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Unwillen über eine solche Niederträchtigkeit, ließ sich More also vernehmen.

« Wäre ich der Mann, Mylords, der einen Eid nicht achtet, so hätte ich nicht nöthig, zu dieser Stunde und an diesem Orte als Angeschuldigter zu stehen; und wenn dieser Eid, Mr. Rich, den Ihr eben geleistet, wahr ist; so bitte ich Gott, daß er mich nie sein Antlig erblicken lassen möge; welches ich nicht sagen würde, wenn es sich anders verhielte, und könnte ich auch damit die ganze Welt gewinnen.

»

Alsdann erzählte er dem Gerichtshofe die ganze Unterredung mit Rich der Wahrheit gemäß, und wandte sich hierauf an diesen: «In der That, Mr. Rich, mich kümmert mehr Euer Meineid, als meine eigne Gefahr: Ihr sollt wissen, daß weder ich, noch sonst Jemand, Euch meines Wissens für einen Mann von solcher Glaubwürdigkeit gehalten, daß ich oder auch ein anderer behutsamer Mann Euch Mittheilungen in so wichtigen Angelegenheiten machen würde. Ihr wißt, daß ich seit geraumer Zeit von Eurer Jugend an bis auf diese Stunde mit Eurer Aufführung und Lebensart bekannt bin, denn wir wohnten lange in einem und demselben Kirchspiel; da Ihr denn Euch selbst bekennen müßt, daß Ihr stets für einen Mann von leichtfertiger Zunge, für einen großen Spieler, und von eben nicht lobenswerthem Rufe, sowohl daselbst, als auch in Eurer Wohnung im Temple gehalten worden seyd!»

«Können es deshalb Eure Herrlichkeiten wohl wahrscheinlich finden, daß ich in einer so wichtigen Sache unbedachtsamer Weise so weit gegangen seyn sollte, dem Mr. Rich mich anzuvertrauen, einem Manne, von dessen Wahrheitsliebe und Ehre ich einen so geringen Begriff

hege, wie Eure Herrlichkeiten eben gehört? Ich sollte blos diesem Rich allein das Geheimniß meines Gewissens im Betreff des Supremates eröffnet haben, welches ich doch weder Seiner Majestät selbst, noch den königlichen Räthen jemals anzeigen wollte und konnte? — Ich überlasse es daher, Mylords, Eurem Urtheile, ob dies den Glauben von irgend Einem aus Euch verdiene!» «Und wenn ich wirklich gethan, wie Mr. Rich beschworen da doch meine Aeußerung im vertrauten geheimen Gespräche gemacht ward, und ich nichts bekräftigte, sondern nur einen Fall ohne das Statut ver legende Umstände seßte so kann dies rechtlich nicht für Bosheit genommen werden. Wo aber keine Bosheit ist, ist auch keine Beleidigung. Ueberdies, Mylords, kann ich mir nicht vorstellen, es sey die Absicht so vieler ehrwürdiger Bischöfe, so vieler trefflichen, tugendhaften und hochgelehrten Männer, welche dies Gesetz abzufassen im Parlamente versammelt gewesen, irgend wen mit dem Lode zu bestrafen, an welchem sie keine Bosheit erfinden können, indem sie Bosheit für Abneigung nehmen. Denn wenu Bosheit in allgemeiner Bedeutung für jede Sünde genommen wird, so dürfte es Niemand geben, der sich davon frei sprechen kann. Dies Wort «Bosheit« ist nur bedeutend in diesem Statute, so wie das Wort "gewaltsam» nur in jenem vom gewaltsamen Einbruch. Denn wenn Jemand ruhig in ein Haus geht, und seinen Widersacher mit Gewalt vertreibt, so ist dies keine Uebertretung, wenn er aber gewaltsam eindringt, so soll er nach jenem Statute bestraft werden. »

Zu dem genügen alle von Seiner Majestät mir so lange Zeit über und in so überreichem Maße erwiesenen Wohlthaten und Gnadenbezeugungen, jene verläumderische

Anklage zu entkräften, welche dieser Mann auf eine so beleidigende Weise wider mich vorgebracht.»

So sah sich Rich entschieden widerlegt und seine Glaubwürdigkeit zu Grunde gerichtet. Auf seiner Ehre haftete ein Flecken, der nur mit der größten Schwierigkeit getilgt werden konnte. Das einzige Mittel dies zu erreichen, war: wo möglich glaubwürdige, unverdächtige Zeugen herbeizuschaffen, welche Moren das Widerspiel bewiesen. In dieser Absicht suchte er den Sir Richard Southwell und Mr. Palmer, welche mit ihm in dems selben Zimmer sich befanden, als Rich und Sir Chomas sich unterhielten, zu dem Schwure zu bewegen, daß jene Aeußerung wirklich gemacht worden sey. Worauf jedoch Palmer angab: Er sey so beschäftigt gewesen, des Sir Thomas Bücher in einen Sack zu packen, daß er nicht Zeit gehabt, auf ihr Gespräch zu merken. Dess gleichen schwur Sir Richard Southwell; «da ihm die Sorge für das Fortschaffen der Bücher obgelegen, so hätte er nicht auf die Unterredung der Beiden gehört. » ——

Noch andere Gründe führte Sir Thomas zu seiner Vertheidigung und Rich 6 Beweise zu entkräften an. Hierauf übergab der Richter die Anklage an die Jury. Die zwölf Geschwornen, von deren Spruch jezt sein Leben abhing, waren: Sir Thomas Palmer, Ritter, Sir Thomas Peirt, Ritter George Lovell Esq. Thomas Burbage Esq. Geoffry Chamber Gent. Edward Stockmore, Gent. Jasper Leake Gent. - Thomas Billington Gent. John Parnel Gent. George Stoakes Gent.

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William Browne Gent.

Richard Bellame Gent.

Als die Geschworenen sich zurückgezogen, kehrten sie nach Verlauf kaum einer viertel Stunde in den Gerichts

saal zurück. Schwerlich konnten sie in so kurzer Zeit die Anklage gelesen haben. Aber sie kannten des Königs Wile len, und sprachen ihr «Schuldig!» Sogleich begann der Kanzler, als Vorstand der Commission, zum Urtheil zu schreiten. Diese Eile bemerkend, sagte ihm Sir Tho mas: «Mylord! Als ich noch hier das Richteramt ausübte, war es Brauch, den Angeschuldigten zu befragen, ob er noch etwas vorzubringen habe, die Anwendung des Gesetzes aufzuhalten. » — Der Kanzler hielt auf dieses mit der Sentenz ein, und fragte Moren: Ob er noch etwas vorzutragen habe? Sogleich antwortete dieser folgendergestalt:

« Diese meine Anklage, Mylords, gründet sich auf eine Parlaments-Akte, welche den Geseßen Gottes und seiner heiligen Kirche geradezu widerstreitet. Die oberste Leitung der Kirche, oder eines Theiles derselben kann kein weltlicher Fürst durch irgend ein Gesetz an sich reißen; denn dies ist ein Recht des römischen Stuhles, welches von unserem Heiland selbst, als er noch auf dieser Erde weilte, nur dem heiligen Petrus und den Bischöfen von Rom, seinen Nachfolgern verliehen wurde. Deshalb ist es unter katholischen Christen nach den Gesetzen unzulänglich, irgend einem Christen die Verbindlichkeit obigem Statute zu gehorchen, aufzulegen. Meine Behauptung zu erweisen, führe ich an, daß dies Königreich, welches nur ein Glied und ein kleiner Theil der Kirche ist, kein Recht habe, ein besonderes Gesetz zu erlassen, das von dem allgemeinen Gebote der ganzen christkatholischen Kirche abweicht; so wenig, als die Altstadt von London, die im Bezug auf das ganze Königreich nur ein Glied desselben ist, ein Gesetz geben kann gegen einen Parlaments - Beschluß, welches für das ganze Königreich verbindlich wäre.

Obiges Gesetz ferner ist den bis jezt unwiderruflichen Rechten und Statuten des Reiches zuwider; wie dies flar aus der Magna Charta zu ersehen ist, woselbst es heißt: «« die englische Kirche sey frei und im vollen Genusse aller ihrer Rechte, und ungekränkt in ihren Freiheiten. » » 3)

"

Jenes Statut ist also gegen den heiligen Eid, den Seine Majestät selbst, sowie jeder christliche Fürst mit großer Feierlichkeit bei seiner Krönung abgelegt hat. Unrecht handelt England, dem römischen Stuhle den Gehors sam zu versagen, sowie ein Kind, das den Aeltern den Gehorsam auffündigt: denn wie der heilige Paul zu den Corinthern sagte: «Ich habe Euch wiedergeboren, meine Kinder in Christo,» so mag auch der würdige Papst St. Gregorius der Große uns Engländern zurufen: « Ihr seyd meine Kinder, denn ich habe Euch die ewige Seeligfeit gegeben.» Fürwahr ein trefflicheres Erbstück, als je ein leiblicher Vater seinen Kindern hinterläßt. Ein Sohn ist nur durch Zeugung seines Vaters Kind, wir aber sind durch die Wiedergeburt zu geistigen Kindern der Kirche und des Papstes geworden.»

Hier unterbrach ihn der Lord-Kanzler und sagte: «More sehe doch, daß alle Bischöfe, Universitäten und die gelehrtesten Männer des Reiches den ParlamentsBeschluß billigten; um so mehr verwundere man sich, daß er allein so hartnäckig auf seiner Meinung bestehe, und so heftig wider jenen Beschluß streite. »> « Wäre auch die Zahl der Bischöfe und Universitäten, entgegnete More, von so entschiedener Wichtigkeit, wie Eure Herrlichkeit zu glauben scheint, so sehe ich doch keinen Grund, warum dies mein Gewissen sollte ändern können: Denn ich zweifle nicht, es leben noch viele gelehrte und tugendhafte Män

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