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Der

Literárgeschichte der neuern Zeit

oder der

dritten Periode der allgemeinen Literárgeschichte

zweite Abtheilung:

Das siebzehnte Jahrhundert.

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Einleitung.

$. 1. Während der ganzen Rundschau über die wissenschaftlichen Bestrebungen und Leistungen des 16ten Jahrhunderts wird es dem aufmerksamen Beschauer hinreichend klar geworden sein, daß der durch die reformatorischen Ideen und Anstrengungen aufgeregte menschliche Geist auch nach allen übrigen Seiten der Künste und Wissenschaften hin ein soldies schöpferisches Feuer entwickelte, daß felbst in den südliden Ländern, wo doch die Reformation nicht hatte Eingang finden können, ein reges Emporblühen fast jeglicher wissenschaftlichen Thätigkeit wahrnehmbar war. Je größer dieser Drang nach Höherem und Besserem aber gewesen war, desto stärker zeigte ich auch die Reaction in dem darauf folgenden; es trat fart auf allen Gebieten des Wissens eine bedeutende Grídylaffung ein, deren Ursachen freilich noch in mehreren anderen Umständen lagen. Die eine derselben fann man billig in dem zu Anfange des 17ten Jahrhunderts zum völligen Freistaat in der Kirche erhobenen Jesuitismus suchen, der, als Gegengewicht gegen den jungen Protestantismus geschaffen, bald in alle Fasern der Gesellschaft seinen verderblichen Einfluß übertrug und unter dem Sdeine, Äufflärung zu verbreiten, den großen Haufen wieder in die frühere Unwissenheit zu versenken, die besseren und gebilder teren Theile der menschlichen Gesellschaft für seine Zwede zu gewinnen und durch geistlichen und weltlichen Despotismus die kaum gewonnene Denkfreiheit wieder in ihre alten Fesseln zurückzuführen trachtete. Welchen großen Antheil seine Mitglieder an dem faft für ganz Europa verderblichen dreißigjährigen Kriege Batten, ist bekannt genug, und darum ist es kaum nöthig, diesen als den zweiten Hauptbehinderungsgrund eines regen Fortblühens der wissenschaftlichen Thätigkeit zu betrachten. Schon in der Entvölkerung, die derselbe nebst seiner Begleiterin, der Pest, für sei

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nen Schauplaß nicht blos, sondern auch für die benachbarten Staaten zur Folge hatte, mußte der Keim des Zurücgehens jeglicher Wissenschaftlichkeit liegen, ganz abgesehen von den deprimirenden Einflüssen, die er überhaupt, als Strieg allein schon, auf den menschliden Geist ausüben mußte. Die beiden Haupttriebfedern aller menschlichen Thätigkeit, Ehrgeiz und Gewinnsucht, konnten während desselben, etwa Frankreich und . Jtalien ausgenommen, auf dem Gebiete der Wissenschaften feine Nahrung finden; denn wer hätte während der Kriegsfurie Zeit gehabt, an viel Anderes, als an diese zu denken? und wo Aufmunterung fehlt, da läßt auch bald der Gifer nach, und so fam es, daß im Ganzen * nur Mittelmäßiges geleistet ward, da selbst in England, wo in diesem Jahrhundert jener blutige Kampf zwischen der Krone und dem Volle über dessen Rechte ausbrady, nicht das geleistet ward, was man von einer Nation, die einen Baco von Derulam bers vorbrachte, wohl hätte erwarten dürfen.

$. 2. Dieser Name führt uns von selbst darauf, die Männer hier zu erwähnen, welche durch eigene Leistungen wenigstens auf dem Gebiete der Philosophie und der Naturwissenschaften dem allgemein einreißenden wissenschaftlichen Verfalle einen starfen Damm entgegensekten. Es waren diese die Philosophen Descartes, Pascal, Newton, lode, Leibniß und Spinoza, die zum Theil freilich mit ihren Werfen auch noch in das folgende Jahrhundert hinüberragen, die Mathematifer Galilei und Kepler und die großen Phyflfer Baco von Verulam und Robert Boyle, zu denen man noch den großen Staatsrechtsgelehrten Samuel von Pufendorf, den Schöpfer des Bölferredyts Hugo Grotius und den Polyhistor per: mann Conring zählen darf, freilich nur ein kleines Häuflein großer Geister im Gegensaß zu der Masse mittelmäßiger Köpfe, an denen das stebzehnte Jahrhundert so reich ist. Sonst dürfen als •Be: förderer der Wissenschaften noch die deutschen Kaiser Rudolph II. und Ferdinand III., Ludwig XIV. von Frankreich und der Kardinal Richelieu, Jacob I. und Karl II. von England, Christian IV., Friedrid III. und Christian V. von Dänemark, Gustav Adolph und Christine von Schweden, Johann II. Casimir und Johann Sobiesti von Polen, die Churfürsten von Preußen Friedrich I. und II., ja selbst der unglüdliche Winterfönig Friedrich v. von der Pfalz genannt werden. Die Universitäten und gelehrten Gesellschaften, die wir in der Einleitung zum vorigen Jahrhundert bis auf die neueste Zeit herab zusammenstellten, haben allerdings auch das Ihrige dazu beigetragen, einigermaßen den furchtbaren Stoß, welchen die stürmischen Zeiten dieses Jahrhunderts auf die Wiffensdaften führten, abzuhalten; ihn ganz unschädlich zu machen, permochten fte aber leider nicht ').

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1) S. H. Boecler, De fatis litterar. nostri aevi, in . Dissert: academ. Argent. 1708. T. II. p. 1234. sq. J. A. Turretin. Or. de saec. XVII erud. et hodiernis litt. periculis. Gen. 1704. 4. 11. b. Kapp. Orat. Selectior. p. 497. sq. u. 6. Turr. Opusc. Brunsv. 1727. 8. u. in 1. Orat. academ. Gen. 1737. A. Chr. Gryphius, App. s. Diss. isag. de Scriptoribus historiam Saec. XVII. illustr. Lips. 1710. 8.

$. 3. Wir geben jeßt sofort zu der Literaturgeschichte des 17ten Jahrhunderts felbft über und beginnen mit der Didtfunft, und zwar mit der modernen lateinischen. Allerdings ward aud diese noch zeitweilig getrieben, allein das gedeibliche Auftommen der Nationalsprachen hatte bereits gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts dem bisher so eifrig betriebenen Studium der todten einen sehr starfen Damm entgegenzustellen begonnen, und die verbältnißmäßig sehr geringe Zahl der modernen lateinischen Dichter, von denen wir ohnehin nur die wenigen vorzügliden hervorheben dürfen, zeugt am besten von der schnellen Áfnahme der früher so großen Vorliebe für diese gelehrten Spielereien, welche eigentlich jeßt nur noch von den Jesuiten und Soul- und Universitätslehrern gebegt und gepflegt wurden. So find z. B. unter den fich ale moderne lateinische Dichter bervorthuenden Jtalienern eigentlich nur Benedict Averani?) (aus Florenz 1645—1707), Professor zu Pisa, einer der geschmadvollsten neuern Philologen, der Jesuit Nicolaus Barthenius Gianetasio2) (aus Neapel 1648-1715), dessen treffliche Naturschile derungen noch durch die Glafficität seines Style und seiner Gomposition übertroffen werden, der geistvolle Satiriker Ludovico Sergardis) (aus Siena 1660-1726) und der Mathematiker Tommaso Geva 4) (aus Mailand 1648–1737), ein Jesnit, wahr: haft ausgezeichnet, indem wenigstens des Regtern Epos von der Kindheit Jesu eins der besten Werke ist, welche die neuere lateinische Poefte aufzuweisen hat. Andere, wie Famianus Strada") (aus Rom 1572-1649), Maffeo Barberini) (aus Florenz 1586–1644), der als Papft den Namen Urban VIII. führt, Giambattista Barghioci?) (aus Novara, † 1664), Bal: dassare Bonifacio 8) (aus Rovigo 1586—1659), den aber ale lateinisdier Stylist sein neapolitanischer Namensvetter Gio: vanni Bernardino B.) übertraf, ein gewisser Gregorio Porzio 10) (um 4631, geborner Grieche), Michael Capel: lari il) (aus Belluno, 1706), Sebastian Maccio 12), "†

) der uns schon bekannte jüngere Aleander, der noch zu erwähnende Lelio Giudiccioni, Antonio Maria Spelta (aus Pavia 1559–1632), Niccolo Billani 13) (aus Piftoja, + 1632 - 40), dessen Satiren besser sind als sein unvollendetes italienisches Gedicht von der Vertheidigung von Florenz gegen die Gothen, Antonio Querenghi 14) (Quaerengius, aus Pavia 1546

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