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novels—he commands our interest by a rich imagination, by vivid descriptions and a careful delineation of character, which, however, at times betrays his rather limited knowledge of the world. But what pleases us still more is a certain youthful freshness and an amiable, cheerful view of life, apparent in all his writings, especially in his Märchen. His style is correct on the whole, though now and then rather weak and diffuse, and not free from little inaccuracies. The Märchen abound in excellent idiomatic expressions and phrases, many of them of a conversational or familiar character; they are therefore particularly useful to the foreign student of the German language.

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Das Wirthshaus im Spessart.

Vor vielen Jahren, als im Spessart die Wege noch schlecht und nicht so häufig als jezt befahren waren, zogen zwei junge Bursche durch diesen Wald. Der Eine mochte acht zehn Jahre alt sein und war ein Zirkelschmied, der Andere, ein Goldarbeiter, konnte nach seinem Aussehen kaum sechzehn 5 Jahre haben und machte wohl jezt eben seine erste Reise in die Welt. Der Abend war schon heraufgekommen, und die Schatten der riesengroßen Fichten und Buchen verfinsterten den schmalen Weg, auf dem die Beiden wanderten. Der Zirkelschmied schritt wacker vorwärts und pfiff ein Lied, 10 schwazte auch zuweilen mit Munter, seinem Hund, und schien sich nicht viel darum zu kümmern, daß die Nacht nicht mehr fern, desto ferner aber die nächste Herberge sei. Aber Felix, der Goldarbeiter, sah sich oft ängstlich um. Wenn der Wind durch die Bäume rauschte, so war es ihm, als höre er Tritte 15 hinter sich. Wenn das Gesträuch am Wege hin und her wankte und sich theilte, glaubte er Gesichter hinter den Büschen lauern zu sehen.

Der junge Goldschmied war sonst nicht abergläubisch oder muthlos. In Würzburg, wo er gelernt hatte, galt er 20 unter seinen Kameraden für einen unerschrockenen Burschen,

HAUFF. I.

I

dem das Herz am rechten Fleck size; aber heute war ihm doch sonderbar zu Muth. Man hatte ihm vom Spessart so Mancherlei erzählt. Eine große Räuberbande sollte dort ihr Wesen treiben, viele Reisende waren in den letzten Wochen 5 geplündert worden, ja man sprach sogar von einigen gräulichen Mordgeschichten, die vor nicht langer Zeit dort vorgefallen seien. Da war ihm nun doch etwas bange für sein Leben, denn sie waren ja nur zu Zwei und konnten gegen bewaffnete Räuber gar wenig ausrichten. Oft gereute es ihm, 10 daß er dem Zirkelschmied gefolgt war, noch eine Station zu gehen, statt am Eingang des Waldes über Nacht zu bleiben.

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„Und wenn ich heute Nacht todt geschlagen werde und um Leben und Alles komme, was ich bei mir habe, so 15 ist's nur Deine Schuld, Zirkelschmied, denn Du hast mich

in den schrecklichen Wald hereingeschwaßt."

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Sei kein Hasenfuß,“ erwiderte der Andere, „ein rechter Handwerksbursche soll eigentlich sich gar nicht fürchten. Und was meinst Du denn? Meinst Du, die Herren 20 Räuber im Spessart werden uns die Ehre anthun, uns zu überfallen und todt zu schlagen? Warum sollten sie sich diese Mühe geben? Etwa wegen meines Sonntagsrocks, den ich im Ranzen habe, oder wegen des Zehrpfennigs von einem Thaler? Da muß man schon mit Vieren fahren, in Gold 25 und Seide gekleidet sein, wenn sie es der Mühe werth finden, einen todt zu schlagen."

„Halt! hörst Du nicht etwas pfeifen im Wald ?" rief Felir ängstlich.

Das war der Wind, der um die Bäume pfeift: geh'

"I

30 nur rasch vorwärts, lange kann es nicht mehr dauern." „Ja, Du hast gut reden wegen des Todtschlagens,"

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