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Winkels ein Maximum wird. Die Lage des magnetischen Meridians wirkt daher nothwendig auf den Zeitpunkt des westlichen Standes, and eben so auch auf den des östlichen u. 8. W. So nothwendig ist dies, dass, wenn es die Erfahrung nicht bestätigen sollte, daraus folgen würde, dass wir den Grund der Variationen nicht kennen, und dass er in der Erwärmung der Erdrinde nicht liegt. Ich werde im Folgenden zeigen, dass, wenn auch erfahrungsmässig hierüber nichts Sicheres bis jetzt anzugeben ist, doch mindestens so viel erhellt, dass die erwähnten Zeitpunkte bei verschiedener Declination verschieden sind, auch ein Mittel mittheilen, wodurch diese Frage bestimmter noch und zwar an einem und demselhen Ort wird beantwortet werden können.

Betrachten wir zuerst die Wendestunden, wie sie aus den Freiberger Beobachtungen in den Jahren 1828–30, welche zu der Reihe der, von Humboldt veranlassten Beobachtungen gehören, folgen. Als Mittel aus 22 Tagen in den genannten Jahren, an welchen von * zu À Stunde beobachtet worden, ergaben sich folgende Werthe in Bogentheilen "). Um dem Zeichen -- zu entgehen, ist der östlichste Stand der Nadel um gb 30o = 0 angenommen worden. Zeit

0'
15

30' 454
6 Uhr Morgens

1' 22" 1'461 1, 36" 1' 29" 7

1 29 1 9 15 0 28 8

0 17

07 0 0 10 4 9

0 7

0 23 0 32 0 58 10 -

1 31 2 18 2 41 3 26 11

4 19 5 5 6 5 6 52
Mittag 7 23 7 47 8 12 8 20
1

8 42 8 46 8 50 8 40
2
8 38 8 10

7 41 7 19
3

6 50 Der westlichste Stand der Nadel ist also um 1° 30' Nachmittags, östlichste

gh 30' Morgens. Der Zeitpunkt des Mittelwerthes der Declination ergicbt sich aus 13tägigen Beobachtungen, die aber während 24 Stunden von zu 1 angestellt worden sind

un 1030Morgens

um 6h 30' Abends, Es wäre nun nachzuforschen, wann diese Stunden an einem an

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) Poggend, Ann. Bd. 19,

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dern Ort eintreten, wo die Nadel eine grössere oder geringere Abweichung hat. Inzwischen glaube ich nicht, dass die angeführten Zeiten für Freiberg die richtigen sind; 13 und 22tägige Beobachtungen scheinen dazu nicht hinreichend, welches man daraus sieht, dass an den einzelnen Tagen, aus welchen das Mittel gezogen, gar zu grosse Unterschiede vorkommen, so dass erst das Mittel aus einer viel grössern Zahl von Tagen wird genügen können. Es war z. B. der westlichste Stand der Nadel

am 3. März 1829 schon am 11h 15' Vormittags,

am 2. Februar 1829 erst um 4h 30' Nachmittags. Die Stunde des östlichsten Standes ist noch schwankender, offenbar daher rührend, weil um diese Zeit sich die Nadel wenig ändert, während sie in der Nähe des westlichsten Standes sich rasch bewegt. Auch mit dem Zeitpunkt, wo die mittlere Declination des Tages beobachtet wird, verhält es sich auf ähnliche Weise; er ist bei den angeführten Beobachtungen sehr sehwankend, besonders was den mittlern Stand gegen Abend betrifft, wo an den beobachteten Tagen Differenzen bis zu 5 Stunden vorkommen.

Ausserdem ist noch zu bemerken, dass die 22 Tage, auf welche die Berechnung gegründet worden, nicht gleichmässig im Jahre liegen; der grösseste Theil derselben gehört vielmehr zum Herbst und Winter, und doch kann es keinem Zweifel unterliegen, dass die Wendestunden auch von den Jahreszeiten abhängen werden. Ich glaubé dem zufolge nicht, dass man die angeführten Zeitpunkte für diejenigen zu halten hat, welche im Mittel des Jahres bei derjenigen Declination stattfinden würden, welche in Freiberg herrscht.

Es schien mir daher zweckmässiger, die Frage nach dem absoluteri Zeitmoment aufzugeben, und dasselbe nur für einzelne Tage zu betrachten, wo an Orten mit sehr verschiedener Declination beobachtet worden ist. Auch dergleichen zusammengehörige Beobachtungen finden sich in der erwähnten Zusammenstellung (Pogg. Ann. Bd. 19).

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In diesen Mittelwerthen ist nun eine entschiedene Gesetzmässigkeit; sie zeigen nemlich, dass je westlicher der Nordpol gerichtet ist, je grösser die Declination, um desto früher die Zeit des täglichen Maximums der Abweichung. Schon wenn man die Beobachtungen vom 1., 2. October und 6. und 7. August mit einander vergleicht, an welchen die Veränderungen sehr regelmässig gewesen sind, findet sich dies Gesetz bestätigt. Es gilt auf gleiche Weise für den Zeitpunkt, wo die Nadel während des Tagesam östlichsten ge-, richtet ist.

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Also tritt auch der östlichste Stand der Nadel desto früher ein, je weiter überhaupt der Nordpol nach Westen hin gerichtet ist. Sollte dies allgemein richtig sein, so folgt daraus, dass der veränderliche Pol in unsern Breiten sich während des Tages von N. 0. durch S. nach N. W. bewege. Diese Bewegung hängt von der Erwärmung der Sonne ab, von der verschiedenen Grösse der Erdoberfläche nordlich und südlich vom Beobachtungsorte, und endlich von der Verschiedenheit der magnetischen Intensität der Erdtheile im Norden und Süden der Nadel; sie wird daher von der Breite abhängig sein.

Das eben gefundene Gesetz wird auch durch die Beobachtungen bestätigt, welche auf Parry's "zweiter Reise vom 10. Dezember 1824 bis 31 Mai 1825 zu Port Bowen (73° 14' nördl. Br. und 88° 54 westl. L. Gr.) angestellt worden sind ?). Die Abweichung ist dort etwa 124° westlich, die Neigung 88° 1,4'. . Diese Beobachtungen stellt Kämtz durch folgende Formeln dar, wo Da die Declination zur Zeit n:

0

0

Januar: D.=123°,88 +0°,49 sin. (n 15° +102° 19') +0°,91X

sin.(n 30° +116°23')+0o,05 sm. (n 45° +102° 19'), Februar: =124°,11 +0,49 sin. (n 15° +87° 48') + 0o,07 X

sin.(n30° +147°17)+0o,05 sin.(n 45° +34° 46'), März: =1230,92 +0°,55 sin. (n15° +98°184)+ 0o,12 x

sin. (n 30° +112° 14+0",09 sin. (n 45° +108084), April: =1230,72 +0°,81 sin. (n 15° +91° 414)+0°,14X

sin.(n 30° +150° 6')+0°,11 sin. (n 45° +-132° 25'), Mai:

=1230,64 +10,13 sin. (n 15° + 79° 24') + 09,20x

sin.(n30° +67° 18')+0',15 sin. (n 45° +'39' 11').

0

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0

0

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Hieraus ergiebt sich

Zeit des westlichsten und östlichsten Standes.

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0,67 pm

13,

Januar Februar
März

Mai

April 0",40 am

0“,53 a m
0°,87 am

09,90 pm 13,23 pm 12,33 pm

11,80 pm
12,03 pm

pm Alle diese Zeiten fallen früher als die in Europa für geringere westliche Declinationen ermittelten. Dasselbe gilt für die beiden Zeitinomente, wo das arithmetische Mittel aus allen Declinationen des Tages stattfindet.

"). phil. trans. for 1826 London Part. IV, Kämtz Meteorologie Bd. 3,

pag. 408.

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Wenn man auch gegen diese Beobachtungen geltend machen könnte,dass die Nadel in diesen Breiten grossen Störungen unterworfen ist, dass auch ihre Richtkraft bei einer Inclination 'von 88° nur gering sein kann, so ist es doch auffallend, dass sie sich dem Obigen so gut anschliessen, und dass auch sie lehren, die Wendestunden seien früher, jemehr der Nordpol der Nadel nach Westen abgelenkt ist.

In der heissen Zone hat Boussingault Beobachtungen über die täglichen Declinationsveränderungen zu Marmato (5° 26' n. Br.) vom Juli bis Dezember 1828 angestellt'). Die Abweichung ist dort 6° 30' östlich, und während des angegebenen Zeitraums stand die Sonne nördlich und südlich von der Nadel. Nichts desto weniger hatte der Nordpol der Nadel, wie dies vorauszusetzen war, dieselbe Bewegung als bei uns während des Tages, und erreichte um 16 oder 2b seinen westlichsten Stand. Inzwischen sind die Veränderungen dort zu gering; sie betrugen meist nur 2 bis 3' an einzelnen Tagen (3., 19. und 30. November waren sie sogar Null), als dass man daraus etwas Bestimmtes über die Zeit der Wendestunden sollte erfahren können. Die heisse Zone wird sich überhaupt hierzu nicht eignen.

Auf der Insel Malta hat George Fisher die Veränderungen der Declination vom 24. März bis 1. April 1829 beobachtet ?). Obgleich solche einzelne Beobachtungen im Grunde wenig Interesse haben, es sei denn, dass sie unter so besondern Umständen als die zu Port Bowen oder die zu Marmato angestellt worden, so theilen wir doch die Mittelwerthe, wie sie Fisher angiebt, mit, weil seine Beobachtungen zeigen, dass auf einer Insel ganz dieselbe Bewegung der Nadel stattfindet, als auf dem festen Lande.

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