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schaften gepriesen sah. War aber gleichwohl das Studium der alten Literatur ein Gegenstand der Beachtung des Hofes geworden, und gehörte es zum Tone, auf irgend eine Weise sein lebhaftes Interesse am Gedeihen desselben auszusprechen, so blieb doch dieser löbliche Eifer für eine so gute Sache, wenn auch vom Fürsten und seiner Umgebung angeregt und unterstützt, fast gänzlich und mit geringen Ausnahmen wirkungslos außerhalb der Hofsphäre, ja, er stieß auf verschiedene Gegner in den Reihen des niederen Clerus von England, welcher, den neuen Bestrebungen abhold, alle jene für Reber erklärte, die, von der alten Studirmethode abweichend, vorzüglich für das Erlernen der griechischen Sprache stimmten. Von dort her hatte sich bald dieser Geist des Widerspruches gegen das Hellenische der Mehrzahl der Studenten zu Drford mitgetheilt, welche sich, um ihren Griechen-Haß recht deutlich an den Tag zu legen, Trojaner, ihren Vors stand, Priamus nannten, verschiedene dieser Verbindung Angehörige legten sich die Namen Hector, Paris uud anderer alten Trojer bei 14). Alle jene nun, die sich des Griechischen beflissen, wurden von diesen neuen Trojanern ausgelacht, verspottet und selbst ernstlich verfolgt. Ans fänglich betrachtete man diese Vorfälle als aus jugendli: chem Muthwillen entstanden. Doch, als More im Ges folge des Königs nach Abingdon gekommen war, ers fuhr er nicht nur die Fortdauer des thörichten Trojanerwesens, sondern auch, daß der Haß der jungen Leute ges gen alles Hellenische durch die Predigten eines Geistlichen wider die griechische Literatur und alle schönen Wissenschaften überhaupt aufs Höchste entflammt worden sey. Er und Pace hielten sich nun verpflichtet, den König pon diesen Ereignissen in Kenntniß zu feßen, der unges

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säumt befahl, daß die Studenten der griechischen literatur sich zu befleißen hätten.

Dieser fönigliche Befehl scheint von einem Sendschreiben des Sir Thomas an die Akademie von Drford bes gleitet gewesen zu seyn, in welchem More das Unschicks liche der Trojaner-Verbindung – deren Grundlage Fauls

heit und Ignoranz rey — fodann den Mißbrauch des Predigeramtes durch solche Menschen, die alles Wissen als unnüß in ihren Vorträgen schilderrt, flar und deuts lid auseinander setzte, wiederholt auf die großen Vortheile, die Unentbehrlichkeit der griechischen Sprache in fast allen Zweigen des Wissens aufmerksam machte, und schließlich die gelehrten Väter der Universität bat, bei Zeis ten und nachdrucksamst alle Factionen gegen die Gelehrsamkeit zu unterdrücken, damit das Schlechte nicht die Oberhand über das Gute erhalte. Der Erzbischof von Canterbury Wolle um keinen Preis den Verfal der hellenischen Studien, welcher sicher Statt finden würde, wenn man den Trägen gestatte, ungestraft die schönen Künste zu verlachen. Auch werde nie unser christlicher Fürst felbst ein Muster der Erudition - die Vernachlässigung derselben auf jener Hochschule dulden. Durch die Maßregeln des Königs und das Zusammenwirken der Unterrichteten wurde dem Unfuge zu Orford auf immer gesteuert; Sir Thomas aber hatte auch hier wieder seinen Eifer und seine Thätigkeit für die geliebten Wissenschaften an den Tag gelegt.

Des Erasmus Feinde aus dem niederen Clerus waren unermüdet, ihn beim Könige zu verderben. Am liebsten wählten sie die Ranzel, als den Ort, von welchem aus sie mit Sicherheit ihre Pfeile auf ihn abdrükfen konnten. Ja, ein Theologe, der vor dem Rö:

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nig Heinric VIII. selbst zu predigen hatte, wagte es, gegen die griechische Literatur und die neue Bibelübers reßung des Erasmus zu Felde zu ziehen und ordentlich zu wüthen. Pace blickte auf den König, der ihm sanft zulächelte. Nach geendigtem Vortrage ward der Gottesgelehrte vor den König beschieden, und Sir Thomas beauftragt, gegen denselben die griechische Literatur zu vertheidigen. Heinrich VIII. wollte diesem Streite beis wohnen. Mit großer Beredsamkeit entwickelte More die Vortheile des griechischen Sprachstudiums und erwartete des Theologen Antwort. Statt eine solche zu geben, fiel dieser auf seine Knie nieder und bat um Verzeihung, denn unwilführlich sey er während des Predigens von einem gewissen Geiste angetrieben worden, gegen die griechische Sprache loszuziehen. « Dies war, entgegnete der König, sicher nicht der Geist Christi, sondern der Geist der Thorheit. Er fragte ihn ferner, ob er Etwas von des Erasmus Werken gelesen? Aber aus allen Antworten des Bestürzten ging sonnenklar nur dessen tiefe Unwissenheit hervor, so daß ihn der König mit dem Zus saße entließ, nie wieder bei Hofe zu predigen 15).

Im Streite des Erasmus mit dem Engländer Edward lee über die Bibelüberseßung des Ersteren benahm sich Sir Thomas, durch Leşteren zur Einmischung aufgefordert, so unpartheiisch, daß er hierüber alles lob verdient, wenn gleich sein aufgebrachter Freund ihm uns gerechter Weise den Vorwurf der Partheilichkeit machte. Beide waren More's Freunde, deshalb war er bemüht, den Zwist beizulegen. Die Veranlassung zum Streite gab Pee's Empfindlichkeit 16). Weil nämlich Erasmus dessen übersandten Bemerkungen zum neuen Testamente wenig Aufmerksamkeit schenkte, und bei einer zweiten Ausgabe

manche Stellen im Sinne der Bemerkungen des Britten geändert erschienen, ohne auch nur mit einem Worte Lee's zu gedenken; fand sich dieser beleidigt, und argwohnte, Erasmus habe heimlich seine Bemerkungen bes nußt, und gebe sie nun für seine Arbeit aus.

More machte in einem Sdireiben seinen Landsmann auf des Erasmus Ruf und Ueberlegenheit aufmerksam, und zeigte ihm das Unhaltbare seiner Bemerkungen, die selbst ein baie ohne Mühe widerlegen könnte.

Nimmt man alles zusammen, was Du bei mir und Andern über Erasmus zu sagen hast, so beschränkt es sich darauf, das Erasmus deinen Bemerkungen keine Ehre erwiesen. Dadurch aber ist noch lange nicht ein feindlicher Angriff auf ein allgemein als verdienstvoll anerkanns tes Wert gerechtfertigt. Schließlich giebt er lee den wohlmeinenden Rath, des Erasmus Freundschaft wies der zu suchen, der wohl dazu bereitwillig seyn werde, ja, er glaubte ihm dies schon im Voraus zusagen zu können. Wirklich versuchte More nach Kräften, diese Versöhnung herbeizuführen, und ermahnte in einem Briefe an Erasmus diesen zur Sanftmuth und zum Frieden. Doch Erasmus hielt sich zu tief beleidigt, um sogleich die Hand zu bieten, und behauptete, lee weit besser zu fennen, als More selbst, welchem er, so wie Andern in seiner Erbitterung Partheilichkeit vorwarf. An dieser Halss starrigkeit seines Freundes scheiterten des Sir Thomas Bemühungen zur Herstellung des guten Vernehmens; denn Erasmus blieb unerbittlich.

Heinrich VIII. verstand es, alle Fähigkeiten seiner Diener zu erspähen, und zur rechten Zeit und am gehörigen Orte anzuwenden. Er bemerkte an Sir Thomas ein Talent von der größten Seltenheit, nämlich dieses Mannes schnelle Sammlung und Besonnenheit felbst bei außerordentlichen, imponirenden Vorfällen, und wie behend und treffend er in wohlgesetter Rede da zu antworten verstand, wo Andere vor Ehrfurcht und Uebers raschung kaum im Zusammenhange zu reden sich getrauten. Der König hatte eine so hohe Meinung von dessen Gelehrsamkeit und Klugheit, daß er bei seinen häufigen Reisen nach Orford und Cambridge, woselbst er mit zierlichen und gelehrten Anreden in lateinischer Sprache empfangen wurde, More'n den Auftrag ertheilte, diese Res den jedesmal gleich auf der Stelle zu beantworten. Er that solches zur vollen Zufriedenheit seines Herrn, so oft er sich auf diesen Reisen in dessen Gefolge befand 17).

Auf ähnliche Weise benußte Heinrich VIII. das Rednertalent seines Dieners, wenn es galt, gekrönte Häupter in feierlicher Anrede zu begrüßen, wie dies bei der berühmten Zusammenkunft mit Franz I. von Frankreich der Fall war 18). Und als Kaiser Carl V. zum zweitenmale den englischen Boden betrat, um seinen Dheim, den König von England, in den feindlichen Gesinnungen gegen Franz I. zu bestärken, und in ein Bündniß wider Frankreid) zu ziehen, ward das Dberhaupt der Teutschen auf das Glänzendste in Englands Hauptstadt empfangen. Beide Monarchen hielten am sechsten Junius 1522 ihren Einzug daselbst. Por ihnen her wurden bloße Sdwerter getragen. Sie selbst trugen Gewänder von Goldgewirktem Zeuge mit Silber besetzt, hinter ihnen des Rös nigs Edelknaben in Purpurfarbigen Sammt - Kleidern. Vereint mit ihnen zogen in gleicher Zahl des Kaisers Edelknaben, angethan mit Carmoisinfarbigem Sammt. Zur Seite gingen zwei Wachen, die eine in Silber, die andere in Gold gekleidet. Hierauf folgten die Hauptleute

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