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sichtigem Gebrauche heftiges Erbrechen, Abführen, Unterleibsentzündungen und nicht selten den Tod der unglücklichen Mutter herbeiführen. Es ist daher die Anwendung solcher Mittel schon aus diesem Grunde verwerflich, ganz abgesehen davon, daß Religion und Sittlichkeit uns verbieten, ein beseeltes und lebensfähiges menschliches Wesen zu tödten. Mit Recht haben daher auch alle Gesezgeber harte Strafen auf einen solchen Frevel gesezt.

N. N.

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* Abraham. Mit A., dem ersten der drei jüdischen Erzväter (A., Isaak und Jakob), trat die Geschichte der Offenbarung und des Heiles, das Gott den gefallenen Menschen schon im Paradiese versprochen hatte, in ein neues Stadium der Entwickelung ein. Bisher waren die Wirkungen der Verheißungen eines Erlösers meist mur vereinzelte und der Kampf mit der Macht der Sünde und des Todes noch ein ungleicher geblieben; mit A. dagegen nahm die Heilsordnung den Charakter der Continuität und Beharrlichkeit an, was nothwendig war, um die falsche Natürlichkeit, die sich aus der Sünde entwickelt hatte, zu überwinden und eine neue Naturordnung zu gründen. Zu diesem Zwecke wird A. von Gott zuerst dem Zusammenhange seiner natürlichen Umgebung enthoben, indem ihm befohlen wird, Heimath und Vaterhaus zu verlassen und dann wird ihm eine neue Heimath zugewiesen, die. bestimmt ist, das Land der Verheißung und die Wohnstätte des auserwählten neuen Geschlechts zu werden, das von A. abstammen wird. Der göttlichen Forderung, auszuziehen, entspricht von Seiten A.s der Gehorsam; der Verheißung einer neuen Heimath und eines neuen Volkes, die beide nicht auf dem natürlichen Wege, sondern als pure Geschenke göttlicher Gnade ihm zu Theil werden sollen, entspricht von seiner Seite der Glaube. Glaube und Gehorsam bilden die beiden Grundtugenden A.s und durch diese allein hat er sich befähigt und konnte sich befähigen, der Stammvater eines neuen Geschlechtes und Träger des im Paradiese verheißenen Segens zu werden. Alle jene ausserordentlichen Führungen und Offenbarungen, deren Gott den Abraham würdigte, waren zugleich etweder Prüfungen, oder Belohn ungen dieser beiden Tugenden. Um seinen Gehorsam zu prüfen, wird ihm eine Entsagung und Verläugnung zugemuthet nach der andern; um seinen Glauben zu prüfen und Gehorsam und Verheißung zu belohnen, reihet sich eine Ver heißung an die andere. Häufig sind die Forderungen und Selbstverläugnung mi einander verbunden. Die, gleich bei seiner Berufung ertheilte Verheißung, daß e zu einem großen Volke gemacht, daß er gesegnet und sein Name groß gemacht te werden solle, wird im weitern Verlaufe seines Lebens in immer bestimmteren Worter 2 und mit neuen Zusäßen wiederholt. Bei seiner Berufung lautete die Verheißung "Durch dich sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde." Daß hier nicht an einen blos leiblichen Segen gedacht werden kann, versteht sich von selbs Cric und es mußte sich diese Erkenntniß auch den Patriarchen schon auföringen. In Neuen Testament wird daher auch diese Weissagung öfter als eine messianische be zeichnet, die in Jesus Christus erfüllt worden sei. -Dieser Segen, det die Wel zu beglücken bestimmt war, sollte aber dem Erzyater als ein pures Gnadengeschen erscheinen und deßhalb erhielt er den Sohn der Verheißung erst zu einer Zeit seines Lebens, wo menschlicher Weise keine Nachkommenschaft mehr, weder von ihm, nod von seiner Frau erwartet werden konnte und als stete, lebendige Erinnerung, dat nur in Folge göttlicher Wirkung und Gnade die Erwartung dieses höhern Segen auf seiner Nachkommenschaft ruhe, wurde die Beschneidung eingesezt, als Zeichen des Bundes und der Auserwählung (vgl. den Art. Beschneidung). Auch di Verwandelung seines Namens „Abram“ (d. i. Starker) in „Abraham“ (b. i. Vate einer Völkermenge) steht in Verbindung mit dem ihm ertheilten Berufe, Stamm vater eines auserwählten Volkes und insbesondere Desjenigen zu seyn, der nad der paradiesischen Verheißung der Schlange den Kopf zertreten würde. Palästina wohnte A. bei Sichem, dann vorzüglich bei Mamre (Hebron) und weite südlich in Beersaba, baute an den Orten seiner Niederlassung Altäre zur Verherr lichung des Allerhöchsten, besuchte Aegypten und Gerar und starb bei Hebron in 175. Jahre seines Lebens. - Der Geist A.s sollte auch der Geist der Famili

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und der Geist des, aus dieser Familie hervorwachsenden, Volkes seyn und so ging denn auch nicht nur sein Erbe, das Erbe jener höhern Verheißung, sondern es gingen auch die subjektiven Bedingungen, des Segens dieser Verheißung theilhaftig zu werden, auf seine unmittelbaren Nachkommen, Isaak und Jakob (1. db.) über. Nach Aschbach.

Abukara, Beiname des Theodorus, Bischofs von Karra in Mesopotamien, der in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts lebte und gewöhnlich mit seinem Beinamen genannt wird, ist der Verfasser mehrer theologischer Werke in griechischer u. arabischer Sprache, die, meist in polemischer oder dialogischer Form, gegen die Keßer, Juden und Muhamedaner gerichtet und für die Apologetik und Tegmengeschichte des 8. Jahrhunderts nicht ohne Bedeutung sind. Mehre davon find noch ungedruckt; einen Theil derselben gab Gretser, Ingolstadt 1806, heraus; auch stehen sie in Band 11 der Bibliotheca Patrum, Paris 1644; der Tractat de unione et incarnatione, erschienen zu Paris 1685.

Abulpharadsch, Gregorius, mit dem Beinamen Ben Arun und Barbebräus, 1226 zu Malatia in Armenien geboren, erhielt eine ausgezeichnete Erziehung und Bildung, war der syrischen, arabischen und griechischen Sprache kundig, scharfsinnig, beredt und ebenso erfahren in der Arzneiwissenschaft und Astronomic, als in den theologischen Wissenschaften. Nachdem er einige Zeit als EinRedler gelebt hatte, um sich desto ungestörter den Studien hingeben zu können, wurde er schon im 20. Jahre zum jakobitischen Bischofe von Guba geweiht und 1264 zum Maphrian (d. i. zum ersten Würdeträger nach dem jakobitischen Patriarchen) erhoben. Er starb im 60. Lebensjahre und soll lange vorher aus astrologischen Berechnungen mit großer Bestimmtheit sein Sterbejahr vorausgesagt haben. Falsch ist die Nachricht muhamedanischer Schriftsteller, daß er vor seinem Ende zum Islam bergetreten sei. Er schrieb, ausser vielen anderen Werken, die meist noch unge. brudt sind, eine Weltchronik bis auf seine Zeit in svrischer Sprache, welches Werk für die Kirchengeschichte des Morgenlandes von Bedeutung ist. Freilich finden fich viele seiner Nachrichten auch in anderen Schriften und die ihm eigenen entbalten manche Unrichtigkeit; dessen ungeachtet gehört er zu den wichtigsten morgenändischen Geschichtschreibern. Bis jest ist das Werk noch nicht vollständig herausgegeben; von den drei Abtheilungen desselben haben Bruns u. Kirsch die erste herausgegeben in 2 Bänden: Barhebraei chronicon Syriacum, syriace et latine, Leipz. 1789, 4. Früher schon war davon ein Auszug in arabischer Sprache mit lateinischer Uebersehung erschienen: Historia orientalis sive historia dynastiarum ed. Pococke, Orford 1663, 4. Eine deutsche Uebersehung von G. L. Bauer erschien Leipzig 1783-85 in 2 Bon. Aus dem zweiten und dritten Theile der Weltchronit, welche für die Kirchengeschichte der Jakobiten und Nestorianer höchst wichtig ist, hat Affemani viele Auszüge geliefert (Bibl. Oriental. H.). Seine wichtigen Commentarien über die Bibel, seine Schriften über Dogmatik, Ethik, Liturgik, Kirchenrecht, wie auch seine philosophischen Werke, welche im Vatikan u. in Pariser Bibliotheken noch handschriftlich sich finden, verdienten in einer Gefammtausgabe gedruckt zu werden.

Acciajoli oder Acciajuoli, Donato, aus einer berühmten italienischen Familie, deren Stammvater, Gugliarello, 1160 aus Brescia nach Florenz überRebelte und von seinem Handel, den er mit Stahlwaaren trieb, den Beinamen A. erhielt, wurde 1428 geboren und war berühmt als Gelehrter, besonders als einer der größten Hellenisten seiner Zeit; dabei bekleidete er mehre Staatsämter zu allgemeiner Zufriedenheit u. starb auf einer politischen Mission 1478 zu Mailand. Seine Hauptwerke sind: Expositio super libros Ethicorum Aristotelis, Florenz 1478, Fol. und In Aristotelis libros VIII. politicorum commentarii, Venedig 1566, 8. nicht unwichtig ist sein Leben Karls des Großen: „De vita Caroli M. Commentarius," bei Menden (Script. rer. germ. I. p. 813).

Acharaka, war nach Strabo ein Dorf bei Nysa, in der Nähe des Mäander. Hier befand sich ein berühmtes Plutonium mit dem, Pluto und Proserpinen ge

weihten, Haine und Tempel. Uebrigens befand sich ein Krankenorakel in der Charonshöhle hier, welches den Kranken und Priestern, die darin schliefen, die Heilmittel im Traume eingab; Gesunde aber durften bei Leibesleben nicht wagen, in die Höhle zu treten. Weit berühmt war das Höhlenopfer, das alle Jahre stattfand und wobei gesalbte und nackende Jünglinge einen Stier von der Arena hinweg zur Höhle führten. Man spornte den Ochsen zum Eintritte in dieselbe, ber aber, nur einige Minuten vorwärts gegangen, sich alsbald für todt und erstickt hinstreckte.

Achery, Johann Lucas d', geboren 1609 zu St. Quentin in der Picardië, widmete sich dem geistlichen Stande und trat in die Benediktiner Abtei St. Ger main-des-Prés von der Congregation des heiligen Maurus, wo er Vorstand der Bibliothek war und den 29. April 1685 ftarb. Sein ganzes Leben war, nebst Uebungen der Frömmigkeit, dem Studium der kirchlichen Literatur und Alterthumsfunde gewidmet. Er hat viel geschrieben; namentlich sind seine Werke für die Kirchengeschichte höchst schäzbar. Sein Hauptwerk: „Veterum aliquot Scriptorum, qui in Galliae Bibliothecis, maxime Benedictorum, latuerant, Specilegium", Paris 1653-77, 13 Bde., 4.; eine zweite Ausgabe, vón de la Barre besorgt, erschien 1724, 3 Bde., Fol. Von den Actis Sanctor. Benedict., Paris 1688-1701, 9 Bbe., Fol. bearbeitete er den Anfang bis zum Jahre 1110. Die Opera Lanfranci mit einigen anderen Kirchenschriftstellern gab er Paris 1648 Fol. und die Opera Guiberti Novigenti, Paris 1651 Fol. heraus.

Achterfeld, Johann Heinrich, geb. 1788 zu Wesel, ward 1813 Priester, lebte hierauf als Kaplan an verschiedenen Orten, wurde 1818 Professor der Theologie am Lyceum zu Braunsberg, 1826 Professor der praktischen Theologie in Bonn und 1827 zugleich Inspektor des dasigen Convikts, in welchen Stellen er bis zum Frühjahre 1843 verblieb. Seine, sowie Brauns (f. d.) Suspension vom Lehramt, weil sie den Lehren des Hermes (f. d.) anhingen, erfolgte unter dem Coadjutor Johann von Geissel (f. d.) 1843, nachdem die Versuche, sie zur Unterwerfung unter das päpstliche Breve zu vermögen, gescheitert waren. Die, von beiden durch den Advokaten Stupp fortgesette, ärgerliche Polemik gegen die kirchliche Auctoritat zog ihnen bald darauf auch die Suspension von allen priesterlichen Verrichtungen (mit Ausnahme der Privatmesse) zu. Sie leben beide, im Besize ihres vollen Ge haltes, zu Bonn. A. hat weder als Lehrer, noch als Schriftsteller besondern Ruf; er ist übrigens wegen seines musterhaften priesterlichen Wandels geachtet und seine Verwickelung in die Hermesianische Sache wird vielfach bemitleidet. Er schrieb: „Lehrbuch der chriftkatholischen Glaubens- und Sittenlehre 2c.", Braunsberg 1825; "Katechismus der christkatholischen Lehre", ebd. 1826, 2. Aufl., Bonn 1831, bes sorgte die Herausgabe der Dogmatik des Professor Hermes nach dessen Tode, gibt noch mit Braun die „Zeitschrift für, Philosophie und katholische Theologie" heraus, Köln und Koblenz 1832-1838, Bonn 1840 f.

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Ackermann, Peter Fourerius, Professor der orientalischen Literatur und des alten Testaments an der Universität Wien und regulirter Chorherr des Stiftes Kloster-Neuburg, geboren den 17. November 1771 zu Wien von wohlhabenden Bürgersleuten. Nach vollendeten philosophischen Studien trat er, 19 Jahre alt, in den Orden der Chorherren nach der Regel des hl. Auguftin, legte im Stifte zu Kloster Neuburg am 10. Oktober 1790 bas Ordenskleid an, vollendete bis 1795 seine theologischen Studien und erhielt am 30. Auguft d. J. die Priesterweihe. In Anerkennung seiner ausgezeichneten Kenntnisse und Lehrfähigkeiten wurde er vom Probste des Stiftes zum Professor der orientalischen Sprachen, der Archäologie und Einleitung in die Bücher des alten Bundes an der Hauslehr-Anstalt ernannt; übernahm bald darauf die Lehrstelle der neutestamentlichen Eregese und der Hers meneutik, so daß er neun volle Jahre seinen jüngeren Ordensbrüdern die hl. Schrift erklärte. Seine umfassende Bücherkenntniß veranlaßte 1800 seine Wahl zum Stiftsbibliothekar. Die angenehme Beschäftigung, welche diese Stelle seinem regen Wissenstriebe verschaffte, vergaß er nie in seinem Leben und auch bei seinem spätern

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Aufenbalte in Wien blieb die Bibliothek von Kloster-Neuburg Gegenstand_seiner höchsten Theilnahme. Was dag In- und Ausland ihm von bedeutenden Werken, owohl aus der ältern als neuern Literatur, darbot, suchte er sich mit großen eigenen Aufopferungen zu verschaffen, um es theils der Stiftsbibliothek zum Geschenk zu maden, theils seine eigene ausgewählte Privatbibliothek zu bereichern; so schenkte das Prachtwerf:,,Description de l'Egypte"; Ehrenbergs herrliche Abbildungen mis dem Thierreiche Asiens u. Afrika's“; Ugolini,,,Thes. antiq. Sacr."; 34 Foliointe; die kostbaren archäologischen Schriften von Zoega, mehre ältere und neuere Serke über Aegypten u. s. w., so daß sein ganzes nicht unbeträchtliches Einfoman oft für Bücher verwendet wurde. Nachdem er 1802 als Eraminator des attestamentlichen Bibelstudiums an der Wiener Hochschule bestellt wurde, erhielt 1816 den Ruf, die erledigte Lehrkanzel des Alten Testaments an der Universität Bien aushülssweise zu versehen. Seine ausgezeichnete Lehrfähigkeit wurde indes fen nach ein paar Monaten dadurch belohnt und anerkannt, daß ihm im April 1807 das Anstellungsdekret als wirklicher Professor eingehändigt wurde. 25 Jahre bekleidete er diesen Posten und versah auch mehre Jahre lange das mühsame Gedan eines Stiftshofmeisters in Wien zum Besten seines Klosters. Ein Nervenblag enbete plößlich sein Leben im 60. Jahre, am 9. September. 1831. Seine Sandschriftlich hinterlassenen Arbeiten, welche eine vollständige Eregese des alten Testaments enthalten, sollen von bedeutendem Umfange seyn u. von seinem raftlosen ise thatsächliches Zeugniß ablegen. Im Druck find von ihm erschienen:,,Introductio in libros Vet. Testam.", Wien 1825;,,Archaeologia biblica", Wien 1826; Prophetae minores perpet. annotat. illustrat", Wien 1830. — Vgl. V. Seback, 2. Adermann, eine biographische Skizze, Wien 1832.

Cm.

Acquisti, Luigi, ein namhafter Bildhauer der neuern Zeit, 1744 zu Torli , arbeitete in seiner Jugend zu Bologna, wo viele seiner Basreliefs in Kiten zerstreut find. Die prächtige Treppe des Palastes Braschi weist von ihm ausgezeichnete Basreliefs auf, die nämlich Stoffe aus Homer und der Römergeichte behandeln. Die Sibyllen in der Kuppel der Kirche della vita gehören zu einen Achtung verdienenden größeren Werken. Endlich vertauschte er Bologna mit Rom, wo er einige Venusdarstellungen, unter stetem Nachbilden der medizeischen Benas, mit einiger Veränderung der Arme und des Oberleibes, lieferte. Es war 1805, als A. die Lebensgroße marmorne Gruppe (wie Venus den rasenden Mars besänftigt), für den Besizer der Villa Sommariva am Commersee schuf. Diese Gruppe, ein Werk unendlichen Fleißes, gilt für ein Meisterwerk, an dem man freilich icht viel apriorisches Genie entdecken will. A. ging 1806 nach Mailand, wo er inige Statuen und Basreliefs, zum Theil zur Schmückung des Simplonsbogens, beitete. Er starb 1824 zu Bologna, wo er seit 1806 besonders in Grabdenklen Tüchtiges leistete.

Adalbert, Erzbischof von Mainz, ein Sprößling des gräflichen Hauses Saarbrüd, war früher Kanzler Kaiser Heinrichs V., dem er im Jahre 1111 Rom vorausging, um mit Papst Paschalis II. über die Bedingungen der ninung zu unterhandeln. Der Papst bestand auf Zurückgabe der Investitur und

abgeordneten erklärten sich bereit, wenn er die Regalien oder weltlichen Herrteten zurúdgeben und sich mit Zehnten oder Opfern, oder mit bloßen Privat1m begnügen wolle. Dies versprach Paschal und der Vertrag wurde wirklich lofen. Nach Heinrichs Ankunft in Rom wurde dieser Vertrag vom Papste Kirche selbst vorgelesen, erregte aber unter den Bischöfen und Fürsten einen Aufstand, daß Heinrich V. ihn für aufgehoben erklärte, weil ihn der Papst trullen könne; er verlangte die Krönung ohne Vertrag und ließ den Papft, zögerte, sammt den Cardinälen verhaften. Ein blutiger Aufstand war die ge, bis nach zwei Monaten der Kaiser das Recht der Investitur wieder einte. Was Heinrich V. auf diese Weise durch A. errungen, brachte er gleich feiner Rudkehr in Ausübung, indem er ihn zur Belohnung zum Erzbischof Rainz emannte. Kaum aber hatte A. von dieser höchsten geistlichen Würde

Realencyclopädie. X1. ob.

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in Deutschland Besitz genommen, als er sich vom Kaiser abwandte und die Rechte
der Kirche, demselben gegenüber, auf das Entschiedenste vertheidigte. Nach mehr
facher Aufforderung, vor dem Kaiser zu erscheinen, kam er zwar nach Worms, er-
flärte aber offen, Nichts herausgeben zu wollen und eilte zurück nach Mainz.
Auf einer Reise fiel er später in die Hände der Kaiserlichen und wurde, da er
feiner frühern Weigerung bestand, zu Trifels in harter Haft gehalten (1112).
Inzwischen war der Kaiser mit dem Bann belegt worden, beschloß einen Zug nach
Italien und berief die deutschen Fürsten nach Mainz, um sie zu begütigen.
rend seines Aufenthaltes daselbst entstand ein Aufstand; der Kaiser mußte A. frei-
geben gegen das Versprechen, sich binnen Jahresfrist zu rechtfertigen, oder sich wieder
als Gefangener zu stellen (1115 im November). Kaum frei, berief A. eine Kir
chenversammlung nach Köln, um den Bann gegen den Kaiser öffentlich bekannt zu
machen (im Dezember). Da auch späterhin der Erzbischof nicht aufhörte, gegen
den Kaiser offen und heimlich zu unterhandeln, versuchte letterer Gewalt (1121),
machte ein Aufgebot, um Mainz zu belagern, doch A. entfloh nach Sachsen, sam
melte hier ein Heer und trat dem Kaiser entgegen. Zwar wurde für den Augen-
blick der Streit beigelegt; er entzündete sich aber im folgenden Jahre wieder aufe
Neue wegen der streitigen Wahl des Bischofs von Würzburg und der Kaiser machte
wiederum Anstalt zu einer Belagerung; doch auch diesmal kam es nicht dazu, der
Wormser Vertrag endigte die kirchlichen Wirren (1122). Auf einem Zuge zum
Kaiser, der einen Aufstand in Meissen unterdrücken wollte (1123), suchte A. die
alten Zehntansprüche in Thüringen geltend zu machen, wurde indessen durch die
drohende Stellung der Thüringer, welche rasch gegen Erfurt zogen, daran verhindert.
Nach Heinrichs frühem Tode (23. Mai 1125) trug A. seinen Haß gegen den
Kaiser auf dessen Familie über. Herzog Friedrich von Schwaben, ausgezeichnet
durch Tapferkeit und Einsicht, war der ältere Erbe des fränkischen Kaiserhauses
und hielt sich der Krone für sicher; A. aber dachte an Lothar von Sachsen. Auf
seinen Vorschlag bildete sich ein Wahlausschuß von zehn Fürsten, welche Herzog
Friedrich, Markgraf Leopold von Desterreich und Herzog Lothar als die Würdigsten
nannten; mit Lift erreichte A. seinen Zweck und Lothar wurde gewählt (1125 den
30. August), was sich Friedrich am Ende gefallen lassen mußte, da A. auch bereits
die Reichsfleinodien der verwittweten Kaiserin Mathilde zu entlocken gewußt hatte.
Mit diesem leßten Ereignisse endigte sich indeß auch A.8 Einfluß; nur selten wird
er noch genannt und starb 1137.93 700 N

Adam, Pierre, geboren zu Paris 1799, ein berühmter Kupferstecher, aue
Peter Guerin's und Dortman's Schule hervorgegangen, lieferte unter anderen di
Schlacht von Wagram nach Langlois, das große Bildniß Lord Byron's, das e
nach Fräulein Ribault äßte, einen von Indianern verpflegten Las Cases nach Her
sent, einen von Merkur eingelullten Argus nach Steuben und den bekannten Ueber
gang über die Beresina, welcher leßtere Stich (nach Langlois) fich kräftig charakter
istisch und voll schöner Einzelnheiten, wenn auch minder harmonisch in seinen Thei
len, herausstellt. Von ihm ist auch die Reihe historischer Bildnisse (gegen achtzig)
gestochen, für die der große Gerard die meisterhaft geistreiche Nadel Pierre's wählte
Göthe fagt von Pierre A., es sei ein solches Sentiment in deffen Instrumente um
seiner Abwechselung, daß der Charakter des zu behandelnden Gegenstands nirgend
vermißt werde, es sei nun in den zarten Punkten und Strichlein, womit er bi
Gesichter behandle, durch die gelinden wodurch er die lichten wie die Lofaltinter
andeute bis zu den starken und stärkeren, wodurch er Schatten und mehr obe
minder dunkele Lokalfarben auszudrücken wiffe, wie er denn auch auf eine gleichsan
zauberische Weise die verschiedenen Stoffe durch glückliche Behandlung andeute.
Pierre erhielt die Profeffur der Stechkunst an der Pariser Taubftummenanstalt.

Adams, John, der Patriarch der Pitcairninsel, ein, durch seine mer
würdigen Schicksale zu historischer Berühmtheit gelangter, englischer Matrofe.
Im Oftober 1788 fain bas englische Schiff Bounty unter dem ftrengen Capitán
Bligh nach Otaheiti, um Brodfruchtbäume nach Westindien abzuholen. Weil bie

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