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Wird der Glascylinder fortwährend entladen, so dass dem Elektrometer nur die bei einer Umdrehung erregte Elektricität zugeführt wird, so nimmt die Divergenz des letztern bei weichen fibrösen Reibern mit steigendem Drucke zu, weil der Contact diese Stoffe dichter macht und dadurch der negativen Elektricität des Reibers eine bessere Ableitung verschafft.

Einfluss der Breite des Reibers auf die Elektricitätserregung. Es wurden nach einander zwei Reibzeuggestelle angewendet von gleicher Länge, das eine aber von der vierfachen Breite des andern. Mit den verschiedenen oft genannten Stoffen bekleidet, gaben diese Reibzeuge keinen merklichen Unterschiede der Divergenz am Elektrometer. Oder auch, es wurde bei demselben Gestelle der bekleidende Stoff einmal straff aufgezogen, das andere Mal bauschig befestigt, so dass bei der Drehung des Cylinders die reibende Fläche über das Reibzeug hinaus, bis 1,4" Entfernung von demselben, ausgedehnt wurde. Die Divergenz am Elektrometer war die frühere, wurde aber, wenn der reibende Stoff zu weit übergriff und dem Metallkamme zu nahe kam, vermindert. Nur bei dem Wachstaft blieb die Elektrisirung des Cylinders dieselbe, er mochte in noch so grosser Ausdehnung über das Reibzeug hinaustreten.

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Einfluss der Krümmung des Reibers an der Gränze seines Contacts mit dem Cylinder auf die Elektricitätserregung Das gewöhnliche Reibzeug wurde beibehalten, der Stoff, mit dem es bekleidet war, aber nur an der einen Seite straff aufgezogen, an der andern (die in der Richtung der Drehung des Cylinders lag) bauschig befestigt. In diesen bauschigen Theil wurden Blechcylinder verschiedener Krümmung, von der Länge des Glascylinders, gesteckt und die reibenden Flächen damit straff ausgespannt. Die Fläche des „Blechcylinders bildete daher die Fläche des reibenden Stoffes an der Gränze seiner Berührung mit dem Glase. Peclet wandte 4 verschiedene Cylinder an von 2, 1, į und Zoll Durchmesser; bei derselben Bekleidung des Reibzeuges mit Kupferpapier gaben diese Cylinder respectiv Divergenzen von 21,5

20 - 18 16,5 Graden am Elektrometer. Das Glas wird also durch Reibung desto stärker elektrisirt, je grösser der Krümmungshalbmesser der reibenden Fläche an der Gränze des Contacts ist. Die Entfernung dieser Gränze von dem Reibzeuge hat keinen Einfluss, wenn sie dem Metallkamme nicht zu nahe liegt.

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Einfluss der Dicke der 'reibenden Substanz. Zinn, Blei, Papier, Fell, Atlas, Wachstaft wurden als Reiber in verschiedener Dicke angewendet, die erstgenannte Substanz als Zinnpapier und gewalztes Zinn (Dicke 1 und 40), die andern Stoffe in einzelnen und mehfach über einander geschichteten Lagen. Die Elektrisirung des Glases war von der Dicke der reibenden Substanz unabhängig. Nur bei Entladung des Cylinders nach jeder Umdrehung, verminderte die Dicke von schlecht leitenden Reibern diese Elektrisirung, weil die Ableitung der Elektricität des Reibers durch seine Dicke erschwert wurde.

Einfluss der Dicke des Glases auf die Elektricitätserregung.

Hierüher finden sich in der Abhandlung nur wenige Versuche vor. Es wurde eine Glasröhre und ein Stab gleichen Durchmessers mit der Hand gerieben und an ein Elektroskop gebracht.' Der Stab wurde stärker elektrisch, als die Röhre. Als jedoch letztere getrocknet und an beiden Enden zugeschmolzen war, glich sich der Unterschied aus. Hiernach würde die Dicke des Glases ohne Einfluss auf die Elektrisirung desselben sein.

Dieser Schluss ist indess nur für Glas von cylindrischer Form und für einseitige Reibung gültig. An der Scheibenmaschine, bei welcher beide Seiten des Glases gerieben werden, giebt bekanntlich das dünnere Glas den stärkeren Effekt.

Einfluss der Art der Reibung auf die Elektricitätserregung. Ein hohler Kupfercylinder von der Länge des Glascylinders wurde mit Leder überzogen und an die Stelle des Reibzeuges gesetzt; seine Axe konnte in den verticalen Rinnen beliebig festgestellt oder freigelassen werden. Im ersten Falle entstand bei Drehung des Glascylinders de (bisher angewandte) Reibung mit gleitender, im zweiten die Reibung mit rollender Bewegung. Der Kupfercylinder wurde mit der Hand an den Glascylinder angedrückt; mit Papier, Metallpapier, Schaffell bekleidet, zeigte sich seine elektrisirende Wirkung auf das Glas durchaus gleich, seine Axe mochte fest oder beweglich sein. Mit Anwendung von Atlas und Molleton als reibende Substanz gab der letztere Fall die stärkere Elektrisirung. Mit altem trockenen Wachstaft gaben beide Arten des Reibens dieselbe Stärke der (positiven) Elektrisirung des Glases, als aber neuer klebender Wachstaft gebraucht wurde, so war die erregte Elektricitätsart nach der Art des Reibens verschieden. Es wurden folgende Divergenzen am Elektrometer erhalten:

rollende Reibung -45 47 - 46 - 47 - 46 -47 gleitende

+63 +65 +63 +65 +62 +66

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Die erste Art der Reibung bedingt nämlich ein fortwährendes Zusammendrücken des Wachstafts, das ihn nach Libes bekannten Versuchen positiv elektrisch macht, indess die gleitende Reibung denselben selbst gegen Metall negativ elektrisirt. Was den Einfluss der Wärme und der Rauhheit der Oberfläche betrifft, so bestätigte der Verfasser die bekannte Erfahrung, dass durch beide ein geriebener Körper die Tendenz erhält, negativ elektrisch zu werden.

Reibung der Luft gegen Glas. Marx') hat die häufig gemachte Bemerkung, dass ein starker Luftstrom, der gegen eine Glasplatte getrieben wird, dieselbe elektrisch mache, ungegründet gefunden. Auch eine schnell rotirende Metallmasse zeigt nach ihm keine Elektricität, die der Reibung der Laft gegen dieselbe zugeschrieben werden kann.

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b) Elektricitätserregung durch Reibung der Metalle. Elektricitätserregung durch Reibung der Metalle mit Metallfeilicht. Becquerel”) schraubte eine Metallschale auf den Deckel eines Bohnenbergerschen Elektroskops, und hielt eine Metallplatte schräg über dieselbe. Als er nun Metallfeilicht auf die Platte und von derselben in die Schale fallen liess, konnte er die Elektricität prüfen, die dasselbe durch Reibung mit der Platte angenommen hatte. Es fand sich ganz allgemein, dass Metallfeilicht, Metalloxyd, gepülvertes Schwefelmetall, auf eine Platte des zugehörigen Metalls geworfen, negativ elektrisch wurde. Nur das Antimon machte hiervon eine Ausnahme, indem das Feilicht desselben durch Reibung gegen eine Antimonplatte positiv wurde. Singer hat bereits die Beobachtung gemacht, dass Kupferfeilicht, durch ein Zinksieb geschüttelt, negativ wird; Becquerel fand dasselbe negativ durch Reibung gegen Platten von. Zink, Blei, Zinn, Eisen, Wismuth und Antimon; gegen Platten von Platin, Gold, Silber gerieben, zeigte es keine Elektricität. Zinkfeilicht wurde durch Reibung mit einigen Metallen positiv, mit andern negativ, Braunstein mit allen Metallen negativ. Die Wärme hatte auf die Elektricitätserregung durch Reibung grossen Einfluss, wie aus folgender Tabelle ersichtlich ist.

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1) Erdmann u. Schweigg. Journ. f. prakt. Chem. III. 239. 2) Mém. de l'Acad. XII. p. 341. Ann. de Chim. 47. p.

116.

0

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Feilicht

Platte

Feilicht, Feilicht u. Platte, bei gewöhnl. Temperatur.

zu 60° erw. zu 60° erwärmt. Zink + mit Platin, Gold, Silber,

Kupfer, Graphit Feilicht Feil. noch stärker Zink

mit Zink, Eisen, Wism.
Antimon

Feilicht Feil. noch stärker -
Braunst. - mit Gold, Platin, Kupfer,
Zink, Braunstein Feilicht

Feil. noch stärker Die Wärme giebt hiernach den Mineralien, wie allen Substanzen, die Tendenz, bei der Reibung negativ elektrisch zu werden, aber dem Feilicht eine grössere als dem festen Metall, da sonst der Effect in der letzten Columne nicht hätte gesteigert werden können. Becquerel versuchte noch auf eine andere Weise, die Reibung des Feilichts mit einer Platte zu bewirken. Er stellte auf das Bohnenbergersche Elektroskop ein kleines Uhrwerk, welches eine darauf befestigte Platte in schnelle Rotation versetzte. Braunstein, Schwefeleisen, Silber in Pulverform, auf rotirende Platten von Zink, Zinn, Gold gestreut, wurden negativ elektrisch, Zinkfeilicht auf Zink geworfen, gab keine Spur von Elektricität.

Elektricitätserregung durch Reibung der Metalle mit Halbleitern. Wenn Metallplatten mit einander gerieben werden, so ist nach de la Rive die erregte Elektricität nicht nachweisbar, weil die Platten an der Trennungsfläche zu gut leitend sind. Durch Reibung mit Halbleitern aber kann in Metallen so viel Elektricität erregt werden, dass sie das Elektrometer bedeutend afficiren. Schon Hauy fand Metalle und Erze durch Reibung auf Tuch stark elektrisch, die meisten aber negativ; nur Zink, Silber, Wismuth, Kupfer, Blei, Eisenglanz gaben positive Elektricität. De la Rive hat die Elektricitätserregung untersucht, die durch Reibung von Metallen mit der Hand, mit Elfenbein, Horn,. Kork, Kautschuck und verschiedenen Holzarten stattfindet. ?) Er fand, dass alle Metalle durch die Reibung mit den genannten Stoffen negativ el. werden. Scheinbare Ausnahmen von dieser Regel werden dadurch erklärt, dass der Reiber eine auf dem Metalle gebildete Oxydschicht abgezogen habe, so dass nun das Metall, mit seinem Oxyde gerieben, positiv elektrisch werde. Ist keine Oxydschicht da, oder ist sie so fest, dass sie nicht

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') Biblioth. univ. tome 59. p. 13. Pogg. Ann. Bd. 37. p.

506.

abgerissen wird, so zeigt das Metall seine normale negative Elektricität. Stets negativ wurden: Rhodium, Platin, Palladium, Gold, Tellur, Kobalt, Nickel; meistentheils negativ: Silber, Kupfer, Messing; negativ und positiv: Antimon, Wismuth, Blei, Zink, Zinn, Eisen. Die letztgenannten, ungewiss elektrischen Metalle wurden in Form von Würfeln von 1 Zoll Seite, zum besondern Gegenstande der Untersuchung gemacht. Nach eben gereinigter Oberfläche, in trockener Luft gerieben, zeigten sie sich negativ, in feuchter Luft, bei Erwärmung auf ihrer ganzen Fläche gerieben, positiv elektrisch. Die anomale Elektricität tritt desto leichter ein, je mehr Gelegenheit zur Bildung einer leichten Oxydschicht und zum Uebergehen derselben auf den Reiber gegeben ist. So wurden die heissen Zink-, Zinn-, EisenWürfel, auf den Flächen gerieben, positiv, auf den Kanten gerieben, negativ. Antimon und Silber, sonst sehr constant negativ, können, durch anhaltendes Reiben mit Kork und Kautschuck auf ihren Flächen, positiv werden. Mit Ebenholz bringt man die negative Elektricität der Metalle leicht zu Wege; nur Blei und Wismuth werden sehr selten negativ. Der Verfasser schreibt dies der Leichtigkeit zu, mit der diese beiden Metalle eine Oxydschicht erhalten, welche durch die matte Farbe des Bleies und die irisirende des Wismuths angedeutet werde. Geschwindigkeit und Druck beim Reiben haben keinen Einfluss auf Intensität und Art der erzeugten Elektricität.

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II. Elektricitätserregung durch merkliche chemische Ein

wirkung. Es ist hier zuvörderst an einige frühere Versuche Becquerels') zu erinnern, in welchen die Elektricitätserregung durch chemische Einwirkung von Flüssigkeiten auf Metalle auf einfache Weise dargethan wurde.

Ein kleiner Tiegel aus Platin oder Kupfer, mit einer stark reagirenden Flüssigkeit gefüllt, war auf den Deckel eines Bohnenbergerschen Elektroskops gestellt worden, eine Metallplatte wurde mit der Hand in die Flüssigkeit getaucht, und die Elektricität, welche das Metall angenommen hatte, aus den Anzeigen des Instruments geschlossen. Die nachfolgende Tabelle giebt die Art der Elektricität des eingetauchten Metalles an.

') Ann. de Chim. XXVII. p. 5. Traité de l'él. II. p. 245.

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