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St. Elms - Feuer. Mohr hat einen interessanten Fall des St. Elms-Feuers mitgetheilt. *) Dr. G. ritt in einer dunkeln Winternacht bei abwechselndem Schnee, Regen und Hagelschauer von Jülich nach Düren. Zu mehreren Malen sah er Ohren, Kopf und Hals sei- , nes Pferdes in hellem bläalichem Lichte stehen, das von, einzelnen Funken auf den Spitzen der Haare herzurühren schien. Das Licht hielt einmal 8 Minuten lang an.

Ein ähnliches Phänomen, ebenfalls bei Schnee und Regenfall beobachtet, findet sich in Gilberts Annalen, B. 70. S. 119. beschrieben.

Blitz ohne Donner. Blitze im Zenith ohne bemerkbaren Donner sind vor langer Zeit von Humboldt und neuerdings von Reichenbach ?) beobachtet worden. Letzterer bemerkte im Juni 1831 zu Blansko in Mähren über sich dunkle Haufenwolken, die, ohne zu regnen, starke, das ganze Thal erhellende, Blitze ausschickten, die von keinem Donner begleitet waren. Die Blitze zeigten keinen Zickzack, sondern bestanden in einem Leuchtendwerden der untern Wolkenschichten; sie entstanden und endigten durchaus über dem Horizonte des Beobachters.

Fortführung wägbarer Materien durch den Blitz. Fusinieri hat dem Blitze nicht nur Fortführung von Substanzen, die er auf seinem Wege trifft, sondern auch Fortführung von Substanzen zugeschrieben, die sich in den Wolken finden sollen.°) Diese aus der Luft herabgebrachten Körper sind hauptsächlich Schwefel und Eisen. Für eine gewagte Hypothese dürfen wir, wenn nicht unbestreitbare, doch plausible Gründe erwarten. Ich gestehe, diese in dem ausführlichen Auszuge, den ich von Fusinieri's Arbeit kenne *), nicht gefunden, ja sogar Beweise für die Fortführung irdischer Substanzen durch den Blitz vergebens gesucht zu haben. Es wird in vielen Beispielen gezeigt, dass der Blitz an Mauerwerk und Bäumen gelbe oder braune Spuren zurücklasse, an welchen ein Geruch nach Schwefelwasserstoffgas oder ein acider Geruch bemerkt werde, und dass in einigen Fällen die getroffene Stein- oder Holzmasse, mit Salzsäure gekocht, einen Niederschlag durch blausaures Kali gegeben habe. Der unter andern angeführte Versuch, dass eine Magnetnadel an der vom Blitze verletzten Wurzel einer Pappel grosse Mengen von Eisen ange

2) Pogg. Ann. Bd. 34. pag. 370.
*) Baumgart. u. Ettinghaus. Journ. Bd. 10. S. 74.

). Ann. delle scienze del regno Lomb - Veneto juli 1831.
4) Biblioth. univ. tome 48. p. 371. tome 49. p. 1.

zeigt, und dass die verbrannte Wurzelmasse an der Magnetnadel wie Eisenfeilicht gehaftet habe, beruht wol auf einem Irrthum. Spuren von Eisen in verbranntem Holze sind nicht auffallend, da nach Berthier in der Asche jeder Pflanze Eisenoxyd (in der von Tannenholz bis 11 Procent) gefunden wird. So erscheint denn die Abhandlung nur als eine Aufforderung an geübte Chemiker, wenn sich ihnen die Gelegenheit bietet, die Blitzspuren einer gründlichen Untersuchung zu unterwerfen.

Blitzschläge. Die Verheerungen, die der Blitz verursacht, sind von jeher häufig und sorgfältig aufgezeichnet worden, ohne dass der Elektricitätslehre ein erheblicher Vortheil aus diesen Beschreibungen geworden wäre. Die nachfolgenden Fälle sind daher mehr zufällig gefunden, als absichtlich aufgesucht worden. Hinterberger') führt zwei Fälle an, in welchen das Einschlagen des Blitzes in ein Haus bei den darin befindlichen Personen Nervenzufälle und temporäre Blindheit veranlasste. Alle diese Personen gaben an, bei dem Ereigniss Schwefelgeruch gespürt zu haben. Boddington) beschreibt einen merkwürdigen Blitzschlag, der auf eine Postkutsche fiel, ein Pferd vor derselben tödtete, 2 Personen auf dem Bedientensitze hinter derselben stark beschädigte, die in dem Wagen sitzenden aber unverletzt liess. Stahlgegenstände an dem Körper der Getroffenen waren magnetisch geworden. Auch hier ist ein Schwefelgeruch bemerkt worden. Naumann) hat den Gang sehr genau untersucht und beschrieben, den ein Blitz durch ein Haus hindurch genommen hat; es geht daraus hervor, dass der Blitz stets den metallischen Theilen folgt und von einem schwächern Leiter auf einen mit grösserer Oberfläche überspringt. Oswald“) beschreibt einen Blitzschlag, der auf das Zinkdach eines Hauses fiel "), sich dort in viele einzelne Strahlen theilte und an den Wänden und Fenstern nach der Erde ging. Diese Strahlen bezeichneten ihren Weg an den Fensterrahmen und dem Mauer

.

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') Baumgartner. Zeitschr. III. S. 177 u. 212.
1) Lond. and Edinb. phil. magaz.

I.
p.

191.
3) Poggend. Ann. Bd. 35. S. 519.
) Ibid. Bd. 38.

p.

543. “) Das Haus hatte, wie ausdrücklich angegeben wird, keinen Blitzableiter, und wie es scheint, keine Wasser - Abflussröhre. Eine Bemerkung über das Vorhandensein uud die Lage von Metalltheilen an der Aussenseite des getroffenen Hauses sollte in keiner Beschreibung eines Blitzschlages fehlen.

werk durch schwarzgraue Streifen. Oswald rieb diese an einigen Stellen mit Fliesspapier ab und unterwarf dasselbe einer chemischen Prüfung, ohne indess zu einem bemerkenswerthen Resultate zu kommen. Nach Fusinieri's Annahme hätten bedeutende Zinkmengen gefunden werden müssen; es ergab sich aber nur in dem von den Fensterbeschlägen (Messing?) gesammelten Niederschlage ein unbedeutender Zinkgehalt. Anmerk. zu V. p. 79. In dem so eben erschienenen 5ten Hefte von

Sturgeon Ann. of Electr. (July 1837.) p. 407 hat Clarke in Folge einer Anfrage die Ladung einer leydener Flasche durch seine magneto-elektrische Maschine beschrieben. Die Drähte des vor dem Magnete rotirenden Ankers waren so geordnet, dass nur gleichnamige Ströme übergeleitet wurden, wie diess zur Wasserzersetzung geschieht. Als die bei der Drehung momentan isolirte Stahlfeder mit dem Knopfe, die zweite Leitung mit der äussern Belegung der Flasche in Verbindung gesetzt und die Maschine mässig geschwind gedreht wurde, fand sich die Flasche geladen. Die Berührung mit dem Knopfe durfte indess nur eine möglichst kurze Zeit dauern. Die Flasche brachte ein Goldblattelektrometer sehr oft zum Divergiren, ehe sie ganz entladen war. (Beschr. der Maschine s. Pogg. Ann. B. 39. p. 404 mit Zuziehung der Fig. 6 auf der 2ten Kupfertafel des 40sten Bandes.)

D. Elektrische Instrumente und Apparate.

Elektrisirmaschine. Elektrisirmaschine im kleinsten Raume. Page') hat eine solche in Form einer gläsernen Spritze angegeben, wie sie Taf. 1. Fig. 2. abgebildet ist. Die äusserlich gefirnisste Glasröhre ist 6" lang e " weit, der reibende Metallstempel b ist mit amalgamirtem Leder umwunden und durch eine 11" lange Glasröhre mit dem einsaugenden Stern d verbunden. Von diesem Sterne geht eine lange feine Drahtkette nach dem undicht aufgeschraubten Conductor e, in welchem ihr Ende eingeklemmt ist. Herr Mechanikus Kleiner in Berlin hat sehr zweckmässig unter dem Sterne eine Glimmerscheibe angebracht, um das Verwickeln der Kette in den Spitzen zu verhindern. Der Erfinder giebt an, zuweilen nach wenigen Sterpelzügen von dem Conductor Funken von 1" Länge erhalten zu haben; ich habe an mei

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nem Exemplare dieselben höchstens in einer Länge von 2—3" hervorbringen können. Dennoch ist das Instrument bei vielen Versuchen im Kleinen anwendbar und besonders bequem, wenn man ein Elektrometer zu einer bestimmten Divergenz zú laden wünscht. Vorsichtiges Herausziehen des Stempels giebt immer den gewünschten Erfolg, der auf andere Weise nicht so leicht zu erhalten ist.

Reibzeug. Herr Mechanikus Oertling in Berlin befestigt die Reibzeuge der Van-Marumschen Elektrisirmaschine auf folgende sehr zweckmässige Weise. Eine starke gekrümmte Messingfeder ist in ihrer Mitte an einer Standkugel angeschraubt und an beiden freien Enden ungefähr 1" lang eingeschnitten. Aus der Rückenplatte jedes Reibkissens tritt eine männliche Schraube hervor, die in jenen Einschnitt eingeführt und an die Feder mittelst einer Kugel festgeklemmt wird. Damit das Reibkissen in seiner Lage bleibe, hat es an seinem Ende 2 Stifte, welche den durchgehenden Stab umfassen, mittelst dessen die Feder auf gewöhnliche Weise zusammengedrückt wird.

Reibkissen. Es kommt bei der Wirkung einer Elektrisirmaschine darauf an, dass die Elektriçität des Reibers eine möglichst gute Ableitung habe. Hare') füllte die Reibkissen statt mit Haaren mit Eisen-Drehspänen und verdreifachte dadurch die Länge der Funken, welche die Maschine gab. Zur Bekleidung der reibenden Fläche empfiehlt er das Musivgold (Schwefelzinn), das die Scheibe nur wenig beschmutze. Johnson?) nahm zu gleichem Zwecke geschabten Graphit, durch den er eben so starke Wirkung, wie mit dem gewöhnlichen Amalgam erhalten haben will.

Elektrophor. Hummel) findet, dass die recht dichten (gepressten), glatten Pechkuchen zu Elektrophoren am dienlichsten sein müssen. John Phillips *) giebt mehrere Mittel an, den Deckel des Elektrophors sich entladen zu lassen. Das einzige neue, wol aber nicht praktische Mittel besteht darin, Metallstifte auf der Form zu befestigen, die durch den Kuchen hindurchgehen.

') Sill. am. journ. t. 24. p.

256.
2) Ibid. t, 25. p. 68.
*) Baumgartn. Journ, f. Phys. B. 2, S. 213.
“) Lond. and Edinb. phil. mag.

II. p.

363.

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an,

Dreh w a g e. Snow Harris') hat an der Coulombschen Torsionswage eine grosse Menge von Aenderungen angebracht, oder eigentlich derselben ein neues Instrument, das er Zwei- Fäden-Wage (bifile balance) nennt, nachgebildet. Er benutzt nämlich zur Messung der elektrischen Abstossung nicht die Torsion eines Metallfadens, sondern die Kraft, mit welcher zwei verticale Seidenfäden, welche die Nadel tragen, nach einer Drehung in ihre parallele Lage zurückstreben. Die Fäden sind an Hülsen, die sich auf der Nadel verschieben lassen, befestigt, und werden bis zu ihrer obern Befestigung durch mehrere Korkstege aus einander gehalten.

Wir wollen diese, keinen Vortheil gewährende Einrichtung bei Seite lassen und die Abänderungen kürzlich angeben, die, unabhängig von derselben, die gewöhnliche Torsionswage betreffen. Wir nehmen

dass dem Leser die einfache Construction dieses Instruments, wie sie in allen Lehrbüchern angegeben ist, erinnerlich sei. Harris nimmt den schwebenden Balken aus Glas 10“ lang und befestigt an dem einen Ende eine kleine Goldplatte, 0,"4 im Durchmesser 0,"05 dick, an dem andern aber eine Glasscheibe, die auf beiden Seiten mit Goldpapierscheiben von 0,"4 Durchmesser belegt war. Unter dem Balken, mit ihm durch einen verticalen Draht fest verbunden, befindet sich ein Szölliger Index, der auf der Eintheilung der Bodenplatte spielt; derselbe hat unterwärts in der Mitte eine kleine Pfanne, die auf einer festen, in den Boden eingeschraubten, Spitze ruht. Durch Veränderung der Höhe dieser Spitze kann die Bewegung des Balkens freier oder beschränkter erhalten werden. Durch die Bodenplatte gehen ausserdem noch vier verschieden gebogene Drähte, von welchen zwei beim Erhöhen den Balken tragen, die andern beiden zur Beschränkung seiner Schwingungen gebraucht werden. Die feste Scheibe der Torsionswage ist durch einen verticalen Glasstab an einem getheilten drehbaren Kreise von 1' Durchinesser befestigt, der sich auf der Deckplatte des Glaskastens befindet. Die Scheibe erhält von aussen durch eine in der Glaswand angebrachten Oeffnung die zu untersuchende Elektricität, und kann durch Drehung des Kreises ohne Anwendung der Torsion des Drahtes von der Scheibe des Balkens entfernt werden. Von dem Rahmen der Deckplatte geht ein fester Ansatz aus, der einen getheilten drehbaren Kreis von 6^ Durch

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» Philos. transact. f. 1836. pag. 417.

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