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3. Friedrich der Grosse. Ein Hymnus.

A18 ich ein Knabe noch war, Unb Friedrichs Thatenruf Ueber den Erdfreis schou, Da weintich vor Freuden über die Größe des Mannes, Und die schimmernde Thräne galt für Gesang.

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Als ich ein Jüngling ward,
Und Friedrichs Thatenruf
Ueber den Erdfreis immer mächtiger schou,
Da nahm ich ungestüm die goldne Harse,
Drein zu stürmen Friedrichs Lob.

Doch herunter vom Sonnenberge
Hörť ich seiner Barden Gesang ;
Hörte Sleift, der für Friedrich
Mit der Harf ins Blut stürzte ;
Hörte Gleim ben Sühnen,

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Der des liebes Feuerpfeil
Wie die Grenade schwingt;
Hörte Ramlern, der mit Flaccus' Geist
Deutschen Biedersinn einigt;
Auch hört' ich Willamov, der Friedrichs Namen
Im Dithyrambensturm wirbelt;
Dich hört' ich auch, o Sarschin, deren Gesang
Wie Honig von den Lippen der Natur
Träuft; da verstummť ich,
Und mein Verstummen galt für Gesang.

25 Aber soll ich immer verstummen? Soll der Bewundrung und der Liebe Wogendrang

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Den Busen mir sprengen? Nein, ich wag's,
Ergreife die Harf und singe Friedrichs Lob.
Von meines Berges Donnerhöhe

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Ström' auf gesteintem Rücken hinunter,
Du meines Hymnus Feuerstrom,
Es staub' und bonnr im Thale
Meines Hymnus Feuer,
Daß es hören die Völfer umher!

Auf schwerer Prüfungen Nachtpfad
Führte die Vorsicht den Helden,
EH' er brang in der Größe Heiligthum.
Sah er nicht träufen das Schwert
Von Ratt, seines Freundes Blute?
Sah er nicht blinken das Schwert
Auf seinem eignen Nacken?
Muthig und furchtlos blieb er: denn Furcht
Rannt er schon als Jüngling nicht.

In der Muse keuscher Umarmung
Uebt er sich zu tragen den goldnen Scepter.
Schon flammt auf seinem Haupte das Königsdiabem,
Wie der wolfensammelnde Zeus
Saß er auf dem Thron' und schüttelte Bliße :
Da floh die Dummheit und der Unsinn

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Und Barbarei, die Nachtgefährtin.
Er selbst war das Urbild der Weisen;
Niß dir, Macchiavell, die Larve vom Antlig,
Und predigte Fürsten die Herrscherkunst

. Die Geister seiner Ahnen stiegen aus der Gruft; 55 Mit des Meisters Pinsel zeichnet er sie, Sang hohe Gesäng' in die Lyra,

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und spielte die Flöte Apolls.
Wie aus der Urnacht Tiefe
Von Gott gerufen, Sonnen flockten,
So stiegen Weisen und Künstler empor,
Und der Städte Fürstin ward Berlin.

Von Friedrichs Schwert berührt,
Erstickt das Schlangenungeheuer, die Chicane,
3m ausgesprudelten Giftschaum,
Und des Bettlers und Prinzen Recht
Wurbe von Friedrichs Hand
Auf gleicher Schale gewogen.
Hector, Achil und Caesar und Julian,
Der Vorwelt und der Afterwelt Helben,
Staunten, als sein Striegerruf hinabdonnerte
In des Todes Schattengefilb.
Furchtbar bildet er sein Heer.
Erfand nicht Friedrich jenen Knäuel,
Der, plößlich aufgerollt

,
Größere Heere in Staub wirft?
Fünfmal donnerte Friedrich-Wodan,
Und sein war Silesia, seiner Krone
Köstlichstes Gestein.

Seiner Größe Sonnenpunkt fam!
Habsburgs Adler schwebt schreckbar über ihm,
Er bürstete Friedrichs Blut!
Moscoviens Bär mit eisbehang'nen Haaren
Dürstete Friedrichs Blut.
Gallia schwang die lichtweiße Lilie,
Sie zu tauchen in Friedrich Blut.
Selbst Waja's Enkel

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Und Germaniens mächtigste Fürsten und Städte
Zucten die Schwerter, in's Schlachtthal zu gießen
Friedrich-Wodan's Blut.

Er aber, der Einzige! warf
Die erz'ne Brust entgegen
Der todichnaubenden Feindesschaar,
Achtete ihrer schreckbaren Menge,
Ihrer Rosse wie Heuschreckenschwarm,

95 Ihrer zuckenden Lanzen Und ihrer metal'nen Donnerschlünde nicht.

Sieben Jahre flog er
Wie der Rachestrahl Gottes im Wettergewölf
Unter seiner Feinde
Schwarzen Schaaren umher :
Blut und Hirn und Mark floß,
Und sprißt' an seines Nosses Schenkel.
Leichen dampften, und Grabhügel
Thürmten wie Berge fich.

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In Niesengestalt trat einher der Würgegeist,
Von Wuthgebrüll und Sterbgewinsel begleitet.
Zwanzig schrecliche Schlachten wurden geschlagen :
Oft schien das Schicksal an Friedrichs Thron zu rütteln
Und den Goldfiß zu werfen in Staub.
Der Rauch von Friedrichs festen Städten
Wirbelte mit dem Jammergeächs'
Der Säuglinge, der Greise,
Der Armen und Stranken gen Himmel,
Daß Engel ihr Antlig bargen und trau’rten. 115
Auch fielen der Helden Friedrichs viel,
Schwerin und Seith und Kleist und Winterfeld,

IIO I 20

Und im Entfliehn aus ihren Leibern
Rümmerten sich noch die Geister der Tapfern
Um Friedrichs Heil.

Aber der Held stand mit der Rache gezüdtem Schwert;
Stand im Geschüßdonner, im Säbelgeklirr ;
Achtete nicht des bäumenden Rosses Hufschlag,
Nicht des Hodiverraths Drachenblick,
Nicht des zaubernden Bundesgenossen,

125 Nicht der Acht, die ihn Des Fanatismus Höllenwuth Preis gab. Ja, so stand er sieben Jahre im Feld des Todes, Hehr und frei, und groß wie ein Gott. Es staunten die Völfer. Der Helden Geister 130 Nickten ihm Beifall vom Wipfel der Eichen. Ringsum wichen vor ihm die Schaaren der Hasser : Und so stand er in seiner Heldenhoheit Allein ba, Auf Hubertusburgs Zinne .

135 Trat der Gerichtsengel und sprach: ,,Es ist genug." Die Donner verstummten. Friedrich zog in seine Königsburg Unb lenft dem Triumph aus. Groß und glücklich zu machen sein Volf,

140 War Friedrichs erhabner Gedanke. In des Landes Wunde träuft er Balsam. Palläste stiegen aus Brandstätten empor. Dem Landmann gab er weisen Unterricht. Die Musen fonnten sich wieder in Friedriche Strahl; 145 Er selber war noch immer ihr Liebling.

Liebt euer Vaterland!

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