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Hat als Kind muthwillig gestreichelt den rollenden Delphin, 40
Der, durch Töne gelockt, an die Barke heran sich wälzte.
Mög' euch Segen verleihen ein Gott, sammt jeglichem Tagwerk,
Friedliche Menschen, so nah' der Natur und dem Spiegel des
Weltalls!

Möge, da größeren Wunsch euch nie die Begierde gelispelt,
Möge der Thunfisch oft, euch Beute zu sein, und der Schwertfisch 45
Hier anschwimmen! Es liebt sie der Esser im reichen Neapel.
Glückliche Fischer! wie auch Kriegsstürme verwandelt den Erd-
freis,

Freie zu Sclaven gestempelt und Reiche zu Dürftigen, ihr nur Saht hier Spanier, saht hier Britten und Gallier herrschen, Ruhig und fern dem Getöse der Welt, an den Grenzen der Menschheit,

Zwischen dem schroffen Geklüft und des Meers anschwellender Salzfluth,

Lebet! Es lebten wie ihr des Geschlechts urälteste Väter, Seit dies Eiland einst von dem Siz der Sirene sich losriß, Oder die Tochter Augusts hier süße Verbrechen beweinte. Platen (1827).

19. Amalfi.

Festtag ist's und belebt sind Zellen und Gänge des Klosters, Welches am Felsabhang in der Nähe des schönen Amalfi Fluth und Gebirge beherrscht, und dem Auge behaglichen Spiel

raum

Gönnt, zu den Füßen das Meer und hinaufwärts kantige Gipfel, Steile Terrassen umher, wo in Lauben die Rebe sich aufrankt. Doch nicht Mönche bewohnen es mehr, nicht alte Choräle Hallen im Kirchengewölb' und erwecken das Echo des Kreuzgangs; Leer steht Saal und Gemach, in den Kalktufgrotten der Felswand

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Knien, der Gebete beraubt, eingehende Heiligenbilder. 10 Sonntags aber entschallt den verödeten langen Gebäuden Frohe Musik, es besucht sie die lustige Jugend Amalfi's; Kinder beschwingen im Hof, blizäugige Knaben, den Kreisel Rasch an der Schnur, und sie fangen den taumelnden dann in der Hand auf;

Aeltere werfen die Kugel indeß, die Entfernungen messend, 15 Zählen, im Spiele der Morra, die Finger mit hurtigem Scharfblick,

Oder sie stimmen zu rauhem Gesang einfache Guitarren, Freudebewegt. Theilnehmend erscheint ein gesitteter Jüngling Unter der Schaar, doch nicht in die Spiele sich selbst einmengend; Hoch vom steilen Gebirge, das Fest zu begehn in Amalfi, 20 Schön, wie ein Engel des Herrn, in die Tiefe heruntergestiegen : Reizend in Ringen umkräuselt die Brau'n schwarzlockigen Haupt

haars

Schimmernde Nacht, rein leuchtet die blühende Flamme des Auges, Nie von Begierde getrübt und dem Blick zweideutiger Freundschaft.

Doch wer kann, da die Zeit hinrollt, festhalten die Schönheit ? 25 Schweige davon! Rings gähnt, wie ein Schlund, die gewisse Zerstörung:

Tritt auf jene Balkone hinaus, und in duftiger Ferne Siehst du das Ufer entlegener Bucht und am Ufer erblickst du Herrliche Säulen, in Reihn aufstrebendes dorisches Bildwerk. Nur Eidechsen umklettern es jeßt, nur flatternde Naben 30 Ziehen geschaart jezt über das offene Dach lautkreischend; Brombeern decken die Stufen, und viel giftsamiges Unkraut Kleidet den riesigen Sturz abfallender Trümmer in Grün ein. Seit Jahrtausenden ruht, sich selbst hinreichend und einsam, Voll trozbietender Kraft, dein fallender Tempel, Poseidon,

Mitten im Haidegefild und zunächst an des Meers Einöde. 35
Völker und Reiche zerstoben indeß, und es welkte für ewig
Jene dem Lenz nie wieder gelungene Rose von Pästum !
Aber ich lasse den Geist abirren. O komm' nach Amalfi,
Komm' nach Amalfi zurück! Hier führt ein lebendiges Tagwerk
Menschen vorüber. Wenn auch einstürzen die Burgen der
Väter

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Auf des Gebirgs Vorsprüngen, wenn auch kein Masaniello,
Der die Gemüther des Volks durch siegende Suada dahinriß,
Willkür haßt, noch branden die Wogen, es rudert der Enkel,
Wie es der Ahnherr that in den blühenden Tagen des Freistaats,
Noch aus heimischer Bucht, aufziehend die Segel, das Fahrzeug. 45
Sprich, was reizender ist? Nach Süden die Fläche der Salzfluth,
Wenn sie smaragdgrün liegt um zackige Klippen und anwogt,
Oder der plätschernde Bach nach Norden im schattigen Mühlthal ?
Sei mir, werde gegrüßt dreimal mir, schönes Amalfi,
Dreimal werde gegrüßt! Die Natur lacht Segen, es wandeln 50.
Liebliche Mädchen umher und gefällige Knabengestalten,
Wo du den Blick ruhn läsfest in diesem Asyle der Anmuth.
Ja, hier könnte die Tage des irdischen Seins ausleben,
Ruhig wie schwimmendes Silbergewölk durch Nächte des Voll-
monds,

Jugend ein Herz, nach Stille begierig und süßer Beschränkung. 55
Aber es läßt ehrgeiziger Brust unftäte Begier mich
Wieder verlassen den Siz preiswürdiger Erdebewohner,
Bannt am Ende vielleicht in des Nords Schneewüste zurück mich,
Wo mein lautendes Wort gleichlautendem Worte begegnet.

Platen (1827).

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Das Fischermädchen in Burano.

20. Das Fischermädchen in Burano.

Strickt mir fleißig am Nez, ihr Schwestern! Es foll's der
Geliebte

Heut noch haben, sobald im besegelten Nachen er heimkehrt.

Weßhalb zaudert er heute so lang? Die Lagune verflacht sich Schon, und es legt sich der Wind; um das leuchtende hobe Venedig,

5 Wie es den Wassern entsteigt, ausbreitet sich Abendgewölk schon. Ostwärts fuhren sie heut mit dem Fahrzeug gegen Altino, Wo in den Schutt hinsank ehmals die bevölkerte Seestadt. Häufig erbeuten sie dort Goldmünzen und prächtige Steine, Wenn sie das Neß einziehn, die betagteren Fischer erzählen's: 10 Möchtest du auch, o Geliebter, und recht was Köstliches finden!

Schön wohl ist es zu fischen am Abende, wann die Lagune Bligt, und das schimmernde Nez vom hangenden Meergras funkelt,

Jegliche Masche wie Gold und die zappelnden Fische vergoldet ; Aber ich liebe vor allem den Festtag, wann du daheimbleibst. 15 Auf dem besuchteren Plaße dann wandelt die kräftige Jugend Jeder im Staat, mein Freund vor den Uebrigen schön und bescheiden.

Oftmals lauschen wir dann dem Erzähler, und wie er verkündigt Worte der Heiligen uns, und die Thaten des frommen Albanus, Welcher gemalt hier steht in der Kirche, des Orts Wohlthäter. 20 Doch als seine Gebeine hierher einst brachten die Schiffer, Konnten sie nicht an's Ufer den Sarg ziehn, weil er so schwer schien;

Lange bemühten die starken gewaltigen Männer umsonst sich,

Triefend von Schweiß, und zuleßt ließ jeglicher ab von der Arbeit. Siehe, da kamen heran unmündige lockige Kinder,

Spannten, als wär's zum Scherz, an das Seil sich, zogen den Sarg dann

Leicht an den Strand, ganz ohne Beschwerde, mit freundlichem

Lächeln.

Dieses erzählt der bewanderte Greis; dann häufig erzählt er Weltliche Dinge zumal, und den Raub der venetischen Bräute, Die nach Olivolo giengen zum fröhlichen Fest der Vermählung: Jede der Jungfrau'n trug in dem zierlichen Körbchen den Mahlschat,

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Wie es die Sitte gebot. Ach, aber im Schilfe verborgen Lauert ein Trupp Seeräuber; verwegene Thäter der Unthat Stürzen sie plöglich hervor und ergreifen die bebenden Mädchen, Schleppen in's Fahrzeug alle, mit hurtigen Rudern entweichend. Doch vom Geschrei widerhallt schon rings das entseßte Venedig: 35 Schon ein bewaffneter Haufe von Jünglingen stürmt in die Schiffe,

Ihnen der Doge voran. Bald holen sie ein die Verruchten, Bald, nach männlichem Kampfe, zurück im verdienten Triumphzug Führen sie heim in die jubelnde Stadt die geretteten Jungfrau’n. Also berichtet der ehrliche Greis, und es lauscht der Geliebte, Rüstig und schlank, wohl werth, auch Thaten zu thun wie die Vorwelt.

Oft auch rudert hinüber in's nahe Torcello der Freund mich. Ehmals war's, so erzählt er, von wimmelnden Menschen bevölkert, Wo sich in Einsamkeit jezt salzige Wasserkanäle

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Hinziehn, alle verschlammt, durch Felder und üppige Reben. 45
Aber er zeigt mir den Dom und des Attila steinernen Seffel
Auf dem verödeten Plaß mit dem alten zertrümmerten Rathhaus,
Wo der geflügelte Löwe von Stein aus sonstigen Tagen

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