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Saugröhre entfernt war, ging bei Anlegung der za gleichem Grade wie früher geladenen Flasche an die Metallplatté, Elektricität mit bläulichem Lichte durch die Campane; das Elektroscop divergirte zwar, aber die Flasche hatte den grössten Theil ihrer Ladung verloren. Bei gewöhnlicher Dichtigkeit der Luft in der Glocke war die Entfernung der Kugel von 4“ noch vollkommen hinreichend, den Uebergang der Elektricität zur Saugröhre zu verhindern.

von

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II. Dauer des elektrischen Lichts; Fortpflanzungsgeschwin

digkeit der Elektricität in einem besondern Falle.')

Das sinnreiche Mittel, dessen sich Wheatstone bedient hat, für die genannten bisher unmessbaren Phänomene ein annäherndes Maass zu erhalten, wird durch folgendes verständlich sein. Man betrachte

nem festen Augenpunkte aus das Bild nes entfernten leuchtenden Punktes in einem kleinen vertical gestellten ebenen Spiegel, und drehe diesen langsam um eine verticale Axe, so wird das Bild in entgegengesetzter Richtung und zwar mit der doppelten Winkelgeschwindigkeit seine Stelle ändern, bis es aus dem Gesichtsfelde rückt. Geschieht diese Drehung so schnell, dass das Auge die einzelnen Bilder nicht mehr unterscheidet, so erblickt man einen leuchtenden Bogen (den Theil eines Kreises, dessen Radius die Entfernung des leuchtenden Punktes vom Spiegel ist), der die ganze Breite des Spiegels einnimmt. Die Grösse des Bogens wird durch die beiden Stellungen des Spiegels gegen das Auge bestimmt, mit denen das Bild in das Sehfeld ein- und austritt. Leuchtet der Punkt daher die Zeit über, die zwischen diesen beiden Stellungen des Spiegels vergeht, so giebt die Länge des Bogens kein Maass seines Leuchtens; fällt aber Anfang und Ende des Leuchtens innerhalb dieser Zeit, so wird der Lichtbogen kürzer sein und bei bekannter Drehungsgeschwindigkeit des Spiegels die Dauer der Erscheinung berechnen lassen. Macht z. B. der Spiegel in 1 Sekunde a Umläufe, so würde das Bild des Punktes, wenn er 1 Sekunde leuchtete, 2. a. 360 Grade durchlaufen; ein Bogen von

b b Graden entspricht daher einer Leuchtdauer von

Sekunden.

720. a. Dasselbe, was von dem leuchtenden Punkte bemerkt worden, gilt auch von einer leuchtenden Linie, die der Drehungsaxe des Spiegels parallel steht, sie wird nach Verhältniss ihrer Leuchtdauer breiter werden.

') Philos. transact. f. 1834. pag. 583. Pogg. Aon. Bd. 34. pag.

464.

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Steht der leuchtende Punkt nicht fest, sondern durchläuft er,

während der Drehung des Spiegels eine gewisse Strecke, die wir uns durch zwei in einer Verticallinie befindliche Punkte begränzt denken wollen, so werden, falls die Geschwindigkeit des leuchtenden Punktes zu der des Spiegels in einem merklichen Verhältnisse steht, die Gränzpunkte der Bahn im Spiegel nicht mehr in einer Verticalen stehen können. Erscheint der Endpunkt der Bahn von der durch den Anfangspunkt gezogenen Verticalen im Spiegel um b Grade abgelenkt, so werden wir schliessen, dass sich der Spiegel während der Bewegurg des Punktes um Grad gedreht hat, welches, wenn der Spiegel in 1" a Umläufe

b macht, einer Zeit von Sekunde entspricht. Es ist daher aus dem

720.' a Bilde eines leuchtenden Gegenstandes in einem rotirenden Spiegel zuvörderst zweierlệi ersichtlich: die Dauer des Leuchtens durch die Verbreiterung des Gegenstandes nach der auf der Drehungsaxe des Spiegels winkelrechten Richtung; die Geschwindigkeit seiner Bewegung durch die Ablenkung seiner Bahn von der im ruhenden Spiegel gesehenen. Bleibt ferner der leuchtende Gegenstand an derselben Stelle des Raums, ändert sich aber sein Leuchten in sehr schnell auf einander folgenden Perioden, so wird der rotirende Spiegel, wenn seine Geschwindigkeit zu der Dauer der Lichtphasen in einem merklichen Verhältnisse steht, das Bild des Gegenstandes in diesen verschiedenen Perioden wiederholentlich zeigen und dieselben dem Auge neben einander bemerklich machen. Der Spiegel giebt daher drittens ein Mittel ab, ein intermittirendes Phänomen als ein solches zu erkennen.

Wheatstone hat die elektrischen Lichterscheinungen nach diesen drei Fragepunkten untersucht, und sowohl schon jetzt interessante Resultate mitgetheilt, als auch er uns deren noch mehr erwarten lässt. Er bediente sich eines kleinen runden Spiegels, der nach Art des Beleuchtungsspiegels am Mikroskope von einer gestielten Gabel umfasst wird und durch Schraubenzapfen beliebig gegen den Stiel geneigt werden kann. Er befestigte zuerst den Stiel vertical auf einer Rotationsmaschine mit Zähler, stellte den Spiegel vertical und gab ihm eine Drehung von 50 Umläufen in der Sekunde. In einer Entfernung von 10 Fuss vom Spiegel erregte er folgende elektrische Lichterscheinungen in verticaler Richtung: vier Zoll lange Funken aus dem ersten Conductor einer Elektrisirmaschine; Entladungen einer leydener Flasche; eine elektrische Schlangenlinie von 4 Fuss Höhe um eine sogenannte Blitzröhre; 6 Fuss lange Lichtströme durch eine luftleere Glasröhre hindurch; verschiedene durch den elektrischen Funken gebildete Figuren,

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Alle diese Phänomene erschienen in dem rotirenden Spiegel vollkommen ungeändert, in eben der Art, wie man sie im ruhenden Spiegel sah. Dies war auch der Fall, als durch einen, später zu erwähnenden Drehungsapparat die Geschwindigkeit des Spiegels auf 800 Umläufe in der Sekunde gesteigert wurde.

Da nun dem dicht' vor dem Spiegel befindlichen Auge eine Verbreiterung der Leuchtpunkte um į Grad so gross erscheinen musste, wie ein Zoll in der Entfernung von 10 Fuss gesehen, diese Grösse aber der Beobachtung nicht hätte entgehen können, so lässt sich aus der Unveränderlichkeit der genannten elektrischen Licht-Erscheinungen schliessen, dass dieselben

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nicht

=0,00000087 einer Sekunde gedauert haben. Wheat720. 800 stone benutzt diese ausserordentlich geringe Dauer des elektrischen Lichts, andere sehr kurze Zeit dauernde Erscheinungen dem Auge bemerklich zu machen. Im finstern Zimmer durch die Entladung einer elektrischen Flasche beleuchtet, erschienen gemalte Züge auf sehr schnell rotirenden Scheiben in ruhender Lage, schwingende Saiten in abgelenkter Richtung, der aus einer engen Röhre ausfliessende Wasserstrahl als eine Folge von Tropfen. Physiologisch merkwürdig ist hierbei, dass das Auge im Stande ist, nach fast nur momentan wirkendem Lichteindrucke distinkt zu sehen.

Zur Entdeckung der Intermittenz des anscheinend continuirlich leuchtenden elektrischen Lichtes, neigte, Wheatstone den kleinen Spiegel beinahe 90° gegen die verticale Drehungsaxe, só dass er fast horizontal stand. Das zu prüfende Licht brachte er oberhalb in der Verlängerung der Axe an, so dass es im rotirenden Spiegel einen Kreis bildete, dessen Umfang ganz übersehen werden konnte. Das Spiegelbild hat hier mit dem Spiegel dieselbe Winkelgeschwindigkeit und dreht sich in derselben Richtung. Bei einer Geschwindigkeit von 50 Umdrehungen in der Sekunde erschien der kleine Lichtstern zwischen zwei gegenüberstehenden Spitzen, die eine elektrische Leitung unterbrachen, als eine Folge einzelner Funken; das continuirliche Licht einer evacuirten, an den ersten Conductor gehaltenen Glasröhre als eine Folge einzelner Blitze. Ebenso wurde der Lichtpinsel an der Spitze eines gegen den geladenen Conductor der Maschine gehaltenen Drahtes als ein intermittirendes Phänomen erkannt; zugleich fanden sich die einzelnen Bilder des Pinsels in der Richtung der Rotation des Spiegels verlängert, wonach die einzelnen Ausströmungen, aus welchen der Pinsel besteht, eine geraume messbare Dauer haben müssen. Um die

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Anwendung des Spiegelapparats bei nicht elektrischen Erscheinungen zu zeigen, diente eine Wasserstoffgassflamme in der Art, wie sie zur chemischen Harmonica gebraucht wird. So lange dieselbe frei brannte, gab sie im Spiegel einen vollkommenen Kreis, als sie aber mit einer Glasröhre bedeckt wurde, in der sie einen Ton hervorbrachte, erschien der Kreis regelmässig unterbrochen, nach Art einer Kette, und zeigte hierdurch die den Schwingungen der Luftsäule entsprechenden Contractionen der Flamme an.

Nachdem der Verfasser vergebens versucht hatte, die Geschwindigkeit der Elektricität, wenn sie in Gestalt eines Funkens eine kurze Luftschicht unterbricht, bemerklich zu machen, suchte er die Geschwindigkeit ihrer Fortpflanzung durch einen leitenden Draht, der eine geladene Flasche entladet, zu bestimmen. Die Entladung einer Flasche ist ein complicirtes, noch nicht gehörig aufgeklärtes Phänomen; die Geschwindigkeit, mit welcher der Entladungsfunke durch eine gewisse Länge des Schliessungsdrahtes geht, hängt muthmaasslich von der Substanz und den Dimensionen des ganzen Schliessungsdrahtes und von der Dichtigkeit der Elektricität in der Flasche ab. Ein Versuch über die Geschwindigkeit der Elektricität, bei dem diese Elemente ungeändert. blieben, kann zwar nur für einen speciellen Fall gelten; er hat indess so merkwürdige Resultate geliefert, dass wir ihn seinem ganzen Verlaufe nach anführen müssen. Die Hauptbedingung bei der Aufstellung des Apparats ist schon oben angedeutet worden. Der Weg der Elektricität musste so geführt werden, dass wenigstens zwei Punkte desselben, an welchen die Elektricität leuchtend bemerklich wurde, in einer der Drehungsaxe des Spiegels parallelen Linie lagen und im Spiegel gesehen werden konnten. Es wurden deshalb von einem Zoll dicken Kupferdrahte zwanzig Längen, jede von 120 Fuss, isolirt neben einander ausgespannt und je zwei Enden derselben, mit Ausnahme der beiden mittelsten, mit einander verbunden, so dass die ganze Drahtstrecke ein Continuum bildete, das nur in der Mitte unterbrochen war, Auf einem kleinen Brette (Fig. 5.) befanden sich 6 Kugeln isolirt in eine Linie gestellt, je zwei io Zoll von einander entfernt. Mit Kugel 2 wurde der Anfang, mit 5 das Ende des ganzen Drahtes verbunden, nach 3 und 4 gingen die frei gelassenen mittelsten Enden desselben, und an den Kugeln 1 und 6 waren die in Fig. 6. bezeichneten Drähte befestigt. Diese Figur zeigt zugleich die Zusammensetzung des vollständigen Apparats, von dem der Messapparat allein deutlicher in Fig. 7. abgebildet ist. M ist eine kleine leydener Flasche, die

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durch die Kette N von einer Elektrisirmaschine fortwährend mit Elektricität geladen wird; die innere Belegung derselben ist mit dem festen Entlader OP verbunden, dessen Kugeln durch ihre Entfernung von einander die Entladung der Flasche bestimmen. Diese kann indess nur eintreten, wenn der mit der Axe des Spiegels bewegliche Arm Q dem Knopfe des festen Entladers gegenübersteht. Zwischen Q und dem Knopfe ist ein Glimmerblatt S mit einer sehr schmalen horizontalen Spalte angebracht, um den Uebergang des Funkens auf eine möglichst kleine Stelle zu beschränken. Der Funke wird, nur von der innern Belegung ausgehend gedacht, folgenden Weg nehmen müssen. Er springt von den festen Conductoren OP nach dem Arme Q über, geht durch den Draht 6 nach der Kugel 6 des Funkenbrettes, springt nach Kugel 5 über, durchläuft i engl. Meile Draht bis Kugel 4, springt nach Kugel 3 über, durchläuft Meile Draht bis Kugel 2, springt nach Kugel 1 über und geht endlich nach der äussern Belegung der Flasche fort. Der Messapparat besteht aus einem metallenen Aufsatze HJ, in dessen Wangen die massive Axe FF sehr leicht beweglich ist; die Bewegung wird derselben durch eine Schnur von dem grossen Rade K mitgetheilt, das mit dem Rade L eine gemeinschaftliche Axe hat; letzteres wurde mit einer rotirenden Maschine in Verbindung gesetzt. In der Ebene der Axe FF ist der aus Stahl gefertigte runde Spiegel E von einem Zoll Durchmesser unverrückbar befestigt. Wenn der Arm Q die oben erwähnte zur Entladung nöthige Stellung hat, ist der Spiegel E 45° gegen die Horizontalebene geneigt; das Funkenbrett steht demselben in 10 Fuss Entfernung gegenüber, so dass, wenn man von oben in den Spiegel sieht, die 3 in einer Horizontallinie liegenden Funken zugleich gesehen werden. Die richtige Stellung des Auges ist durch das über dem Spiegel befindliche ebene oder concave Glas R gegeben. Die Winkelgeschwindigkeit des Spiegels konnte nicht direct bestimmt werden, sie ergab sich indess leicht aus dem Tone, den der Arm Q hervorbrachte, indem er auf ein davorgehaltenes Kartenblatt schlug. Dieser Ton gab 800 Schläge in der Sekunde an, welches zugleich die Anzahl der Umläufe des Spiegels ist. Die grösste Schwie. rigkeit bei dem Versuche besteht darin, die Entladung der Flasche in dem Augenblicke stattfinden zu lassen, wo der Spiegel die 3 Funken nach dem Auge reflektiren kann. Trotz des dazwischengestellten Glimmerblattes fing der Arm Q den Entladungsfunken nicht immer an derselben Stelle auf, wodurch die 3 Funken an verschiedenen Stellen des Spiegels und zuweilen gar nicht gesehen wurden. Der Verfasser schlägt

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