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Vorwort.

Das vorliegende Werk, das ich hiermit der Öffentlichkeit, vor allem dem geographischen und militärischen Publikum übergebe, behandelt skizzenhaft ein ungeheures Gebiet, sowohl nach Umfang wie nach Inhalt.

Mein Ziel war, einen gemeinverständlichen Überblick über die Hauptetappen des Entwickelungsganges wie über den heutigen Stand des Kartenwesens aller Staaten der Erde zunächst Europas, mit Ausnahme des Deutschen Reiches, das eine gesonderte Behandlung erfahren wird zu geben.

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Es sollen vorzugsweise die Landkarten erörtert werden, indessen wird auch das Seekartenwesen, soweit es in den Zusammenhang gehört oder in einzelnen Reichen eine besonders hohe Ausbildung dauernd oder zeitweise erfahren hat, berührt werden, soviel es Raumrücksichten zulassen.

Namentlich eingehend ist über die offizielle Kartographie und hier wieder die topographische Spezialkarte, also die amtliche Karte größten Maßstabes, berichtet worden. Enthält sie doch alle Fortschritte des Vermessungswesens wie der Darstellungs- und Vervielfältigungskunst, bringt die Ergebnisse der neuesten und besten Aufnahmen, ordnet sie und gibt sie übersichtlich und künstlerisch schön wieder, so daß möglichst naturwahre Bilder entstehen. Damit ist sie das geeignetste Mittel zur Prüfung und zum Vergleich des gegenwärtigen Standes der Geodäsie und Kartographie, so daß A. Petermann einst sogar so weit ging, zu sagen: „Die topographische Aufnahmekarte ist das Höchste, was die Erdkunde hat."

Auf der topographischen Spezialkarte beruhen ja auch alle übrigen Kartenwerke eines Landes, sowohl die eigentlichen geographischen bis zur Atlaskarte hinauf, wie die besonderen physikalischen, geologischen, ethnologischen, magnetischen, statistischen, industriellen, historischen, Reise- usw. Karten, in denen heute auch die übrigen Wissenschaften, die physische Geographie voran, ihre Resultate graphisch niederlegen, oder die die Zeit des Weltverkehrs vom Kartographen fordert, und die erst in ihrer Gesamtheit das höchste Ziel erreichen lassen, ein genaues Abbild der Erdoberfläche zu geben. Die wichtigsten und am meisten charakteristischen Arbeiten dieser Art sind daher ebenfalls, seien sie amtlichen oder privaten Ursprunges, mit in die Betrachtung gezogen worden, soweit es der Rahmen des Werks zuließ und dadurch nicht eine ohnehin nicht ganz vermeidliche ermüdende Aufzählung entstand.

Wer einen vollständigen Karten katalog sucht, der hier keineswegs beabsichtigt werden konnte, muß natürlich zu anderen Arbeiten, darunter für die neuere Zeit namentlich den Katalogen der einzelnen Landesaufnahmen und Privatinstitute, greifen.

Hier ist dem Werden der hervorragendsten Kartenwerke vom Altertum bis heute und ihrer Beurteilung, namentlich auch hinsichtlich ihres praktischen Werts, der erste Platz eingeräumt worden. Es sind daher auch selbstverständlich die Grundlagen jeder

Karte, der allgemeine Stand des jeweiligen Vermessungswesens überhaupt, dann die astronomischen und geodätischen Operationen, die Gradmessungsarbeiten, die Aufnahmemethoden, Meßverfahren und die Instrumente tunlichst berücksichtigt worden und auch Angaben über die Projektionsweisen, die zu erzielende oder erreichte Genauigkeit, die Reproduktionstechnik sowie über die Organisation und Tätigkeit der ausführenden Behörden gemacht worden. Endlich ist die für Europa wichtigste Literatur, wie auch die auf die einzelnen Länder in den betreffenden Entwickelungsperioden bezügliche in besonderer Zusammenstellung bei diesen Staaten erwähnt worden.

Die Behandlung des Stoffes geschah staaten weise, so daß jedes Land ein geschlossenes Ganzes bildet, und hier wieder chronologisch, im Rahmen der allgemeinen Entwickelungsgeschichte, sei es der politischen oder der kartographischen. Bei jeder Karte ist möglichst Titel, Maßstab, Blattzahl, Bearbeiter und Herausgeber, Art der Herstellung und der Geländedarstellung, Anfang und Beendigung der Arbeit, bei den wichtigsten auch Näheres über Inhalt, Wert, gegeben worden. Dabei konnten in der Regel nur im Handel erschienene, aber nicht geheime oder Manuskriptkarten, berücksichtigt werden. Von der an sich ja wünschenswerten Beigabe von Kartenproben und Indexmaps mußte abgesehen werden.

Obwohl von einem Soldaten verfaßt, ist diese Arbeit nicht etwa eine einseitig militärische oder auf irgendein bestimmtes System oder eine Theorie eingeschworene, wie sich von selbst schon verbietet, wenn man der Eigenart jedes Landes gerecht werden will. „Ce que nous connaissons est peu de chose, mais ce que nous ignorons est im

mense!"

Mit diesen Worten von Laplace übergebe ich diesen Versuch dem wohlgesinnten Urteil der fachverständigen Geographenwelt, die ihre Jünger ja in weitesten Kreisen der Gelehrten wie der Militärs glücklicherweise besitzt, und in denen ich diese Schrift, die beileibe kein Bibliothekswerk werden soll, verbreitet sehen möchte.

Für jeden sachlichen Hinweis, für eine wahrhaft produktive Kritik, werde ich dankbar sein. Scripsi, ut potui, non sicut volui.

Berlin NW 6, im Juni 1904.

W. Stavenhagen.

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Literatur für alle Länder Europas1).

A. Allgemeines.

1. Caspar Gottschling: Versuch einer Historie der Landcharten.

Halle 1711.

2. Joh. Gottfr. Gregorii: Cürieuse Gedanken von den vornehmsten und akkuratesten alten und neuen Landcharten. Frankfurt und Leipzig 1713.

3. E. D. Hauber: Versuch einer umständlichen Historie der Landkarten. Ulm 1724.

4. Joh. Hübner: Museum Geographicum, d. h. Verzeichnis der besten Landcharten. Hamburg 1746.

5. Joh. Georg Hager: Geographischer Büchersaal. 3 Bde. Chemnitz 1764-68.

6. Anton Friedr. Büsching: Wesentliche Nachrichten von neuen Landcharten, geogr. und statist. und hist. Büchern und Sachen. Berlin 1773-87.

7. Frhr v. Zach: Allgemeine geographische Ephemeriden. 1798.

8. F. G. Woltersdorf: Repertorium der Land- und Seekarten. 1. Teil. Wien 1813.

9. S. Schropp & Cie: Catalogue des Cartes et Ouvrages géographiques. Berlin 1817.

10. H. Berghaus: Kritischer Wegweiser im Gebiet der Landkartenkunde nebst anderen Nachrichten zur Beförderung der mathematischen und physikalischen Geographie und Hydrographie. Zwanglose Hefte. Sim. Schropp & Cie, Berlin. 7 Bände 1829-35.

11. C. W. v. Oesfeld: Der Kartenfreund oder Anzeige und Beurteilung erschienener Land- und Seekarten und Grundrisse. Berlin 1841.

12. Preußischer Generalstab: Beurteilende Übersicht derjenigen durch den Druck vervielfältigten Karten, Situations- und Festungspläne von Europa, welche für deutsche Militärs von praktischem Interesse sind. 1. Teil. Berlin 1849. (2. Teil nicht erschienen.)

13. E. v. Sydow: Der kartographische Standpunkt Europas mit besonderer Rücksicht auf den Fortschritt der topographischen Spezialarbeiten in den Jahren 1856-71. Gotha, Petermannsche Mitteilungen. Auch als Abdruck in 6 Heften.

14. E. v. Sydow: Übersicht der wichtigsten Karten Europas, I. Teil. Berlin 1864. (II. Teil ist nicht erschienen.)

15. E. v. Sydow: Übersicht der neueren topographischen Spezialkarten der europäischen Länder. Geogr. Jahrbuch, I. u. IV. Bd., Gotha, Perthes, 1866 und 1872. In Tabellenform.

16. A. Toth: Geschichte, Theorie und gegenwärtiger Stand der Topographie und Kartographie. Pesth 1869. Ungarisch.

17. Inventaris der verzameling Kaarten berustande in het Rijks-Archief. Godeelte 1. 2. 's Gravenhage 1867-71. 2 Bände.

18. Preußischer Generalstab: Registrande der geographisch-statistischen Abteilung. Berlin 1868-83. 13 Bände.

19. Vivien de St. Martin: Histoire de la géographie. Paris 1873.

20. C. B. Comstock: Notes on European Surveys. Washington 1876.

21. P. Nissen: Oversigt over de vigtigste topografiske og kartografiske arbejden i Europa medsaerligt hensyn til nordiske riger. Kristiania 1879. Nachtrag 1881.

22. J. Bornecque: La cartographie militaire à l'exposition universelle de Paris. 1880.

23. G. M. Wheeler: Report open the third international geographical Congress and Exhibition at Venise, Italy. 1881.

24. Alfred Grandidier: Rapport sur les cartes et les appareils de géographie et de cosmographie, sur les cartes géologiques et sur les ouvrages de météorologie et de statistique. (Exposition universelle internationale de 1878 à Paris.) Paris 1882.

25. Th. Riedels Buchhandlung: Kartographisches Auskunftsbuch. Zusammenstellung der Übersichtsblätter amtlicher Kartenwerke. München 1888. Nebst Verzeichnis von Reisekarten.

26. C. v. Haradauer: Dermaliger Standpunkt der offiziellen Kartographie in den europäischen Staaten mit besonderer Berücksichtigung der topographischen Karten. Mitt. der K. K. Geogr. Gesellschaft in Wien 1887 und 1888.

27. J. G. Bartholomew: The mapping of the World. (Scottish Magazine.) Edinburgh 1890.

28. Dr. W. Wolkenhauer: Leitfaden zur Geschichte der Kartographie in tabellarischer Darstellung. Breslau, Ferdinand Hirt, 1895.

29. E. Mayer: Die Entwickelung der Seekarten bis zur Gegenwart. Wien 1897.

1) Die Literatur für die einzelnen Staaten siehe dort im Text.

30. W. Stavenhagen: Geschichtliche Entwickelung des Karten wesens der meisten europäischen Staaten, mit vorzugsweiser Berücksichtigung der offiziellen topographischen Spezialkarten. Skizzen, in zahlreichen geographischen und militärischen Zeitschriften. Berlin 1896-1903.

31. Haardt v. Harthenthurn: Die militärisch wichtigsten Kartenwerke der europäischen Staaten. Mitt. des K. K. Militärgeograph. Instituts, Wien 1899.

32. E. de Margerie et L. Raveneau: La cartographie à l'exposition universelle de 1900. (Annales de Géogr.) Paris 1900.

33. J. Zaffauk: Signaturen in- und ausländischer Pläne und Kartenwerke. Wien 1880, 2. Aufl. mit 48 Tafeln 1889. E. Hölzel.

34. Kataloge der verschiedenen Landesaufnahmen, geographischen Institute und Kartenverleger, und 35. Geographisches Jahrbuch, darin besonders die Berichte von M. Heinrich über die offizielle Kartographie, Bd. XII u. XIV.

B. Astronomie.

1. Gemma Frisius: Usus annuli astronomici 1534.

2. J. Bode: Astronomisches Jahrbuch 1774.

3. De la Lande: Abrégé d'astronomie. Paris 1774. 3. Ausg. als „Traité" 1792.

4. Bohnenberger: Anleitung zur geographischen Ortsbestimmung, vorzüglich mittels des Spiegelsextanten. Göttingen 1795.

5. C. F. Gauß: Theorie der Bewegung der Himmelskörper. Lateinisch 1809.

6. Laplace: Exposition du système du monde. Paris 1813.

7. A. Frhr v. Zach: Correspondance astronomique. Seit 1818.

8. H. C. Schumacher: Astronomische Nachrichten. Kiel. Seit 1821.

9. J. J. Littrow: Theoretische und praktische Astronomie 1821-27.

Deutsch von Haase.

10. Kgl. preuß. Ak. d. Wissenschaften: Briefwechsel zwischen Gauß und Schumacher.

1880.

11. Dr. F. Brünnow: Lehrbuch der sphärischen Astronomie. Mit einem Vorwort von Encke. Berlin 1862. 4. Aufl. 1881.

12. Sim. Newcomb: Populäre Astronomie. Deutsche, vermehrte Ausgabe durch Rud. Engelmann. Leipzig 1881.

13. Dr. W. Jordan: Grundzüge der astronomischen Zeit- und Ortsbestimmung. Berlin 1885. 14. R. Wolf: Geschichte der Astronomie. München 1877.

15. Derselbe: Handbuch der Astronomie, ihrer Geschichte und Literatur. 2 Bände. Zürich 1890-93. 16. A. Sawitsch: Abriß der praktischen Astronomie. 1845. Deutsch von Peter 1879.

C. Geodasie (Mathematik und Projektion) und Gradmessung.

1. Gemma Frisius: Libellus de locorum scribendorum ratione et de eorum distantiis inveniendis. Antwerpiae 1533.

2. W. Schickhart: Kurze Anweisung wie künstliche Landtafeln aus rechtem Grund zu machen und die bisher begangene Irrthumb zu verbessern. Tübingen 1629.

3. Bouguer: La figure de la terre. Paris 1749.

4. J. L. Hogrebe: Praktische Anleitung zur topographischen Vermessung eines ganzen Landes 1773.

5. L. Euler: Arbeiten über Kartenprojektion 1777.

6. Lagrange: Sur la construction des cartes géographiques (Mém. de l'Ac. de Berlin) 1781.

7. Tobias Meyer: Volle und gründliche Anweisung zur Verzeichnung der Land-, See- und Himmelskarten. Erlangen 1794.

8. Whewells: Geschichte der induktiven Wissenschaften.

Deutsch von Littrow. 1840-41.

9. C. F. Gauß: Untersuchungen über Gegenstände der höheren Geodäsie. Göttingen 1844 u. 1847. 10. Derselbe: Méthode des moindres carrés. Paris 1849.

11. J. J. Baeyer: Über die Größe und Figur der Erde. Eine Denkschrift zur Begründung einer mitteleuropäischen Gradmessung. Berlin 1861.

12. Derselbe: Zur Entstehungsgeschichte der europäischen Gradmessung. Berlin 1862.

13. J. J. Baeyer und Bessel: Die Rechnungsverfahren bei der europäischen Gradmessung.

14. J. J. Baeyer: Astronomische Bestimmungen für die europäische Gradmessung aus den Jahren 1857-66.

Leipzig 1873.

15. J. C. Schmidt: Lehrbuch der mathematischen und physikalischen Geographie. Göttingen 1829.

16. A. Steinhauser: Grundzüge der mathematischen Geographie und Landkartenprojektion. Wien 1857. 3. Aufl. 1887.

17. Dr. F. R. Helmert: Die mathematischen und physikalischen Theorien der höheren Geodäsie. 2 Teile. Leipzig 1880 u. 1884. B. G. Teubner.

18. Entwurf für die astronomischen Arbeiten der europäischen Längengradmessung unter dem 52.o n. Br. vom Jahre 1863.

19. Protokoll der am 24, 25. und 26. April 1862 in Berlin abgehaltenen vorläufigen Beratungen über das Projekt einer europäischen Grad messung. Berlin. Manuskript.

20. Verhandlungen der ersten allgemeinen Konferenz der Bevollmächtigten zur mitteleuropäischen Gradmessung vom 15. bis 22. Oktober 1864.

21. Procès-verbal des séances de la commission permanente de l'association géodésique internationale pour la mesure des degrés de méridiens et parallèles dans l'Europe centrale.

22. Protokolle der Sitzungen der genannten Kommission der mitteleuropäischen Gradmessung Leipzig (1865), Neuenburg (1866), Wien (1867), Berlin (1867), Florenz (1869), Wien (1871 und 1873), Dresden (1874), Paris (1875), Brüssel (1876), Stuttgart (1877), Hamburg (1878), Genf (1879), München (1880), Haag (1882). 23. Protokolle der Verhandlungen der allgemeinen Konferenz der mitteleuropäischen Gradmessung Berlin (1867), Wien (1871), Dresden (1874), München (1882), Paris (1883), Berlin (1886).

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