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El. der Säule nach d. erregend. Flüssigkeit.

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beinahe dieselbe Elektricitätsmenge. Anders ist es, wenn beide Pole der Säule isolirt sind. Alsdann gab der Apparat die stärkste Elektricität, wenn er mit Wasser, eine geringere, wenn er mit Glaubersalzlösung, die schwächste, wenn er mit Salpetersäure gefüllt war. Bei Anwendung der letztern konnte das Elektrometer nur zur Divergenz von 2° gebracht werden. Die Dauer der Berührung der Polplatte mit dem Condensator zeigte sich hier von demselben Einfluss, den sie früher gehabt hatte, als der eine Pol eine Ableitung hatte. Bei der Salpetersäure reichte eine augenblickliche Berührung des Condensators hin, ihn mit dem Maximum zu laden, bei Wasser hingegegen fanden sich die Divergenzen des Elektrometers nach der Berührungsdauer folgendermaassen verschieden. Dauer der Berührung

2"

15" 30" 60" Divergenz des Elektrometers 0 2 6

Die bekannte Angabe, dass bei einer isolirten, an den Polen mit Elektrometern versehenen Säule die Divergenz jedes Elektrometers durch Berührung des andern verdoppelt wird, ist nach diesen Versuchen zu berichtigen. Die Berührung eines Pols bringt nämlich eine desto grössere Verstärkung der Elektricität des andern Pols hervor, je besser leitend der Körper der Säule selbst ist, und diese Verstärkung muss daher, nach Zahl der Abwechselungen der Säule und nach dem Leitungsvermögen der Flüssigkeit, mit der sie construirt ist, verschieden sein.

max.

V. Elektricitätserregung durch die Magneto-elektrische

Maschine. Im ersten Theile des Repertoriums, S. 312, ist angeführt worden, dass die Divergenz des Elektrometers durch die Wirkung einer magneto-elektrischen Maschine noch nicht umzweifelhaft constatirt sei. Wir haben seit der Zeit keine Aufklärung über diesen Punkt erhalten. Es befindet sich zwar auf dem Umschlage des zweiten Heftes von Sturgeon Annals of Electricity (Januar 1837.) bei der Anpreisung der Clarke’schen Maschine die Bemerkung, dass dieselbe das Goldblattelektrometer zum Divergiren bringe und eine leydener Flasche lade; aber im Hefte selbst, wo S. 145 die Maschine und ihre Wirkungen von dem Verfertiger sehr umständlich abgebildet und beschrieben worden sind, wird die fragliche Wirkung nicht erwähnt. Die genannte Maschine ist übrigens der von Saxton angegebenen, mit einigen Abänderungen, nachgebildet.

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VI. Elektricitätserregung durch Temperaturänderung.

a) Durch Erwärmung unkrystallinischer Substanzen. Elektricität bei Erwärmung von Metallen. De la Rivel) löthete einen Platinstab an eine Condensatorplatte aus Zink. Die Platte war auf der obern Fläche so stark gefirnisst, dass, als sie auf die Condensatorplatte des Elektrometers gesetzt und nach Berührung des Platinstabs mit der Hand abgehoben wurde, das Elektrometer unbewegt blieb. Als aber der Platinstab durch die heisse Hand oder eine schnell vorübergeführte Spiritusflamme erwärmt wurde, zeigte sich die Zinkplatte positiv elektrisch geworden. Wurde der Platinstab in seiner ganzen Länge gleichförmig erwärmt, so wurde keine Elektricität erregt. Uns scheint dieser Versuch nicht prägnant genug, um einzelnstehend die Elektricitätserregung durch Erwärmung eines Metalls zu beweisen.

Elektricität bei Erwärmung des Glases. Becquerel?) hat Versuche angestellt, die von keiner Bedeutung für den fraglichen Gegenstand sind. Eine 3" lange {“ dicke Röhre aus hartem Glase wurde am Coconfaden in einem Glascylinder aufgehängt. Bei sehr trockener Luft wurde die Röhre von einer ausserhalb genäherten geriebenen Siegellackstange angezogen, nicht aber, wenn die Luft feucht

Wurde nun der unten Offene Glascylinder auf eine Metallplatte gestellt und diese durch eine Spiritusflamme erwärmt, so traten wieder Anziehungen der schwebenden Glasröhre durch die Lackstange ein, und zwar am entschiedensten gleich nach dem Auslöschen der Flamme. Die Luft in dem Cylinder war zu 25, 30, auch zu 150° C. erwärmt. Der Verfasser verwahrt sich gegen die Annahme, dass Luftströme die Erscheinung bedingten, scheint aber kein grosses Gewicht auf diese Versuche zu legen, da er keine bestimmten Folgerungen aus ihnen zieht.

Muncke hat in mehreren Abhandlungen zu beweisen gesucht, dass das Glas durch eine sehr geringe Temperaturänderung (2—3°) elektrisch werde. In der Hauptabhandlung S) hat er diese Eigenschaft auch andern Substanzen zugeschrieben und angegeben, dass die Elektricitätserregung durch Wärme sich annähernd für das Glas durch 10, für Thon durch 4, für Eis durch 3, für Pappe durch 1 ausdrücken

war.

") Recherches sur etc. p. 15 suiv.
2) Traité de l'él. II. p.

71.
3) Pogg. Ann. Bd. 20. pag. 417.

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lasse. Den positiven Beweis für seine Ansicht sieht Muncke in der schon früher durch Watt, Pouillet, Pfaff u. A. bekannten Erscheinung, dass ein leichter Wagebalken in einem Glascylinder am Coconfaden aufgehängt, sich einer von aussen angebrachten Wärmequelle zudreht, so dass die der Wärme nächste Stelle des Cylinders den Wagebalken anzuziehen scheint. Die übrigen Beweise sind nur negative, gegen die Annahme, dass die Erscheinung von Luftströmen herrühre. Schon diesem zufolge würden die erwähnten Versuche nicht in die Elektricitätslehre gehören, da wir einen Körper aus dem Umstande allein, dass er einen andern anzieht, nicht für elektrisirt halten. Lenz ?) hat überdiess auf sehr gründliche Weise gezeigt, dass bei jenem Phänomen keine Elektricität, sondern Luftströmung wirke. Muncke?) hat auf diese Widerlegung geantwortet und dadurch wieder einen Aufsatz von Lenzo) veranlasst, in welchem die Elektricitätserregung des Glases, auch durch bedeutende Erwärmung, widerlegt wird. Da sich Muncke auf Becquerels Versuche beruft, so sind diese hier aufgenommen worden, obgleich sie schon vor längerer Zeit angestellt worden sind.

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b) Elektricitätserregung durch Temperaturänderung in krystalli

sirten Fossilien. Elektricität des erwärmten Turmalins, Boracits ú. s. w. Forbes 4) gebrauchte zur Untersuchung der Elektricität abkühlender Krystalle ein Coulombsches Torsionselektrometer 5) mit einer seitlich angebrachten Tubulatur zur Aufnahme des Krystalls. Er fand, dass bei dem Turmaline die Elektricität nicht im Verhältnisse zur Geschwindigkeit der Abkühlung steht, indem das Maximum der Abstossung des vorher elektrisirten Metallscheibchens erst einige Zeit nach dem Annähern des erhitzten Krystalles eintrat. Die Stärke der Elek- / trisirung des Turmalins ergab sich nach den Exemplaren verschieden, aber nicht wie Becquerel (und auch später Erman) gefunden hat, mit der Länge des Krystalls abnehmend. So war ein Krystall von 3,25Länge stark elektrisch, und ein anderer, 11" lang, stiess das Scheibchen des Elektrometers um 45° ab. Als der letztgenannte Kry

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?) Poggend. Ann. Bd. 25. S. 241.
2) Ibid. B. 29. S. 381.
3) Ibid. B. 35. S. 72.
*) Transact. of. r.s.of Edinb. XIII. p. 25. Lond. et Edinb.journ. V. p. 133.

*) Genaue Anleitung zur Verfertigung desselb. Biot traité. II. p. 349.

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stall in seinem Viertel durchgebrochen wurde, gab das längere Stück 47', das kleinere 43° Abstossung. Boracit, Topas, Mesotyp wurden durch Erwärmung elektrisch, aber nur die beiden ersten waren, wie der Turmalin, am stärksten elektrisch bei schon verlangsamter Abkühlung, während der dritte Krystall gleich bei dem Einbringen in das Elektrometer die stärkste Elektricität zeigte, die er aber sehr bald verlor.

Elektricität des durch Reibung erwärmten Turmalins. Erman) fand die Angabe, dass der Turmalin durch Reibung auf Tuch positiv elektrisch werde, in der Erscheinung nur bedingterweise richtig. Da nämlich die Reibung Elektricität und Wärme entwickelt, diese aber die Enden des Turmalins entgegengesetzt elektrisch macht, so kommt es darauf an, welches Ende gerieben und geprüft wird. Bei schwachem Reiben auf Tuch wird ein normaler Turmalin an einem Ende positive, an dem andern keine Elektricität, durch Reiben auf Pelzwerk nur negative Elektricität an einem Ende zeigen. Stärkere Reibung erzeugt stets beide Arten von Elektricität, aber nach der Natur des reibenden Stoffes, die eine derselben in höherm Grade. Eine rein thermische Elektricitätserregung am Turmalin brachte Erman hervor, indem er den Krystall mit seinen äussersten Enden auf zwei feine Goldblattelektrometer legte, und concentrirte Sonnenstrahlen auf seine Mitte fallen liess. Die Elektrometer divergirten gleich stark mit entgegengesetzter Elektricität.

Elektricität des erwärmten brasilianischen Topases. In derselben Abhandlung giebt Erman von dem Topase an, dass derselbe durch Temperaturänderung an den Endflächen negativ, an den Seiten-(Säulen-) Flächen positiv elektrisch werde. Nach der angegebenen Art der Prüfung tritt diese Elektrisirung bei dem Erkalten ein. Es wurde nämlich auf ein Bohnenbergersches Elektroscop ein möglichst kleiner Teller aufgesetzt und auf diesen der erwärmte Krystall mit einer Seitenfläche gelegt. Die positive Elektricität dieser Fläche zeigte sich nicht eher, als bis eine der Endflächen des Krystalles mit einer Spitze ableitend berührt worden war. Warde der Krystall mit einer Endfläche auf das Elektrometer gestellt, so kam die negative Elektricität derselben erst bei Berührung einer Seitenfläche zum Vorschein. Auf ähnliche Weise, durch Berührung der elektrisch entgegengesetzten Fläche, konnte die Elektricität eines

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') Poggend. Annal. Bd. 25. p. 612.

sehr kleinen Boracitkrystalles am Elektrometer mit Bestimmtheit nachgewiesen werden. Beim sächsischen Topase konnte Erman durchaus keine Elektricitätserregung durch Wärme, bei dem sibirischen nur Spuren derselben erlangen.

Elektricität des schwefelsauren Chinins. Becquerel') führt an, dass schwefelsaures Chinin, welches zu 60° erwärmt, stark phosphorescirt, zugleich bei dieser Temperatur das Elektrometer ladet. Ich habe in den neuesten chemischen Werken keine Bestätigung dieser Angabe gefunden. Dumas) spricht sich sehr unbestimmt und

? zwar folgendermaassen aus; »Das basisch schwefelsaure Chinin wird nach Callaud d'Annecy's Bemerkung bei 100° leuchtend. Die Reibung vermehrt diese Phosphorescenz in hohem Grade, und der geriebene Körper zeigt am Elektroscope starke positive Elektricität.« (Krystallisirtes Chinin wird durch Reibung stark negativ elektrisch.)

Zusammenhang zwischen der Krystallform und Elektricität des Turmalins. Es ist sehr merkwürdig, dass die Krystalle, welche durch Temperaturänderung in bedeutendem Grade elektrisch werden, an ihrer äussern Gestaltung ein charakteristisches Merkmal haben. Sind sie nämlich nach der Richtung, in der die beiden Elektricitätsarten beim Temperaturwechsel hervortreten, vollständig auskrystallisirt, so sind die beiden Endigungen des Krystalls nicht symmetrisch, es finden sich an dem einen Ende Flächen, die an dem andern fehlen. Die Frage, ob und wie das Hervortreten gewisser Flächen mit der Elektricität, welche dieselben bei einer Temperaturänderung zeigen, in Verbindung stehe, ist von grossem Interesse und bereits von Hauy angeregt. Gustav Rose hat diese Frage in Bezug auf den Turmalin in einer sehr ausführlichen Arbeit erledigt. ®)

Der Verfasser führt in einer Einleitung einige Sätze der Krystallographie an, nach welchen alle Krystallformen in solche zerfallen, welche die volle Zahl ihrer Flächen besitzen (homoëdrische), und in solche, die man sich aus jenen dadurch entstanden denkt, dass die Hälfte der Flächen fortgefallen ist (hemiëdrische). Die hemiëdrischen Formen sind wieder unter einander so verschieden, dass sie entweder parallele Flächen haben, oder nicht. Die ersten Formen nennt Rose

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') Annal. de Chimie tom. 47.

p.

133.
2) Traité de Chim. appl. tom. V. p. 748.
°) Poggend. Ann. Bd. 39. S. 285.

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