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Einfluss auf den Stand der Nadel ausüben, dass sie bei N oder NO Winde östlicher zeige als bei W oder SW Winden. Differenzen wie diejenigen, welche die drei Orte mit Bezug auf die Windesrichtung zeigen, finden sich selbst bei der verschiedenen barometrischen Windrose.

Es ist wohl keinem Zweifel unterworfen, dass durch diese Untersuchungen der Einfluss des Windes auf die Declination sicher nachgewiesen ist, denn trotz des geringen Unterschiedes bei den einzelnen Winden, findet doch eine vollständige Regelmässigkeit in der Zu- und Abnahme der Declination innerhalb der Windrose statt. Ja die Declination ist auf der Windrose ganz symmetrisch vertheilt, wenn die Beobachtungen, wie in Mannheim, 10 Jahre umfassen. Man kann nemlich in der Formel für diesen Ort das letzte Glied wohl übersehen, so dass mit 2 Gliedern oder 3 Constanten die Formel sich den Beobachtungen nahe genug anschliesst. Mit 3 Constanten aber ist die Windesrichtung, welche die grösste Abweichung zur Folge hat, am 180° von derjenigen verschieden, welche die kleinste be wirkt; und die Windesrichtung, bei welcher die mittlere Declination herrscht, steht darauf senkrecht. ; Vergleicht man die Unterschiede der Rechnung von der Beobachtung für die magnetische Windrose in Mannheim, mit denen, welche Dove bei der Berechnung der thermischen Windrose für London gefunden hat '), so sieht man, dass die ersteren eher kleiner sind. Und doch ist der Einfluss der Winde auf das Thermometer unbestreitbar, und die Londoner Beobachtungen erstrecken sich auf vierzehn Jahre. Es ist auch noch besonders hervorzuheben, dass die letzteren keine regelmässige Zu- oder Abnahme des Wärmegrades bei den einzelnen Winden der Rose geben; denn er ist am höchsten beim Südwinde, fällt mit SW, W, NW, steigt mit N und fällt wieder mit NO. Dagegen ist die Zu- und Abnahme der Declination ganz regelmässig.

Ist also über die Existenz dieses neuen Zusammenhangs der magnetischen und meteorologischen Erscheinungen kein Zweifel, so stösst man doch bei der Erklärung desselben auf einige Schwierigkeiten. Die erste liegt darin, einen Grund für die geringe Veränderung der Nadel bei den verschiedenen Winden anzugeben. Betrachtet man die thermische Windrose zu London und Paris, so ergiebt sich, dass im Mittel des Jahres der wärmste Wind von den kältesten um 3o,16C

') Poggend. Ann. Bd. 23, pag. 62.

unterschieden ist. Da nun die Declinationsnadel ein empfindliches Instrument für Wärmeänderungen auf der Erdoberfläche ist, vorausgesetzt, dass sie ausserhalb des Meridians vor sich gehen, so hätte man einen stärkern Einfluss der Winde verinuthen sollen. Inzwischen ist zu erwägen, dass ein warmer Wind sowohl südwestlich als nordöstlich dem Beobachtungsort die Temperatur erhöht, welches entgegengesetzte Veränderungen der Abweichung bewirkt, so dass die Nadel nur die Differenz beider anzeigen kann. Es ist ferner nicht zu übersehen, dass der wärmste and kälteste Wind beinahe in der Richtung des Meridians wehen. Hieraus ist es begreiflich, dass ihr Einfluss nicht beträchtlich sein kann.

Da sich aus den Untersuchungen der Meteorologen über die thermische Windrose ergiebe, dass der Einfluss der Winde auf die Temperatur in den verschiedenen Jahreszeiten sehr verschieden, in den Wintermonaten mehr als doppelt so gross ist, so wird in der letzteren Jahreszeit auch die Magnetnadel stärker affizirt werden, als im Mittel des Jahres. Vielleicht dass uns Kämtz später darüber belehrt! Dasselbe wird auch für einzelne Winde gelten, namentlich wenn sie Temperaturdifferenzen ihr Entstehen verdanken, welche innerhalb grosser Länderstrecken eintreten. Ich bedauere, die Mannheimer Ephemeriden nicht zu besitzen, um dies 'ụntersuchen zu können.

Eine andere Schwierigkeit liegt darin zu erklären, wie der NNO Wind den westlichsten Stand der Nadel bewirken könne. Wenn dieser Wind weht, so erkaltet er im Allgemeinen die Gegend NNO und die Gegend SSW vom Beobachtungsort; allein wie man meinen sollte, die erstere stärker. Dann müsste jedoch dieser Wind den Nordpol der Nadel nach Osten treiben; er treibt ihn aber nach „Westen.' + Weht der SSW, so erwärmt er den Strich SSW und NNO, und nimmt man auch hier an, dass der Wind anfangs einen stärkern Einfluss auf die Temperatur übe, als im Verlaufe seiner Bahn, wo er einen Theil seiner Wärmedifferenz eingebüsst hat: so würde der SSW Wind einen östlicheren Stand der Nadel hervorbrin.

und dieses wäre dann mit der Erfahrung übereinstimmend. Theoretisch, d. h. mit dieser Voraussetzung hätte man also erwarten müssen, dass zwischen dem kältesten und wärmsten Winde mit Bezug auf die Declination kein Unterschied stattfände, und diese Ueberlegung liess mich auch früher an der Existenz , einer magnetischen Windrose zweifeln. Man könnte, um den Widerspruch der Thatsache mit obiger Betrachtung zu heben, annehmen, der NNO Wind erkalte

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die südlicheren Gegenden verhältnissmässig, mehr, und würde durch die Erfahrung nicht widerlegt werden können, da man die thermische Windrose für zu wenig Orte kennt, deren Breite noch dazu nicht sehr verschieden ist. Allein eine solche Annahme wäre doch unwahrscheinlich; denn nicht allein, dass der NNO beim Vorschreiten immer wärmer wird, so entfernt er sich auch von der Erdoberfläche; er steigt in die höhern Regionen, und schon desshalb muss sein Einfluss auf die Temperatur des Bodens immer geringer werden. Ausserdem wehet er auch anfangs über Gegenden, welche, als die nördlicheren, eine stärkere magnetische Kraft besitzen, und deren Erkaltung daher auf die Nadel einen grösseren Einfluss ausübte, so dass selbst, wenn der NO oder NNO zu beiden entgegengesetzten Seiten gleich stark erkaltete, der Nordpol doch nach O gehen würde. Und trotz allem diesem geht er nach Westen.

Inzwischen kann man, wie ich glaube, die Sache auf folgende Weise erklären. Es ist bekannt, dass ein NWind beim Vorschreiten immer östlicher wird, weil er in Breiten tritt, welche eine grössere Rotationsgeschwindigkeit besitzen. Ein Wind also, der in den mitt leren Breiten als N oder NNO Wind ankömmt, - hatte ursprünglich in dem höheren Breitengrade, wo er entstand, eine nordwestliche Richtung, die er erst nach und nach verliert, und durch N nach NO übergeht. Ist dies der Fall, und hat die erkaltende Wirkung eines solchen Windes anfangs einen grössern Einfluss als im weitern Verlaufe seiner Bahn, dann liegen in der That die vorzugsweise erkalteten Theile nordwestlich von der Nadel, und dann ist es nothwendig, dass der Nordpol der Nadel nach Westen gehe, sogar noch ehe dieser Wind den Beobachtungsort trifft, wo er als ein Nordwind oder mehr östlicher Wind erscheinen wird, je nachdem die Lage dieses Ortes mehr oder weniger nördlich ist. Nicht immer wird der NNO Wind aus so entfernten Gegenden kommen, dass seine Richtung anfangs nordwestlich war; allein nur in diesem Falle wird er die Declination vergrössern, in den andern Fällen wird er sie umgekehrt verringern.

Wenn wir nicht irren, so kann auf dieselbe Weise ein Widerspruch zwischen den Aussagen der Declinationsnadel und der Winde in Bezug auf die Richtung, in welcher der kälteste Punkt liegt, gehoben werden. Die Declinationsnadel behauptet, dieser Punkt liege für Europa, namentlich dessen westlichen Theile, nach nordwest hin; die Temperatur der einzelnen. Windelehrt jedoch, dass die kälteste

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Gegend mehr nach Osten hin falle, denn der NNO oder NO Wind ist der kälteste der Windrose. Allein zu Folge dessen, was so eben bemerkt worden, ist die letztere Luftbewegung ursprünglich nordwestlich, sie ist nur durch die Complikation mit der ursprünglichen Rotationsgeschwindigkeit der Erde östlicher geworden. Eben so ist der SW Wind, als der wärmste der Winde , ursprünglich eine südliche oder gar südöstliche Luftbewegung, obgleich der Unterschied der Rotationsgeschwindigkeit zwischen den niedern und mittlern Breiten unbedeutender ist, als derselbe Unterschied zwischen den mittlern und höhern, so dass ein Südwind beim Vorschreiten weniger westlich wird, als ein Nordwind östlich. Wegen dieser Umstandes ist die Windfahne und das Thermometer mit der Declinationsnadel scheinbar im Widerspruch, aber auch nur scheinbar.

Nachdem L. v. Buch die Climatologie der mittlern Breiten gegründet hat, indem er die Windfahne als dasjenige Instrument hervorhob, um welches dort alle übrigen zu gruppiren seien, ist es erfreulich zu sehen, dass durch die Untersuchungen von Kämtz nunmehr auch die Magnetnadel mit ihren Veränderungen auf die Windrose der gemässigten Zone zu setzen ist. Hierdurch ist es vollends ausser Zweifel, dass die Veränderungen des Erdmagnetismus von climatischen Verhältnissen bedingt werden, und dass die Magnetnadel eines der bedeutendsten meteorologischen Werkzeuge abgeben werde, wie ich das schon früher zu beweisen gesucht habe.

A n h a n g.

Schema und Tafeln zur Berechnung der Coeffi

zienten periodischer Reihen.

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