradt, Stichische und lyrische Composition bei Terentius. Jahrb. f. class. Philologie. B. 117 (1878) S. 401-416.

In diesem streitbaren Artikel sucht Conradt die Einwände zu widerlegen, welche gegen die Resultate seiner Schrift die metrische Composition der Komödien des Terenza theils von Dziatzko in seiner Recension (Jenaer Lit.-Zeit. 1877 No. 4 S. 59 ff.) und noch mehr vom Referenten (in diesem Jahresber. 1876 II S. 372 ff.) erhoben worden waren. Namentlich gegen den letzteren »urtheilslosen Beurtheiler« wendet sich Conradt mit aller Schärfe. Dass sich dadurch irgend jemand, der mit klarem Blick den fraglichen Gegenstand prüft, in seiner Ansicht irre führen lasse, wird nicht zu befürchten sein.

2) Fridericus Schlee, De uersuum in canticis Terentianis consecutione. Dissert. inaug. Berol. 1879. 76 p. 8.

Vor Beginn der eigentlichen Untersuchung werden zwei Vorfragen erledigt, die Abgrenzung der lyrischen Stellen von den stichischen und die Autorität unserer handschriftlichen Verseintheilung in den Cantica. Die bei Donatus praef. Adelph. erhaltene Bezeichnung M.M.C wird als mutatis modis cantanda auf Cantica mit wechselndem Versmass bezogen.

Gegen Conradt's Abgrenzung lyrischer und stichischer Composition werden mehrfach richtige Bemerkungen gemacht, aber dem cod. Pari. sinus (P) und Ambrosianus (F) wird für die Verseintheilung grösserer Werth beigelegt als sie verdienen. Unter Annahme des Bentley'schen Gesetzes, dass auf trochäische Oktonare immer wieder trochäische Verse folgen müssen, wird als die häufigste rhythmische Reihenfolge erwiesen: Trochäische Oktonare, trochäische Septenare, iam bische Oktonare oder mit Wiederholung des ersten Wechsels: trochäische Oktonare, trochäische Septenare, trochäische Oktonare, trochäische Septenare, iam bische Oktonare. Dass diese Reihen. folge eine sehr häufige ist, muss dem Verfasser jedenfalls zugegeben werden. Doch geht er in der Herstellung dieser Gleichförmigkeit weiter als gerathen ist. Um die hyperkatalektischen iambischen Oktonare zu beseitigen, wird mehrfach zu Aenderungen und harter Versabtheilung Zuflucht genommen. Während neuere Herausgeber namentlich seit Fleckeisen mit Recht die einsilbigen Partikeln et, ac, aut, ut am Ende des Verses vermeiden, theilt Schlee die Verse nicht selten derart ein, dass zwei Wörter, die dem Sinn nach zusammengehören, auseinander gerissen werden; so Hec. 283 domúm, cui || Quánto fuerat, 528 censés nisi ex || Nló, Eun. 214 aémulum, quod || Póteris. Selbst Elision des Schlussvocals eines Verses durch den Anfang des nächsten wird zugelassen. Hec. 522 se duxit foras . atqu(e) || 'Eccam uideo, Heaut. 1005 tibi uenir(e) || In méntem und auch Adelph. 166 dábitur te esse in- || Dignum iniuria hác. Für die Scene Adelph. IV, 4 werden neue, unerweisliche Versarten angenommen, nemlich die Zusammensetzung eines choriambischen Monometers oder Dimeters mit einem trochäischen Dimeter, Trimeter oder einer Tripodie. Metrisch unhaltbar sind auch die Vorschläge zu Andr. 610 f. 625, Eun. 560, Heaut. 590, Phorm. 194.

3) J. Draheim, De iambis et trochaeis Terentii. Hermes XV (1880) S. 238 - 243.

Die Frage, inwieweit die scenischen Dichter den Wort- und Versaccent mit einander in Einklang brachten, wurde für den iambischen Senar zuerst ausführlich und methodisch von Brugman (Bonn 1874) erörtert. So verdienstvoll diese Arbeit ist, wurden darin doch nicht alle Gesetze definitiv abgeschlossen und Draheim sucht nun eine Ergänzung und Berichtigung wenigstens für Terentius zu geben. Der Aufsatz enthält mehrere beachtenswerthe Winke, wie z. B. dass für den dritten Fuss des iambischen Senars die Cäsur des Verses von besonderer Wichtigkeit sei. Er stellt das Gesetz auf: Jambische Wörter und Wortendungen können in jedem Fusse stehen, spondeische nur in gewissen, nemlich nicht im zweiten, vierten (und selbstverständlich nicht im sechsten) Fuss des Senars. Ueberhaupt babe Terentius die dipodische Messung der Griechen soweit beachtet, dass eine durch Wortaccent betonte lange

Silbe in der ersten Thesis der trochäischen Dipodien und in der zweiten der iambischen Dipodien soviel als möglich gemieden wurde. Dies gelte sowohl von den iambischen Senaren, Septenaren, Oktonaren als von den trochäischen Septenaren. Die trochäischen Oktonare werden bei Seite gelassen. (Doch ist Hec. 289 aus Versehen ein solcher beigezogen). Dass ein auf einen Spondeus ausgehendes Wort z. B. áccessit seine Schlusssilbe in der Arsis des zweiten, vierten oder sechsten Fusses haben könne, würde Draheim, wie er sagt, als unmöglich bezeichnen, wenn nicht zwei Stellen (Phorm. 619 und Hec. 623) dagegen zu sprechen schienen. Aber auch Draheim's Untersuchungen geben kein abschliessendes Resultat, schon darum nicht, weil in solchen Fragen die Metrik des Terentius nicht von der des Plautus getrennt werden kann. Hätte er die plautinischen Verse zu Rathe gezogen, so hätte er z. B. zu dem regelrecht gebauten Senar Hec. 506 Quia paúlum nobis áccessit pecúniae sicher keine Aenderung vorgeschlagen.

4) Carl Meissner, Die Cantica des Terenz und ihre Eurythmie. Jahrb. f. class. Philologie XII. Supplementband (1881) S. 467 — 588.

[Recension Philol. Wochenschrift II (1882) No. 3 S. 77 – 81 von H. Draheim).

Der Verfasser, der sich anderweitig als guter Kenner der lateinischen Sprache erwiesen hat, ist hier in die nemliche Falle gegangen wie einige Jahre vorher Conradt in seinem Buche odie metrische Composition der Komödien des Terenz. Im Anschluss an die Stelle des tractatus de comoedia: scantica uero temperabantur modis non a poeta sed a perito artis musicae factis. neque enim omnia isdem modis in uno cantico ugebantur sed saepe mutatis: ut significant qui tres numeros in comoediis ponunt, qui tres continent mutatos modos canticia wird das Princip der Dreitheilung in den Cantica nachzuweisen gesucht. Der Name Cantica wird dabei nur auf die rein lyrischen Partien bezogen und jedes derartige Canticum entweder im Ganzen als dreitheiliges metrisches System aufgefasst oder in mehrere solche Systeme, die unter sich correspondiren, zerlegt. Schon bei der Abscheidung der lyrischen von den stichischen Partien sind gegen Meissner's Auffassung vielfache Bedenken zu erheben. An manchen Stellen begreift man durchaus nicht, warum ein Canticum schliessen und das Folgende als stichische Composition gelten soll, z. B. Adelph. 293, zumal wenn das Versmass dasselbe bleibt. Dem dreitheiligen System selbst werden zwar eine Menge Variationen zugestanden, da sich aber die Ueberlieferung trotzdem jenen Gesetzen gegenüber ablehnend verhält, wird so lange am Text herumgemodelt, bis er sich gutwillig fügt. Das Canticum Hec. 281–291 büsst z. B. von seinen zwölf Versen vier, also den dritten Theil seines ganzen Bestandes ein. Zwar giebt sich der Verfasser Mühe überall den Beweis zu liefern, dass alles Zuschneiden und Abändern nur aus inneren Gründen und

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