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parallelflächig-hemiëdrische, die letztern polarisch-hemiëdrische, mit Hindeutung darauf, dass alle hemiëdrischen Krystalle, die pyro-elektrisch sind, dieser Klasse zugehören. Der Turmalin ist ausgezeichnet polarisch - hemiedrisch; wir müssen, was die Einzelnheiten seiner Krystallform betrifft, auf die Abhandlung verweisen, und können nur auf die Bildung aufmerksam machen, deren Kenntniss in den meisten Fällen hinreicht, die Elektricität jedes Endes ohne Versuch zu bestimmen. Die Hauptform des Turmalins ist eine neunseitige Säule, die als Combination einer sechs- und einer dreiseitigen Säule zu betrachten ist. Durch das Vorherrschen der bezüglichen Flächen hat es nämlich entweder das Ansehen, als ob eine dreiseitige Säule an den Kanten durch zwei Flächen zugeschärft, oder als ob eine sechsseitige Säule an den abwechselnden Kanten durch eine Fläche abgestumpft worden wäre. Fixiren wir die Flächen der dreiseitigen Säule, so verhalten sich die beiden Endigungen des Krystalls verschieden gegen dieselben. Die normalen Endigungen (die oft durch hinzutretende Flächen complicirt werden) sind dreiflächige Zuspitzungen, deren Flächen an dem einen Krystallende auf den Flächen, an dem andern auf den Kanten der dreiseitigen Säule aufgesetzt erscheinen. Rose bezeichnet das erste Ende mit A, das zweite mit B, und hat gefunden, dass bei abnehmender Temperatur das Ende A negativ, das Ende B positiv elektrisch wird, und bei zunehmender Temperatur die entgegengesetzte Elektricität zeigt. Unter 25 untersuchten Varietäten des Turmalins wich nur eine (von Penig in Sachsen) von diesem Verhalten ab, das also als das normale zu betrachten ist. Fasslicher für das Gedächtniss sprechen wir die Regel so aus: An dem Ende des Turmalins, wo eine Fläche der dreiseitigen Zuspitzung einer Fläche der dreiseitigen Säule folgt, entspricht auch das algebraische Zeichen des. Temperaturzuwachses dem Zeichen der dadurch erregten Elektricität. (An dem andern Ende des Krystalls, wo Kanten der Zuspitzung und Flächen der Säule einander folgen, discordiren auch die Zeichen des Temperaturzuwachses und der Elektricität.)

Was die Stärke der durch Temperaturwechsel erregten Elektricität betrifft, so fand Rose die heller gefärbten durchsichtigen Exemplare stärker elektrisch als die schwarzen. Von dem bestimmteren Hervortreten der Hemiëdrie und der dadurch bedingten grössern Verschiedenheit beider Enden schien die Stärke der elektrischen Erregung nicht abzuhangen.

Zusammenhang der Krystallform und Elektricität des Boracits und Rhodicits. Köhler hat schon früher ?) den Bezug der Krystallform zu der durch Erwärmung erregten Elektricität an einigen Exemplaren des Turmalins, Kieselzinkerzes und Boracits bestimmt. Das letztgenannte Fossil kommt gewöhnlich in Würfeln mit abgestumpften Kanten vor. Die Hemiëdrie erscheint an den Würfelecken, die abwechselnd abgestumpft oder doch abwechselnd rauh und glatt abgestumpft sind. Der Krystall hat 4 elektrische Axen, die bei Temperaturwechsel gleichzeitig hervortreten und den Diagonalen entsprechen, deren jede eine vollkommene (oder doch nur rauh abgestumpfte) Ecke mit einer abgestumpften verbindet. Es gilt die Regel, dass an den intacten Würfelecken das Zeichen des Temperaturzuwachses auch das Zeichen der dadurch erregten Elektricität ist.

Ein ganz ähnliches Verhalten hat Gustav Rose?) neuerdings am Rhodicit nachgewiesen, einem seltenen, mit dem rothen Turmaline vorkommenden Fossil. Es krystallisirt in Dodekaëdern (Würfeln mit abgestumpften Kanten), deren Würfelecken abwechselnd abgestumpft sind. Die 4 elektrischen Axen gehen, wie bei dem Boracit durch diametrale Würfelecken; bei den unveränderten Ecken entspricht, wie dort, das Zeichen des Temperaturzuwachses dem Zeichen der erregten Elektricität.

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VII. Elektricitätserregung durch animalischen Prozess.

Der Pater Santi Linari hat am 3ten April 1837 der Pariser Akademie eine Notiz mitgetheilt, nach welcher der Zitterroche an einem Strohhalmelektrometer eine Divergenz hervorbringt. *) Der Fisch wurde durch einen Draht mit der Collectorplatte eines Condensators verbunden, und die Verbindung in dem Augenblicke unterbrochen, in dem man den Fisch reizte. Nach Abhebung der Condensatorplatte divergirten die Strohhalme des Elektrometers um mehrere Grade, und zwar mit positiver Elektricität, wenn der Draht mit dem Rücken, mit negativer, wenn er mit dem Bauch des Fisches in Berührung gestanden hatte. Linari hat ferner durch den Zitterrochen Funken, die er früher nur durch Anwendung einer Spirale von 1700 Fuss Draht erhalten hatte“), auch mit einem sehr kurzen Drahte hervor

Pogg. Ann. Bd. 17.

p.

146.
2) Ibid. Bd. 39. p. 321.
3) l'Institut. No. 208. Pogg. Ann. Bd. 40.
*) Pogg. Ann. B. 38. p. 291.

p.

642.

gebracht. Er liess zu diesem Zwecke von Bauch und Rücken des Fisches einen Draht in eine U förmige Glasröhre, in welcher etwas Quecksilber stand, hinabgehen. Während der Fisch gereizt wurde, brachte er durch Schütteln der Röhre Unterbrechungen zwischen Draht und Quecksilber hervor, in welchen kleine Funken übersprangen.

Colladon hat in einer am 24. Oct. 1836 in der Pariser Akademie gelesenen Abhandlung ?) ausdrücklich angegeben, mit einem sorgfältig gearbeiteten Condensator und Goldblattelektrometer am Zitterrochen keine Spur von Elektricität erhalten zu haben. Die folgenden sehr interessanten Resultate, die sich ihm am Multiplicator ergaben, gehören daher nicht in die Elektricitätslehre; wir führen sie an als neuern Beitrag zu den bereits Repert. I. S. 248 mitgetheilten Erfahrungen über den Zitterrochen.

Man denke sich durch den platt aufliegenden Fisch eine horizontale und eine verticale Ebene gelegt, so dass an demselben eine Bauchund eine Rückenseite zu unterscheiden ist, von denen jede durch eine Mittellinie in Hälften getheilt wird. Colladon fand nun folgendes: Jeder Punkt des Rückens ist positiv (verhält sich gegen die Magnetnadel, wie Kupfer in der Kette: Kupfer, Flüssigkeit, Zink), wenn man ihn durch den Multiplicatordraht mit einem beliebigen Punkte der Bauchseite verbindet. Die Ablenkung der Magnetnadel ist desto geringer, je entfernter die berührten Punkte von den elektrischen Organen liegen; am Schwanze des Fisches ist sie beinahe Null. Setzt man die Enden des Multiplicatordrahtes nur auf eine Seite des Fisches auf, so erhält man dennoch Ablenkungen, wenn die berührten Punkte unsymmetrisch gegen die Mittellinie liegen. Auf der Rückenseite ist der der Mittellinie näher liegende Pankt positiv, auf der Bauchseite negativ, gegen den entfernter liegenden. Werden auf Bauch- oder Rückenseite zwei gegen die Mittellinie symmetrisch liegende Punkte mit den Drahtenden berührt, so erfolgt keine Ablenkung der Magnetnadel.

Ein in die Physiologie gehöriger Aufsatz Matteucci's über den Zitterrochen siehe Poggendorffs Annalen, Bd. 39. S. 485.

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VIII. Elektricitätserregung durch atmosphärischen Prozess.

Tägliche Periode der atmosphärischen Elektricität. Arago hat in einer längern Beobachtungsreihe das von Saussure

') l'Institut. No. 181.

Poga, Ann. B. 39. S. 411.

entdeckte, von Schübler und Andern bestätigte Gesetz, dass die bei heiterm Wetter stets positive Luftelektricität in 24 Stunden zwei Maxima und zwei Minima habe, von welchen die ersten einige Stunden nach Aufgang und Untergang der Sonne eintreten, aufs neue bestätigt. Gesetze eines so veränderlichen Phänomens, wie die Luftelektricität ist, können nur in dem gezogenen Mittel vieler Beobachtungen ersichtlich sein; den wenigen von Becquerel ) mitgetheilten Beobachtungen Arago's lässt sich daher kaum mehr entnehmen, als dass die Elektricität der Luft in den Morgenstunden am stärksen ist und mit grossen Differenzen steigt und fällt. Wie die daselbst in Hunderttheilen angegebenen elektrischen Intensitäten aus den beobachteten Divergenzen des Strohhalmelektrometers abgeleitet sind, findet sich nicht angeführt.

Elektricität der Luft in verschiedenen Höhen. Saussure hat bekanntlich gefunden, dass die Elektricität der Luft bei heiterm Wetter mit der Höhe zunimmt; er bediente sich zu seinen Versuchen einer Bleikugel, welche mit einem Elektrometer durch eine biegsame, 50–60 Fuss lange Drahtschnur zusammenhing und mit der Hand in die Luft geschleudert wurde. 2) Becquerel hat diese Untersuchungsweise vervollkommnet, indem er eine längere Schnur an einen Pfeil band und diesen mit einem Bogen abschoss. Mit Breschet vereint, machte er auf dem grossen St. Bernhard bei vollkommen heiterem Wetter folgende Versuche. 3) Ein Stück Wachstaft von 57 O' Oberfläche wurde auf die Erde gelegt und ein 246' langer lioner Goldlahnfaden darauf ausgebreitet. Das eine Ende des Fa-, dens war an der eisernen Spitze eines Pfeiles befestigt, das andere lose um den Zuleitungsdraht eines Strohhalmelektrometers geschlungen, von dem es bei dem leisesten Zuge abglitt. Als der Pfeil unter einem grossen Winkel gegen den Horizont abgeschossen wurde, gingen die Strohhalme mit zunehmender Divergenz aus einander, bis sie zuletzt gegen die Seitenbelegungen des Elektrometers schlugen. Als der Pfeil 34 über dem Boden in horizontaler Richtung abgeschossen wurde, zeigte sich keine Spur von Elektricität. Schwach gehärtete Stahlnadeln wurden, in eine Drahtspirale gelegt, von deren einem Ende der Faden ausging, durch die vom fliegenden Pfeile aufgefangene Elektricität magnetisch.

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?) Traité de l'él. IV. p. 93.

) Voyage dans les Alpes. II. 3) Traité de l'él. IV. p. 110.

p. 197.

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Dieser letzte sehr interessante Versuch verdient eine Wiederholung; die Bestätigung desselben würde indess die oben (pg. 49.) gemachte Bemerkung über Magnetisirung durch Elektricität nicht umstossen.

Sturgeon ) hat eine grosse Menge (angeblich 400) Versuche mit dem elektrischen Drachen angestellt, ohne indess unsere Erfahrungen über die Elektricität der Luft zu erweitern. Er fand, dass im ruhigen Zustande die Luft nur positiv elektrisch ist, und zwar in höhern Schichten stärker als in niedern. In 20 Versuchen liess er gleichzeitig 3 Drachen, und zwar zu verschiedenen Höhen, steigen. Der schiefe Ausdruck, dass der am höchsten stehende Drache positiv gegen die andern beiden Drachen, der mittlere negativ gegen jenen und positiv gegen den am tiefsten stehenden, letzterer endlich negativ gegen die beiden höhern Drachen und positiv gegen die Erde gewesen sei, soll wol nur sagen,

dass die Drachen desto stärkere Elektricität lieferten, je höher sie standen. Auch das letzte im Detail beschriebene Aufsteigen eines Drachen bei einem Gewitter (14. Juni 1834) hat nichts Neues geliefert.

Elektrisches Leuchten nahe an der Erde. Matteucci?) will in warmen Sommernachten nahe an der Erde ein elektrisches Leuchten, ja sogar elektrische Stösse wahrgenommen haben. Er erklärt diese Erscheinung dadurch, dass der Boden durch Verdunstung des mit Salzen, Säuren, Alcalien geschwängerten Wassers elektrisirt und zugleich so trocken geworden sei, dass er die Elektricität eine Zeit lang behalte, die sich dann durch periodische Entladungen weiter verbreite. Um diese Meinung zu unterstützen, brachte der Verfasser eine isolirte Metallplatte von 280' Oberfläche mit einem Goldblattelektrometer in Verbindung, und setzte sie, mit Erde bedeckt, die mit Seewasser befeuchtet war, den Sonnenstrahlen aus. Ein Thermometer stand dabei auf 26-30° R. Die Verdampfung hatte kaum begonnen, so zeigte das Elektrometer Divergenz mit negativer Elektricität, welche fortwährend stieg, bis die Erde durchaus trocken war. Jeder Windstoss hatte ein Steigen des Elektrometers zur Folge; der Versuch gelang gleichfalls, als die Erde auf der Platte mit Seifensiederlauge befeuchtet war. Rasen, so viel als möglich von Erde entblösst, auf die Platte gelegt und mit Wasser begossen, lad das Elektrometer mit positiver Elektricität. Der Verf. gesteht, dass diese Versuche einer Wiederholung bedürfen, worin wir ihm vollkommen beistimmen. 1) Lond. and Edinb. phil. mag. V. p.

418. *) Biblioth. univers. vol. 56.

p.

328

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