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wo der alleinige Magnetismas der Oberfläche zur Erklärung der Erscheinungen nicht ausreichte; bis jetzt aber ist man dazu gar nicht genöthigt. Es lassen sich nemlieh die magnetischen Linien auf der Erde im Allgemeinen aus der Verbreitung der Wärme an der Oberfläche erklären, und somit ist ein magnetischer Kern gar nicht wahrscheinlich; die Anziehung solcher innern Theile würde überwiegen, da es nicht möglich ist, den etwaigen innern magnetischen Schichten nur eine geringe Ausdehnung zu geben, welches mit den Gesetzen der Wärme unverträglich sein würde. Zu bemerken ist übrigens, dass die wahrscheinlich unregelmässige Zunahme der Wärme mit der Tiefe an verschiedenen Orten in manchen Fällen die Differenzen bewirkt, die wir zwischen den Erscheinungen des Erdmagnetismus und der Wärme beobachten.

Da die Wärme die magnetische Intensität der Erdtheilchen schwächt, so nimmt die Kraft des Erdmagnetismus, von den kälteren Gegenden nach den wärmeren hin, ab. Das Minimum der beobachteten Intensität fällt in Südafrika dahin, wo die grösste Wärme auf der Erde herrscht. Die Intensität ist ferner in Europa kleiner als in Asien, und in Asien kleiner als in Amerika, in vollkommener Uebereinstimmung mit den Temperaturen dieser Welttheile. Auch ist die Intensität im Allgemeinen an den Küsten geringer, als innerhalb der festen Länder, und endlich fällt die grösste Intensität mit der kleinsten Wärme im Norden Amerika's zusammen.

Es folgt hieraus, dass die Isodynamen den Linien gleicher Erdwärme ähnlich sein werden, obgleich man nicht erwarten darf, beide Arten von Linien parallel laufen zu sehen. Wenn schon die Temperatur des Bodens an einem Orte durch diejenige, welche in einer grossen Umgebung herrscht, modifizirt wird, so gilt dies in noch viel höherem Grade von der magnetischon Intensität, welche in einer directen, nicht wie bei der Wärme durch Luftströme vermittelten Abhängigkeit, von allen Theilen der Erdoberfläche steht.

(Den Parallelismus der Isodynamen und Isothermen hat Brewster, allein nur gelegentlich, bemerkt; bei der Bristoler Versammlung der englischen Gelehrten wurde dieser Parallelismus als ein Geheimniss bezeichnet. Wie wenig Gewicht der berühmte englische Physiker auf seine Bemerkung legte, geht daraus hervor, dass er in Bristol die Meinung aufstellte '), nicht die Erde sei der Sitz des Erd

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1) Verhandlungen der 6ten Versammlung u. s. w. pag. 336.

magnetismus, sondern die Atmosphäre, von welcher Dalton behauptet haben soll, dass ihre oberen Regionen von kleinen Eisen- und andern magnetischen Theilen erfüllt seien.)

Ueber die Isoklinen oder Linien gleicher Neigung lässt sich wenig Allgemeines sagen; sie werden weder mit den Isodynamen noch mit den Linien gleicher Wärme in einem engen Zusammenhang stehen. Die Inclination 'hängt nemlich von der relativen Wärmedifferenz zwischen dem nördlich und südlich vom Beobachtuugsort liegenden Regionen ab; nicht von deren absoluten Temperatur. Das heisst, wenn diese Regionen und wenn auch die ganze Erde um ein Bestimmtes wärmer oder kälter würde, so bliebe doch die Inclination dieselbe, die Intensitäten aber würden sich in diesen Fällen ändern. Daraus folgt, dass in dem wärmsten Länderstrich einer gewissen Breite die Inclination weder ein Maximum noch ein Minimum sein wird, und man sieht daher die convexen and concaven Scheitel der Isoklinen nicht mit den Scheiteln der Isodynamen coinzidiren, sondern zwischen ihnen liegen, wie dies durch A. Erman's magnetische Karte"), welche alle drei Arten magnetischer Linien zugleich darstellt, bewiesen wird. Was die Inclination am Aequator betrifft, so kann man erwarten, dass sie in Südamerika am meisten nördlich sei, und das bestätigen auch die Beobachtungen; eben so müsste man sie in Afrika am meisten südlich erwarten, weil in diesem Meridian die nördliche Halbkugel viel wärmer ist, als die südliche. Allerdings liegt auch in Afrika der magnetische Aequator nördlich vom terrestischen, allein das Maximum seiner Entfernung ist nicht in Afrika, sondern im indischen Meer in 60 bis 70° ö. L. Gr., d. h. also viel östlicher, als man hätte vermuthen sollen. Es hat diese auffallende Erscheinung vielleicht denselben Grund, als die anderweitigen grossen Unregelmässigkeiten der Neigung in diesen Gegenden. Entfernt von den festen Ländern schliesst sich der magnetische Aequator dem terrestrischen im grossen Ocean 'sehr nahe an, und dies ist natürlich, weil hier die geringste Temperaturdifferenz zwischen beiden Halbkugeln zu vermuthen steht. Da der magnetische Aequator dort etwa 2° südlich liegt, so folgt, dass in dieser Gegend die südliche Hemisphäre sogar wärmer sein muss als die nördliche. Die Aequatorialgrenzen der beiden Passatwinde auf diesem Meere scheinen dies zu bestätigen, in so fern Kämtz diejenige des NO. Passats in 2° nord

') Pogg. Ann. Bd. 21,

licher Breite, die des So. in 2 bis 4° südlicher Breite annimmt '); jedoch sind diese Windesbeobachtungen nicht sicher genug, um sie benutzen zu dürfen.

So wie die Unregelmässigkeiten der Intensität und Inclination auf einem und demselben Parallelkreis von den störenden Ursachen hauptsächlich abhängen, welche südlich und nördlich vorhanden sind, so werden die Unregelmässigkeiten der Declination hauptsächlich durch Störungen in Osten und Westen, durch unregelmässige Wärmeverbreitung daselbst, bedingt werden. Denkt man sich eine Declinationsnadel zwischen zweien convexen Scheiteln der Isodynamen, so würden sich die östlich und westlich liegenden Störungen einander in ihrem Einfluss auf diese Nadel compensiren, falls die Isodynamen sonst - regelmässige Linien wären, d. h. auf gleiche Weise anstiegen und abfielen. Da dies nicht der Fall ist, so kann man bloss erwarten, es werde irgendwo zwischen zweien solcher Scheitel Orte geben, wo die Compensation eintritt, und daher die Declination = o ist. Dasselbe gilt für eine Nadel, die sich zwischen zwei concaven Scheiteln der Isodynamen befindet. Die Isogone = 0, oder die Linie ohne Abweichung wird daher im Allgemeinen durch die Maxima und Minima der Isodynamen hindurch gehen und würde diese Punkte genau durchschneiden, wenn wie, gesagt, die Isodynamen symmetrische Curven wären. Nähert man sich von den Orten aus, wo die Declination o ist, einem im Osten liegenden convexen Scheitel der Linien gleicher Kraft, so erhält die Wärme der östlich liegenden Theile das Uebergewicht, und der Nordpol der Declinationsadel wird daher nach Westen sich wenden. Innerhalb des convexen Scheitels wird die Declination = o sein, und wenn man sich von diesem Scheitel in derselben Richtung entfernt, als man sich ihm genähert hat, wird die Declination nunmehr östlich werden. Das Maximum der östlichen und westlichen Declination wird also irgendwo zwischen dem Maximum und Minimum der Isodynamen statt finnen. Will man diese Verhältnisse auf einer Karte verfolgen, so darf man nicht vergessen, dass Curven dieser Art immer so gezeichnet werden, dass man vorerst irgend ein grösseres Stück einer Curve fest zu legen sucht, und die übrigen Curven dieser ersteren so parallel zeichnet, als es die Beobachtungen gestatten. Da von diesen letzteren verhältnissmässig nur wenige zu Gebote stehen, so ist dieses

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1) Meteorologie Bd. I, pag. 178,

Verfahren auch anumgänglich; allein es führt darauf, die Maxima und Minima solcher Curven grösstentheils in einen und denselben Meridian zu verlegen, welches z. B. für die Isodynamen sicherlich nicht der Fall ist. Daher geben solche Curven nur eine allgemeine Ansicht der Erscheinung, welche sie darstellen sollen, und müssen im Einzelnen sehr modifizirt werden. Eben dies Verhalten zeigten auch die ersten Entwürfe der Linien gleicher Wärme; sie hoben sich allmählich von der Ostküste Amerika's bis zur Westküste Europa's, und fielen dann eben so allmählich wieder. Wäre dies richtig, so würde die Isogone = o durch den in Europa liegenden convexen Scheitel dieser Curven hindurch gehen. Aber die detaillirten Untersuchungen von Kämtz haben gelehrt, dass die Isothermen von der Westküste Europa’s ab viel rascher fallen, als sie vorher gestiegen, dass ihre Maxima nicht in einem und demselben Meridian liegen, sondern östlicher werden, je weiter man sie nach Norden verfolgt. Das letztere gilt noch mehr von den Linien gleicher Erdwärme. Wenn wir also die asiatische Linie ohne Abweichung in Sibirien fast genau den concaven Scheitel der Isodynamen durchschneiden, von dem 70. Grad ö. L. Gr. an sich heben sehen, den convexen Scheitel der Isodynamen nicht durchschneidend, sondern etwa 20° östlich davon bleibend, so erklärt sich die letztere Differenz aus dem so eben angeführten Verhalten der Linien gleicher Erdwärme, aus dem Mangel an Symmetrie den sie haben, und daraus, dass ihre Maxima immer weiter östlich fallen. Erinnert muss jedoch hier nochmals werden, dass ein völliges Zusammentreffen der magnetischen und thermischen Linien überhanpt unmöglich ist, und dass es hierbei genügen muss, den Verlauf einer Curve im Allgemeinen den Erwartungen gemäss zu finden. Die amerikanische Linie ohne Abweichung durchschneidet ziemlich genau die concaven Scheitel der Isodynamen. Was die übrigen Curven gleicher Abweichung betrifft, so nehmen von die sen Linien ohne Abweichung die westlichen und östlichen Declinatio nen nach dem Gesetze zu, welches so eben angegeben worden.

Eine der schwierigsten Aufgaben in der Lehre des Erdmagnetsmus ist es, den Einfluss zu ermitteln, den 1 Grad Wärme auf die magnetische Intensität der Erde ausübt, und doch ist es nothwendig, sie schon jetzt, wenn auch nur annähernd zu lösen, weil sonst die Beurtheilung des Verhältnisses zwischen beiden Kräften unmöglich ist. Der Weg, den ich zu diesem Behuf früher wählte, scheint mir noch bis jetzt der einzig mögliche zu sein, daher ich ihn hier, wiewohl modifizirt, wiederum einschlage., Der Zeit und andern Forschern muss es überlassen bleiben, einen andern Weg zu finden, oder durch sicherere Werthe die hier gewonnenen Resultate numerisch zu verbessern.

Jede magnetische Intensität, welche durch die Wärme vermindert

wird, lässt sich unter der Eorm darstellen "K(1 — ),

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to), wo 'to die

a

1

Temperatur und

den Verlust angiebt, welchen die magnetische Kraft

a

K durch einen Grad der gewählten Skale erleidet. Denken wir uns die Erde anfangs in einer hohen Temperatur, so wird sie keine magnetische Kraft besessen haben; erkaltete sie hierauf, so erlangte. jedes Theilchen denjenigen Magnetismus, welcher seiner Temperatur entspricht. Auf diese Weise ist der Erdmagnetismys bedingt durch die Temperatur, und muss als cine Function derselben ausgedrückt werden. Gesetzt, die Temperatur in der Breite 9. sei allgemein f(P1), So würde dem Gesagten zufolge die magnetische Intensität daselbst

1 sein proportional 1 --

-f(9.). Nun aber haben wir der Breite 9,

.

a

1.

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woraus

die magnetische Intensität A (sin. 9, -psin.? 9,) gegeben; man hat folglich

f(q)=A (sin.gı-psin.'9,),
f(P)=a[1 – A (sin.gı-psin.”9.,)]

. Dieser letzte Ausdruck für die Temperatur würde also dieselbe magnetische Vertheilung zur Folge haben, die sich bis jetzt, durch ihre Uebereinstimmung mit den beobachteten Erscheinungen des Erdmagnetismus so sehr empfiehlt.

Die Function f(gu), abstrahirt von der Verschiedenheit der Wärme längs der einzelnen Meridiane, und stellt nur den mittleren -Wärmezustand jedes Breitengrades dar. Da für 9,=, f(9)=a wird,

1 s ist also a die Temperatur des Aequators; zugleich ist der Verlut an magnetischer Kraft für 1° Temperaturerhöhung. Dies muss auch in der That so sein, denn da die magnetische Kraft von der Wirme abhängen und zugleich unter dem Aequator = o sein soll, so muss die Temperatur a, die dort herrscht, die magnetische Kraft

1 vernichten, welches nur dann geschieht, wenn der Verlust an Kraft

a

0

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a

für 1° ist. Die Temperatur des Aequators ist nach Humboldt 27,5 C;

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