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also von den untersuchten Methoden die vortheilhafteste. Zugleich ist sie die einfachste; denn bei andern ganz ähnlichen Nadeln, reichten schon 20 Doppelstriche auf jeder Seite aus, um ihnen das Maximum der Intensität zu ertheilen. Bei Gelegenheit dieser Versuche zeigte es sich, dass, wenn der Magnet, welcher zum Magazin angewandt wird, stark ist, die Polarität der Nadel gar nicht von dem streichenden Magnete bedingt werde. Man mag die Pole der letztern nach der einen Richtung oder der umgekehrten aufsetzen und mit ihnen streichen, immer wird die Polarität vom Electromagneten bestimmt. Ja selbst die Intensität leidet verhältnissmässig nicht stark, wenn entgegengesetzt (widersinnig) gestrichen wird; eine Nadel kam in diesem Falle auf 87,5“, während sie nach dem richtigen Streichen 82" zu 10 Oscillationen brauchte.

Auf dieselbe Weise ertheile ich auch stählernen Hufeisen eine sehr starke Kraft. Wenn es anderen Experimentatoren nicht gelungen ist, mittelst der electromagnetischen Kraft stärkere Magnete zu erhalten, so lag dies einentheils wahrscheinlich in der ungünstigen Art, wie der Magnet vom electromagnetischen Hufeisen abgehoben wurde, anderntheils aber auch vielleicht darin, dass man sich über die Electromagnete häufig täuscht, und daher grösseres von ihnen erwartet, als sie zu leisten vermögen. Gesetzt, ein stählernes und ein electromagnetisches Hufeisen trügen mit einem Anker versehen ein gleiches Gewicht, so sind ohne den Anker beide Hufeisen an Intensität nicht für gleich zu achten; vielmehr wird das Hufeisen mit dauerndem Magnetismus, ungeschlossen eine bei weitem grössere besitzen. sieht dies schon an der verhältnissmässig geringen Quantität Eisenfeillicht, welche ein einzelner Pol der so überaus starken Electromagnete zu tragen vermag, in Vergleich mit derjenigen Menge, welche ebenfalls ein einzelner Pol eines ungleich schwächern Stahlmagneten an sich hält. Auf diesen Unterschied beider Arten von Magnete hat erst in neuerer Zeit Magnus ?) aufmerksam gemacht; er führt an, dass ein einzelner Pol eines electromagnetischen Hufeisens von 140 Pfund Tragkraft, nur ein bis zwei Pfund zu tragen vermochte, während an einem einzelnen Pol eines Stahlmagneten von nur 10 Pfund Tragkraft, grössere Eisenmassen hafteten. Es kann daher keinem Zweifel unterliegen, dass die bedeutenden Gewichte, welche Electromagnete tragen, auf Rechnung der gegenseitigen Einwirkung

') Poggend. Ann. Bd. 38, pag. 435.

des Magneten und des Ankers zu setzen sind. Ist dieser letztere nicht vortheilhaft angebracht, berührt er entweder nicht, oder schliesst man die Pole des Magneten, um nach dem angegebenen Verfahren zu magnetisiren, mit zwei einzelne Eisenstücken und einem Stahlstab, so wird die Anziehung grösstentheils gering ausfallen. Diejenigen, welche den Electromagnetismus als Triebkraft anwenden wollen, täuschen sich vielleicht über die Kraft ihrer Magnete; wenn auch diese einige Centner tragen mögen, so fällt doch diese grosse Entwicklung der magnetischen Kraft in ihrem Falle fort, wo sie genöthigt sind, die Hufeisen ungeschlossen zu lassen. Um den Magneten, welchen ich strich, die möglichste Kraft zu geben, versuchte ich den Electromagnetismus auch bei den streichenden Magneten in Anwendung zu bringen. Es wurden zwei Stäbe weichen Eisens, ganz gleich den Schenkeln eines electromagnetischen Hufeisens, angefertigt und mit eben so viel Kupferdrathumwickelt. Die Enden des letztern tauchten in sehr lange Rinnen mit Quecksilber, damit die Stäbe hin und her geführt werden konnten, ohne dass sie aufhörten mit der galvanischen Kette in Verbindung za sein. Allein das Resultat war, dass diese Stäbe weniger noch leisteten, als schwach magnetisirte Stahlstäbe; selbst als ich auf die beiden Enden derselben Eisenstücke legte, war ihre Wirkung anbedeutend. Ich hätte mir diesen, etwas beschwerlichen Versuch ersparen können, wenn damals schon der schöne Aufsatz von Magnus ?) bekannt gewesen wäre. Derselbe nahm zwei cylindrische Stäbe weichen Eisens, 7" lang, 1,6" im Durchmesser and umwand jeden derselben mit 9 Fuss, 3"" dicken, Kupferdrahts, und hier fand sich das überraschende Resultat, dass zwei entgegengesetzte Pole der Stäbe kaum einen 3 Pfund schweren Anker zu tragen vermochten, während, wenn die anderen Pole durch ein flaches, wohl abgeschlossenes Stück Eisen verbunden wurden, dieser Anker mit etwa 140 Pfund haftete. Mit meinen Stäben ist dieser Versuch nicht so vollständig gelungen; sie trugen nemlich, selbst wenn sie an ihren beiden Enden durch Eisen geschlossen waren, nicht sehr beträchtlich, wahrscheinlich, weil die Eisenstücke nicht so vollkommen abgeschliffen worden sind, oder das Eisen kein ganz weiches gewesen ist. Magnus führt an, dass das schliessende Eisenstück die Polflächen gut berühren müsse, und dass eine blosse Kantenberührung wenig oder nichts leiste.

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') am angef. Ort.

10

Befremdend sind diese Erscheinungen nicht; denn 1) vermehrt ein Eisenstück dadurch, dass es zu einem Magne

ten wird, die Kraft desjenigen, an welchem es haftet, und hier, weil überall Eisen ist, vielmehr als in andern Fällen, wo

es an einem stählernen Magneten applizirt ist; und 2) verlangt der galvanische Strom, dessen Kraft doch im Grunde

immer unbedeutend ist, grosse Eisenmassen, um sie stark zu magnetisiren; sind dieselben gering, so ertheilt er ihnen

nur eine schwache magnetische Kraft. Ueber diesen Gegenstand hat sich ein fortgesetzter Streit zwischen George Rainey und W. Ritchie erhoben), der damit anfing, dass der erstere die schwache Anziehung eines electromagnetischen Hufeisens, wenn der Anker dasselbe nicht berührt, sondern in einiger Entfernung gehalten wird, auf die eben angegebene, eben so richtige als einfache Weise erklärte. Ritchie wollte das nicht wahr haben, wegen des dritten Gesetzes von Newton: über die Gleichheit der Action and Reaction. Um dasselbe auf den vorliegenden Gegenstand in Ritchie's Sinne anzuwenden, müsste man es so aussprechen: Wenn eine Kraft wirkt, so kann durch das, was sie bewirkt, ihre Intensität nicht gesteigert werden. Der Anker könne also die Kraft des Magneten nicht verstärken, durch den er selbst erst zu einem Magneten wird.

Ritchie hat jedoch mit dem berühmten Newton'schen Gesetz kein Glück 2); er wendet es bei physikalischen Kräften an, deren Charakter es ist, für gewöhnlich nicht vorhanden zu sein, vielmehr erst und zwar in verschiedenem Grade entwickelt werden zu können, während das Gesetz nur für solche Kräfte gilt, welche, wie die Schwere, den Körpern ursprünglich und in einem unveränderlichen Grade inwohnen. Ritchie würde das selbst zugeben müssen, wenn er die einfache Frage beantworten sollte, wie Gowin Knight trotz jenes Gesetzes sein grosses Magazin zu Stande gebracht hat.

Fr. Mohr hat über das Magnetisiren von Hufeisen einige interessante practische Regeln mitgetheilt %). Er streicht sie auf gewöhnliche Weise mit einem andern Hufeisen, das von der Biegung aus gegen die mit einem Anker geschlossenen Enden geführt wird, Statt jedoch das

') London and Edinb. Phil. Mag. Series III, No. 51 bis 56.
2) Repert. Bd. I, pag. 285.
3) Poggend. Ann. Bd. 36, pag. 542

streichende Hufeisen auf gewöhnliche Weise zu entfernen; verfährt er so: befindet sich dasselbe an dem Ende des gestrichenen, so legt er hinter dasselbe einen zweiten Anker, schliesst dadurch das gestrichene Hufeisen, und entfernt das streichende zusammen mit dem Anker, so dass stets beide Hufeisen geschlossen bleiben. Ein eigenthümliches Verfahren wendet Mohr an, um zu erfahren, ob fortgesetztes Streichen die Kraft noch vermehre. Setzt man nemlich das streichende Hufeisen auf das unmagnetische, so wird dessen Anker noch nicht angezogen; dies tritt jedoch ein, sobald man dasselbe nach den Enden hinführt. Hebt man hierauf das Hufeisen ab, und setzt es zum zweiten Male auf, so haftet nun der Anker, jedoch schwächer, wenn man streicht, und die Anziehung hört sogar ganz auf, wenn man mit dem Hufeisen bis in eine gewisse Entfernung von den Enden gekommen ist, tritt aber wieder ein, wenn man das Streichen gegen die Enden zu fortsetzt. Versucht man einen folgenden dritten Strich, so zeigen sich wiederum zwei Punkte, der Indifferenz und der erneuerten Anziehung des Ankers, aber sie liegen beide den Enden näher u. s. f., wie man aus folgendem Versuch, den Mohr angiebt, ersieht,

Entfernung des Punktes der

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1
64 Zoll

3 Zoll
2
5

23
3
41

21
4
4

2
5
3

1
6
21

11
7
2

1
8
1.

1 /
9
14

Hieraus kann man schliessen, dass, da vom achten Striche ab beide Entfernungen sich nicht weiter änderten, der gestrichene Magnet das Maximum der Kraft erhalten hat. Ja in einem solchen Falle, wo es einen Punkt der erneuerten Anziehung giebt, und wo seine Entfernung von den Enden constant bleibt, soll nach Mohr ein solcher Magnet überhaupt saturirt sein, und durch keinen andern Magnieten eine noch stärkere Intensität erhalten können. Bleibt aber der Punkt der erneuerten Anziehung beim Streichen aus, dann ist allerdings das Maximum der Intensität ebenfalls erreicht, aber nur mit Bezug auf den streichenden Magneten. Wählt man einen stärkern, so wird er die Intensität noch steigern.

Das Verfahren, welches J. Hoffer beim Streichen der Hufeisen anwendet, besteht darin, die Pole des streichenden Hufeisens so auf das zu streichende aufzusetzen, dass der Nordpol auf dem gezeichneten, der Südpol auf dem angezeichneten Ende steht, einen Anker anzulegen und dann gegen die Biegung hin zu streichen. Dies Verfahren ist also dem gewöhnlichen entgegengesetzt, wo der Nordpol auf dem ungezeichneten Schenkel von der Biegung nach dem Ende geführt wird. Nach vier- bis sechsmaliger Wiederholung will Hoffer sehr starke Wirkungen gesehen haben; Hufeisen welche 20 Loth schwer gewogen, sollen 8 bis 11 Wiener Pfund getragen haben ; grössere, von 2 Pfund 6 Loth Gewicht, aber 13 bis 15 Pfd. Dasselbe Verfahren wendet er nun auch zum Bestreichen der Stäbe an,

indem er ihrer zwei durch Eisenstücke nach Art eines Magazins verbindet, die Pole des Hufeisens auf zwei neben einander liegende Enden aufsetzt, und sie über die ganze Länge der Stäbe bis jenseits der andern Enden führt.

Ich habe über die beiden angegebenen Methoden einige Versuche angestellt, die den zu Anfang dieses Artiķels beschriebenen ganz ähnlich waren. Zwei Stäbe wurden nach Art eines Magazins durch zwei Stücke Eisen verbunden, die Pole eines starken Hufeisens (des Obigen) in die Mitte aufgesetzt, nach den Enden geführt und dort nach Mohr's Anleitung entfernt. Eben so wurde mit den andern beiden Hälften der Stäbe und zwar auf allen vier Seiten verfahren, so oft, dass ich sicher war, keine weitere Verstärkung mehr erhalten zu können. Hier brauchte

Stab I. zu 10 Schwingungen 107,4"
II.

106,3. Nun wurden nach Hoffer's Anleitung verfahren; dasselbe Hufeisen auf die einen Enden der Stäbe gesetzt und bis über die andern hinausgeführt, ebenfalls so oft, bis keine Verstärkung mehr eintrat, wozu mehr als 60 Striche nöthig waren.

Stab I. zu 10 Schwingungen 96,3
II.

93,2 Für Stäbe mindestens ist also das Verfahren Hoffer’s zweckmässiger als das von Mohr, aber beide stehen der Methode des Doppelstrichs nach. Um das zu versuchen wurden die bereits oben erwähnten, nicht stark magnetischen Stäbe bloss durch einen

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